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kgen, so ist anderseits ein guter Landstand für Viele und auf lange Zeit ein Gewinn, der nicht zu hoch geschlagen werden kann. Außer dem Beruf, in wel­chem er für den ihm anvertrauten Bezirk thätig sein soll, muß er aber auch die Interessen deS ganzen Lan-i des im Auge haben.

Es kann ihm doch nicht zugemuthet werden, daß | er z. B. in einer Verfügung, die' für ein oder mehrere Aemter als drückend sich erwiesen, dem Ansuchen des geringern Theils das Wort reden soll, wenn demselben ohnbcschadet der Mehrheit nicht genügt werden kann. I ^ --p . ...

Wie muß also ein guter Landstand beschaffen sein? denen des Landes nachzusetzen. Eln Mann, der nicht Als wesentliche Eigenschaften führen wir folgende an: zuweilen ein Opfer bringen kann, besonders wenn es

Er muß ein gerechter Mann sein, dessen Hand-1 sich um Großes handelt, verdient nicht mit hoher sen- lunaen von Kedem als unbescholten anerkannt werden. I dung beehrt zu werden, wenn er auch anders dazu 24 Er muß ein religiöser Mann sein. Ob Jude, befähigt erschiene, da er sowohl der Liebe unfähig sich Katholik Protestant, Neukatholik und wie die künf- erweiset, die zu den geringsten Pflichten eines jeden twen Sekten sich noch nennen mögen, das gilt gleich, Menschen gehört, als auch besonders des Vertrauens nur muß er durch Prüfung seines Glaubens zu der unwürdig ist, das so Großes in seine Hände gegeben; Ueber-euaung gekommen sein, daß derselbe ihn allein er wird es dann auch an Manchem in der treuen Er-

zu einem gottgefälligen Menschen machen könne, und nicht glauben, daß andere Religionspartheien dem Aber­glauben fröbnen. Nur sollte ein Mann , der alles Glaubens baar und gotteslos geworden, gar keine Hoffnung haben, Vertreter einer durchweg christlichen Bevölkerung zu werden, für deren Lehren und religiö­sen Bedürfnisse er kein empfängliches Organ besitzt. Auch wird ein solcher bei seinem Wirken von nicht so reinen Motipen geleitet und so hohen Ideen getragen werden, wie der religiöse Mann, sondern mehr oder weniger einigennützige Zwecke verfolgen, womit weder dem Einzelnen noch dem Lande überhaupt gedient

sein kann.

3) Er muß ein Freund seiner Mitbürger und be­sonders der Armen sein. Erst dann wird er mit Er­folg wirken können, wenn er die Liebe und das volle unbegrenzte Vertrauen seiner Mitbürger genießt. Nur dann wird ibin eine wahre und gründliche Kenntniß

und gründliche Kenntniß

aller Interessen, Bedürfnisse und Wünsche derselben möglich sein; die Wahl der Mittel, sie zu befriedigen und zu fördern, um so glücklicher, und ihre Anwendung um so erfolgreicher und nachhaltiger als beider Wollen und Wirken ein harmonisch und gegenseitig unterstützen­des ist. Wenn er seinen Mitbürgern ein Freund, so soll er den Armen ein Vater sein. Diese haben auf Beistand und thatkräftigen Zuspruch um so eher ge­rechten Anspruch als der hochfahrende Sinn und die Herzenshärtigkeit sie leider zu oft schnöde abweiset oder für schlecht haltend ihren Klagen keinen Glauben schenkt, weil man ihr Elend nicht kennt und sich auch nicht die Mühe nehmen will, es kennen zu lernen. Er soll also ein Herz haben, das fähig ist des Mitleids für die Noth seines Mitmenschen und stets bereitwillig ihr ab- zrchèn; den Klagen der Armutb soll er geneigtes L)hr leihen, besonders gründliche Kenntniß ihrer Lage sich verschaffen und durch nachhaltige Mittel sofort zu helfen bemüht sein.

4) Er soll von H aus aus ein thätiger Mann sein und ein Liebhaber der Arbeit; dabei dem System der Sparsamkeit huldigen, das gleich weit von Geiz und Verschwendung ist. Ein solcher Mann bringt Eigen­schaften mit die zu dem wichtigen Beruf eines Volks­vertreters erforderlich sind, da er Interessen wahren soll, welche die Basis jedes Staates bilden, als die sind: eine ernste und nüchterne Lebensanschauung, Feind aller Pracht, abhold der »«nöthigen Bedürfnisse und deren Befriedigung, aber zur Abhülfe der wahren bereitwillig, Umsicht und Geschick in Geschäften, basirt auf Sach- kenntniß und Erfahrung.

5) Er soll durch möglichst tüchtige und allseitige Bildung des Geistes, wie durch ein vielfältiges, durch Erfahrungen erweitertes und begründetes Wissen sich vortheilbaft auszeichnen. Das gute Herz mit seinem ganzen Anhang von wohlgemeinten Ansichten und from­men Wünschen ist längst in die Zeiten verwiesen, wo die Leute noch Zöpfe trugen. Wir leben in der Zeit

|beS Fortschritts und der Intelligenz und kann nur der Kampf mit ihren Waffen geführt werden. Nur ein Mann von Geist wird, weil er mit den Richtungen der Zeit, die ihrer Interessen und Bestrebungen in ge nauer Bekanntschaft sich hält und in ihrer Strömung fährt, die Interessen seines Landes kennen, etwaige p. Mängel aufdecken und ausgesprochene Wünsche zu el würdigen wissen'; seiner Ueberzeugung wird er Aner- 31 kennung verschaffen, da er sie mit den besten Gründen

zu vertheidigen im Stande ist.

6) Er muß stets bereit sein, sein eigenes Interesse

füllung seiner ihm obliegenden Pflichten fehlen lassen, da er der Tugenden sich nicht bewußt ist, deren Besitz stillschweigend an ihm vorausgesetzt wurde, als er auf so hohen Posten gesetzt.

7) Er muß Kenntnisse der vaterländische» Ge­schichte und der Landesgesetze haben, wenigstens derer,

welche die Verwaltung betreffen.

8) Er muß die gebührende Liebe und Verehrung für unsern Herzog besitzen. Das Eingangs von der Achtung der Gesetze und der Obrigkeit gesagte gilt hier um so mehr, als der Landstand schon nach seiner Bildungsstufe die Verkehrtheit und Gefährlichkeit ent­gegengesetzter Lehren und Tendenzen durchschauen- und verabscheuen soll; dann soll er nach seinem Beruf be­müht sein, daß die Anhänglichkeit an das Fürstenhaus in den Herzen des Volkes sich immer mehr befestigt, und tiefere Wurzeln schlage, wie er vor dem Fürsten als Ausdruck des Volkswillens gilt, dessen Organ er ist. Als minder wesentliche Eigenschaften eines Landstandes bezeichnen wir

9. Wärme redigkeit

So braucht,

Daâ Talent öffentlich zu reden und zwar mit für die Sache, die er vorträgt und ohne Ruhm­und Eitelkeit.

werthvoll diese Gabe ist, so oft wird sie miß- indem der Redner den bereits über die Sache

gemachten Erörterungen nicht aufmerksam folgt, und ent­weder die daraus sür dieselben sich ergebenen Vortheile nicht wahrnimmt, oder dem Gegentheil durch Vorberei­tung zu einem tiefen und inhaltlichen Vortrag nicht kräf­tig zu begegnen sucht, sondern nur an das Lob denkt, und daran sich ergötzt, daß er für seine wohlgeordnete und mit schönen Redensarten gezierte Rede einzuernten sich schmeichelt.

10. Tüchtige Kenntnisse der Gesetzgebung. So we­nig eine Kammer mit vielen Juristen taugt, so ist eS doch von großem Vortheile, wenn ihr tüchtige Männer zur Seite stehen, die der bestehenden Gesetzgebung kun­dig sind, den Kräften daö Gleichgewicht halten, welche die Regierung zur Vertretung ihrer Interessen zur Kam­mer sendent.

11) Er darf weder zu jung noch zu alt sein. Ein zu junger Mann besitzt nicht den einem so wichtigen Be­rufe angemessenen Ernst und Gesetztheit deS Charakters, wodurch das Alter, von allem andern abgesehen, Ach­tung und Ehrfurcht einflößt. Denn schwächt oder be­nimmt Mangel an Erfahrung seinen Argumenten oft die Beweiskraft, wie er anderseits durch hitziges und unbe­sonnenes Auftreten seiner Sache mehr schadet als nützt. Auch möchte er in der Geduld aus dem nachhaltigen Eifer, wodurch man so oft zum Ziele kommt dem Altèr nicht leicht die Waage halte».

Darmstadt, den 29. März. (Die Rüstun­gen der deutschen Republikaner in Frank­reich gegen Deutschland. 1 Die Sitzung vom 27. unserer zweiten Kammer, war äußerst bewegt.

Schon der auf der Tages - Ordnung stehende Antrag des Abgeordneten Z i ß, die Anerkennung der franzö­sischen Republik betreffend, von dem man anerkannte, daß er durch die neuliche Erklärung des Ministers er­ledigt sei, erregte durch eine beigefügte Bemerkung des zweiten Präsidenten Wern her viele Lebhaftigkeit. Er bemerkte nämlich, daß, so weit er entfernt sei, von unserer Seite Einwirkung in die Angelegenheiten Frank­reichs zu wünschen, er doch auch ebenso wünsche, daß es sich nicht in unsere Angelegenheiten mische. Als­dann erwähnte er der vielleicht mit Vergünstigung der ranzösischen Regierung von Deutschland in Frankreich gegen Deutschland betriebenen Rüstungen. Abg. v. Rabenau (Leg.-Secr.) erklärte Vergünstigung als gewiß. Bloß Lamartine sei dagegen. Letzten Don­nerstag seien in Paris 600 Marschrouten gegeben rach der Republik Deutschland; große Massen würden eigen. Nachdem sich noch mehrere Abgeordnete bei Berathung dieses Gegenstandes betheiligt, Reh Procla- mationen in Deutschland und Frankreich zum Zweck der Verständigung in Antrag gebracht, Zitz die Sache mehr als Arbeiter-Austreibung vorgestellt, Wernhet ich sehr tüchtig und deutsch-patriotisch geäußert und 'ehne die Wiederherstellung Polens als viele Schwie­rigkeiten beseitigend bezeichnet hatte, verließ man den Gegenstand. Bald darauf trat MinisterH. Gagern in den Saal. Er eröffnete der Kammer:Die Staats-Regierung hat ernstenGrund zu ürchten, daß der Friede Europa's gestört werden wird. Es ist für das Bestehen völker­rechtlicher Verhältnisse wohl ziemlich gleichgültig, ob eine Volks-Regierung der andern direct den Krieg er­klärt, oder innerhalb ihres Gebietes geschehen läßt, daß kriegerische Rüstungen zum Zweck, den Frieden eines Nachbarstaates zu stören und die dort bestehende Ordnung über den Haufen zu werfen, Statt finden, )iefe Rüstungen unterstützt und ihre Sympathieen da- ür erklärt. Eine solche Lage der Dinge droht nach den Mittheilungen, welche ich der verehrlichen Kammer vorzutragen die Ehre haben werde, zwischen Deutsch- and und Frankreich einzutreten. Die Rede des Herrn Ledru-Rollin, des einflußreichsten Mitglieds der pro­visorischen Regierung von Frankreich, ist in allen Blät­tern zu lesen. Unter diesen Umständen wird es der Regierung zur Pflicht, Stände und Volk auf die kom­menden Gefahren aufmerksam zu machen, die Maß­regeln zu ergreifen, die in unserer Macht liegen, um das Vaterland zu vertheidigen, und auf die Opfer vorzubereiten, welche die Vaterlandsliebe gerne bringen wird. Deutschland ist im Begriffe, sich neu zu gestal­ten; es will aber seine Entwickelung selbst fortsühren und wird einem räuberischen Wesen, wodurch eine neue Ordnung der Dinge aufgedrungen werden soll, zu widerstehen wissen. Die Regierung bittet um eine D ct^ trauensvotum bezüglich der Maßregeln, die zu treffen sind, und bezüglich der Kosten, die dadurch ent­stehen können. Die Regierung hat bewiesen, daß sie gern sich auf den Rath des Volkes stützt, Geheimnisse, wenn sie nicht durch die Natur der Sache geboten sind, nicht lieber und in dieser ihrer Haltung hofft sie Anspruch auf das Vertrauen der Stände und des Volkes zu haben." Mit dieser Ansprache verband dapn der Minister die Mittheilung von belegenden Acten- stücken (Bericht des Gesandten in Paris und dessen Beilagen). Die drei Ausschüsse zogen sich sogleich zu­rück, und bald darauf trug der zweite Präsident Wern- her, Namens derselben, auf Gewährung des Ver­trauens-Votums an. Damit verband er die Bitte um baldige Volksbewaffnung zur Abwehr. Brunk ver­band die weitere damit, daß unsere Regierung nicht allein sich stelle, sondern mit den andern sich in Ver­bindung setze. Gagern theilte dann Details mit, woraus hervor ging, daß dies geschehen. Am Schluß bewilligte die Kammer einstimmig das gewünschte Vertrauens-Votum.

Heidelberg, den 28. März. (Die Plane

schen Staaten sicher zu stellen, Friede und Ruhe um uns her zu verbreiten und die Veredlung des Menschen­geschlechts zu besördern. Wie können wir dieses aber, ohne Friede, Ruhe und Wohlstand in unserem Schooße zu beherbergen. Solche Glücksgüter sind nur Ausflüsse der Einheit, und die Einheit ist also vorerst die Grund­lage, welche uns möglich macht, unsere Bestimmung zu erreichen.

Solche Einheit ist aber nicht bedingt durch den Be­griff, den wir von einem Staate uns entwerfen, son­dern kann eben so wohl auf die Vereinigung Mehrerer beruhen, wenn dieselben geistig auf eine Art verbunden sind, daß sie eine der Einheit sich nähernde Eintracht oder einen Zustand begründen, der mit der Einheit gleiche Wirkung hervorbringt. Der deutsche Bund besteht nun zufolge der Bundesakte in einem Vereine unter sich un­abhängiger, gegen das Ausland zu einer Gesammtmacht verbundener Staaten, welcher die Erhaltung der äußern und innern Sicherheit Deutschlands, die Unverletzlichkelt der einzelnen Glieder, wie der Gesammtheit, zum Zwecke hat. Es stehen ihm also alle aus seinem Zwecke ent­springenden Rechte und Befugnisse zu, und bei der Größe unserer Nation von über 40 Millionen Men­schen, welche zugleich zu den civilisirtesten und zu den besten Kriegern des ErdtheilS gehören, ist es uns leicht, nicht nur den BundeSzweck, sondern auch die von der Vorsehung uns angewiesene höhere Bestimmung zu er­füllen, wenn wir nach den unermeßlichen Folgen der Teutoburger Schlacht und der Erfindung der Buchdru­ckerkunst bedenken, was Deutsche vermögen, wenn wir

nicht blind sind, an den Thaten der Dittmarsen gegen ihre dänischen Dränger, der LcSghier gegen Kulichan und in der neuesten Zeit der kaukasischen Helden gegen das kolossale Rußland zu gewahren, was fester Wille vermag, wenn wir die Thaten eines HoferS, Scharn- horst'S, Schill'S, Nettelbeck'S und so vieler anderer hoch­herziger Vaterlandsfreunde in der langen Nacht der Er­niedrigung würdigen, und endlich den Ausspruch des hochgefeierten Erzherzogs Johann von Oestreich:Kein Oestreich! Kein Preußen! Ein einiges freies Deutschland, stark wie seine Berge!" in seinem rechten Sinne fassen, welcher heißt: Eintracht und Bruderliebe.

Also diese Einheit, oder was gleiche Wirkung erzeugt eine der Einheit sich nähernde Eintracht, ist Der mächtige Hebel, welcher unS fähig macht, die von der Vorsehung erhaltene höhere Bestimmung zu erfüllen. Die Bedingnisse dieses großen Zweckes sind uns eigen durch den hohen Rgng, den wir in Wissenschaften und Künsten erstiegen haben, durch unsern Erfindungsgeist, unsern Sinn für Billigkeit und Recht und die darauf gegründete sorgfältige Erziehung, durch unsere Arbeit- samkeit, Häuslichkeit und Ordnungsliebe, unsere Aus­dauer in schwierigen und langwierigen Geschäften, end­lich durch die Größe unserer Bevölkerung und Tiefe des Charakters, durch den Umfang, die Lage und Beschaf­fenheit des Landes, welche eine natürliche Wechselwir­kung der verschiedenen Nationalkräste, der Gewerbe und des Handels, hiemit aber unsern materiellen Wohlstand gestalten und befördern. Leider aber hat seit den Tagen der hohenstaufischen Kaiser ein selbstverschuldetes politi-

scheâ Unglück uns jedes Gefühl für Nationalehre, jenen Gemeinsinn geraubt, ohne welche keine volle Kraftent" Wicklung möglich ist, wir sind von einer hohen Stufe herab allmählig immer tiefer und tiefer und bis zur schwächsten und unglücklichsten aller Nationen herabgesun­ken, da wir die mächtigste und glücklichste sein könnten, wir sind dem Auslande dienstbar und tributpflichtig ge­worden , und haben uns von Fesseln umstricken lassen, welche wir, von fremdem Uebermuthe befreit, jetzt ab­werfen müssen, wenn die so günstige Zeit unserer Wie­dererhebung zu einer würdigen Stufe nicht ungenutzt vorübergehen soll. Aber daö Gefühl unserer hohen Be­stimmung, das Gefühl, daß Eintracht und Noth thue, sie zu erreichen, ist im Volke bereits lebendig geworden; es hat von den nordischen Küsten bis zu den Alpen, vom Rhein bis zu den Karpathen, tiefe, sich mannigfaltig verschlingende Wurzeln geschlagen, und berechtigt zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft des Vaterlandes.

(Fortsetzung folgt.)

* In London sind Briefe angelangt, welche die noch bevorstehende Ankunft deü Fürsten Metternich in Eng- land melden, daö zum allgemeinen Sammelplätze der gestürzten festländischen Hoheiten auöerwählt worden zu sein scheint.

* Die preußischen Minister Savigny und Eich­horn sind, letzterer, wie zuverlässig heißt, nach Ruß­land entwichen.