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N- SO.

NMMc Zeitung

Freiheit, Wahrheit und Recht! Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, 2. April 18L8

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Deutschland.

Der Landtag für die künftigen Landtage.

*yoit der Aar, 31. März.

Die Errungenschaften in Folge der neuesten Ereig­nisse sind von Jedem, der für das Wohl des Vater­landes und seiner Mitbürger ein warmes Herz im Busen trägt, mit Freuden und hoher Begeisterung begrüßt worden. Und mit Recht; sie verkünden die Morgen­röthe einer besseren Zukunft, die großen Segen und die wohlthätigsten Folgen für uns und unsere Nach­kommen in ihrem Schooße beschlossen hält.

Aber mit diesen hohen Gütern, liebe Mitbür­ger, haben wir ebenso wichtige Pflichten über uns genommen; wir stehen an dem Beginn eines großen Werkes. Die verkündeten Reformen bilden nur die Umrisse und allgemeinere Grundlinien, auf denen das neue Staatsgebäude aufgebaut werden soll. Diese in alle Verhältnisse des öffentlichen und häuslichen Lebens so tief einschneidenden Bestimmungen, die durch die­selben vielfach veränderte Stellung des Volkes zu sei­nem Fürsten und die so plötzliche, auch die kühnsten Erwartungen weit hinter sich lassende Neugestaltung der Dinge: Alles das fordert ernstlich auf, über die Mittel nachzudenken, wie der reiche Inhalt gut zu verwenden sei. Und hier sollen die schönen Worte, die der hochherzige Fürst in jener feierlichen Stunde vor seinem versammelten Volke aussprach:Ich ver­traue auf Euch, wie Ihr auf Mich," sie sollen auf dem Wege der Ausgestaltung unseres freien, politischen und socialen Lebens Jedem voranleuchwn^ es ist als wenn èr gesagt: Das große Werk es sei Euch anheim gegeben, auf daß of­fenbar werde, welcher Geist in Euch ist und über welche Kräfte Ihr zu gebieten

habt.

Wenn nun schon aus der Beschaffenheit der Ursa­chen und Kräfte, die ein Ereigniß hervorrufen, ein Schluß auf dessen weitere Entwickelung und endlichen Ausgang nicht unstatthaft ist, also daß eine aus reinen und edlen Absichten gewirkte That auch in ihrem wei­teren Verlauf von guten Folgen begleitet und der Aus­gang dem entsprechend sein wird; so können wir uns der freudigen Hoffnung hingeben, daß das begonnene Werk mit herrlichem Erfolg gekrönt werden wird. Unter der alten Regierung habt ihr euch gut gehalten; im Bewußtsein eurer vorbehaltenen guten Rechte und mancher erlittenen Unbilden habt ihr den Groll dar­über in euren Herzen niedergehalten. Eingedenk der göttlichen Ordnung, die in den Reichen der Natur, wie in den Gliederungen des socialen Lebens als Maß und Schwerpunkt allen Dingen eingesenkt ist, habt ihr der Obrigkeit immerdar gehorsam euch bewiesen und, .......... , .

zugewartet; inzwischen und das war löblich, den fried-j wann und woher sie ihren Anfang genommen. D:e-

Schlachtlicd.

Frisch auf mein Volk! die Zeit ist kommen!

Die Zeit ist da, verzage nicht!

Wo, was im Funken still geglommen, Nun aus in helle Flammen bricht.

Die Schwerter vor! die Brust entgegen!- Der Freiheit gold'ner Morgen winkt; Den Drachen gilt es zu erlegen. Das Schwert hervor! der Wurf gelingt.

Nach Freiheit hat uns lang gedürstet;

Die Tyrannei, fie sinkt in Staub; Ob schlechtweg adlig, ob gefürstet, Jetzt giebt sie wieder ihren Raub.

Des Volles uraltheil'ge Rechte Erkämpfen wir in heißer Schlacht. - Nicht Herren giebt's und mcht mehr Knechte , Nur eines Volkes ein'ge Macht.

Ein freies Volk, ein freier Glaube, Ein freies Wort, kein knechtisch Band, Und, was uns Keiner wieder raube, Ein freies, deutsches Vaterland.

Die Freiheit wird in Blut geboren , Sie heischet frcud'gen Opfertod.

O selig! wer zu falln erkoren In ihrem Heilgen Morgenroth.

So laß, mein Volk! die Fahnen wehen. Das Schwert heraus zur ernsten Pflicht: Du sollst zum Kampf, zum Scegegehen, Ob d'rüber auch manch' Auge bricht.

lichen Weg des Bittens und des wechselseitigen Ver­ständnisses versuchend, mit den Beschwerden an die vorgesetzten Behörden euch gewandt, als die Organe, die nach dem Willen und im Namen des Herrschers mit seinem Volk verkehren, um durch sie dieselben an das väterliche Herz des Fürsten gelangen zu lassen. Endlich als ihr, nachdem alle Aussicht,' zum Ziele zu kommen, verschwunden, euch selbst Recht verschafftet, auch da habt ihr den gesetzlichen Weg eingeschlagen. Euer Sinn hat nicht nach Blut gestanden, auch nicht habt ihr den dunklen Weg, den das Böse zu seinen Plänen sich ausersehen, der Verschwörung betreten oder auf rauchenden Trümmern das neue Staatsgebäude aufzubauen, den Frevel begangen: sondern von euren Bergen herabsteigend, worauf immer die wahre Frei­heit geblüht, und mit den Brüdern gleichen Sinnes, die aus den Niederungen sich aufgemacht, euch ver­bindend, seid ihr schlicht und in dem Gefühl der guten Sache vor euren Fürsten hingetreten im Vertrauen, daß sein Gerechtigkeitssinn wohlbegründete Rechte nicht vorenthalten werde, und eure Hoffnung ist nicht zu Schanden worden.Ich vertraue auf Euch, wie Ihr auf Mich." Also ruhiges Fortschreiten

auf der betretenen Bahn, Achtung vor dem Gesetze und Ehrfurcht vor und Liebe zu dem angestammten Fürstenhause sind die Mittel, wodurch wir der Vor­theile der freien Institutionen in ihrer ganzen Fülle uns theilhaftig machen können. Wir folgen dann ein­fach den Gesetzen der Natur, welche jedem lebenden Organismus eine Basis unterlegt hat, worauf fußend lrr'ferne in ihm liegenden Kräfte auf die freieste Weise Hülfe des ar auswirken kann. Beides, Basis und Freiheit, gehört zusammen und machen erst seinen Bestand, ja seinen Begriff aus. Es gibt freilich Leute genug, die in dem Freiheitsschwindel so sehr sich übernommen haben, daß sie meinen, ohne Obrigkeit fertig werden zu können. Die eine Classe derselben hat es durch Theorieen zu beweisen gesucht, die sich auch recht wohl anwenden ließen, wenn nicht wichtige Factoren des Volkslebens

in ihnen vergessen wären.

Die Anderen, welche die Sache praktisch betreiben, braucht man nur kurze Zeit beobachtet zu haben, um sich zu überzeugen, daß es von ihnen dabei nicht ernst gemeint ist; sie haben es auf einen anarchischen Zu­stand abgesehen, wobei sie in ganz anderer Weise, als ihre Maske besagt, die Rechnung machen. Die wahre Freiheit in jedem Betracht, anerkannt nothwen­dige Grenzen, die, weit entfernt ihre Bewegung zu hemmen, sie vielmehr fördern, indem sie vor schädlichen Einflüssen bewahrt bleibt. Und der nothwendige und rechtliche Bestand der Obrigkeit ist in seinem tiefen Grund so wahr, als sie immer da gewesen, von ihr aber, wie von allem Großen nicht gesagt werden kann,

So ziemt's des Vaterlandes Söhnen, Die Gott der Herr zur Freiheit schuf. So laßt die Kriegsdromete tönen, Und d'rauf und d'ran mit Hurrahruf.

Block.

Deutschland und die Donaumündungen.

Ein Beitrag zur Beleuchtung der äußern Verhältnisse deS Vaterlandes und der europäischen Civilisation. Von einem Offizier. Siegen und Wiesbaden bet Wilh. Friedrich. 78 Seiten. Preis: 36 Kreuzer.

(Fortsetzung.)

In diesen traurigen Zuständen deS seelenlosen StaatS- körperS, welchen die französischen Räuber bis znm inner­sten Marke mißhandelten und plünderten, gewährten em- elne Vaterlandsfreunde die Uebere,nst,mmung der ersten Grundsätze -der Revolution:daß der Staat um deS Bürgers litten da feie" mit dem schon lange erkann en Zwecke desselben. An diesen Pfeiler gelehnt, erglühten deutsche H rzen und richteten sich auf zur Hoffnung, daß Go Hermanns Geschlecht doch nicht so ganz^verlassen werde, als die zum Kaiser emporgest.egene Geißel der Nationen an die Stelle deS weiland glorreichen Reiches der großen Heinriche die luftige Gestalt Rheinbund setzte. Es war die Zeit der tiefsteu Erniedrigung Deutsch- (andS aus den gewaltigen Ruinen aber wuchs der Geist, welcher, als durch die ruhmwürdige Erhebung der

ser Begriff der wahren Freiheit soll jeder recht zu verstehen, um so mehr beflissen sein, als er, wessen Standes und Berufes er auch sei, jetzt berufen ist an dem öffentlichen Leben Theil zu nehmen und zur Be­förderung des allgemeinen Wohls seinen Beitrag zu liefern. Unter den verkündeten neuen Bestimmungen ist nämlich eine höchst wichtige die, wonach die Wahl des Landstandes nicht mehr nach dem Güterbesitz er­folgen soll, sondern nach der Tüchtigkeit der Bildung, Einsicht und Gesinnung. Es soll, heißt es dann wei­ter, aber auch die Wahl desselben nicht mehr durch die auf Grund des Besitzens einiges Vermögens als allein urteilsfähig geachteten Bürger geschehen, sondern es soll jedem Bürger des Staates die Berechtigung zu­stehen.

Es dürfte deshalb nicht überflüssig sein, die Eigen­schaften festzustellen, die fortan von einem tüchtigen Volksvertreter gefordert werden sollen.

Sie werden aus dem Begriff eines solchen und aus der Einsicht in die ihm obliegenden Pflichten am besten sich ergeben. In beidem Betracht kann er füg­lich mit einem der vielen Glieder am menschlichen Körper, der den Staat repräsentirt, verglichen werden und übt wie jenes, eine doppelte Function aus. Jeder organische Körper z. B. der menschliche ein solcher ist auch der Staat besteht aus vielen Gliedern, wo­

von jedes ein selbstständiges Leben führt und zugleich aus vielen kleinen Gliedern besteht; jene haben saber alle einen solchen Znsaminenhang und finden unter einander sich so gefügt, daß das eine beständig der

^ -niaii WMWH» ttr Hiftnir 'Anffunv rttter bedingt den Bestand des Ganzen, dessen Träger und Schlußstein das Haupt ist. Auf ähnliche Weise kann der Fürst oder die Regierung alle Staatsgeschäfte nicht allein führen wie auch die Klagen des Einzelnen nicht anhören und allen Ucbelständen abhelfen, die dem Bestand und Gedeihen einzelner Theile oder des Gan­zen schädlich sind u. s. w. Hier soll der Landstand, und das macht seine erste Funktion aus, der Regierung mit Rath und That zur Seite stehen. Die andere besteht dann darin, daß er das geistige und materielle Wohl seines Vaterlandes und insbesondere seines Be­zirkes stets wahren und nach Kräften zu fördern sucht.

Er muß und wird auch die Klagen des Einzelnen anbören, den Grund derselben untersuchen, was höhern Orts oft nur mangelhaft oder gar nicht geschehen' kann, und wenn solche Klagen sich häufen, bei dem Landtage auf ein neues Gesetz antragen, das die Ursachen der

Klagen wegrâumt.

Der Landstand ist also ein Volksvertreter des Be­zirkes der ihn wählt, und ist, wenn er anders seiner Stellung gewachsen und würdig ist, ein Vater vieler Menschen, die man seine Kinder nennen könnte. Wie demnach einerseits jedem Landstand große Pflichten ob-

Spanier, durch Wintersrost und Hunger im eisigen Nor­den die Zuchtruthe deS Weltstürmers erlahmte, die ent­artete Revolution in den Pfuhl zurückscheuchte, aus dem sie gestiegen, die Nation aber zu dem Bunde vereinte, der einer steten Vervollkommnung fähig, bei Erkenntniß und gutem Willen der Fürsten und Völker ihre Wohl­fahrt und ihren Ruhm bis zur spätsten Nachwelt zu be­gründen und sie in den Stand setzen wird, die hohe Bestimmung zu erreichen, für welche sie die Vorsehung in die Mitte Europa'S und der civilisirten Welt ver­setzte?

Welches ist nun aber die hohe Bestimmung unserer Nation? Die Beantwortung dieser Frage ist leicht, wenn wir uns nur bemühen wollen, den Blick auf die Karte, die Gedanken auf die Geschichte zu heften. Wir sehen unsere Nation von der Spitze des adriatischen Meereö bis zur Ostsee, ja über diese hinaus bis zum Eismeere, und somit durch die Mitte von Europa'S ver­breitet, die durch die Vermischung unserer Nationalen mit den alten Kelten entstandene Völker von den slavi­schen Völkern gänzlich trennen; wir sehen bei ersteren und letzteren die Begierde nach Ausdehnung und Erwer­bung als Grundzüge des Charakters verbreitet, und ha­ben solches schmerzlich erfahren. Uebergriffe in die na­türlichen Rechte anderer Völker können aber unmöglich in dem Willen einer gerechten Vorsehung liegen, und so sind wir Deutsche, weil diese Eigenthümlichkeit uns mangelt, als Zwischenvolk dazu bestimmt, die nach Er­werbung und Ausdehnung trachtenden Völker auseinan­der zu halten, dadurch das Gleichgewicht der europâi-