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1 ) Nothwendigkeit einer einheitlichen Leitung des ge­stimmten Bundes unter Einem zu erwählenden Bundeö- Haupte, eines auö den Bundesgliedern oder deren Dele» girten bestehenden Oberhauses und eines demselben zur Seite stehenden Unterhauses von Abgeordneten der Na­tionen hervorgegangen aus den einzelnen Bundesstaaten. 2) Als Gegenstände der Kompetenz und Thätigkeit dieses Bundes-Gesammt-OrganeS hat man bezeichnet: das Bun- deSheerwefen und die deutsche Volks-Bewaffnung, Her­stellung eiueö ständischen Bundesgerichts, möglichste Ge­meinschaftlichkeit der Gesetzgebung, vor Allem über Hei- mathSwesen, Staatsbürgerrecht, Gerichtsverfahren, Straf- und Handelsrecht rc., so wie Herbeiführung eines ge­meinschaftlichen Systems für Zollwesen, Handel, Münze, Maß, Gewicht, Eisenbahnen rc. und endlich Fürsorge für gemeinschaftliche Vertretung des Bundes im Aus­lande.

Behufs der schleunigsten Erwägung über vorstehende Punkte wird beabsichtigt, der Bundeö-Versammlung un­verweilt siebzehn das Vertrauen der Nation genießende Männer beizuordnen. Die so verstärkte Bundes-Ver­sammlung würde demnächst jene Punkte zum Beschluß er­heben und letzterer alSdann unverzüglich in Ausführung gefetzt werden.

Jede der siebzehn Stimmen des engeren Rathes der Bundes-Versammlung wird einen der Männer des öffent­lichen Vertrauens dem Bundestage beizugesellen haben. Preußens Wahl ist auf Dahlmann gefallen.

(Vorkehrungen Preußens gegen den Eingriff der Dänen.) Nachdem die Nachricht hier angelangt war, baß sich in Kiel eine provisorische Negie­rung gebildet hat, um gegen einen erwarteten Angriff auf die Herzogthümer durch dänische Truppen Vorkehr zu treffen, hat die Königl. Regierung sich bewogen gefunden, an verschiedene Truppentheile schleunige Marschordre zum Vorrücken an die diesseitige Gränze zu ertheilen, um auf diese Weise bereit zu sein, etwaige gewaltsame Verletzung des Gebiets deutscher Nation ebenso zurückzuweisen. Zu­gleich sind die Regierungen der zunächst gelegenen Bun­desstaaten von Hannover, Mecklenburg und Braunschweig von hier auS aufgefordert worden, auch ihrerseits zum Schutze des gemeinsamen vaterländischen BodenS ihre Truppen zu rüsten und an die Gränzen rücken zu lassen. Es ist zu hoffen, daß durch diese Achtung gebietende Stellung deutscher Bundesfürsten, dem Auslande gegen­über, einerseits der Verletzung des deutschen Gebietes, anderntheils dem weniger geregelten Beistände , welchen die Nachricht von jener drohenden Verletzung in Deutsch­land Hervorrufen könnte, zuvorzukommen sein wird. (Die provisorische Regierung in Schleswig-Holstein hat bereits Couriere nach Berlin und Hannover ge­sandt, um den bedrohten Herzogthümern die schleunigste Hülfe zuznziehen. (Nass. Zt.)

* Berlin, den 28. März. In Potsdam liegen in seiner Umgebung vW^ über­haupt gleicht die Stadt einem Feldlager, und von Preß­freiheit weiß man in derselben nichts, wenigstens soll die Zeitungshalle unter dem Militär bei 1 LouiSd'or Strafe verboten sein. In Spandau liegen 6000, in Nauen 4000 Mann. Man schätzt die in der Nähe Berlins zu­sammengezogene Armee auf 50,000 Mann. Trotzdem hat Berlin von diesen Truppen nichts zu fürchten. Die Verheißungen des Königs, begleitet von den Ga­rantien der neuen Minister auf der einen Seite, die be­waffneten Bürger mit ihrer Entschlossenheit auf der an­dern machen jeden Gedanken an einen Ueberfall zu einem sinnlosen Hirngespinst.

* Berlin. Die Zahl der Todten und Vermißten des Militärs, die in dem heldenmüthigen Barrikadenkampf der Bürger vom 1819. März in Berlin gefallen sind, beträgt 1105 Mann.

Breslau, 24. März. (Kosacken an der Grän­ze.) Die Nachrichten von Truppenmaffen, die sich an der Oberschlesisch-polnischen Grenze aufstellen, bestätigen sich. Die deutschen Grenzbcwohper haben bereits von

den Räubereien der Kosackeu, die ungenirt die Gränze überschreiten, mancherlei Ungemach zu leiden.

(Schl. Z.)

* Von der polnischen Grenze, 12 März. (Die Rüstungen Rußlands zum Krieg.) Der Kaiser von Rußland hat den Befehl ertheilt, von den im Kaukasus stehenden Truppen aufs Schleunigste 30,000 Mann zurückzurufen und solche Anordnungen zu treffen, daß nöthigenfalls weitere 30,000 Mann abgegeben werden können. Im Innern Rußlands sollen vorerst 80,000 Mann zu den Waffen gerufen werden. Alle diese Truppen werden in den westlichen Gouvernements concentrirt werden und so dürften wir bereits in wenigen Wochen ein Heer von mehr als 150,000 Mann an unsern Grenzen stehen haben. In Petersburg hält man den Krieg für unausbleiblich und Alles rüstet sich darauf.

Wien, 26. März. Unbegreiflich, aber doch wahr! im Personal der Staatskanzlei sind feine Verän­derungen vorgenommen. Jarcke, Clemens von Hügel, Hurter rc. verblieben in ihren Aemlern!!!

Galizien.

Lemberg, 22. März. (Der Kaiser von Oe­sterreich als König von Polen.) Am 22., Nach­mittags gegen 2 Uhr, versammelten sich die Studenten aller Facultäten und die Schüler der Gewerbschule vor dem Schloß des Gouverneurs. Gras Stadion erschien und las ein Patent vor, deö Inhalts, daß Schußwaffen au die Bürger ausgetheilt werden sollen, unter der Be­dingung, daß sie den Kaiser von Oesterreich als König von Polen anerkennten, daß sie sich derselben nur gegeu die Feinde des Vaterlandes bedienten, daß sie die Deutschen und Israeliten als ebenbürtige Bürger ansähen u. s. w. Diesen Revers mußte Jeder unter­schreiben, der ein Gewehr verlangte, worauf er eS erhielt Man erwartete von Jaroslaw die Ankunft deö dortigen Waffen-DepotS. Die nunmehr bewaffneten Bürger und Studenten zogen im Triumpfe und unter Vivatrufen des Volkes durch die Stadt, Tücher und Fahnen wehten von allen Fenstern, Blumenkränze wurden der Bürgergarde zugeworfen, und der Ruf:Es lebe die Nationälgarde!" lebe die Jugend Polens!"Es lebe der König von Polen!" nahm kein Ende.

Italien.

(Mailand, von den Oesterreichern ge­räumt.) Ein Schreiben des schweizerischen Consuls in Mailand vom 23. März, was der Augsb. allgem. Zeitung von Chur mitgetheilt wird, bestätigt es, daß die Oesterreicher Mailand geräumt haben.Die drei­farbige Fahne weht auf dem Dom und den öffentlichen Gebäuden. Während fünf Tagen hat ein heldenmüthi- ger Kampf stattgefunden; er liefert ein schönes Blatt in die Geschichte Mailands.. Die österreichtschen Trnâ pen haben die Stadt verlassen. Mit einer Unerschrocken­heit und Beharrlichkeit, der sie nicht zu widerstehen vermochten, wurden sie von der Bevölkerung nach und nach aus allen ihren Positionen vertrieben. Bis in die innersten Festungswerke der Stadt und an die Thore deS Castellcs zurückgedrängt, verließen sie dieselbe diese Nacht um 2 Ühr, Menschen, Bagage und 17 Gefangene mit sich führend. Während fünf Tagen ertönten unaufhörlich von allen Thürmen die Sturmglocken. Die Bomben und congreve'schen Ra­keten, mit denen die Stadt beschossen wurde, haben die Bürger in ihrem Eifer immer mehr angefeuert. Die ganze Stadt ist mit Barrikaden versperrt; von allen Häusern flogen Ziegel auf die Truppen. Viele Opfer werden betrauert; die Stadt zählt etwa 150 Todte, die Zahl der Verwundeten ist noch nicht be­kannt. Die Truppen müssen weit bedeutendere Ver­luste erlitten haben; wenigstens 500 Mann und über- dieß etwa 50 Ofsieiere. Die Begeisterung des Volkes, seine Entschlossenheit, die Unabhängigkeit zu erkämpfen, war unbeschreiblich. Nach Berichten aus den übri­

gen Theilen der Lombardei ist der Aufstand allgemein. Bergamo und Pavia sind in den Händen des Volkes, der Sohn des Vicekönigs, der in ersterer Stadt com- mandrrte, ist gefangen. Wir soffen während des Tages wertere Nachrichten zu erhalten. Während dle^er ganzen Zeit herrschte eine bewundernswürdige Ordnung; in der ganzen Stadt war jeder auf dem rhm angewiesenen Posten. Eine provisorische Regie­rung von 9 Mitgliedern hat sich gebildet; an der Spitze derselben stehen der Podest« Casati und der Graf Borromeo. Die Consuln haben das Nöthige zum Schutze ihrer Landsleute angeordnet. Ich schreibe mit diesem Courier auch an den' Vorort re." Nach einem Bulletin desRepublikaners" hätte Radetzky am 22. Abends, nachdem sein Palast, die Caserne St. Franciscus und der Palast des Genie genommen worden, Capitulationsvorschläge gemacht, die man aber nicht annahm. Andere Berichte wollen wissen, der Felvmarlchall sei gefangen in Mailand eingebracht worden; in einem Circular des neueingesetzten Post- drrectors wird gesagt:So eben strömt das Volk nach dem ^ore, um den gefangenen Radetzky cinbringen zu fehen." Pavia hat den Feind in die Festung ein- geschlossen. Auf dem Wege von Gallarate und Busta hat das Volk das Militär entwaffnet und (i Kanonen genommen. Die erste der gestern mitgethcillen Proc- lamationen wurde durch einen Lustballon über die Mauern gebracht, der glücklicherweise ziemlich weit von den Transcheen der Oesterreicher niedersank und so den herbeieilenden Bergamasken den Hülferuf über­brachte. In Bergamo hatten sich 800 Oesterreicher in eine Caserne zurückgezogen und begonnen, dort sich zu vertheidigen. Eine Bürgerdeputation, unter der­selben Johann Frizzoni, wurde abgeschickt, um sie zum Ablegen der Waffen unter der Bedingung freien Abzugs zu bewegen. Diese Parlamentärs 'wurden von den Oesterreichern gefangen genommen. Um des genannten, allgemein beliebten und geachteten Mitbür­gers willen gestattete die Bevölkerung den Truppen hierauf mit bewaffneter Hand abzuziehen. Sollte die heutige Post weitere Berichte bringen, so werde ich dieselben nachzusenden suchen.

£Hnilani>, 25. März. Stündlich rücken Piemon- teser Freischaaren ein. 1012000 Mann Mailänder und Piemonteser sind bereits dem Feinde nach. Die Piemonteser Armee wird die Grenze überschreiten und man erwartet täglich 2030,000 Mann regulärer Truppen. Kein Oesterreicher wird mehr nach Deutsch­land kommen, wenn es nicht durch Kapitulation ge­schieht. Von allen Seiten eilt das Landvolk gegen die Flüchtigen. Die Kroaten schwärmen in Abtheilun­gen von 2400 Mann umher, und brennen, sengen und morden. In Mailand läßt man die Barrikaden 1000 1200 stehen.7 Nur für die Diebe besteht noch

In Venedig ist ' - die Re­

publik proklamirt. Der Herzog von Modena ist den 21. März entflohen. Die estenesischen Truppen kapituliren; das Gleiche erwartet man von den österr. In Piacenza hat die österr. Besatzung mit den Bürgern fraternisirt. Die Parmenscr schicken eine De­putation an Karl Albert. In Modena schwankt man noch zwischen Karl Albert und Pius IX. (N. C.)

Laut einem Briefe aus Turin vom 24. d. M. wird sich der König selbst an die Spitze der Armee stellen. Wir haben einen Brief von Mailand vom 23. d. M. vor unö; in diesem heißt eS von 9% Uhr MorgenS: So eben ertönen die Sturmglocken wieder. Die Nach­richt ist eingcgangen, daß die ganze österreichische Armee eine Stunde von hier in Malnoe anhalten mußte, weil alle Brücken abgebrochen, alle Straßen mit Verhauen gesperrt und die ganze Landbevölkerung in Aufstand be­griffen sei. So eben erhalten wir noch einen Brief aus Mailand vom 24. d. M., in welchem versichert wird, daß die ganze Armee den Weg von Lodi eingeschlagen habe, um Pizzighetone und Mantua zu erreichen. Die

Wenn kurzes Treibeis sich an einer festen Fläche bricht, so bringt dies freilich kein leises Gemurmel zu­wege!" versetzte Alexei ärgerlich, und indem er in dem Wogenlärm sich nur mit Mühe verständlich machen konnte.

Ich meine nicht die Brandung!" rief Fedor. Ich meine das Brausen auf hoher See. Ihr müßt eS ganz deutlich unterscheiden können:"

So kehren wir zurück!" sprach Alexei in vollem Unmnthe über die fehlgeschlagene Jagd, indem er seinen Schlitten bestieg.Kehren wir zurück, wenn Du Dich fürchtest. Ich würde in Deinen Jahren weniger auf die Zeich.n eines Sturmes, als auf die, welche die Lieblingöplätze der Seehunde andeuten können, gesehen haben.

Der ungerechte Vorwurf des Alten schien dem Jüng« ling für einen Augenblick das Blut in die Wangen ge­stiegen zu sein; doch bald faßte er sich, half Marien in den Schlitten und eröffnete dann, als er auch den sei- nigen bestiegen hatte, schweigend und langsam den Rück­weg. Dieser wurde anfangs ohne alle Beschwerde in der Länge von ein bis zwei Wersten zurückgelegt, dann aber erhob sich ein immer schärferer Ostwind, der, zu­erst auf einigen Punkten den leichten Schnee emporwir­belnd, zuletzt ganze Schneewolken über die Fläche trieb. So sehr dieß auch die Fahrt verzögerte, da die bereits ermüdeten Hunde sich nur m t Mühe und langsam ge­nug vorwärts arbeiten konnten, so waren dennoch die Reisenden durch den Gedanken beruhigt, daß jeder Schritt sir dem Lande näher bringe. Um Marie« weniger dem

Schneesturme auszusetzen , nahm man deren Schlitten jetzt in die Mitte, und alle drei der letzter» fuhren in gleicher Linie dicht neben einander dem Ufer zu. Nur noch ungefähr zwei Wersten mochte man von dem oben geschilderten, die Küste rings einschließenden Eiswalle entfernt sein, als auf einmal Fedor die Hunde durch ungewöhnlich raschen Zuruf antrieb.

Laß uns langsam gehen, die armen Thiere" rief Marie.Sie werden ohnehin nur mit Mühe die Schlitten durch dle mit Schnee gefüllten Schluchten ziehen können."

Fedor schwieg zwar, aber der alte Alexei schien die vernünfttge Meinung des Jünglings zu billigen, denn auch er trieb mit Besorgniß im Blicke die Hunde unge­wöhnlich an.

Väterchen!" sagte Marie nach einer Pause, in der sie, wie eS schien, mit großer Anstrengung auf daS Getöse deö Sturmes geachtet hatte:Väterchen, ein so sonderbares Sturmesbrausen wie dieses habe ich noch nie vernommen. Der Wind bläst in einzelnen Stö­ßen, aber wenn er auf einen Moment nachläßt, so ver­nehme ich ganz deutlich ein sonderbares Geräusch , ein Rollen, daS, wie fast unter unsern Füßen herauftönend, sich deutlich hörbar macht. Hört Ihr eS auch? oder Du, Fedor? Ja, ja, ich täusche mich nicht. Mit- ten durch daö Heulen deö Sturmes ist es doch zu ver­nehmen."

Der alte Alexei antwortete nicht. Er schien Ma­riens Rede zu überhören. Fedor trieb die Zugthiere mit äußerster Anstrengung zu immer rascherem Laufe an;

doch würde eS des Anfeuernâ von Seite deS Jünglings kaum bedurft haben, denn mit einem Eifer, den sie auf der ganzen Reife noch nicht gezeigt, arbeiteten die Huude in den Geschirren.

Um des Himmels willen! was ist das?" rief auf einmal Marie, als in her Ferne ein starker Knall, gleich einem Kanoneuschuffe ertönte, dem bald darauf ein zweiter, und diesem ein anhaltendes, weitschallendes Krachen folgte. Alle drei Schlitten hielten mit einem Male still, und die Hunde begannen auf'S kläglichste zu heulen.

Rede, Fedor! sage, was Dich ängstigt; Du bist blaß wie ein Todter!" setzte bestürzt daS Mäd- cheu hinzu.

Es ist das Eiâ, welches bricht!" antwortete der Alte mit dumpfer Stimme.

©, mein Gott!" jammerte Marie, sich daS Gesicht mit beiden Händen bedeckend.

Jetzt ist kein Augenblick mehr zu verlieren!" rief Fedor hastig, und indem er die Hande kräftig an- trieb.Jetzt müssen wir essen, um daS Ufer zu errei­chen; denn ist einmal ein Bruch in dem Eisfelde, so zertrümmern die hochgehenden Wellen auch in Kurzem die ganze Fläche.

Die Schlitten eilten mit immer größerer Schnellig­keit vorwärts; es war, als ob ein Instinkt den klugen Thieren, welche sie zogen, die Größe dex nahenden Ge­fahr anzeig«.

(Fortsetzung folgt.)