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Nassauische 3nf«nq

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, 1. April L8â8.

Das bisherige Abonnement auf die Nassauische Zeitung, in Wiesbaden vierteljährig fl. 1. 45 fr., wird nicht erhöht. Abonnenten, welche mit dem 1. April eintreten, erhalten, soweit der Vorrath reicht, unentg eidlich die Nummern 1 17. Man abonnirt in Wiesbaden in der Expedition am Friedrichsplatz; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhältnißmäßiger Preis­erhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile berechnet.

Deutschland.

A Preußens Volk und König find einig!

Wiesbaden, 31. März.

Auf der Heidelberger Versammlung wurde eine beklageiiswerthe Adresse au König Friedrich Wilhelm IV. votirt, welche gewiß alle verständigen Freunde des Fortschritts ernst mahnt, treu zusammenzuhalten, um den Feinden des Fortschritts, die nur Umsturz wollen unter dem Feldgeschrei der Republik, entgegcnzuwirken. Selbst die wohlgesinnten Radikalen, die doch nur Deutschlands Einheit und Größe mit einem volköthüm- lichen Parlament erstreben, werden durch jene Adresse zur Mäßigung gemahnt. Darf der Süddeutsche, der die Freiheit des großen einigen Vaterlands will, es vergessen, daß diese Freiheit und Größe nur im Bunde mit den norddeutschen Brüdern erstrebt werden kann? So vergesse er es aber denn auch nicht, daß die Söhne des großen Preußenlandes ihre Größe und Bedeutung nicht von ihrem Königshause trennen, und daß Preu­ßens Volk nunmehr einig ist mit seinem König und ihm vertraut; alle Schuld der Berliner Ereignisse vom 16. bis 19. März hat das preußische Volk von seinem König abgewälzt, von dem Einzelnen, der übel berathen war durch treulose Räthe und Diener. Der König hat sich seinem Volke unbedingt in die Arme geworfen, er fühlt sich glücklich nunmehr, da das alte System von Grund aus vernichtet ist, das preußische Volk jauchzt darob und schaart sich, wie ein Mann um seinen Fürsten.

Diesen Fürsten, Preußens König, der nunmehr die entschiedensten Thaten seinen Worten folgen läßt, der

Soldaten und Bürger vollständig auszusühnen, hat die Heidelberger Adresse tödlich belei­digt, und in ihm ein hochherziges, tapferes, ächt deut­sches Volk, das sich fester, denn je an seinen König anschließt. Ist dies klug, ist dies gerecht? fragen wir, ein tapferes Volk in seinem Fürsten zu beleidigen. Ueber die Ereignisse des 18. bis 19. März in Berlin herrscht eine Fatalität. Friedrich Wilhelm IV. trägt aber die mindere Schuld, und wir hoffen, er wird sie sühnen durch Thaten für Deutschlands Macht und Einheit! Jetzt zunächst sind und bleiben wir ohne Preußen, schwach. Dem König gehorchen 16 Mil­lionen, jetzt mehr, denn je, da sie innig überzeugt sind, sich ganz denselben wieder gewonnen zu haben; zwischen dem treuen Volk und seinem Fürsten ist jede Scheidewand gefallen sür immer. Schon ziehen 100,000 Mann Preußen gegen die östlichen Grenzen, um den Russen entgegenzutreten; Polens Freiheit ist proclamirt, und selbst die Polen halten eng zusammen mit ihren preußischen deutschen Brüdern. Dem bedrohten Schles­wig-Holstein werden 20,000 Mann zur Hülfe gesandt,

Deutschland und die Donaumündungen.

Cm Beitrag zur Beleuchtung der äußern Verhältnisse deS Vaterlandes und der europäischen Civilisation. Von einem Offizier. Siegen und Wiesbaden bei Wilh. Friedrich. 78 Seiten. Preis: 36 Kreuzer.

Der Zweck dieser kleinen Abhandlung soll kein an­derer sein, als durch die Beförderung der materiellen Wohlfahrt auf die Einigung der deutschen Nation in al­len ihren Gliedern möglich hinzuwirken, damit wir Ein­sicht hierdurch Selbstvertrauen und Muth durch diese aber die nöthige Kraft erhalten, den Gefahren, welche dem wankenden Gleichgewichte der europäischen Staaten, unserer Selbstständigkeit und Nationalehre und der europäischen Civilisation von Osten her drohen, Trotz zu bieten, und dieselben durch unser Dasein wenn aber dieses nicht ausreichen sollte durch unsere Arme zu entfernen.

Die vor 4 Jahren erschienene Schrift verdient jetzt um so mehr die größte Beachtung, da sie schon da­mals bedeutendes Interesse erregte. Wir wollen unsern Lesern daraus Auszüge geben, und lassen den Verfaffcr selbst sprechen.

Im verflossenen Jahre (1843) feierte man in man­chen deutschen Ländern den tausendjährigen Bestand un­serer politischen Selbstständigkeit. Uns scheint aber, daß hier ein Irrthum zn Grunde lag; denn eines Theils blieb ohngcachtet des Vertrags von Verdun die Selbst­ständigkeit Deutschlands so lange unbefestigt, als die Gc-

und die Dänen werden für immer ihre Gelüste büßen müssen. Schleswig-Holstein bleibt dem großen Vater­land erhalten, und jetzt wird es von Dänemark ge­schieden. Die westliche Grenze schützen die preußischen Heere gegen die Gelüste der französischen Republikaner und hier würde sich die Rheinprovinz wie ein Mann erheben auf den Ruf des Königs für das Vaterland.

Wir hören also nicht Worte, sondern sehen Thaten von Preußens König, Thaten, die es verdienen, daß auch wir Süddeutsche wieder Vertrauen fassen zu ihm, der in der großen gewaltigen Zeit zum Schutze des Vaterlandes sich berufen fühlt, der durch seine Hand­lungen nunmehr es beweisen kann, daß er des Ver­trauens des Vaterlandes würdig ist.

Dem Vaterland droht die größte Ge­fahr, ein Bruch zwischen Preußen und Oesterreich.

in

Wiesbaden, 31. März.

In dem Augenblicke, wo die österreichischen Waffen Italien gegen das für seine Freiheit kämpfende Volk unterliegen, erschallt von Wien ein Ruf der Zwietracht plötzlich in unser Vaterland. Es droht ein Bruch zwischen Oesterreich und Preußen. Die Angelegenhei- ten Polens (siehe unten Lemberg) machen einen euro­päischen Krieg unvermeidlich. Die Wiener Zeitung vom 23. d. enthält eine Proelamation gegen den König von Preußen, welche dem Wesen nach also lautet: Obwohl wir nur geringe Kenntnisse und Erfahrungen in der Politik besitzen, so glauben wir doch, daß der schlichte und gerade Sinn der Oesterreicher, wie über­

merkungen kaum wird enthalten können. Die Wahr­heit deS darin entworfenen Bildes der deutschen Zu­stände, die Richtigkeit der zu der Rettung und Erhebung Deutschlands vorgeschlagenen Mittel, in deren allge­meinen Auffassung, wollen wir nicht bestreiten; aber unmittelbar nach einem Blutbade, welches 16stündiges Kanonen- und Gewehrfeuer in Berlins Bevölkerung anrichtete, nach einem Blutbade, dessen lange Dauer jedes Vorschützen von Zufälligkeit und Mißverständniß entkräftet, nach einem Blutbade, dessen Vergeben und Vergessen vom Könige mit Hinweisung auf die Thrä­nen der Königin demüthig erfleht wurde, nach einem Blutbade, dessen Kunde die Herzen der eigenen Unter­thanen entfremden und die Einwohner anderer Staaten mit Schauder und Entsetzen erfüllen mußte, unmittel­bar nach einem in diefer Art in' Deutschland Gottlob noch nie vorgekommenen Blutbade sich nicht nur an das preußische Volk, sondern an die gesammte deutsche Nation zu wenden, um ihr Vertrauen im vollsten Grade in Anspruch zu nehmen und aus eigener Macht-

sammtansprüche auf Karls deS Großen Erbe geltend wa­ren , andern Theils bewirkte der Vertrag, welchen drei einander entgegenstrebende Brüder und Rebellen gegen VaterS Gewalt schlossen, keine Sonderung der verschie- nen Nationalitäten, welche die Trennung bleibend ma­chen konnten. Daher folgte Theilung und Aftertheilung, Wiedervereinigung des Ganzen und abermalige Thei­lung, bis endlich die völlige Losreißung von dem Karo­lingischen Hause durch die 911 geschehene Erwählung Konrads I., eines fränkischen Herzogs zu Fritzlar, zum Könige, Deutschland ein eigenes Leben, eine eigene Ge­schichte gab. Dieser wohlgesinnte Fürst fand das Va­terland in äußerster Verwirrung, eine Folge des Lehens­wesens , welches die Franken als Sieger den zur Zeit der Völkerwanderung ans deutschem Boden gèbliebenen Volköstämmen eingeimpst hatten; dabei waren die östli­chen Länder von slavischen Völkern besetzt, die Franzo­sen rissen Lothringen an sich und die wilden Ungarn ver­wüsteten weithin dle deutschen Länder. Das schwache Band der Deutschen war bei aller Thatkraft des König: der völligen Auflösung nahe; aber hochherzig, wie kein Anderer vor und nach ihm, daher der Lobpreisung aller Zeiten werth , empfahl er sterbend den Fürsten^ seinen unbezwinglichen Feind Heinrich, Herzog zu sachsen, zu seinem Nachfolger, und beschwor, nur auf das Heil des Vaterlandes blickend, und ohne Rücksicht auf sein Haus, den eigenen Bruder, nicht nach der Krone zu streben. Lasset uns daher, meine Landsleute, unsern Kindern und Enkeln empfehlen, den tausendjährigen Be­stand unserer vaterländischen Einheit und Selbstständig­

Vollkommenheit jene Leitung sich selbst zu übertragen, mit welcher die Fürsten und Völker aller deutschen Gauen nur jenen betrauen können und werden, dessen Charakter, Gesinnung und Thaten alle Garantien der Beruhigung bieten, muß uns nicht nur als ein Miß­griff, sondern als eine ungeheure Ironie erscheinen. Wenn wir auch zugestchen, daß der verkündete Wechsel der Farben um so weniger schwierig gewesen sein dürfte, als das Weiß der preußischen Cocarde bereits durch das verströmte Blut roth gefärbt war, und daher dem Schwarz und Roth nur Gold beizufügen erübrigte, so glauben wir doch erinnern zu sollen, daß Gold allein nicht Alles gut macht, und daß Vieles, was glanzt, deshalb doch nicht Gold ist. Hat die durch das Pa­tent vom 3. Febr. 1847 geschaffene preußische Verfas­sung solche Sympathie und Beifall in Deutschland er­weckt, daß ein Anschließen deutscher Fürsten und Stände an den am 2. April in Berlin zusammentretenden Landtag denselben als Vorbild, Keim und Kern einer deutschen Stände-Versammlung anerkennen darf? Der im Schlußsätze gestellten Hinweisung auf wahre con- stitutionelle Verfassung u. f. w. werden wir zu ihrer Würdigung nur den Gegensatz zwischen den königlichen Versprechungen der früheren Jahre und ihrer Erfül­lung im Jahre 1847, das ausdrückliche Festhaltenwol­len an historischen Ständen, die bekannte Phrase:zwi­schen mich und mein Volk soll sich nie eine papierne Constitution eindrängen", entgegenstellen, und die Fol­gerungen Jedem daraus nach seiner Einsicht zu ziehen überlassen. Der von seinem Volke angebetete, von ganz Europa bewunderte Friedrich IL, der Große, der Einzige, konnte die deutsche Kaiserkrone, welche mit

wo nur wenige Kurfürsten die Wahl entschieden, wohl anstrcben, aber nicht erlangen jetzt, wo zuverlässig die deutschen Völker bei der Wahl des obersten Leiters des einigen Deutschlands ein entscheidendes Wort zu reden haben, wird ihr Vertrauen nur jenen Fürsten an ihre Spitze stellen, der vor Allem ihre Liebe besitzt. Diese inhaltschweren Worte bedürfen keines Com­mentars, aber starres Staunen fesselt uns ob solcher Sprache von Oesterreich! Jene Federn (Jarcke, Hur­ter u. Consorten), welche im Oesterreich. Beobachter die Metternich'sche Politik vor Kurzem noch vertheidig­ten, sind gewandt und feil! Das deutsche Volk sei auf seiner Huth. Also: der Kaiser von Oesterreich streckt die eine Hand nach der Königskrone von Polen aus, die an­dere nach der deutschen Kaiserkrone!

Frankfurt, 31. März. 9 % Uhr. Vom Kaiser­saal wurde so eben die Präsidentenwahl verkündet. Mittermaier ist erster Präsident. Dahlmann,

keit von dem Regierungsantritte des edlen Konrads, oder von dem Jahre 918 an, wo der größte und weiseste aller Deutsche», der wahre Erbauer des Reichs und Be­gründer der deutscheu Einheit, zum Herrscher erwählt wurde, festlich zu begehen, bis dahin aber alle Kräfte anzustrengen, daß die Jubelfeier auch recht wahr und würdig gefeiert werden könne. Beide Zeitpunkte möch­ten bezeichnender sein zur Feier wie der widerliche Ver­trag von Verdun.

Die Kaiser deS sächsischen Hauses erkannten und würdigten ihre Stellung; sie haben ihren Beruf treu erfüllt, indem sie die äußern Feinde niederschlugen, daâ Reich im Osten erweiterten, die aufstrebenden Großen niederhielten und den Wohlstand des Volkeâ auf alle Weise beförderten; nur ihre Einmischung in die itali­schen Verhältnisse ( hätte doch der große Otto, mit edlerem Muhme zufrieden, Rom niemals gesehen!) trug für die Zukunft böse Früchte. Unter ihnen, sowie unter den ersten Kaisern aus dem fränkisch-salsische» Hause stieg das Reich allmählig zur höchsten Macht, seine Majestät überragte alle Staaten der Christenheit, allein sank mit dem 1056 im 39. Lebensjahre erfolg­ten Tode des vortrefflichen Heinrich III., nachdem die Zeit seines Emporsteigeus nur 138 Jahre gedauert hatte, und wurde allmälig immer mehr eine Beute deS Lchenö- wefenö und der emporstrebcnden Priestermacht, welche sich 'zum allgemeinen Verderben die Hände reichten.

Von dem unglücklichen Heinrich IV. an, und durch die ganze Reihe der Hohenstaufischen Kaiser bis zum Ende deS großen Interregnums, wenig unterbrochener