75
Pot sd a in, 24. März. Ueber die Garde, von deren Auflösung man in Berlin schon vielfach spricht, ist noch keine Bestimmung getroffen; mit Freude müßte jeder Patriot die Bestätigung des Gerüchts begrüßen, daß dieselbe nebst den übrigen Regimentern, welche am 18. und 19. in Berlin gekämpft haben, an die russische Grenze versetzt werden solle. Der gemeine Soldat, die bitteren Erinnerungen und Brutalität Einzelner abgerechnet, denkt nicht daran, seinem König den Eid zu brechen; nur die Offiziere und namentlich der Adel lassen sich von der Wuth über die vermeint- 'ffM 'KrEünq ihrer Ehre (durch den befohlenen Rückzug) und nicht weniger über die plötzliche Umwandlung des Systems, dessen treueste Stützen sie bisher waren, zu verrückten Neaktions- und Contrerevolutions- pläncn Hinreißen. Sie sind royalistischer als der König, sie glauben die Monarchie gefährdet, den Pöbel zur Herrschaft gekommen und obendrein sehen viele von ihnen wie mit Einem Schlag ihre aristokratische Stellung in der Gesellschaft und bei Hof, ja bei den un- bezweiselt zu erwartenden Reduktionen des Heeres, ihre Carriere und Existenz gestürzt oder untergraben.
Posen, 23. März, Morgens. Die heutige Mor- gcnsonne steigt endlich wieder an dem klaren Himmel über ein freies Polen empor — kein Nebel umschleiert ihre Strahlen! Möchte die Zukunft so klar und wolkenlos sein, wie in diesem Augenblicke das Himmelszelt! Wir haben die Bekanntmachungen mitgetheilt, welche vorgestern noch hier von den Behörden erlassen wurden. Alles schien darauf hinzudeuten, daß dieselben zur Aufrechthaltung der Ruhe einen furchtbaren Ernst gebrauchen würden; die Bewohner erfüllte jetzt bange Besorgnis;. Die aus dem Bazar und der Stadt vertriebenen Edelleute flohen auf ihre Güter, mit der Ueberzeugung, daß es jetzt zum Kampfe kommen werde. Es ging die Nachricht durch die ganze Stadt: Man wird eure Brüder in Posen morden! Hier war indessen die Nachricht von der Freilassung der Polen in Berlin eingegangen und namentlich ein Brief des Dr. Liebelt vom 20. März, der mit der Proelamation des Volks -Comitö'S an die Deutschen in der polnischen Zeitung vom gestrigen Tage erschien. Er lautet: „Ich bringe Euch eine Nachricht, die Eure Herzen mit Freude erfüllen wird: Eure Mitbürger, welche durch das Urtheil erster Instanz des königl. Kammergerichts vcrur- tbei't und gefangen gehalten wurden, sind heut, auf Befehl Sr. Maj., welcher alle politischen Gefangenen befreien ließ, in Freiheit gesetzt worden, und bald werden wir in her Mitte der Unsrigen sein! Das Berliner Volk hat bei dem Könige unsere Freiheit bewirkt, und mehr,alö 10,000 haben uns im Triumphe vor das königliche «schloß getragen, um ihre Freude über unsere Befreiung an den Tag zu legen. Das ganze Volk dnrchglüht Ein Gedanke, der Gedanke, daß ein ^W^g^jMnJ^ soL'.ââ Wehrmauer der freien Deutschen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die polnische Frage bald gelöst sein wird, ja, cs ist sogar möglich, daß die Regierungen selbst die Initiative in der Sache ergreifen, um die Schmach zu tilgen, mit welcher die Geschichte am Schluffe des vorigen Jahrhunderts durch die Theilung Polens besteckt worden ist. Da nun in so kurzer Zen unsere theuersten Hoffnungen in Erfüllung gehen sollen, so fordere ich Euch, meine Mitbürger, bei dem Ver trauen, daß Ihr in mich gesetzt habt, auf, daß Ihr keinen Augenblick den Fortschritt und die Entwickelung der politischen Fragen durch Unruhen stört, und vor Allem, daß Ihr keinen Haß und keine Rache gegen unsere Brüder, die Deutschen, übt: denn sie haben auf den Barricaden Berlins am 18. durch ihr vergossenes Blut unsere Freiheit erkauft und werden, wenn Gott es so will, mit uns für die Freiheit Polens kämpfen! Berlin, 20. März 1848. (Gez) Liebel t." Die Freude war tief und innig — einzelne Häuser waren illuminirt. Doch unterdrückte man die laute Freude, um die bewaffnete Macht, welche die Stadt noch be
Staatskanzlei am Ballplatz, wo Metternich wohnte, noch der neue Pallast am Rennweg zerstört wurde; ja, nicht eine einzige Fensterscheibe gieng in Trü mer, und dies deßhalb, weil die Staatâkanzlei ein Eigenthum deö Staates ist und jener Pallast am Rcnnwcge als Wittwensitz der Fürstin erbaut wurde. Nur die bekannte, mit lu- eullischcm Luxus ansgestattete Billa Metternich am Renn- weg, in deren Park die berühmten diplomatischen Feste gegeben wurden, war ein Zielpunkt der Zerstörungswuth. Man würde sie ganz verwüstet haben, hätte nicht eine Schaar iltationalgardisten, aus Rücksicht für die Kunfischatze, die diese Villa enthält, der Wuth in gütlicher Weise Einhalt gethan; so, daß nur die Thore und einige Gemächer zerstört wurden, wobei eine Anzahl Bilder durch Säbelhiebe und Bajonnettstiche zerfetzt wurde. Die Inschrift des Thorweges wurde von einem Maurergesellen unter schallendem Jubel mit Mörtel beworfen und ein alteS Weib suchte sich an dem gefallenen Machthaber dadurch zu rächen, daß sie das steinerne Wappen mit Koth und Unrath besudelte.
Fttihtit. Ordnung. Gesetz.
FrühlingSlied.
An mein Vaterland!
Dir, dem theuren Vaterlande
Tönt aus voller Brust dies Lied;
An dich knüpft mich heil'ge Bande,
setzt hielt, u.cht zu reizen und um die Ruhe zu be-- wahren.
Königsberg, 22. März. So eben erfahre ich, daß die gestern hier angehaltene Depesche an die Gesandtschaft in Petersburg adresfirt und in der Nacht vom Magistrat unerbrochen abgeschickt sein soll. Das Anhalten der Depesche erfährt große Mißbilligung; wie wir so eben erfahren, hat der commandirende General den Befehl erhalten, sofort das Militair aus der Stadt zu ziehen, wenn es hier zu Excessen kommt, und den Bürgern die Aufrechthaltung der Ordnung zu überlassn. Der Hauptgegenstand des Tagesgespräches bildet das Einrücken der Russen in unsere Provinz, die in gleichem Grade als Freunde wie als Feinde gefürchtet werden. Nach von der Grenze gekommenen Nachrichten soll sich -hart an derselben ein Armee-Corps von 40,000 Mann befinden. In Folge dieser und der von Berlin eingelaufenen Nachrichten herrscht hier eine mächtige Aufregung.
Aus Halle, vom 24. März läßt sich die „Fr. O.-P.-A.-Z." schreiben: Göschel aus Magdeburg hatte den eigenthümlichen Gedanken, sich bei uns häuslich niederzulassen. Die Polizei wies aber sein Ansinnen zurück. Da suchte er durch den commandiren General von Werder seine Bitte durchzusetzen, erhielt aber den Befthl, binnen einer Viertelstunde Halle zu verlassen. Er nahm Erträpost und befahl dem Postillon, zu einem beliebigen Thore hinauszufahren, da er sich unterwegs über die zu nehmende Richtung weiter besinnen wolle.
Köln, 27. März. Am nächsten Mittwoch findet Morgens um 10 Uhr im Dome ein feierliches Traueramt für die in Berlin den Heldentod gestorbenen Bürger Statt, in welchem Mozart'ö Requiem aufgeführt wird.
Köln, 29. März. Durch telegraphische Depesche des Ministerpräsidenten Gr. v. Arnim vom 26. März an den Oberpräsideuten der Rheinprovinz ist Herr Hansemann unverzüglich nach Berlin berufen, um mit dem König einen Gegenstand der höchsten Interessen des Geldverkehrs und der Industrie in der Rheinprovinz zu berathen.
Aus Westphalen, 25. März. Das Eichhorn'sche System ist also gestürzt. Es war ein arges System: glaubenslos, so sehr, daß cs nicht die geringste Zuversicht zur Kraft und Macht des Glaubens selber hatte und ihm das weltliche Schwert an die Seite band; antiprotestantisch, so sehr, daß es die wesentlichsten Principien der Reformation negirte und sogar den römischen Jesuiten zuhM; sreiheitöseindlich, so sehr, daß alles, waS sich concrel und individuell entwickeln und gestalten wollte, ihm bis in den Tod verhaßt war and entweder sich in die vorgeschriebenen Formen und Normen fügen und verkrüppeln, oder den Platz räumen mußte; Hart and schonungslos, so sehr, daß ihm bie edelste» Männer in Schule
von europäischem Rufe: ein von Raumer, ein Di'estcr- weg, ein David Schultz rc., zum Opfer gefallen sind; übermüthig und trotzig, so sehr, daß co zuletzt auf Bitten und Warnungen gar nicht mehr hörte und taub selbst gegen die Stimme der Synoden und des Landtags blieb ; und damit ihm nichts fehle, was widerwärtig genannt mag werden, so ging es stets in einer frommen Kutte und mit verzückten Blicken einher und murmelte Gebete vor sich hin. Seit den Tagen der Reformation hat die protestantische Schule und Kirche unter keinem System geseufzt, das so heillos gewesen wäre, als dieses System war; beide, Schule und Kirche, befanden sich in einer wahren babylonischen Gefangenschaft, und die letztere von ihnen stand schon im Begriff, zu verkümmern, sich zu zersetzen und auszulösen. Wir freuen uns von ganzem Herzen darüber, wir wünschen der Schule und der Kirche Glück dazu, daß dieses System zu Boden liegt; die Stunde seines Sturzes war ihre Auferstehungsstunde. Graf Schwerin ist Minister des Unterrichts und des Kultus geworden. Das ist uns neue, ebenso große und noch
Und das volle Hèr(dürchAüht' Wie Natur, letzt Frühlingswehn, Heil'ger Freiheit Auferstchn!
Winterfrost schlost die Gefilde, Hemmt' der Ströme freien Lauf; Himmel-Somieuglauz voll Milde Strahlend, schließt den Boden auf, Und im Meer der Frühlingsluft Schwimmt der Blüthen Opferduft!
Ob sich Wetterwolken thürmen An des Frühlingshimmels Plan, Obgleich Hagelwolken stürmen, Sonn' geht ruhig ihre Bahn, Bis ihr goldues Himmelslicht Jeden Winterfrost besiegt.
Ueber Deutschlands Gauen glänzet Heil'ger Freiheit Morgenroth;
Ihre ernste Stirn' umkränzet Heldenmuth für Heldentod Gegen Nordens eis'gcn Hauch, Gegen Westens Stürmen auch!
In des Weltbau's tiefer Ferne, Still, in ewig jungem Glam, Kreist das Heer der aold'nen L-terne Frei im Sphären-Jubeltanz! Jede Störung löst sich auf In der Himmelskörper Lauf.
In erhab'ner Ordnung Schranken Um der Sonne Lichtmecr her, Rollen Erden ohne Wanken Durch die Himmel fest und hehr; Licht und Wärme trinken all' Aus der Sonne Feucrbatt!
reinere Freude; dazu wünschen wir der Schule und der Kirche ebenso sehr Glück. Er ist, so viel wir wissen, ein Schüler, Schleiermachers.
Hamburg, 25. März. (H. B.-H.) Wir sind ermächtigt, das nachstehende Schreiben deS Königs von Preußen an den Herzog von SchleSwig- Holstein-Augstenburg zu veröffentlichen:
„ Durchlauchtigster Herzog!"
„Auf Ew. Durchlaucht Schreiben vom heutigen Tage in Betreff des bedrohlichen Zustandes in den Hcrzogthümern Schleswig-Holstein eröffne ich Ihnen hiermit Folgendes: Ich habe mich der Wahrung der deutschen Sache für die Tage der Gefahr unterzogen, nicht um die Rechte Anderer zu usurpiren, sondern um das Bestehende nach Außen und im Innern nach Kräften zu erhalten."
„Zu diesem bestehenden Rechte rechne ich dasjenige der Herzogthümer Schleswig-Holstein, welches in den die Rechte des Königreichs Dänemark in keiner Weise verletzenden Sätzen ausgesprochen ist:
1) daß die Herzogthümer selb st ständige Staaten sind,
2) daß sie fest mit einander verbundene Staaten sind,
3) daß der Mannöstamm in den Herzog- t h ü m e r ii Herrs ch t.
„In diesem Sinne habe ich mich bereits bei dem Bundestage erklärt, in Betracht des Bundes beschtu ffeS vom 17. September 1846, die Herzogthümer S ch l e ö w i g-H o l st e i n gegen etwaige Uebe r- griffe und Angriffe mit den geeignetsten 'M titeln zu schützen."
„Ich hoffe übrigens, daß der Nationalität der Herzogthümer keine ernstliche Gefahr droht, und bin entgegengesetzten Falls der festen Zuversicht, daß meine deutschen Bundesgenossen, gleich mir, zum Schutze derselben herbeieilen werden."
„Mit aufrichtiger Freundschaft verbleibe ich
Ew. Durchlaucht freundwilliger Vetter
Berlin, 24. März 1848. Friedrich Wilhelm."
H a m b u r g, 28/ März. Aengstlich und zornig aufgeregt sind' hier die Gemüthr durch _ das Gerücht, oaß eine russische Flotte im Ansegeln sei. Da muß unter die Waffen wer sich rühren kann! heißt es allgemein. Einige wollen sogar wissen, unsere Hanseaten (Äundescontigent) würden nächstens auf Kriegsfuß eine beobachtende Stellung einnehmen. Zum Trost erzählt man auch, daß bereits deutsche Lootsen avgegan- gen, um englische Schiffe herbeizubringen.
Altona, 24. März. Beim Abgänge deS Bahn- zugeS von Kiel waren drei Regimenter bereits von der provisorischen Regierung in Eid und Pflicht genommen. Prinz Friedrich soll bereits in Rendsburg eingetroffen und im Besitz der Festung sein.
Kiel, 23. Mär;. Da man erwartet, daß die dänischen Truvpen M& S^WTbiW tinch Rendsburg zu dringen versuchen werden, sind sofort Signalcow- municattonen dorthin und nach Bülck (dem Eingänge zum Eckernförder und Kieler Hafen) eingerichtet. Die Offiziere des hiesigen Iägcr-Baiaillons sind fast sämmtlich den Hcrzogthümern angehörig. Um so leichter erklärt cs sich, daß der Geist des Corps einen sofortigen Uebertritl zur Volkssache erwarten ließ. Heute Abend waren alle dänischen Cocarben auch beim Mili- tair verschwunden und die deutsche Flagge wehete vor der Bürgergarde und dem Stukenten-Corps.
Kiel, 24. März. DerKrieg mit Dänemark ist unvermeidlich und mich einem Briefe aus Kopenhagen ist das Dampfschiff Hecla mit Truppen in See gegangen, wohin, weiß man noch nicht. .
Rendsburg, 24. März. (Die Festung i n deutschen Händen.) Heute'Morgens um 6 Ubr wurde die Proklamation der provisorischen Regierung verlesen. Die provisorische Regierung hat sich an die Spitze des in Kiel bisher gornisonircnden jetzt über-
Heil'ge Himmelsfreiheit! nieder Steig aus Deutschlands Staatenbund; Heil'ge Ordnung! kehre wieder Auf dem ganzen Erdenrund!
Wie im golb'nkn Sonnenstrahl Walt' Licht-Wärnie überall!
Licht allein: — der Pol erstarret In des Nordlichts kaltem Schein; Hoher Frühlingsjubel harret Dein in Flur und Thal und Hain , Wenn du, gold'ner Sonnenstrahl, Leben weckest überall!
Nassau's „stiller Wilhelm" lebte In des Dillgan's Felsenschloß, Und der Freiheit Engel schwebte In der Niederlande Schooß: Alba's Bölkerjoch zerbrach, Inquisition erlag!
Nassau's heil'ge Freiheit blühe Hoch, bei Liebe, Licht und Recht, Und für Herzog Adolph glühe Noch das künftige Geschlecht!
Wo sich Fürst und Bürger trau'n, Läßt sich Volkes-Wohlfahrt bau'»!
Und durch Deutschlands Gauen schalle Völker -, Fürsten - Einigkeit, Von den Sternen wiederhalle Deutsche Treu und Biederkeit! Flamm' hoch auf Begcistrungsgluth; Gegen Fremde Gut und Blut!
Kronberg, im März 1848.
3 »edier, Lehrer.