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missen läßt — es würde dennoch den Todeèkeim in sich tragen.
Republik Frankreich.
Paris, 23, März. Das Journal des Debats sagt: „Wir halten es für überflüssig, ja selbst für verwegen, schon jetzt vorhersagen zu wollen, wie das Ende der ungeheuren Bewegung in Deutschland sein werde. Was wir in diesem Augenblicke sagen, könnte durch die Ereignisse der nächsten Stunde zu Nichte gemacht sein. Wir werden demnach ruhige Zuschauer bleiben, aber Zuschauer voller Aufregung und Spannung, als Männer, denen nichts'fremd sein bars, was die Menschen angeht, schauen wir auf die großen und unglaublichen Ereignisse, welche sich mit Blitzesschnelle einander folgen. Aber was wir jetzt schon aussprechen können, ist, daß von allen Gefühlen, welche sie in unserm Herzen erregen, das vorherrschenfte und tiefste das des Vertrauens ist. Wir haben schon gesagt, alle Revolutionen und Reformen, Lie um uns vorgehn, sind in unsern Augen eben so viele Bürgschaften des Weltfriedens; denn eine natürliche Folge hiervon ist, daß Alles, was den Frieden im Auslande sichert, zugleich im ^Innern die Wiederherstellung der Ordnung und die regelmäßige, friedliche und menschliche Entwickelung der Grundsätze der Revolution verbürgt. Von diesem Standpunkte aus betrachten wir mir Vertrauen, selbst mit Freude die Ereignisse in Deutschland. Von allen Eroberungen, welche Deutschlands Völker jetzt bewerkstelligen, ist nicht eine, welche nicht unserm Wunsche, selbst unserer Vorliebe ei tsvreche. Das Geschwornen-Gericht, die Freiheit der Presse, die Nationalgarde, die Constitution, kurz Alles, was Völkern, die frei sein wollen, mit Recht zukommt. — Zu einer andern Zeit würden wir gewünscht haben, daß diese Eroberungen ohne Kampf und Blut gemacht worden wären, hätte man auch noch einige Jahre sie erwarten sollen; heute aber ist die blitzartige Schnelligkeit, mit welcher sie geschehn, ein Glück für Deutschland, ein Glück für Frankreich, ein Glück für die ganze Welt. Gleich nach der Revolution beruhigte Frankreich Europa; von seiner Seite beruhigt jetzt Europa-Frankreich. Als Paris erplodirie, wurden alle Nachbarvölker besorgt; die Wunden der Vergangenheit bluteten noch in ihrem Herzen und bei ihnen entspann sich ein Kampf zwischen dem Gefühle der Freiheit und dem der Nationalität. Die Achtung, welche die französische Republik sofort für die Unabhängigkeit der Nationen proklamirte, machte den Besorgnissen und dem Kampfe ein Ende, und die Völker, über das Schicksal ihres Vaterlandes beruhigt, konnten mit Vertrauen der Freiheit entgegen gehn. Frankreich konnte auf seiner Seite besorgen, daß Europa die frühern Koalitionen wieder bilden würde; das Prinzip derselben war stets vorherrschend; die Elemente stets bereit. Seit den großen Ereignissen, welche am Ende des vorigen Jahrhunderts die Welt umgestaltet hatten, bestand zwischen'den europäischen Negierungen eine Art gegenseitiger Versicherung gegen die französische Revolution. Dieser Con- tract ist von nun an zerrissen; die Völker, welche jetzt die Hand der Könige halten und führen, weigern sich, ihn zu unterzeichnen. Von allen Seiten sind wir der Freiheit und Sicherheit unserer Bewegungen zurückgegeben; wir haben voreinander keine Furcht mehr. Deutschland, Italien und alle Nationen an unseren Grenzen können sich ohne Furcht der Eroberung ihrer Freiheit hingeben, wie Frankreich der Befestigung und Organisation seiner Revolution sich widmen kann. —________________________________________
Beamtenstolz.
Wie weit der aristokratische Stolz der Beamten sich erstreckt, beweist folgende Thatsache: Ein Unteroffizier des Herzog!. 2. Regiments hatte in Familienverhältnissen Geschäfte an herzogl. 'Landoberschultheiserei zu Wehen. Da genannte Sache nur wenig Zeit erforderte, so hatte der Unteroffizier auch keinen längeren Urlaub beantragt. Herzogl. Landober- schultheiscrei hatte die Angelegenheit auch sogleich befördert, und es war nur noch die Unterschrift des Herzogl. Beamten erforderlich. Unterdessen war es 12 Uhr geworden. Der Unteroffizier begibt sich auf das Amt, findet aber dasselbe schon geschlossen, obgleich es erst 12 Uhr war und die
Amts stunden doch bis 1 Uhr dauern. Da der Unteroffizier keinen längeren Urlaub hatte, so entschloß er sich, den Beamten in seiner Behausung um die Unterschrift zu ersuchen. Er begab sich dahin und fand den Beamten mit feinen Bienen beschäftigt. Nachdem der Beamte ihn eine geraume Zeit hatte stehen lassen, fuhr er ihn mit groben Worten an: „Er solle um 3 Uhr wiederkommen." Auf die in sehr bescheidenem Tone vorgebrachte Vorstellung des Unteroffiziers, daß er nicht länger Urlaub hätte, entgegnete er auf die nämliche grobe Weise: „Er hätte sich länger Urlaub nehmen sollen und solle ihn jetzt in seinem Vergnügen nicht stören." Wenn es auch die Pflicht gerade nicht erforderte, so verlangte es doch jedenfalls die Billigkeit, dem Manne fortzuhelfem — Es wäre bald an der Zeit, daß die Beamten jenen Stolz niederlegten, der sie ihren Untergebenen so verhaßt macht! —
Wiesbaden, 29. März. Auch das Militair erhebt sich und verlangt Freiheit. Die Unteroffiziere haben Versammlungen gehalten und in denselben gewisse Punkte entworfen, welche dem Vernehmen nach der Militärbehörde übergeben worden sind. Allgemein spricht sich die Stimme gegen das neue Offiziers-Avancement aus. Die Militairbehörde glaubte der Stimme des Volkes Genüge zu leisten und ließ deßhalb Unteroffiziere zu Offizieren avanciren, die mitunter weder durch ihre Tüchtigkeit noch durch ihr Dienstalter auf diese Ernennung Anspruch hatten. Leute, die ihr Vermögen an ihre niilitairische Ausbildung verwendet und das Offizierseramen bestanden hatten, wie auch Solche, die vor vielen Jahren schon zu Offizieren in Vorschlag gebracht worden waren, wurden übergangen. Wie man hört, sollen Einige dieser Neu-Avancirten bereits um angemessene Dienststellen im Civilè höchsten Orts eingekommen sein. — Noch muß ich das edle Benehmen eines dieser neuavancirten Lieutenants erwähnen, der, weil er das seinem Mädchen gegebene Wort nicht brechen wollte, förmlich für diese Stelle dankte und um die Erlaubniß bat, ferner im Dienste als Unteroffizier bleiben zu dürfen. Ein Benehmen, das allgemeine Anerkennung verdient. — Durch die Abdankung des Herrn Generals v. Preen ist die Ruhe so ziemlich wiederhergestellt.
Wiesbaden, 28. März.
Von vielen Vaterlandsfreunden wird behauptet, man müsse nun nach errungener Freiheit mit den Ausstellungen und Rügen unserer Zustände und der Personen, welche in Beziehung dazu stehen, einhalten, und das dahinrollende Rad ein wenig hemmen. Allein das ist so eine Sache. Das Geschwür ist einmal ausgebrochen, und es kann nur heilsam sein, wenn hier und da noch ein wenig gedrückt wird, damit sich die eiternde Masse vollends ausleere. Doch sollte man dabei immer den wahren wunden Fleck im Auge haben und nicht das Kind mit dem Bade verschütten. Zu diesen Bemerkungen wurde Einsender dieses durch einen Artikel in Nr. 25, der „Freien Zeitung" veranlaßt, in welchem die Besetzung der durch den Rücktritt des Generals von Preen vacant gewordene Stelle eines Commandanten sämmtlicher nassauischen Truppen besprochen wird.
Auffallend mußte dem Leser schon der Eingang des erwähnten Artikels erscheinen. General von Preen nahm seinen Abschied den 25. d. um Mittag, und schon den 26. will der Berichterstatter aus guter Quelle wissen, „Graf Walderdorff bemühe sich den Obrist von Hckdeln an jene Stelle zu bringen." Das begreife wer kann. Mir wird es indessen erlaubt sein, einige Zweifel an der Reinheit jener Quelle zu hegen.
Graf Walderdorff wird in dem erwähnten Artikekel ein frommer, starrköpfiger Aristocrat genannt; ich schäme mich nicht zu gestehen, daß ich nicht recht begreife, wie diese drei Wörter in ihrer Zusammenstellung einen vernünftigen Sinn geben können. Daß mit dem Begriff „Aristocrat" noth r endig der eines Volksfeindes verbunden sein müsse, das wird wohl Niemand im Ernste behaupten wollen; er würde durch tue Geschichte leicht zu widerlegen sein.
Doch was hier dem Grafen Schuld gegeben wird, das hat uns Nassauer nicht am meisten gedrückt. ES war viel-