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unter der Bedingung, daß es dessen Haupt werde. Fürwahr eine sonderbare Bedingung!

Dies ist der Stand der Verhandlungen zwischen den Regierungen!

Sehen wir zu, welches der Stand der Verhandlungen unter dem Volke ist.

Der Commissionsbericht des Abgeordneten Welcker, wel­cher noch vor vier Wochen für ein unübertreffliches Muster der Freisinnigkeit gegolten hätte, befriedigt schon nicht mehr die Anforderungen der entschiedensten Freunde des Fort-' schrittes. Bian will keine zwei Kammern, man will Eine Volkskammer; man gibt zu, daß die Abgeordneten der Für­sten und Regierungen erscheinen und mitberathen, sowie daß ihnen der Vollzug der gefaßten Beschlüsse übertragen wird, allein man will nicht, daß sie, welche bisher allein die ent­scheidende Stimme hatten, in Zukunft noch irgend eine ent­scheidende Stimme haben, so daß sie also in die Lage eines verantwortlichen Collectiv-Ministeriums hineingevrangt wür­den. Andere Wünsche gehen noch viel weiter. Alle diese Stimmen werden auf der am 30. d. M. in Frankfurt zu eröffnenden Versammlung laut werden, und es liegen Be­fürchtungen vor, daß man statt durch Gründe durch Massen entscheiden, daß man, gleich dem Gallier-Häuptling Brennus in Rom, statt der Rechisargumente das Schwert in die Wagschale werfen will. Gott gebe, daß dies nicht geschehe, aber die Aussichten sind trübe und drohend. Wenn man den umlaufenden Nachrichten trauen darf, so sind Tausende aus dem badischen Oberland und dem Seekreis auf dem Wege nach Frankfurt, um dort eine deutsche Republik zu procla- miren, und in Hanau bereitet sich eine Turnerversammlung vor, welche, wenn die frankfurter Versammlung einen ihr mißfälligen Weg - einschlägt, mit materiellem Nachdruck zu interveniren gedenkt.

Das also ist der Stand der Verhandlungen, das die Lage Deutschlands! Uneinigkeit der Fürsten und Regierun­gen unter einander, Uneinigkeit der Völker und Stämme unter einander. Nie aber ist diese kleinliche Eifersüchtelei, dieser spießbürgerliche Neid, dieses hämische Mißtrauen und Anfeinden weniger an seinem Platz gewesen als setzt, wo es sich um die Selbsterhaltung und die Unverletzlichkeit des deut­schen Reichskörpers handelt. Halten wir Rundschau: Wir finden:Feinde ringsum!" Im Westen droht uns Frank­reich. Wenn auch die dermaligen Inhaber der Staatsgewalt friedliche und brüderliche Gesinnungen gegen Deutschland hegen, so kann man doch eben nicht wissen, wie lange sie Inhaber der Staatsgewalt bleiben. Jedenfalls aber ist es fast gewiß, daß einzelne Freischaarenhorden auf unsere Grenze anstürmen und es versuchen werden, bei uns einen allgemei­nen Umsturz zu bewirken, um in den Trümmern plündern zu können. Im Norden droht uns das kleine, aber durch seine Seemacht sehr beachtenswerthe Dänemark. Im Osten endlich rüstet sich das unermeßliche Czarenreich, mit welchem ein Krieg, wenn nicht Zeichen und Wunder geschehen, gradezu unvermeidlich ist.

Und in so critischer Lage wollen wir fortfahren, uns um unseres künftigen Kaisers künftigen Bart zu zanken!? O Michel, Michel, du bist und bleibst der unverbesserliche Alte! Soll heute das deutsche Volk dasselbe lächerliche Bei­spiel geben, wie ehemals die deutschen Diplomaten, welche bis zum Jahre 1815 vor lauter Kleinigkeiten und Unwesen- Heilen nicht zur Sache selbst kommen konnten, bis sie endlich durch den Kanonendonner des von Elba zurückkehrenden Na­poleon vernehmlich zur Ordnung gerufen wurden. Sollten auch wir uns setzt auf gleiche Weise durch russische Kartät­schen zur Ordnung rufen lassen? zur Ordnung, wenn es vielleicht schon zu spät ist?

Namentlich aber Ihr, Ihr deutschen Fürsten und Völker im Norden unseres Vaterlandes, wozu wollt Ihr immer noch zögern, immer noch Bedingungen und Vorbehalte stellen ? Seht Ihr denn nicht ein, daß die Bewegung unwiderstehlich ist? Seht Ihr nicht ein, daß bei längerem Zaudern von Eurer Seite in Süddeutschland die Bewegung den Leitern derselben über den Kopf wachsen und vielleicht die Republik proklamirt werden wird, so daß denn Eure Länder das Schlachtfeld

bilden, auf welchem Napoleons Prophezeiung (In 50 Jah­ren wird Europa entweder kosakisch oder republikanisch sein") eine blutige Erfüllung findet.

Also nochmals lassen wir an alle deutschen Fürsten und Völkerstämme den Ruf erschallen:

Seid einig einig einig!

* Wiesbaden, 2 9. März. Wir erhalten aus einer glaubhaften Quelle die Nachricht, daß in Petersburg sehr bedenkliche Unruhen ausgebrochen sind. Man verlangt auch namentlich die Aufhebung aller Leibeigenschaft. Der'Kaiser hat alle Russischen Großen im Auslande zurückgerufen bei Verlust ihrer sämmtlichen Güter, sofern die Rückkehr nach Rußland nicht in einer kurzgemessenen Frist erfolgt.

Aus dem Nassauischen, 20. März. Der Fürst von Wied, preußischer und nassauischer Standesherr, ist, dem Beispiele der süddeutschen Adligen folgend, hier allen Hoch­stehenden vorangegangen, und zwar dadurch, daß er dem langhin gedrückten Landmanne Gerechtigkeit wider­fahren läßt und ibn von dem Drucke mittelalterlicher Gerechtsame befreit. Mit großer Uneigennützigkeit hat der Fürst für alle feudalen Abgaben ein sehr billiges Ablö- fungsquantum sestgestellt, und hat die Jagd, welche vielleicht die schrecklichste Landplage und die größte Ungerechtigkeit unserer Zeit war, ganz unentgeldlich aufgegeben. Ueber solche Thaten kann man nichts anders sagen, als: Geher h i n und t h u e.t d e s gleichen.

Berlin, 24. März. Charakteristisch für Personen Änd Zustände sind folgende Mittheilungen der Voss. Zeit.: Der König hat in Bezug auf die gestern stattgehabte Trauerfeier­lichkeit seine vollste Bewunderung zu erkennen gegeben und geäußert, eine so großartige Haltung der Einwohnerschaft von Berlin habe nicht allein alle und sede seiner Erwartun­gen übertroffen, sondern sei auch der beste Maßstab für den Werth der hohen geistigen Erhebung des Volkes, als die Frucht des Kampfes in den denkwürdigen Tagen der vori­gen Woche.

Breslau, 20. März. Soeben marschiren die Polen, aus Berlin kommend, an der Spitze Micros- lawski, hier durch. Die hiesigen Polen, die Studenten­schaft und bewaffnete Bürger empfingen sie aufs Feierlichste. Gleichzeitig marschirt eine Abtbeilung des 10. Regiments nach Oberschlesien, wo Bauerunruhen ausgebrochen. Aehnliche Nachrichten vom Ausbruch von Unruhen gehen uns wenig­stens aus 10 Städten unserer Provinz zu.

C o b l e n ;, 24. März. Den deutschen B r u d e r st ä m - men und uns an der äußersten Grenze des preußischen Staates, die wir dem heroischen Kampfe der tapfern Ber­liner für die höchsten geistigen Güter gegen eine, in alter deutscher Treue verzweifelnd blutenden Kriegerschaar staunend und bewundernd zugesehen, uns, die wir die Früchte dieses fruchtbaren Sieges ohne andere Zuthat als die des heißen Dankes und der Begeisterung von der Hauptstadt hinnehmen, uns steht es nicht zu, in vollem Umfange darüber zu urtheilen, auf wem die ganze Schuld des vergossenen, theu­ren Blutes laste. Berlin hat gefochten und geblutet, Berlin hat gesiegt für uns und für ganz Deutschland; überlassen wir daher auch den Siegern das Richteramt und die Sühne!

Hannover, 24. März. Ueber das Programm und die Zusammensetzung des neuen M i n i st e r i u in 6 urtheilt dieHannov. Morgenztg." folgendermaßen: Also keine Gleichberechtigung aller Religion, und keine Volksbewaffnung, keine Wehr gegen künftige Eingriffe in die Freiheiten, die Deutschland schon zum zwei- tenmale mit dem Blut seiner Heldensöhne erkauft? Keine B e e i d i g u n g des Heers auf die V e r f' a f f u n g ; keine Rückkehr zu der staatsgrundgesetzlich festgestellten Ini­tiative der Stände; keine Zusicherung eines bessern Wahlgesetzes; keine Aussicht auf eine bessere Geschäfts­ordnung für die Kammern. Aber verhieße das Ministerium auch dies alles und andres noch was fein Programm ver-