Nr. 17
Nassauische Leitung.
Freiheit, Wahrheit und Recht!
Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!
Wiesbaden, SO März 18L8.
Die „Nassauische Zeitung" mit ihrem Beiblatte „Aürgerbiatt für Unterhaltung und Literatur" erscheint täglich. Der Preis eines Vierteljahres ist für Wiesbaden fl. 1. 43 kr. Die Monate März bis Juni werden ebenfalls zu demselben Preis abgegeben. Man abonnirt in Wiesbaden in der Expedition am Friedrichsplatz. Für Auswärts nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhältnißmäßiger Preiserhöhung. — Inserate werden mit 3 Kr. für die dreispaltige Zeile berechnet.
P r 0 g r a m n»
für die ersten Tage der berathenden Versammlung deutscher Adgeord- netea und Volksmanner über ein deutsches Parlament, welche in Frankfurt am Main Cude Mär; 1848 stattfindet.
Einweisung der Abgeordneten.
Mittwoch den 29. März von 3—8 Uhr Nachmittags;
Donnerstag den 30. März von 8 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends, und
Freitag den 31. März von 7—8 Uhr Morgens ist das Anmeldungsbureau im Gasthofe zum Wei den dusch für die ankommenden Mitglieder der Versammlung geöffnet; sie werden gebeten, sich daselbst anzumelden und ihre Woh- nungs- und Eintrittskarten in Empfang zu nehmen.
Austheilung der Zuhörerkarten.
Donnerstag den 30. März von 10—12 Uhr Vormittags, und von 3—5 Uhr Nachmittags werden im Holländischen Hofe zu ebener Erde Zuhörerkarten an hiesige Einwohner ausgetheilt. Die Zuhörerkarten für Nichthiesige werden im Einweisungsbureau ausgetheilt. An Frauen können des sehr beschränkten Raumes wegen keine Eintrittskarten gegeben werden.
Berathung der Abgeordneten.
F r e i t a g d e n 31. M ä r z 8 Vr Uhr Morgens: Versammlung der Mitglieder im Kaisersaale des Römers zur Dorberathung. Von da begeben sich dieselben gegen 10 Uhr Morgens in die Paulskirche, dem Ort der öffentlichen Berathung.
Samstag den 1. April, 9 Uhr Morgens: Fortsetzung der Berathung in der Paulskirche.
Der Eintritt in die Paulskirche kann nur gegen Vorzeigung der Karten und durch die auf denselben bezeichnete Thüre stattfinden. Um das Fahren über den jtirchenplatz zu verhindern, und den Berathungen in der Kirche die möglichste Ruhe zu sichern, werden die Zugänge zu dem Paulsplatze durch die Bürgerwehren, Festordner aus der Bürgerschaft und Turner gesperrt. Es kann daher der Zutritt zu dem Kirchenplatze selbst nur den mit Eintrittskarten versehenen Personen gestattet werden. Da diese Abschließung des Platzes lediglich den oben angegebenen Zweck hat, so ist gewiß anzunehmen, daß sie von allen Mitbürgern, Bewohnern und Besuchern unserer Stadt gebilligt und geachtet werben wird. Zugleich sind Veranstaltungen getroffen, die Verhandlungen in der Kirche so rasch, als möglich, und im Kaufe des Tages mehrmals, durch die Presse zu veröffenlichen, und dadurch die Vielen zu befriedigen, welche sich in ihren Hoffnungen, Eintritt in die Kirche selbst zu erhalten, vielleicht getäuscht sehen werden.
Bei der hohen Wichtigkeit, welche dieser Zusammentritt deutscher Volksmänner für die zukünftige Gestaltung unserer vaterländischen Verhältnisse hat, wird es jedem Vaterlands- freunde nicht unangemessen erscheinen, daß die Bevölkerung der Stadt, welche diese Zukunftssaat in ihren Mauern ausstreuen sieht, das ernste Ereigniß auch mit äußerer Würde und äußerem Festglanze umgibt.
Daher soll am Vorabende der Versammlung schon Donnerstag den 3 0. im
Stadttheater die Oper „Tell" aufgeführt werden mit einem Prolog und allegorischem Tableau.
Eine Ehrenwache der Bürgergarde ist an dem Versammlungsorte, an der Paulskirche, ausgestellt, und das Geläute aller Glocken und der Kanonendonner der Bürger- Artillerie empfängt die Abgeordneten bei ihrem Zuge aus dem Römer.
Freitag den 31. soll dem Präsidenten der Versammlung ein Fackel zug mit Sänger-Chören gebracht werden. Der Zug wird sich um 7 Uhr Abends von dem Obermainthor aus in Bewegung setzen und sich über die Langenstraße, die Allerheiligengaffe, die Zeil, auf den Roßmarkt vor den englischen Hof begeben, von da durch die Weißadlergaffe, große Sandgasse und neue Kräme auf den Römerberg.
Samstag den 1. April: Beleuchtung der Stadt.
An den Abenden des Donnerstags, Freitags und Samstags sind die Säle des Weidenbuschs, Wolfecks, und ehemaligen Königs von Preußen (jetzt deutschen Hofs) zu freundschaftlichem Verkehr mit den geehrten Gästen geöffnet.
Die Kunst- und wissenschaftlichen Anstalten stehen an den genannten Tagen offen. *
Frankfurt a. M., den 27. März 184ß.
Die vereinigten Fest - Ausschüsse.
Deutschland.
§ Seid einig — einig — einig!
Wiesbaden, 29. März 1848.
Es ist ein Moment, in welchem man diese Worte unseres großen nationalen Dichters Schiller mit Posaunenklängen hinaustönen sollte, damit sie in laße deutschen Gauen und unter alle deutschen Stämme dringen, damit sie die aufgeregten Leidenschaften dämpfen, die gegenseitigen Erbitterungen sanftigen und uns lehren, alle und jede Opfer zu bringen, wenn es sich handelt um die Freiheit und Unverletzlichkeit Deutschlands.
Und darum handelt es sich jetzt!
Württemberg, Hessen, Baden, Sachsen und Nassau sind einverstanden über die zu ergreifende Richtung. Sie wollen den neuen Bund organisiren auf den breitesten Grundlagen der Nationalvertretung und unter einem frei wählbaren Vor-; sitz. Sie wollen dem Verlangen des Volks in allen Stücken volle Rechnung tragen.
Dagegen Baiern, Hannover, Braunschweig u. A. zögern noch immer, der offenen und entschiedenen Erklärung jener Staaten, welche sie durch besondere Commissaire hierzu aufgefordert haben, beizutreten. Sie geben Erklärungen über ihren allge reinen guten Willen, die Sache zu fördern, aber auf bestimmte Propositionen sind sie nicht eingegangen.
Preußen erklärt seinen Beitritt zu dem neuen Bund,