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gefochten und sein die Andern anfeuernder, mitfortreißender Heldenmuth blieb dem General Boucquoy nicht unbekannt. „Daö nenn ich mir einen jungen Degen;" sprach dieser zn ihm; „der Kaiser wird Euer gedenken, Graf von Waldstein; und was mich betrifft, so sagt mir frei, was Euer Herz begehrt; Ihr habt Einer gegen Zwanzig gekämpft, und Euer Beispiel war für Hunderte!" „Ich hab's meiner Braut zu danken!" versetzte Max von Waldstein heiter; „sie wußte ich ja dort in Prag, und eS trieb mich sie recht bald wiederzusehen; daS ist mein ganzes Verdienst." — Ihr habt eine Braut in Prag?" fragte Boucquoy; „wie heißt sie?" — Es ist die Tochter des Freiherrn von Berka," versetzte Waldstein; Boucquoy's Blicke verfinsterten sich bei diesem Namen; begeistert fuhr Waldstein fort: „Bei meinem Eid! daö schönste und edelste Fräulein, das auf Erden lebt! Ihr habt mir erlaubt, Euch um die Gewährung einer Bitte zu ersuchen. Ich spreche sie jetzt auS: Gewährt dem Hause Berka'S eine Salva Guardia und seid Zeuge unserer Freude, wenn ich die Geliebte wieder umarme." „Das Erste — ja! daâ Zweite — nein! sprach Boucquoy; „der alte Berka ist ein Rebell und mag sich nur hüten, daß er weder mir noch sonst jemand, der gut kaiserlich ist, vor die Augen kommt, sonst kann ich beim lebendigen Gott nicht dafür einstehen, waS ihm widerführe. Die Salva Guardia, Waldstein, sollt Ihr jedenfalls haben, denn ich gab Euch mein Wort und werde eS halten!" Hiermit entließ er den jungen Helden, der sich verneigte und von dannen eilte, um mit dem Heere in Prag einzuziehen, welches sich, am Morgen nach der Schlacht, nach der Flucht des GegenkönigS Friedrich den Siegern ergab, nachdem die Wallonen des BundeSheeres bereits Sturmleitern an die Mauern gelegt hatten.
Als die Nacht hereingebrochen war, wurde das Schlachtfeld erst recht belebt, aber nicht von Kriegern sondern von Plünderern. Wie durch ein Wunder hatte daS ermattete, halbnackte, halbverhungerte Heer deö heiligen Bundes den Sieg errungen, und die Soldaten, die so lange entbehrt hatten, wollten sich denselben nun auch zu Nutze machen. Wie Schaarcn von Raubvögeln lagerten sie sich über den Leichen; was ihnen beim Sternenschein und beim Schimmer der Laternen in'S Auge glitzerte, schöne Waffen, goldene Ketten, silberne Sporen, ward als gute Beute genommen; die Taschen der Gefallenen blieben nicht' undurchsucht; die Sieger entkleideten die Todten, und hüllten sich in deren Wämser und Mäntel. Ein Wallone, der biâ jetzt zu kurz gekommen, stöberte verdrossen in einem Leichenhaufen und war nicht wenig erfreut, als er ein paar stattliche Beine gewahr wurde, welche, in feines Tuch gekleidet unter einem todten ^erbe hervorstanden. Er zog den Körper
hervor, blickte seine eigenen schlechten Beinkleider an, und rief dann: „DaS ist doch einmal ein Glück für unser Einen." Bei der Berührung zuckte der Todtgeglaubte zusammen. „WaS?" schrie der Wallone, den Degen zuckend, „willst am Ende gar noch nicht todt sein? Schlechter Spaß!" Der Verwundete, den er erfaßt hatte, blutete aus hundert Wunden, und wie eben der Morgen heranbrach, schüttelte ihn der Frost, — Zeicheu des noch vorhandenen Lebens. „Kerl, wer bist Du?" rief der Wallone," Du hast gute Hosen an, „Du hast gute Hosen an, Du must sterben." Und sogleich schickte er sich an, den auf den Tod verwundeten Krieger zu entkleiden. Zum Glück gewann dieser jetzt die Sprache wieder, und versuchte sich aufzurichten, indem er sich mit Macht an den Marodeur hielt; hierbei bemerkte der Letztere auf dessen Stirn ein Maal in der Gestalt von zwei verkreuzten Schwertern und hörte daö leise heisere Wort: „Bin der Pappenheimer! Der Wallone erschrack, betrachtete ihn genauer und neigte sich nun zu ihm, da er ihn jetzt vollends erkannte, hernieder, indem er rief: „Verzeiht, Herr, da hätt' ich bald was Schönes angerichtet; aber wie zum Teufel kommt Ihr nur hierher?" „Roß und Reiter gingen über mich hinweg, wie ich niedergesunken war;" sprach Pappenheim; „hab' die Nacht lang nicht gewußt, ob ich in der Hölle wär, oder im Himmel, hab' für die Hölle zu wenig Pein empfunden, und für den Himmel zu wenig Seligkeit, hab' also gemeint: eS muß wohl daS Fegfeuer sein, d'rin ich läge. Aber jeßt, Kamerad, lad' mich auf und mach fort »ach Prag. Wenn der Feldscheer mich nicht bald zusammevfiickt, so ist'S mit mir aus, und ich möchte doch noch manchen solchen Tag erleben, wie der gestrige war." „Herr Gott im Himmel!" ries der Wallone, indem er den Pappenheimer voll Respect aufhub,— ist daS eia Schrammhauâ! Wenn sie den noch zusammenflicken so Gnade Gott denen, die er zerhaut!" Er brachte ihn nach Prag zu dem geschickten Meister Andre, welcher sehr bedenklich den Kopf schüttelte, alö er die hundert Wunden überzählte und hinein sah, wie tief sie waren.
Max von Waldstein zog durchs Strahower Thor in Prag ein und eilte, sobald er sich nnr von seinen Soldaten trennen konnte, in das Quatier, wo sich daö HauS deâ alten Freiherrn von Berka befand. Mächtig schlug dem freudigen jungen Helden daS Herz bei dem Gedanken an'S Wiedersehen der geliebten Braut. „Wenn sie am Fenster steht und mich von Weitem sicht," dachte er indem er durch die Straße sprengte, — „so eilt sie mir gewiß entgegen; der Trotz des Vaters ist gebrochen und noch heute soll frisch nach dem Siege Hochzeit sein! Wäre nur der Pappenheim hier, oder wüßt' ich wo er steckt!" In solchen Gedanken kam er biö an Berka'S HauS, vor wel-