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nicht, daß es ihm bald gelingen werde, den Zoru des Vaters zu versöhnen und seine Geliebte als Gattin heimzuführen.

Gleichwohl war es ihm jetzt eigen zum Muth, da er, und zwar alS Feind, sich so nahe vor der Stadt befand, in welcher seine Geliebte weilte, und nicht ohne Sorgen dachte er an die Wechselfälle des Kriegsglücks und an daö Schicksal seiner Ge­liebten, wenn das katholische Heer den Sieg erringe und Prag einnehme. Schnell verscheuchte er jedoch sich diese Sorgen aus der Seele.Wenn wir siegen und Prag unser wird," sprach er zu Pappenheim,so muß mir Boucquoy eine Sauvegarde für Berka'ö Hauö bewilligen. Kommt's zur Schlacht, -so soll er mich so fechten sehen, daß er mir bei Gott und der heiligen Jungfrau! meine erste Bitte nicht abschlagen wird. Dann alter Trotzkopf magst Du . . ."Schlacht! Schlacht!" rief Pappenheim, vor Ungeduld ihn untrrbrechend;ja wär's nur endlich so weit! Seit dem Boucquoy bei Rokonitz die ver­dammte Kugel in den Schenkel gefahren, spielt er den Fabius Cunctator! Zum Teufel mit dieser Weisheit! Er weist unö hin auf diese ausgeruhten wohlgemästeten Feinde, als ob wir sie mit unfern abgehetzten ausgehungerten Kriegsleuten nicht angreifen dürften! Besser: unser Volk fällt ehrenvoll hin im offner Schlacht, als daß daS Elend hier im Lager lang­sam umbriugt! Ich ertrag's nicht länger! Unser Herzog Max und der alte Tilly, die haben doch Kopf und Herz noch auf dem rechten Fleck! Aber was nützt's? Da sitzen sie Stunden lang vor dem lahmen Boucquoy wie Krankenwärter und rufen ihm in Einem fort daS Wörtchen Schlacht zu, als wollten sie'S einem Psittich lehren. Was hilft's? Er sagt: Nein! Meine letzte Hoffnung ist unser ehrwürdiger Karmelit, Bruder Dominik. Der hat im Schutt des Schlosses Rakonitz ein Marienbild gefunden, dem die Feinde im Frevel die Augen ausgestochen haben! Wenn Boucquoy das nicht rächen will, so laß unö unsere Degen zerbrechen, Max, und ich will dem neu­gebackenen König in Prag huldigen. WaS lächelst Du?" Weil just die zwei Schwerter auf Deiner Stirne wieder leuch­ten," erwiederte Waldstein;das ist ein schlimmes Zeichen; dann jagt Dir der Zorn daS Blut in den Kopf und ich glau­be: Dein bester Freund ist dann vor Dir nicht sicher."Nein ein gutes Zeichen ist'6, rief Pappenheim;'S ist wahr: wènn mich der Zorn packt, tritt das Mal hervor, daS ich mit auf die Welt brachte, die zwei verkreuzten Schwerter; aber wie mein Vater Veit dem Gott genad, sagte, und er konnt' es aus den Sternen wissen; er prophezeite mir in den Win­deln, es würde der beste Degen aus mir, waS wollt' ich sagen? Ja so, meiner Treu, wenn Du das Mal auf meiner Stirn siehst, dann, Max, ist auch die Schlacht nicht weit, und beim lebendigen Gott: mir ist, als hört' ich eben Allarm schlagen."

Noch hatte Pappenheim diese Worte nicht ganz ausgespro­chen, alâ es auch schon im ganzen Lager lebendig ward. Schlacht,-Schlacht! ries jeder Soldat seinem Kamerraden zu und im Nu standen all' in Reih und Glied schlagfertig.Gott sei Dank," rief Pappenheim,jetzt kann ein ehrlicher Kriegs­mann doch wieder frei aufathmen. Gott befohlen, Max, auf frohes Wiedersehen! Grüß meine Mutter, wenn'ü mich trifft! Und bestell' mir Quatier, wenn Du mir vorausgehst!" Gott besohlen, Gottfried!" erwiederte ihm Max von Wald­stein, tnbem er den Degen auö der Scheide riß, voll freudi­gen Lebenömutheö;es trifft weder Dich noch mich. Heut erring ich mir die Braut; mein Feldruf: Salva guardia! Auf frohes Wiedersehen, Gottfried, bei meiner Hochzeit! Du sollst Brautführer sein!" Die beiden Freunde schüttelten sich die Hände und jeder eilte auf seinen Posten.

(Forts, folgt.)

Das Wahlgesetz.

Wiesbaden, den 25. März.

Parluriunt montes; nascetur ridiculus mus.Dieses über den Aussatz in No. 13 deS Volksfreundes stedende Motto, könnte man mit Recht seinem geistreichen Verfasser zurufen. Er selbst gesteht ein, den Vorschlag zum Wahlgesetz nur fluch- tig durchlesen zu haben; aber wenige Minuten haben hinge­reicht, diesem großen Geiste eine Unzahl Fehler und Irrthü­mer aufzudecken, welche von den kleinern Geistern, welche mit der Redaktion beauftragt waren, verübt wurden.

Aber hiemit nicht genug; nicht allein unbegreifliche Irr­thümer findet der Verfasser in dem neuen Wahlgesetzvorschlag; nein, Mißtrauen, Verdacht wird in ihm rege gegen die Ab­sichten der Männrr, welchen er doch allein verdankt, daß er seine Stimme gegen sie erheben, ihr Verfahren mit dem Aus­druck eines saubern ManövreS bezeichen darf.

Ich frage alle edel Denkenden in unserm Volk: ist daS der Lohn, welchen der Mann verdient, der, wie seit Jahren, so in der letzten Zeit, an der Spitze deS Volkes die ersehnte Freiheit errang, mit edler Aufopferung alle seine Kräfte, jeden seiner Gedanken der Volkssache weihte? heißt das mit ehrli­chen Waffen kämpfen, wenn wir anders Denkende mit dem Gifte der Verleumdung, deS Mißtrauens bezeichnen? Doch der gesunde Sinn des Volkes wird sich von selbst, ich bin es überzeugt, von ähnlichen Anschuldigungen mit Verachtung ab­wenden; daö Volk kennt seine Männer, sein Vertrauen wur­zelt zu fest bei denen, welche ibm in den Tagen der Gefahr