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wechselten die meilenweiten Sümpfe mit kurzen Strecken brau­nen Heidelandes ab. Faulende Wurzeln der Zwergbirke und eine kaum etliche Spannen hohe Weidenart bewiesen, daß die schon so kümmerliche Vegetation noch im Abnehmen begriffen sei. Auf wenigen Punkten nur ruhte das Auge auf schmalen Strecken eines matten Grünes, sparsam und einzeln stehende Wasserpflanzen vegetirten hier, desto abwechselnder war die durch alle Nüancen spielende Färbung von Gran und Braun. Moose und Flechtungen der verschiedensten Gattung schienen hier ihre eigentliche Heimtah zu haben; ja auf manchen Punk­ten war deren Vegetation so üppig, daß der Fuß deö Einsa­men, der diese Oeden durchirrte, biö an's Knie in daS von den Kryptogamen gebildete Bett einsank. Am entsetzlichsten war das tiefe, furchtbare Schweigen, daS beständig auf diesen Ge­filden deö Todeö lastete. Außer dem seltenen und leisen Zir­pen der Schneelerche, oder dem Heisernen Ruse deö wilden Huhs, ertönte nur dann und wann der gellende Schrei eines aus dem Moraste aufsteigenden Waffervogelö, und von dem Geschlechte der Vierfüßler spürte man nur am Strande des Eismeeres die Fährte des arktischen Fuchses, der im Scheine der mitternächtlichen Sonne umhertrabte und durch einzelne Klagelaute seinen nagenden Hunger kund gab.

Dennoch entbehrte die furchtbare Steppe nicht aller mensch­lichen Bewohner. Ungefähr eine Stunde vom Gestade des Meereö dicht am Ufer des Ob lag ein von unvollkommen be­hauenen Holzblöcken roh gezimmertes Haus. Die aufeinander geschichteten Bälken, deren Zwischenräume mit Moos ausge­stopft waren, so wie dee Umstand, daß solche den verschieven- sten Holzarten angehörten, bewiesen deutlich, daß die kümmer­liche Wohnung mühsam aus dem nur spärlich von dem mäch­tigen Strome herbeigeführten Treibholze errichtet worden sei. Daö Dach der Hütte, die überhaupt nur zu ihrem Nachtheil mit einer Bauernwohnung deS mittleren Rußland in Vergleich zu bringen wrr, bestand aus Nasen, oder vielmehr einer di­cken Torfschicht, der die auf ihr wuchernden Moose das Anse­hen von Rasen gegeben hatten. Neben dem Hause war eine Art offener Schuppen errichtet, und unter dessen Dache eine Menge ziemlich ansehnlicher Fische, der Länge nach gespalten, zum Trocknen aufgehängt. Eine Anzahl ziemlich dürrer Hunde von wildem Ansehen balgte sich um einzeln herumliegende Fisch­köpfe und diejenigen aus der Meute, welche den stärkern Ne­benbuhlern hatten weichen müssen, thaten ihr Leid durch kläg­liches Geheul und sehnsüchtige Blicke nach der gewohnten, über ihren Häuptern aufgehängte« Aetznug kund.

(Forts. f.)

O Ein Wiedersehen.

Historische Novelle von Eduard Roller.

war am frühen Morgen des 8. Dezember 1620; tie­fes Dunkel umhüllte noch die beiden feindlichen Lager, daS der Böhmen, die sich am weißen Berge bei Prag verschanzt hatten, und daS des heiligen Bundes, welches sich denselben gegenüber befand. Feierliche Stille herrschte in dem katholischen Heere, nur hier und da ließ sich der leise Schmerzenslaut eineâ kran­ken Soldaten vernehmen, oder klirrten die Waffen der Schild­wachen, die hastiger auf und abschritten, je schärfer sie, ohne­hin von den Strapazen des Marsches noch entkräftet, den schneidenden Frost empfanden. Die Töne der Prager Glocken, welche sich deutlich vernehmen ließen, verkündeten den katholi­schen Kriegsleute» die. Stunde des Frühgebets, und bei gedämpf­tem Trommelwirbel knieten sie nieder, um Gottes Beistand für den Sieg des heiligen Bundes über die andersglänbigen Feinde zu erflehen.

In ihre Mäntel gehüllt wandelten zwei Offiziere im eifri­gen Gespräch vor einem Zelte hin und wieder. Max von Waldstein hieß der Eine, ein Vetter des später so mächtig und weltberühmt gewordenen Albrecht von Wallenstein, Gott­fried Heinrich, Graf zu Pappenheim der Andere; er zählte damals 26 Jahre; ihm gleich, wie an Alter fo auch an Kraft­sülle und Heldenmuth, war sein Freund Max von Waldstein, nur sanfteren Gemüths in jenen Stunden, die nicht dem Kampfe gehörten, heiterer von'Sinnesart, und anmuthiger von Manie­ren; dabei seinem Freunde ebenso unerschütterlich treu wie sei­ner Geliebten. Der alte Freiherr von Berka hatte Max von Waldstein seine einzige Tochter verlobt, die mit ganzer Seele an dem jungen Helden hing; eine Zukunft voll der reichsten frohesten Hoffnungen lag dem Brautpaar offen, als plötzlich der Haß der Partheien, welcher damals die verderblichen Flam­men des dreißigjährigen Krieges anfachte, auch dies Familien­glück zerriß. Der alte Freiherr von Berka war nämlich ein erbitterter Feind des Kaisers Ferdinand II., den die Böhmen ihrer Krone verlustig erklärt hatten, und ein eifriger Anhänger deS Churfürsten Friedrich von der Pfalz, welcher, durch Böh­mens Stände gewählt und herbeigerufen, Böhmens Königskrone trug; Max von Waldstein dagegen stand in den Diensten deö Kaisers und weigerte sich, denselben zu verlassen, so wie Berka eS von ihm verlangte. Erzürnt über diesen Widerspruch hatte der alte Freiherr die Verlobten getrennt und geschworen, Max solle seine Tochter erst dann erhalten, wenn er von Ferdinand'S Fahnen zu denen Friedrich'S übertrete. Max von'Waldstein blieb jedoch seinem Kaiser ebenso treu wie seiner Geliebten und zweifelte im frohen glücklichen HoffnungSmuth der Jugend