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versicherte derselben, daß er sich ganz dem Schutze der Bür­ger Berlins anvertraut habe. Die Anhänglichkeit an die Person des Königs, an welchen das Volk sich immer fester anschließt, steigt mit jedem Tage; dagegen ist die Abneigung, der Argwohn und die Erbitterung gegen den Prinzen von Preußen sehr groß, und wohl nicht mit Unrecht. Morgen wird die feierliche Beerdigung unserer in den Tagen des ruhmvollen Kampfes für die Freiheit gefallenen Brüder stattfinden. Das Comits für die Bestattung unsrer Todten hat deshalb eine Bekanntmachung erlassen. Am Begräbnisse aller Gefallenen, der Bürger sowohl als der Soldaten, wer­den auch die Truppen Theil nehmen. Berlin wird die Sol­daten mit Achtung behandeln; sie glaubten ihrer Pflicht, wenn auch einer traurigen, zu genügen, und nur die Führer sind strafbar. Die Soldaten sind Kinder desselben Vater­landes, wie die Bürger, und dieses Vaterland braucht alle seine Söhne vielleicht bald gegen den russichen Feind, darum Friede und Versöhnung.

Berlin, 21. März. Die Zeitungshalle sagt: Schmach den Verleumdern! Nachdem das Berliner Volk in der glorreicher: Nacht vom 18.19. März seine Fesseln zerrissen, bemühen sich Niederträchtige, ihm den Ruhm seiner Thaten zu schmälern und seinen Heldenmuth zu verdächtigen, indem sie aussprengen, daß französische, oder schweizerische, oder polnische (warum nicht gar russische) Freiheils- Emmissäre die ganze Revolution fir und fertig gemacht. Wie ein guter Policist in jedem Menschen von vornehercin einen Spitzbuben wittert, so gibt es erbärmliche Naturen, die jede große, edle That mit dem Geifer ihrer schmäligen Verläum- dung zu besudeln versuchen. Wo sind denn diese fremden Freiheitsmänner? Wer hat die Barrikaden bauen, wer sie daraus kämpfen, sterben, siegen gesehen? Man weiß kaum, ob diese Verleumdung mehr lächerlich oder mehr niederträch­tig ist. Schmach der Verleumdung!

Breslau, 20 März. Heutemorgen wurde ein russischer Courrier angehaltcn und auf das Rathhaus gebracht.

Köln, 23. März. In einer abermals hier stattgefnn- denen zahlreichen Versammlung wurde eine neue Adresse an den König angenommen. Man verlangt sofortigen Erlaß eines provisorischen Wahlgesetzes auf Grund neuerer Vertre­tung, sowie die Wählbarkeit aller unbescholtenen Bürger im Alter über 21 Jahren; alsdann sofortige Einberufung der so gewählten Vertreter, um die künftige Verfassung Preußens und dessen Verhältnisse zum gesaminten Deutschland festzustellen. Endlich Gewährleistung der Unabhängigkeit der Wahlen und damit die allgemeinen Volksforderungen: 1) unbedingte Frei­heit der Rede und Presse, 2) freies Versammlungs- und Vereinigungsrecht, 3) allgemeine Volkbewaffnung mit eigner Wahl der Führer.

Aachen, 23. März. Unser Hansemann zeigt in unsrer Ztg. heute an, daß er zum Landtag nach Berlin heute abreisen werde. Er hofft, seine Mitbürger bald in glück­licheren Verhältnissen der Gewerbthätigkeit wieder zu sehen, mahnt zur ferneren gesetzlichen Ordnung, und will Alles, was er vermag, zum allgemeinen Wohl wirken.

Düsseldorf, 21. März. In einem gestrigen Corps- Befehl des Generals v. d. Gröben begrüßt dieser das ge­meinschaftliche deutsche Bundesbanner zum Voraus als das äußere Zeichen des vereinigten deutschen Vaterlandes mit voller Freude.

Bonn, 23. März. Die Zeitungs-Ente: Fürst Metter­nich (die Rheinländer sagen Fürst Mitternacht) sei auf Schloß Rheineck angekommen :c entbehrt jeden Grundes. (Metter­nich ist, wie die österr. Blätter melden, nach Böhmen.)

Koblenz, 23. März. Sowohl nach der neuesten tele­graphischen Depesche als nach den neuesten und letzten Pri­vatnachrichten befindet sich der König in Mitten seines Volkes ganz wohl. Alle, theils mit großer Schrift in einzelnen Blättern so voreilig verbreitete Gerüchte von dem Tode des Königs sind unwahr.

Darmstadt, 20. März. In der 2. Kammer wurde ein Antrag des Abgeordneten Reh, die Staatsregierung zu ersuchen, für baldige Wiederherstellung eines freien Polens zu wirken, zup Berichterstattung verwiesen.

Cassel, 20. März. Prf. Jordan ist, von mehreren Deputaten und befreundeten Männern eingeholt, heute um 7 Uhr hier eingetroffen. Der Jubel des Volks begleitete den verehrten Mann zum Gasthof.

Hannover, 21. März. Sämmtliche Minister haben abgedankt ; der König hat eine Proklamation erlassen, wonach er alle Wünsche seiner Hannoveraner erfüllen will.

t Braunschweig, 21. März. Während wir hofften, daß die politischen Stürme der Gegenwart uns nur indirect berühren würden, da wir von der Zusage des Herzogs und der Thätigkeit der Stände auf dem allerfriedlichsten Wege Alles erlangen zu können sicher waren, was in andern Län­dern schwer erkämpft werden mußte, wurde am 16. Abends die Ruhe gestört. Eine Bürgerversaminlung im medicinischen Garten hatte eine Menge Leute aus den niedrigen Ständen herbeigezogen, der es nach Beendigung jener Versammlung einfiel, einen Act der Lynch -Justiz gegen den mißbeliebigen Stadtinagistrat zu vollziehen. Das Wetter betraf zunächst den Stadtrath Mack, der durch sein Betragen den Unwillen der Bevölkerung am meisten auf sich gezogen hatte, und die Scene endete mit der Zerstörung des Innern seines Hauses; für den folgenden Abend wurde ein gleicher Besuch seinem College:: Franck zugedacht. Es wurde daher sogleich eine Bürgerwehr ertemporirt und aus dem Zeughause mit 500 Gewehren bewaffnet. Nichtsdestoweniger rottete sich berHsö- bel am folgenden Abend (17.) zusammen, und suchte sich durch Steinwürfe zu vertheidigen, deren einer den Buchhänd­ler Vieweg am Ange gefährlich verwundete. Als auch aus Häusern einige Male auf die bewaffneten Bürger geschossen wurde, gaben diese gleichfalls Feuer, zuerst dre: Mal blind, dann aber die vierte Salve mit scharfen Patronen, wodurch der Haufe aufgelöst wurde. Weder das Militair noch die Gensd'armerie betheiligten sich dabei; die Bürgerwehr wurde weiter organisirt und die Ruhe erhalten, nachdem der Ma­gistrat eine energische Proklamation erlassen hatte, auf welche eine weitere des Staatsministeriums folgte. Unter Bekannt­machung der ersten Concessionen des Königs von Preußen erklärte es sich bereit, sich an die Spitze der Bewegung in Braunschweig zu stellen. Gleichzeitig verbreitete sich das Ge­rücht, der König von Hannover sei verjagt und unser Herzog zum König proklanürt, und dadurch wurde die Ruhe noch mehr befestigt und nicht weiter gestört, obgleich sich das Ge­rücht schon am folgenden Tage als falsch zeigte.

Wien, 19. März. Unser neues constitutionelless Ministerium besteht aus: Präsident, Graf Colloredo- Wallsee, Minist"' des Aeußern, Graf Ficquelmont, des Innern Frh. v. Pillersdorf, Finanzen, Frh. v. Kübcck, Justiz, Frh. v. Sommaruga, Krieg, Fürst Win­dt s ch g r â tz.

In Venedig brach am 17. März ungeheurer Jubel aus, als ein Dampfboot die ersten Berichte gebracht hatte; die polit. Gesang, wurden mit G e w a lt befreit. Den Deutschen wurde ein Hoch gebracht.

Polen.

In Berlin cingegangenen Nachrichten zufolge ist in War­schau der Aufstand ausgebrochen. (Ztg-H.)

Ein in Breslau am 20. d. aus Polen angekommener Reisender meldet, daß in Kalisch sür 600 russi sche O f- ficiere Quartier bestellt sei, und daß gegen 150 Tansend Mann Russen an der polnisch-preußi­schen Grenze stehen. (Bresl. Z.)

Das Nassauische Volk, dessen Vertrauen zu seinem Für­stenhause vollständig ist, würde es als einen neuen Beweis von Liebe erkennen, wenn Se. Hoheit der Herzog geruhen wollten, den Durchlauchtigsten Bruder Prinz Moritz von Nassau an die Spitze der gesammten Nassauischen Wehr­mannschaft zu berufen. ' Ein Nassauer für Viele!

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. Verantwortlicher Redacteur: Wilhelm Friedrich.