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um Geld, noch heute Gewicht legenz so hat auf der an­dern Seite die Ausübung jenes Rechts für die kirchlichen Zu­stände, im Ganzen und im Einzelnen, gewiß die nachtheilig­sten Folgen. Als ein großer Mißstand muß eS zunächst er­scheinen, daß unter den circa 200 evangelischen Pfarrstellen des Herzogtbums Nassau wenigstens ein Viertheil der ordnungs­mäßigen Besetzung durch die oberste Kirchenbehörde und die Landes-Regierung entzogen und der Wellkühr der betreffenden Patrone überlassen ist. Die heterogane, buntscheckige Concurrenz, die bei der öffentlichen Staatsverwaltung in den einzelnen Landeötheilen fortwährend besteht, erscheint auf diese Weise auch auf das kirchliche Gebiet übertragen, so daß am Ende die vielen Patrone geistlicher Stellen als ebensoviele Kir­chenfürsten in dem kleinen Lande erscheinen.

Nicht allein aber, daß dieses Verhältniß ein Mißstand ist, der durch Arrondirung aller evangelischen Pfarrstellen unter Eine gemeinsame und gleichmäßige Central-Verwaltung zu be­seitigen ist; um so zeitgemäßer und nothwendiger erscheint dieß auch deßhalb, weil bei Ausübung deS Präsentations-Rech­tes die größte Willkühr herrscht nnd die mannigfachsten Miß­griffe begangen werden. Denn die Erfahrung bestätigt es sattsam! nicht die Tüchtigkeit, nicht Alter oder Verdienst deS Bewerbers ist in solchen Fällen für den Präsentator maß­gebend, sondern: zufällige persönliche Bekanntschaft, günstiger, durch eine glatte Zunge, oder ein vortheilhafteö AeußereS her­beigeführter Eindruck augenblicklicher Unterredung, vor Allem aberein gutes Wort" von wohl accredirten Freunden oder Gönnern, so wie das damit oft Hand in Hand gehende ehr­lose Mittel von Ränken und Intriguen. Wie häufig kommt so nicht der Fall vor, daß ein junger Mann, der vor wenig Jahren erst die Universität verlassen, und der nach seiner per­sönlichen Qualifikation und ordnungsmäßig wahrscheinlich in seinem ganzen Leben ein solches Ziel nicht erreicht haben würde, auf gedachte Art frühe schon vielleicht eine der besten Pfar­reien deS Landes erlangt, während Alter und Verdienst keine Berücksichtigung dabei finden! Welchen uachtheiligen Einfluß muß dies Verfahren aber eines Theils auf den frühe schon zu Ansehen und Würde Gelangten, und andern Theils auf die gesammte Landesgeistlichkeit üben, indem Jener, was er dem Glücke" zu danken hat, sehr leicht seinem Verstände zuzu- schreiben versucht wird, stch übermüthig geberdet und alle wis­senschaftliche Fortbildung, sowie Gewissenhaftigkeit in der Amts­führung für sich in jeder Beziehung als überflüssig betrachtet; die gesammte übrige Landesgeistlichkeit aber, weil sie sich von einem großen Theile, mitunter der einträglichsten Pfarrstellen ausgeschlossen sieht, darin eine Zurücksetzung finden, sich unzu­frieden fühlen uud in freudigem Vorwärtsstreben mehr oder minder entmuthigt werden muß! Diese Unzufriedenheit ist vol­

lends bei denen eine sehr natürliche, welche aus einer soge­nannten Pöuitenzstelle bei zahlreicher Familie mit Druck aller Art kämpfend, nur beklagen können, daß nicht auch sie so glücklich waren, wie mancher ihrer vielleicht weit mehr incri- minirten College», der durch Erlangung einer Patronatsstelle sich der verdienten Strafe zu entziehen wußte, in einen ähnlichen Sicherheitshafen einzulaufen.

Der ehrlosen Machinationen, wozu selbst Geistliche mit­unter sich erniedrigen, um sich zu einer gewünschten, vielleicht aber bis zur Zeit noch gar nicht vacante» Stelle Bahn zu brechen, einmal nicht näher vor dem Forum des Publikums zu gedenken!

Möchten diese Bemerkungen bei allen denen, welche zur Beseitigung deö beregten Uebelstandes ein entschiedenes Wort zu sprechen haben, die verdiente Berücksichtigung finden, ins­besondere auch der Aufmerksamkeit der neu zu wählenden Stände schon jetzt zum Wohl der vaterländischen evangelischen Kirche empfohlen sein!

Wiesbaden, den 24. März.

A Schon seit längerer Zeit gewahrt man durch vielerlei Ereignisse, daß es außer den wahren Freunden deS Fortschritts bei uns auch eine Partei gebe, welche im Trüben zu fischen und die allgemeine Aufregung planmäßig zn selbstsüchtigen Zwe­cken auszubeuten sucht.

ES ist dieselbe, von der vor und nach dem entscheidenden Tage alle jene zum Theil völlig sinnlosen Gerüchte herkamen, als da sind, daß Baiern (sie hätten auf Luftballons kommen müssen') einrücken würden u. s. w.

Da nun ferne Baiern mehr anrücken können, so versucht man ein anderes Manövre und sucht in unserm Militär die Disziplin zu untergraben. Denn daß die Soldaten nicht von eigenem Gelde seit geraumer Zeit in der Stadt Frankfurt leben, daß sie nicht daran gedacht hätten, in dtt vorgestern erlebten Weise aufzutreten, über welche die öffentliche Meinung bereits entschieden hat, wenn man sie nicht fortwährend dazu anstachelte, bezeugen glaubhafte und, wie wir, über diese ent­rüstete , Soldaten selbst.

Wir wollen hoffen, daß die Urheber dieser Scenen ihr schmachvolles Beginnen aufgeben, welches die schöne Sache deS Volkes nur schänden kann.

Zugleich aber bitten wir alle Gutgesinnten, alle Verbrei­ter von Gerüchten zur Mittheilung ihrer Weisheit auf dem Sicherheitükomite zu nöthigen, wo mau schon im Staude sein wird, sie zu würdigen, namentlich aber auf die Leute ein schar­fes Auge zu haben, welche die Soldaten weiter zu bearbeiten