52
London, 18. März. Ludwig Philipp und seine Familie leben zurückgezogen in Claremont; der ehemalige König hat seine Weise nicht abgelegt, mit Jedem über die ganze Politik zu plaudern und sich zu beklagen über — Thiers und Odilon Barrot. Gelernt hat er also nichts!
— In dem Kohlendistrikte von Airdrie haben bei 20,000 Bergwerksarbeiter die Arbeit eingestellt und verlangen mehr Lohn.
Belgien.
Brüssel, den 21. März. Die Milizen von 1846, die bisher nicht aufgeboten waren, haben sich unverzüglich zu stellen, um zu ihren resp. Regimentern abgesührt zu werden.
Ohne Wahrheit keine Klarheit!
Wiesbaden, 24. März.
In Folge eines Artikels in Nr. 11 der Nassauischen Zeitung fühle ich mich veranlaßt zu erwiedern, daß man dem Sicherhcits-Comits keine Vorwürfe machen sollte, wenn es sich der so sehr gedrückten Soldaten ein wenig annimmt, denn dieselben haben als Landeskinder, nicht als Miethlinge, wohl zu verlangen, daß wenn ihnen auch keine feine, so doch wenigstens reinliche, und besonders gargekochte Speisen vorgesetzt werden; leider ist dies aber nicht der Fall. Sowohl die Suppengemüse, als auch der sogenannte Brei sind meistens noch roh, so daß man sehr gute Zähne nöthig hat, um dies Essen beißen zu können. Das Fleisch, welches Vormittags bei der Suppe verabreicht wird, ist häufig so, daß beim Zerschneiden das klare Blut hervorquillt, und noch so roh schmeckt, als habe man es eben von dem Ochsen geschnitten. Diesen Leuten ist nun endlich der Geduldfaden gerissen, sowie dies bereits bei allen Deutschen geschehen ist, und besonders bei dem hohen Gefühle, Nassauer zu sein. Kann man es ihnen nun verargen, wenn sie für das Geld, welches ihre Eltern und Mitbürger sauer, ja im Schweiße ihres Angesichts hinter dem Pfluge,
am Webestuhle oder bei sonstigem Gewerbe verdienen müssen, wenigstens Speisen verlangen, welche auch Menschen zu genießen im Stande sind?
Es wird hiermit das Sicherheits-Comit« höflichst ersucht, die sehr begründeten Beschwerden des Militairs genau zu untersuchen und gehörigen Orts Abänderungen bewirken zu wollen, damit ein ordentlicher Bürger nicht mehr Gelegenheit hat, nach den Aeußerungen eines speichelleckerischen Schlossergesellen zu urtheilen.
Die Behandlung des Militairs ist nicht streng gesetzlich, sonst erfolgten keine Klagen, sondern sie ist größten- theils stolz, herrschsüchtig, parteiisch und willkürlich; diese Principien werden größtentheils von den Subalternen in Anwendung gebracht, und besonders von denen, welche die Welt noch gar nicht kennen und noch keine andere Sorgen hatten, als daß sie sich die Schwelle mußten übertreten lassen, von einem ehrlichen Handwerksmann, der, nachdem er lange genug gewartet hat, kommt und seinen rechtlich verdienten Arbeitslohn fordert, oder daß ihnen das Avancement zu lange ausbleibt.
Daß ein geringes Vergehen bei einem ordentlichen Manne oft hart bestraft wird, ist nachzuweisen; dagegen aber entehrende Verbrechen ungestraft verübt werden, und zwar blos, weil der Thäter Calfactor und Speichellecker des Feldwebels, Hauptmanns rc. ist, und also als nützliches Glied in deren Wirkungskreis nicht gereizt werden darf. Dies empört einen sonst noch so friedlichen Mann und gibt Veranlassung zu Subordinatwnsvergehen, welche dann natürlich auf's Strengste bestraft werden.
Durch das unter die Waffen rufen der Bürger hätte nur eine Revolte Hervorgeruftn, eine solche aber keineswegs verhindert werden können; denn Has Militair ist ganz friedlich und freundlich gegen die Bürger, welche es seine Brüder nennt, gestimmt, und hat bei dem so unpassend gerügten Auftritt auch nicht einmal ein unschickliches Wort gegen einen Bürger gesprochen. Ein Kenner.
Täglicher Anzeiger für Ankündigungen aller Art.
^S” Die dreispaltige Zeile wird mit 3 Kreuzern berechnet und gebeten, die Anzeigen an die Expedition, Friedrichöplatz, von Auswärts franco, zu adressiren.
-GtscWch
für Gärtnereien zu Berlin.
Diese im Jahr 1847 in's Leben getretene, auf Gegenseitigkeit begründete Gesellschaft, deren Verwaltung von einem aus der Mitte der Theilnehmer gewählten Vorstand controllirt wird, hat nach ihrem Rechnungs-Abschluß pro 1847 bei einer Versicherungs-Summe von 504,970 Thalern einen Ueberschuß von 2335 Thaler 29 Sgr. 7 Pf. gewährt, wovon nach § 29 des Statuts % als Reservefonds angelegt, % aber an die auf fünf Jahre beigetretenen Mitglieder vertheilt sind.
Die Gesellschaft gibt Versicherungen im Betrag von hundert Thaler an, für folgende Gegenstände:
1) Für Fensterscheiben:
a. in Wohn-, Gewächs- und anderen Häusern, wo die Fensterscheiben senkrecht stehen .................. â 1 %
b. in Mistbeeten, Gewächs- und anderen Häusern, wo
die Fenster eine sich neigende Lage haben......... a 1 % %
2) Für Gewächse:
c. unter Fensterscheiben in Mistbeeten oder Gewächshäusern . . â 1 %. %
d. für solche, die im Freien in Gefäßen ausgestellt sind .... â 1 % %
e. für alle anderen Gewächse im Freien ...... â % %
f. für Wein - und Obsternten .................va 2 %
Für Diejenigen, welche der Gesellschaft beitreten wollen, sind Rechnungs-Abschlüsse pro 1847, Statuten, Versicherungs-Verzeichnisse und Reverse bei dem nnterzeichneten Geueral-Deputirten, welcher die Policen, Namens der Gesellschaft, sofort ausfertigt, unentgeltlich zu haben.
Wiesbaden, am 21. März 1848. F, C. Vigelius,
(26) Friedrichstraße.
Versteigerung.
Im Auftrag einer englischen Familie läßt das Geschäfts -Bureau von Carl Leyendecker
den 28. März Morgens 9 Uhr und die darauf folgenden Tage, öffentlich gegen gleich baare Zahlung versteigern: verschiedenes Hauögeräth, als: Kanape, Stühle, Kommode, Spiegel, Bettwerk, Küchengeräth, Porcellan und Glasgeschirr; ein Jagdwagen, Pferdegeschirr, Reitsättel rc.
In obigem Bureau sind sowohl offene Stellen, als auch stellesuchende Personen eingeschrieben. (27)
Bekanntmachung.
Montag den 27. März d. I., Vormittags 10 Uhr, werden in dem Kasernenhof zu Biebrich aus dem Herzogl. Marstalle
vier Reitpferde, engländischer Raye, sechs bis acht Wagenpferde, größtentheils
Mecklemburgifchcr Raye,
sodann mehrere Wagen und Geschirre, gegen baare Bezahlung öffentlich versteigert.
Wiesbaden, den 9. März 1848.
Herzog!. Nass. Hof-Eommissariat. (28) K e ck.
Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichöplatz. — Verantwortlicher Redacteur: Wilhelm Friedrich.