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trag unserer Negierungen die bekanntlich aus Männern wie Heinrich v.Gagern,' Römer, Duvernoy, Thon-Dittmer re.

' bestehen mit ausdrücklicher Zustimmung unserer Fürsten, um Sachsen und Preußen vorzuschlagen, daß sie sofort mit uns Hand anlegen an die Neugestaltung Deutsch­lands durch augenblickliche Zusammensetzung des deutschen Parlaments. Als Grundzüge der Neugestaltung stellen wir auf: Deutsche Monarchie mit wahr- hafügen und wirklichen demokratischen (volksherrschaftlichen) Einrichtungen umgeben. Einigung des Volks in einem von ihm gewählten Parlament aus Ober- (von den Regierungen gewählt) und Unterhaus bestehend. Gemeinsame Bundes­macht, worüber nur diesem Parlament die Verfügung zusteht, zu dessen Handhabung dasselbe auf bestimmte Zeit eine Re­gierung wählt. Gemeinsamkeit in der Gesetzgebung, in der Handelspolitik, in Münze, Maß, Gewicht rc., mit Achtung und Schonung der provinziellen Selbstständigkeit und Eigen­thümlichkeit. Mit Sachsen hoffte man sofort einig zu wer­den auf diese Grundlage hin und wollte dann im Verein mit einem sächsischen Bevollmächtigten nach Berlin gehen; der mittlern Staaten (Kurhessen, Koburg, Gotha, Weimar rc.) ist man gewiß. Dort wolle man Preußen auffordern, seinen acht Provinzen sofort zu bewilligen, was die süddeutschen Staaten bereits errungen haben, und dann gemeinsam mit ihm gehen. Wenn es sich dessen aber weigert? Dann gehen die Bevollmächtigten fort und der Plan ist mit ausdrücklicher Zustimmung der deutschen Für- sten! deutsche Föderativrepublik auszurufen, und all' die Maßregeln der Kraft und des Aufschwungs hcr- vorzurufen, die nothwendig sind, mit dieser Staatsform den Widerstand zu besiegen, zu zerschmettern. Dieser Plan, dessen ersten Theil die Deutsche Zeitung aus bester Quelle mittheilte, wurde vor 10 Tagen gefaßt; damals kannte man Berlins glorreichen Aufstand, so wie dessen schmachvoll em­pörendes Ende noch nicht. Morgen gehen die Bevollmäch­tigten nach Berlin, binnen nochmals zehn Tagen kann die Welt umgestaltet, kann Deutschland aus allen Fugen seines bisherigen Ganges ausgehoben sein. Die Bevollmächtigten hatten keinen lebhaftem Wunsch, als daß man sie nicht für Diplomaten, nicht für Ministerabgeordnete halten möge. Sie waren nicht gewählt, weil sie Minister, Grafen, Generale rc. waren, sondern weil die längst bewährten Volksfreunde, die jetzt regieren, am meisten Vertrauen zu ihrer Gesinnung haben. Ihre Sendung hatte nichts Heimliches, die Grund­züge, die Richtschnur ihres Handelns boten sie zur Ansicht, als die Kühnheit und Großartigkeit des Planes Zweifel er­regte.

Köln, 20. März. Unsere Stadt war den ganzen heu­tigen Tag hindurch in größter Aufregung. Die zugleich mit dem königl. Patente vom 18. d. gestern Abends hier einge­gangenen Berichte über die unseligen Ereignisse am Nach­mittage jenes Tages hatten in allen Gemüthern den schmerz­lichsten Eindruck hervorgebracht und die Einladung^ zu einer Bürger-Versammlung im großen Stollwerck'schen Saale zur unmittelbaren Folge. Dieselbe fand heute Vormittags um 10 Uhr Statt und war überaus zahlreich besucht. Auch die gestern zurückgekehrten drei Gemeinde-Verordncten erschienen dort und machten nähere Mittheilungen über die Vorgänge in Berlin. Nach lebhaften Debatten, an welchen auch sie sich betheiligten, wurde in Antwort aaf das königl. Patent eine neue Adresse an den König vorgeschlagen und sofort genehmigt. Sie lautet:

Majestät!

Das Patent vom 18. d. M. entspricht keineswegs den ebenso ge­rechten, als zeitgemäßen Forderungen des Volkes, welche tu den mei­sten anderen deutschen Staaten bereits von den Fürsten anerkannt wor­den find. Die Bürger Kölns vermissen darin und beantragen:

1) Gewährung des freien Association rechts; 2) die Bewilligung einer Volksrepräsentation (nicht Ständeverfassung) mit beschließender Stimme und Verantwortlichkeit der Minister; 3) die Einführung einer Volksbewaffnung, die durch das nur gegen äußere Feinde bestimmte Institut der Landwehr nicht ersetzt wird, und nothwendig ist zur Ver­theidigung der zu erwartenden Constitution und der persönlichen Rechte der Bürger; 4) Amnestie für alle politischen Verbrecher; 5) Geschwor. - nengerichte für politische Verbrechen und Preßvergehcn; 6) bürgerliche und politische Gleichstellung sämmtlicher Staatsbürger, ohne Unterschied der Culte.

Nur die Verwirklichung dieser Forderungen, mit sofortiger Ent­fernung der gegenwärtigen Minister und Auflösung der Ständever­sammlung nach Berathung des Wahlgesetzes auf der breitesten Bafis, zaun den im Patente ausgesprochenen Zweck erreichen, die Ruhe im Innern hcrzusteUen und unser Vaterland nach außen stark zu machen. Köln, 20. März 1848.

Von der Weser, 18. März. Wie soll ich Ihnen den Eindruck schildern, den die Wiener Vorgänge hier ge­macht haben? Eine Revolution in Wien, der Sturz Metternlch's und seines Systems, das noch vor wenigen Tagen für Deutschland durch einen neuen Congreß den geordneten Weg" der Bewegung vorschreiben zu können vermeinte, wie der bekannte Artikel derAllg. Preuß. Ztg." versprach, welcher das königliche Patent erklärend begleitete! Und nun? DieselbeAllg. Preuß. Ztg." meldet wenige Stunden darauf den Sturz desselben Systems und seines mächtigen Atlas mit der erfreuten Wendung, daß nunmehr auch Oesterreich in die Bahn der Reform- bewegung eingetreten sei, welcher es sich so lange verschlossen habe!! Welch eine Aenderung des Tones! wie jah ist dieser Abfall, wie schwindelerregend für den beobachtenden Zuschauer dieser plötzlichen Umwendung! Man macht weitere Anwendungen und Consequenzen auch auf näher liegende Verhältnisse und Systeme und fragt nach demWie lange?" ihres Bestandes. Und auf alle diese Fragen kann vielleicht, wer weiß es, schon die nächste Stunde die Antwort geben! Im Ganzen aber ist die Stimmung hier, bei dem größten Ereignisse eine ernste und würdige, wie sie dem Ernste der Begebenheit gemäß ist, in der sich das Walten der furchtbaren Nemesis so laut verkündet.Mich und Metternich," so schrieb einst der Mann, der die rechte Hand des allgewaltigen Cäsars der alten Politik war, die nun ihre Jdus des Märzen ge­funden hatmich und Metternich," schrieb der Verfasser der Congreß-Protokolle, Per Ritter von Gentz, hält es vielleicht noch aus. Aber was dann, was nach uns werden wird das wissen die Götter." Aber nicht nur die Götter, auch Menschen gab es, welche es wuß­ten. Friedrich von Gentz ist hingegangen, ehe das Gebäude zusammenbrach, das er mit errichten geholfen ein Menschen­alter lang. Er ist hingegangenblasirt,"verzweifelnd an seinem Werke, an seinem Leben,"voll Grauen vor der Zu­kunft,"zu faul, zu blasirt und zu boshaft" (es sind alles die eigenen Worte, die geheimsten Geständnisse des Mannes selbst), um der Welt zu offenbaren alle Geheimnisse, die er wußte und in deren Besitz er, wie er selbst sagte, keine an­dere Freude hat, als die quasi teuflische" darüber, daß die so genannte große Sache" (die Sache der Völker- freiheit und der Ströme des für sie vergossenen Blutes Anno 18131815) zuletztein solch lächerliches Ende nah m." Er ist hinter den dunkeln Vorhang getre­ten, ehe die furchtbareKomödie" ausgespielt war. Wohl ihm! es war dem Schwachen zu gönnen, der kein Gegen­stand war für die rächende Nemesis, da sein eigenes Inneres sich selbst zerfleischte. Aber den starken, den marmorfesten Gegner der Freiheit, ihn hat die gewaltige Hand der Ne­mesis berührt, spät, aber sicher, ehe er hinabsteigen konnte in die Gruft seiner Ahnen und zwischen ihm und der Zukunft sich der Deckel seines Silbersarges legte. Hier zu triumphi- ren wäre Frevel, wo allein Verehrung der richtenden Macht der Geschichte an ihrer Stelle ist. Oesterreich, dasalte, aller Ehren volle" Oesterreich, ist frei und deutsch geworden, es reicht dem freien Deutschland die Bruderhand. Oester­reich zu Deutschland! Jetzt erhebe sich eine Welt in Waffen was vermag sich gegen dieses engverbundene Paar!

Großbritannien.

London, den 18. März. Die heimischen und festländi­schen ungünstigen Geldberichte drückten schwer auf unsern Geld­markt. Consolö eröffneten Mittags 80%, %, '/,, sielen um 2 Uhr auf 80% und % und schloffen um 3 Uhr % â %. Schatzkammerscheine 28 â 30 Schilling Prämie. Die Actien der französischen Bahnlinien rollten natürlich stark herunter.