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immerhin durch das zögernde Benehmen jenes Fürsten, und durch die traurigen Ereignisse, welche der Proklamation vom 18. März gefolgt sind, eine Mißstimmung gegen denselben in einem Theile von Deutschland erzeugt sein; es mögen sich die Blicke auf andere Regenten Deutschlands richten; nach unserm Dafürhalten wird doch nur die Wahl des Königs von Preußen zum Oberhaupte der neuen Centralregierung der deutschen Nation im gegenwärtigen Augenblicke die genügende Bürgschaft für eine kräftige und eimträchtige Stel- lung im Innern und gegen Außen liefern. Derselbe war niemals dem förmlichen Rückschritte ergeben; seine ersten Regierungshandlungen, sowie seine späteren Entschließungen über die Constitutionöverleihung erwarben ihm die Achtung Deutschlands, und wenn er nicht die gewünschte Festigkeit und Consequenz in Bezug auf freisinnige Regierungsansichten an den Tag legte, so darf man dies seinen Rathgebern aus der alten Schule und einem nicht sofort zu verdrängenden Einflüsse der anderen nordischen Mächte zuschreiben; jetzt aber ist er umgeben von einem liberal denkenden Ministerium, welches das allgemeine Vertrauen Deutschlands und Europa's genießt, und er ist der Fürst, welcher, unter konstitutionellen Formen, an der Spitze der mächtigen, intelligenten, und für Deutschlands Macht und Einheit begeisterten Preußischen Nation steht.
Oesterreichs Kaiser wird sich die allgemeine Stimme wohl kaum zuwenden, da es bekannt ist, daß derselbe bisher an den Staatsgeschäften nur im geringen Maße Theil genommen hat; unter allen Umständen tritt in Beziehung auf den Regenten des Oesterreichischen Kaiserstaates die Schwierigkeit ein, daß die deutschen Provinzen Oesterreichs in ihrer politischen Entwickelung mit dem übrigen Deutschland vorerst nicht genügend harmoniren, und daß eine Verflechtung mit außerdeutschen Interessen nicht zu umgehen sein würde.
Noch weniger scheint es unter den gegenwärtigen Verhältnissen rqthsain und zulässig zu sein, einen Regenten der kleineren deutschen Staaten als Oberhaupt der deutschen Central-Regierung in Aussicht zu stellen. Dieses Oberhaupt muß, wenn es W dem jetzigen schwierigen Augenblick seiner Aufgabe genügen soll, einen kräftigen Stützpunkt in demjenigen deutschen Volksstamme finden, dessen Regierung ihm zunächst anvertraut ist. Fehlt ihm eine solche Stütze, so wird seine Stellung verwickelt und schwierig, und die gegen.das Ausland dermalen nothwendige Kraft und Einheit nicht, erreicht werden. Gegen die in der Proklamation des Königs von Preußen vom 18. März ausgesprochenen Grundsätze über die zu gründende Central-Regierung möchte im Wesentlichen nichts zu erinnern sein. Mag es nun mit deren Ausführung sich in der einen oder andern Weise gestalten; jedenfalls scheint es dringend nothwendig, daß in Deutschland bald eine allseitige Verständigung über den Gegenstand einträte.
Die Regierung der französischen Republik kann durch den Drang der Umstände und namentlich auch durch die obwaltenden finanziellen Verlegenheiten jeden Tag in die Lage kommen, von ihren Friedenöversicheruugen abgehen zu müssen; sollte dort die kriegslustige Parthei die Oberhand gewinnen, dann ist es nur das zur Aufnahme des hingeworfenen Fehdehandschuhs einige Deutschland, welches einem eroberungssüchtigen Nachbar Ehrfurcht und Achtung einflößen, und der» Welt den Frieden erhalten wird. Der Römer Tacitus hat einst die Worte gesprochen: Maneat quaeso gen- tibus Germaniae si non amoi" nostri at certe odium sui (möge den deutschen Völkerschaften, wenn sie zu uns keine Liebe fühlen können, doch wenigstens ihre Feindseligkeit unter emandrr verbleiben); dieser Ausspruch und Wunsch hat sich in späteren Jahrhunderten öfter bewährt, er wird aber, wie wir hoffen wollen, nicht von Neuem zur Wahrheit werden.
Wiesbaden, 24. März. Ein eben von Berlin ankommender Reisender, der diese Stadt am 19. ix früh verließ, kann die Greuelscenen, die er erlebte, nur mit den düstersten Farben schildern. Er begab sich am 18. nach 2 Uhr auf den Schloßplatz, um sich an dem allgemeinen Jubel zu erfreuen, und wurde aus einem passiven ein activer Theilneh-
I mer, ohne zu wissen wie. Seine Absicht, noch vor Nacht abzureisen, wurde durch die Aufregung, in der er sich befand, und später durch die Unmöglichkeit, dem Tumulte zu entkommen, vereitelt. Gegen Morgen gelangte er mit Mühe zu seiner Wohnung, und wurde auf dem Wege zur Eisenbahn, von dem Militair zurückgewiesen, auf einem weiten Umwege von einem Bürgerposten zum andern durch dieBar- ricaden geführt. In den Straßen, in welchen hauptsächlich der Kampf gewüthet hatte, fand er am Morgen, was er früher nicht bemerkte, daß sämmtliche Dächer abgedeckt, da die Steine von den Bewohnern auf die Soldaten herabgeschleudert waren. Die Kampfeswuth der Bürger ging über alle Beschreibung. In seiner Umgebung kamen erst um 11 Uhr die ersten Schußwaffen an, und nur sehr einzeln; die Menge hatte nur Stöcke, Stangen, Hä mer, Beile re. Der Reisende selbst bemerkte erst bei seiner Ankunft auf dem Bahnhöfe an seinen blutgetränkten Händen und Kleidern, daß er . ein thätiger Theilnehmer des Kampfes war. — Als Veranlassung des Blutbades — er glaubt, daß 8—9000 Menschen verwundet und getödtet wurden — gibt auch er die drei Schüsse aus der Schloßwache und das Einhauen der Dragoner an. Die königliche Proklamation bedarf also, um richtig zu sein, bedeutender Modificationen, die sie auch schon in den Berliner Zeitungen erfahren hat.
* Wiesbaden, 24. März. In Nr. 11 des Volksfreunds lesen wir einen Artikel vom Taunus, worin ein düsteres Gemälde von dem gesetzlosen Zustande in unserm Lande entworfen und der Regierung der Vorwurf gemacht wird, daß sie Männer der Volksjustiz preisgebe, welche mit Gesinnungstüchtigkeit ihren früheren Dienst versehen hätten. Daß die jetzige Regierung diesen Zustand dulde, beweise eine Schwäche, die so weit gehe, unter dem größeren Theile aller Wohlgesinnten ein förmliches Mißtrauen zu erwecken. — Zur Beruhigung unserer Leser und jener des Volksfreunds glauben wir versichern zu dürfen, daß der Zustand unseres Landes, obwohl noch immer aufgeregt, doch weit davon entfernt ist, der Schilderung jenes Correspondenten zu entsprechen. Eigentliche Erzesse sind doch nur an wenigen Punkten vorge- kommen, und diese nur von Einzelnen: Ueberall aber sind die Herzoglichen Aemter angewiesen, mit aller Energie, unter Zuziehung der Sicherheitseomitv's, gegen die Uebertreter der Gesetze vorzuschreiten. Daß das Versprechen des Herzogs, eine freie Gemeindeverfassung dem Lande verleihen zu wollen, da und dort einen Sturm gegen manche unbeliebte Schultheißen Hervorrufen mußte, ist ganz natürlich, so wie, daß bis zur Wiederbesetzung der erledigten Stellen die Verwaltungsmaschinerie in jenen Kreisen in's Stocken gerathen mußte. Diese Local-Behörden überall wieder Herstellen zu lassen und einen geordneten Zustand zurückzuführen, war das unumgänglich Nöthigste; daß die Regierung dabei auf das allmälige Wiedererwachen des Sinnes für Ordnung und Gesetzlichkeit rechnet, scheint uns nur Lob, aber keineswegs Tadel zu verdienen. Die hochgehenden Wogen beruhigen sich nun einmal nicht plötzlich auf Einen Schlag, eben so wenig, wie wild gewordene Pferde, die den Lenker abgeworfen haben, sich auf einmal wieder von selber anhalten! —
L eipzig, 21. März. Die heutige Constitutionelle Staatsbürger-Zeitung enthält folgenden von Hrn. Robert Blum unterzeichneten Artikel: Der Fürst encong reß kommt n i ch t z u S t a n d e! Die süddeutschen Regierungen pro- i teftiren dagegen, beschicken ihn nicht. „Es ist zu spät!" Dieses zermalmende Wort der neuesten Weltgeschichte rufe i sie ihren nördlichen Genossen zu, es gilt nicht mehr zu berathen, ; es gilt zu handeln. Heute Morgen kommen von München die HH. v. Gagern >aus Wiesbaden (Bruder des rheinheff. Volksfreundes und ersten Ministers) für Wiesbaden, General Graf Lehrbach. für das Großherz. Hessen, Geheimerath v. Sternenfels für Württemberg; der badische Bevollmächtigte ; war am Abend vorher bereits durchgereist, der bairische sollte heute Abend folgen. Als man in Werdau den auSstegenden Blum mit einem Lebehoch begrüßte, suchten die Herren dessen Bekanntschaft auf, und während der gemeinsam zurückgelegten Reise bis nach Leipzig erklärten sie: Wir kommen im Auf.