Nr. 12
Nassauische Zeitung.
Freiheit, Wahrheit und Recht!
Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!
Wiesbaden, 25- März !SaS>
Di? „Nassauische Zeitung" mit ihrem Beiblatte „Aurgerblatt für Unterhaltung und Literatur" erscheint täglich. Der Preis eines Vierteljahres ist für Wiesbaden fl. 1. 45 kr. Die Monate März bis Juni werden ebenfalls zu demselben Preis abgegeben. Man abonnirt in Wiesbaden in der Expedition am Friedrichsplatz. Für Auswärts nehmen alle Poftanstalten Abonnements an mit verhältnißmäßiger Preiserhöhung. — Inserate werden mit 3 Kr. für die dreispaltige Zeile berechnet.
Deutschland.
J Was hat Deutschland von Rußland zu fürchten?
Wiesbaden den 24. März.
Jetzt, da die Aussichten auf einen Krieg mit Frankreich durch die kräftige und einsichtsvolle Regierung an seiner Spitze, durch die gemäßigte, sogar herzliche Sprache der Organe der öffentlichen Meinung, welche den Geist, der Deutschland durchweht, begreifen, und in dem Kriege das Grab der Republik sehen, in weitere Ferne gerückt scheint, wenden sich unsere Blicke fragend nach Norden, und Stimmen werden laut von der Gefahr die dem erstehenden Deutschland von Seiten Rußlands drohe. ■— Fassen wir dies Schreckbild näher in's Auge; wir hoffen, es soll wie Nebel zerfließen.
Vor allen Dingen gehen wir bei dieser Betrachtung von dem Gedanken aus, daß über die Nothwendigkeit der Wiederherstellung Polens beim deutschen Volk und den deutschen ^Fürsten kein Zweifel mehr besteht. Wir setzen voraus, daß die beiden Mächte, welche in unglückseliger Verblendung Rußland den Wall, der es von Deutschland schied, zertrümmern halfen, und sich zu ihrer eigenen Schwächung bluttriefende Stücke einer gewürgten Nation zuwerfen ließen, ihr Unrecht, ihre Thorheit begreifen und mit rascher Entschlossenheit den günstigen Moment benutzen werden, um sich aus ihren feindlichen, nur durch die Gewalt der Waffen niedergehaltenen Unterthanen ihre treuesten Bundesgenossen, den ersten Damm gegen die aus Europa vertriebene Despotie zu schaffen. Das deutsche Volk will die Freiheit der Nationen, das deutsche Volk wird seinen Willen durchsetzen!
Nehmen wir also an, Preußen gibt Posen, Oesterreich gibt Krakau und Gallizien der polnischen Nation zurück, was wird Rußland thun? Wird es Deutschland den Krieg erklären? Wir glauben nicht; wir glauben, daß die russische Politik zu klug ist, um nicht cinzusehen, wohin ein solcher Schritt führen müßte. An dem Tage, an welchem Rußland die Kriegserklärung gegen Deutschland erläßt, hat es aufgehört, eine europäische Macht zu sein!
Die Ostseeprovinzen, dieses so schwer mißhandelte Land, werden das deutsche Heer mit begeistertem Jubel als ihre Befreier begrüßen; Finnland wartet nur auf den ersten günstigen Augenblick, um sich für Schweden zu erklären; und das erstehende Polen, welches ohne deutsche Hilfe glorreiche Siege erfocht, wird, vereint mit unserer Jugend, die russischen Cohorten gar bald in die Steppen Asiens verdrängt haben. Es wäre dabei unausbleiblich, daß der siegreiche Fürst Kaukasiens, der heldenmüthige Schampl, aus seinen Bergen in die von Truppen entblößte Ebene herniederstiege, daß die nur durch die Macht des Schwerts zusammengehaltenen Stämme vom Czarenreiche absielen und dieser drohende Coloß einer raschen Auflösung zueilte. Wer daran noch zweifeln könnte, den erinnern,wir an den durch viele Beispiele der Geschichte erwiesenen Satz, daß für Ideen begeisterte Krieger nur durch Krieger, die gleichfalls für Ideen glühen, bekämpft und be
siegt werden können; und für welche Ideen streitet der russische Soldat?
Man wirft vielleicht ein: aber Rußland wird Bundesgenossen finden, unö_ Deutschland, von mehreren Seiten gedrängt, wird zerrissen sein, ehe es seine Entwicklung vollenden konnte? —
Aber wer sind diese Bundesgenossen Rußlands? Das republikanische Frankreichs welches bereit ist, selbst den Degen für seine Brüder in Polen zu ziehen? Hält man es für möglich, daß sich die Republik mit der Despotie vermähle, lediglich, um Eroberungsgelüsten zu fröhnen?
England, dessen Blätter mit wahrem Jubel die Erhebung Deutschlands begrüßen, dessen Stimme schon ost für das blutende Polen erschalltes? —
Nein! in dem constitutionellen Europa lebt kein Freund russischen Bildnisses; die dem Ezaren gewonnenen Männer hat das Volk gerichtet; heimathlos irren sie flüchtig dahin!
Darum nochmals: Rußland ist zu klug, um den Krieg zu beginnen; es weiß, daß 40 Millionen Kutsche, daß ganz Frankreich sich wie Ein Mann erheben werden, sobald der erste russische Soldat deutsches Land betritt, und.es erkennt, daß die demnächst erfolgende Abrechnung die Pforten Euro- pa'ö ihm auf ewig verschließen würde. —
2s Deutschlands Einheit.
Wiesbaden, 24. März.
Schon seit langen Jahren ist es vorzugsweise das Preußische Königshaus und das Preußische Volk gewesen, auf welches die Patrioten Deutschlands ihre Hoffnung bauten, wenn von einer kräftigen Einigung Deutschlands im Innern und gegen Außen die Rede war. Preußen hat im siebenjährigen Kriege und im Freiheitskampfe der Jahre 1813, 1814 und 1815 zur Rettung der Ehre der deutschen Nation wesentlich beigetragen, Preußen ist eine fast ausschließlich deutsche Macht, und hat sich durch Gründung des Zollvereins hohe Verdienste um Deutschland erworben. Dasselbe ist im vorigen Jahre in die Reihe der constitutionellen Staaten eingetreten, wodurch das Vertrauen auf Preußens König und Volk befestigt wurde. •
Durch die Proklamation vom 18. März hat nun der König von Preußen die Idee der deutschen Nationalvereini- gung^ zu welcher die süddeutschen Regenten, und namentlich der Herzog von Nassau die Initiative ergriffen hatten, offen und unumwunden zu der Seinigen gemacht; er hat ausgesprochen, daß Deutschland aus einem Staatenbund in einen Bundesstaat zu verwandeln sei, und hat sich zur Einverleibung der gesammten Preußischen Monarchie in diesen Bundesstaat bereit erklärt. Nach allem diesem scheint der König von Preußen berufen zu sein, zuin Haupte der deutschen Central-Regierung, welche in den gegenwärtigen drängenden Zeitumständen gewiß bald ins Leben treten wird, erkoren zu werden, wie dies auch in den Intentionen der süddeutschen Regierungen gleich anfänglich gelegen haben soll. Es mag