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Naturwissenschaften hat seinen guten Einfluß auf die Vervoll­kommnung der Landwirthschaft und Industrie. Aber bei Wei­tem noch nicht alle Resultate früherer und neuerer Forschungen sind ausgebeutet für das praktische Leben, und sie können auch nur sehr langsam und schwierig ausgebeutet werden, wenn nicht Landwirthe, Gewerbtreibende rc. selbst Hand an'S Werk legen und soviel von den Naturwissenschaften in theoretischer und ganz besonders in praktischer Beziehung sich auzueignen streben, als sie nöthig haben, um deren Resultate nicht allein verste­hen , sondern namentlich auch, um sie in der Praxis richtig und mit Erfolg anwenden zu können.

Aber nicht allein daS Streben führt zum Ziele, man muß dem Strebenden auch Gelegenheit geben. Bisher hatten die Universitäten das Monopol größerer Anstalten für theore­tische wie praktische Erlernung der Naturwissenschaften, so daß es Manchen, ja den Meist n sehr erschwert, oft unmöglich war, ihrem Streben Genugthuung zu verschaffen. Wie sehr erwünscht muß es deshalb sein, zu hören, daß man jetzt an­fängt, auch in andern; als in Universitätsstädten solche Anstal­ten in'S Leben zu rufen.

In unsetem von der Natur so gesegneten Lande, daS so viel deö Auöbeutungöwürdigen in sich vereinigt, war es leider bisher (wenn man von dem absieht, was das Realgymnasium bietet, welches aber seiner ganzen Einrichtung nach eine ganz andere Tendenz hat und haben muß, indem es nur allgemein bildet, nicht aber für solche bestimmt ist, die schon auf ein bestimmtes Fach entschieden hin arbeiten oder ihm schon angehören) ganz unmöglich, die Praxis der Naturwissenschaften, vorzüg­lich der Chemie, welche erst durch sie für daS Leben wahrhaft nutzbringend wird, zu erlernen. ES mußte daher hier vorzüg­licherweise wünschenöwerth sein, eine derartige Anstalt zu besi­tzen. Zwar ist schon öfter von der Errichtung eines, diesen praktischen Anforderungen entsprechenden chemischen Laborato­riums die Rede gewesen, doch leider bis jetzt beim Reden ge­blieben und nicht That geworden. Aber fester Wille und daö Bewußtsein der Tüchtigkeit überschreitet die Klippen, die sich überall bei neuen Anlagen entgegensetzen. So hat denn auch Herr Professor Fresenius, unter Zusicherung einer mäßigen Unterstützung vom Staate, es mit voller Energie dahin zu brin­gen verstanden, daß wir am 1. Mai d. I. eine Anstalt da­hier in's Leben treten sehen, welche einem Jeden, der auö irgend welchem Grunbe Interesse für die Naturwissenschaften, besonders für die praktische Ausübung der Chemie zeigt, oder seinem Beruse nach nothwendig daranf angewiesen ist (Fabri­kanten, Gewerbtreibende, Landwirthe, Apotheker, Bergleute, Mediziner rc.) Gelegenheit gibt, sein Ziel zu erreichen.

Vorerst wird ein chemisches Laboratorium eröffnet werden, was sich in Vollkommenheit den ersten Deutschlands wird an die Seite stellen können. wird alle Erfordernisse und Be­quemlichkeiten bieten, die zur Ausführung chemischer Arbeiten, welcher Art sie auch seien, nöthig sind. Diejenigen, welche sich schon mit praktischer Chemie beschäftigt haben, können da­rin jede Arbeit unternehmen, die für sie das nächste Interesse hat; sie werden sich dabei einer steten Anleitung zu erfreuen haben. Die, welche noch nicht geübt sind in der Ausführung chemischer Arbeiten, werden Gelegenheit finden, sich nach einem ihrem Zweck am meisten entsprechenden Plane in der kürzeste» Zeit damit vertraut zu machen.

Herr Fresenius wird außerdem noch, wie man hört, in diesem Sommer Vorlesungen über allgemeine unorganische Che­mie halten, welche sowohl die Praktikanten, als auch solche, welche nicht im Laboratorium arbeiten, besuchen können.

Vom November an sollen auch Vorträge über jeden andern Zweig der Naturwissenschaften im Allgemeinen, wie der phar­maceutischen Wissenschaften im Besondern gehalten, und damit namentlich auch praktische Uebungen verbunden werden, so daß in Zukunft die inländischen Pharmaceuten nicht mehr auf Uni­versitäten ihre Studien zu machen nöthig haben werden, wo sie doch, wie ihre Fachgenvffen überhaupt, eine untergeordnete Rolle bei den Studirenden spielen; sondern in ihrer Heimath wird ihnen eine Anstalt geboten sein, von wo sie aller Wahr­scheinlichkeit nach weit gründlichere Kenntnisse mitnehmen wer­den, alö dies gewöhnlich von der Universität geschieht. Für Pharmaceuten ist auch gerade jetzt auf den deutschen Universi­täten sehr schlecht gesorgt. Nur auf einigen gibt es pharma­ceutische Anstalten, die jedoch sogar meistens von den Phar­maceuten gemieden werden, weil sie so zu sagen halbe ZwangS- anstalten sind. Auf andern Universitäten, wo derartige Spe- zialanstalten sind, ist der Pharmaceut genöthigt, sich erst durch einen Wust von allgemeinen Wissenschaften oft mit Eckel hin­durchzuarbeiten, bis er im Stande ist, privatim seine Fachwis­senschaften mit großer Anstrengung und häufig geringem Er­folg zu treiben.

Hippel behauptete einst in einer Gesellschaft, kein Frau­enzimmer schreibe je einen Brief ohne Postscript.Mein näch- 'ster Brief soll Sie widerlegen," versicherte Frau v: N. Bald erhielt Hippel eine Zuschrift von ihr. Nach der NamenSun- terschrift stand:P. 8. Ist das nicht ein Brief ohne Nuch- schrift?" Und hinterdrein:?. 8. Wer hat nun verloren? Ich oder Sie?"

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichöplatz. Verantwortlicher Redacteur: Wilhelm Friedrich.