48
Er wurde beschlossen durch mehrere Wagen. Keiner nämlich der noch hier anwesenden Studirenden hatte sich ausschließen wollen, und so mußten die Kranken, deren Zustand zu gehn nicht erlaubte, nachfahren. Heute ziehen sie zusammen nach dem 2 Meilen entfernten Nordheim, wo sie übernachten werden. Morgen trennen sie sich, und Zeder zieht in seine Heimath, um da zu verkünden, wie hier das An- sehn eines Polizeidirectors höher geachtet wird, als die Eri- stenz einer Hochschule.
Braunschweig, 17. März. Auch hier fanden unruhige Austritte Statt. Der Herzog hat die Ständeversammlung auf den 31. d. M. einberufen.
Wien, 14. März. Ein neues großes Ereigniß! Ein vereinigter österreichischer Landtag ist berufen. Ein eben erschienener kaiserl. Erlaß besagt Folgendes: „In Erwägung der gegenwärtigen politischen Verhältnisse haben Wir beschlossen, die Stände Unserer deutschen und slavischen Reiche, so wie die Central-Con- gregationen Unsers lombardisch -venetiani- schen Königreichs durch Abgeordnete in der Absicht um Unseren Thron zu versammeln, Uns in legislativen und administrativen Fragen deren Beiraths zu versichern. Zu diesem Ende treffen Wir die nöthigen Anordnungen, daß diese Bereinigung, wo nicht früher, am 3. Juli l. Z. stattfinden könne.
Wien, am 14. März 1848. Ferdinand."
Wien, 15. März. So eben 7 Uhr 30 Minuten meldet eine telegraphische Depesche nach Mähren und Böhmen: „Allgemeine Constitution. Wien im Jubel." Mit Rücksicht auf das Gerücht, daß sich der Fürst Metternich in Ungarn zu seinem Schwiegersohn, Graf Szandor, begeben, soll Letztrrer die feierliche Erklärung abgegeben haben, daß er den Fürsten in seinem Hause nicht aufnehmen werde.
— Die Aufreguug und der jammervolle Zustand in der Kaiserstadt und der ganzen Umgebung dauert auf eine furchtbare Weise fort. Mordbrenner und ganze Banden entlassener Fabrikarbeiter rauben und plündern nach allen Seiten. Die im Laufe deS gestrigen Tages erfolgten Conzessionen deS Monarchen werden kaum mehr beachtet und Jeder fürchtet für sein Hab und Gut. Die edelsten Geschlechter drängen sich zu der decretirten Nationalgarde.
— Bis auf drei Comitate ist ganz Ungarn im Ausstand, so eben ist Erzherzog Stephan mit 30 ungarischen Deputirten angekommen. DaS Volk spannte ihm die Pferde auS und führte ihn im Triumph in die Burg.
— Die Bildung der Nationalgarde schreitet unglaub- ü'ch rasch vorwärts; Wien zählt. augenblicklich gewiß 25,000 Bewaffnete. So eben 11 Uhr verläßt der Kaiser in Begleitung des Thronfolgers und des Erzherzogs Franz Karl die Burg in einer offenen Calesche, um durch die Straßen zu fahren. Der Jubel, die Hurrahö sind unbeschreiblich. Die Kaiserin und die Prinzen weinen vor Rührung, und Thränen der Dankbarkeit und Treue sieht man in allen Augen. Wagen und Pferde werden vom Volk getragen. Der Oestreicher verleugnet keinen Augenblick die alte Liebe zum Kaiserhaus, und es ist entzückend diese heiße Freiheitslust mit der angestammten Treue verbunden zu sehen.
Prag, 16. März. Nach Nachrichten aus Wien vom 15. Abends, die die Regierung bekommen haben soll, ist Erzherzog Franz Karl zum Mitregenten erklärt; Erzherzog Ludwig hat abgedankt; Erzherzog Albrecht ist nach Triest abgereist. Erzherzog Johann ist Minister des Auswärtigen. Polizeiminister Redlitzky hat abgedankt. Wien ist ruhig.
Republik Frankreich.
Paris, den 14. März. Die Gesandten der Großherzog- thümer Baden, Hessen haben dem Minister Lamartine o siziell angezeigt, daß sie auf ihren Posten bleiben und ihre Geschäfte fortsetzen.
— Paris hat seit drei Mochen keine Polizei und keine GenSdarmen und doch herrscht die vortrefflichste Ordnung auf den Straßen.
— (Nationalisirung der Russen.) Unter der vorigen Regierung bestand ein Vertrag (geheim?) laut welchem sich Frankreich verpflichtete, keinem Russen daS franz. Bürgerrecht zu ertheilen. Sämmtliche in Frankreich wohnende Russen haben sich an die prov. Regierung gewandt, diesen Vertrag abzuschaffen. ES soll, heißt es, ihrem Anträge gewillfahrt werden.
Paris, den 15. März. Auf Befehl der Regierung werden in allen großen Städten Bataillone der mobilen Nationalgarde errichtet und man hat die Gewißheit, daß schon in zwei Monaten 150,000 Mann dieser Reserve schlagfertig sein werden.
— Der National freut sich über die Stimmung Deutschlands und sieht in ihr die beste Gewähr für den Frieden. Er knüpft daran lange Betrachtungen über die Eventualitäten eines Krieges, den die Kabinete etwa (in Dresden?) berathen könnten.
Neueste Nachrichten.
Aus Berlin gehen die Nachrichten bis zum 21. Morgens. Der Kampf hat 24 Stunden gedauert, das Volk hat mit unvergleichlichem Heldenmuth gestritten; der König wurde gezwungen, das Militair zurückzuziehen, weil man den com- mandirenden General v. Möllendorf gefangen genommen und ihn zu erschießen drohte, wenn der König nicht sogleich das Militair zurückziehe und noch ein Schuß falle. — -
Der Prinz von Preußen, welcher den Befehl zum Schießen gegeben, ist entflohen; das Volk nahm sein Hotel in Besitz, pflanzte die schwarz - roth - goldne Fahne 'auf dasselbe und schrieb die Worte an dasPalais: Eigenthum der ganzen Nation. —
Die ganze Bürgerschaft Berlins steht jetzt in Waffen, alle Wachthäuser sind vom Volke besetzt, und sogar im Schlosse, vor des Königs Schlafgemach, stehen Bürger-Wachen. —
Berl in i st noch in großer Aufregung! Doch jetzt befiehlt sein souveraines Volk! —
Aus Krakau sind die österreichischen Truppen vertrieben und die Republik ist proclamirt. —
In Wien hat der Kaiser am 18. d. einen verantwortlichen Ministerrath errichtet. —
In München hat am 20. März, Nachts, König Ludwig I. die Krone niedergelegt. Am 21. hat der Kronprinz als Marimilan II. den Thron bestiegen.
In Dresden kommt der Fürsten - Congreß nicht zu Stande! Wohl aber sind die Nassauischen, Badischen, Hessischen und Würtembergischen Bevollmächtigten angekommen, um Sachsen und Preußen vorzuschlagen, sofort mit Hand anzulegcn, zur augenblicklichen Zusammensetzung des deutschen Parlaments. Die großen Ereignisse in Berlin werden die große Sache schleunig fördern.
Die rheinischen Städte wollen heute in Köln eine Versammlung beschicken.
*Ohne Ordnung keine wahre Freiheit!
Wiesbaden, 23. März.
Es haben sich gestern unter der Infanterie Vorfälle zugetragen, welche eine Mißachtung jeder Manneszucht beurkunden; wessen Werk sie sind, wollen wir nicht näher untersnchen, wohl aber möchten wir das Sicherheitökomite dringend bitten, sich für derartige Vergehen nicht wieder zu verwenden.
Denn auf die ungestraft gebliebenen Soldaten muß dieß den Eindruck machen, als ob man die Verletzung der so nöthigen Ordnung im Militärwesen gegen die gerechten Maßregeln ihres Gerichts noch in Schutz nehmen wolle.
Hätte man, wie es natürlich und recht gewesen wäre, die Nationalgarde unter die Waffen gerufen, so war von einem Tumult nichts zu fürchten; allein daö jetzige Verfahren kann nur zu einer Revolte des Milckairö, wobei die Stadt dem größten Unglück ausgesetzt wäre, führen.
Gegründete Beschwerden von Seiten desselben wird die Presse eben so energisch vertreten und Abhülfe durch die ordentlichen Behörden fordern, wie sie den betreffenden Soldaten wegen dieser Vorfälle die Mißbilligung aller Gutgesinnten offen ausspricht.
Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. — Verantwortlicher Redacteur: Wilhelm Friedrichs