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unseres Herzogs angeregt ist. Es^st natürlich und noth­wendig, daß dieselbe ebenfalls ihre Discussion findet; denn nur durch eine solche können die widerstrebenden Ansichten vermittelt. unklare. Meinungen aufgeklärt und gesetzwidrige, . tumultuarische Begehren zurückgewiesen werden. Wir glau­ben jedoch, festhaltend an dem Grundsatz, daßdas öffentliche Wohl das höchste Gesetz ist" (salis publica suprema lex est), uns nicht enthalten zu können, auf folgende Beschränkungen aufmerksam zu machen, welche bei diesen Erörterungen nicht umgangen werden können, und bitten sowohl unsere geehrten Herren Mitarbeiter, als auch die Einsender von hierher ge­hörigen Erklärungen und Ausführungen, diesen Rücksichten die nöthige Rechnung tragen zu wollen.

Erstens nämlich liegen der Staatsgewalt und der jetzi­gen sowohl wie der bevorstehenden Ständeversammlung so gewichtige und so dringend eilige Arbeiten vor, daß vor allen Dingen diese erledigt werden müssen, bevor an eine Reorga­nisation der kirchlichen Angelegenheiten auch nur gedacht werden kann. Es ist daher nothwendig, daß auf eine so­fortige Erledigung nicht gedrungen werde. Wir wollen die Frage erörtern, wir wollen die Principien festzustellen suchen, auf welchen die künftige Organisation beruhen soll, aber wir wollen dies thun in ruhiger, würdevoller und leidenschafts­loser Haltung, indem wir die bis jetzt bestehenden Gesetze achten und ihnen nachleben so lange bis die neuen berathen und beschlossen sind. Aufregende Agitationen können dem gemei­nen Wohle nur schädlich sein, da wir es uns nicht verhehlen dürfen, daß die kirchlichen Fragen, welche bis jetzt blos we­gen Mangels an Raum zur freien Bewegung auf politischem Gebiete eine so hervorragende Rolle spielten, für die nächste Zukunft, in welcher auf dem rein staatlichen Gebiete so. un­endlich Vieles, Wichtiges und Eiliges zu organisiren ist, nur eine sekundäre Stellung einnehmen können.

Zweitens aber, was ungleich wichtiger ist wollen und müssen wir alle confessionellen Hetzereien und Anfeindun­gen strengstens ausschließen. Wir wollen unumstößlich sest- halten an 'ben schönen Worten, welche unser großer Schiller seinen sterbenden Schweizer-Helden in den Mund legt:

Seid einig, einig, einig!

Wir wollen es nie und nimmer aus den Augen lassen, daß wir alle, mögen wir einen religiösen Glauben haben, welchen wir wollen, mögen wir einer kirchlichen Richtung angehören, welcher wir wollen, nur eine einige und starke Nation deutscher Brüder bilden, daß wir Alle unablässig und beharrlich dem großen Ziele nationaler Einigung zu- streben, unter Beiseitesetzung aller hemmender und störender Partieularinteressen, welche so oft schon unser schönes Vaterland zerfleischt haben. Mögen die Protestanten die Interessen ihrer Kirche, die Katholiken die der ihrigen, und die verschiedenen andern christlichen Glaubensgemeinschaften die Organisation ihres gemeinen Wesens erörtern und berathen, aber mögen sie dies thun, wir bitten und beschwören sie darum! ohne nutzlose Aufregungen, ohne gemeinschädliche Anfeindungen, ohne Haß und ohne Eigensucht. Jeder für sich und Gott für Alle! Das ist der einzige Weg, auf welchem eine jede Glaubens- und Kirchengemeinschaft die ihr zukommende auw- nomische Stellung erringen kann, ohne dem gemeinen Wohl zu nahe zu treten. Und nur diesen Wegkeinen andern wollen wir fördern und andahnen. Alles, was von ihm abweicht, müssen wir entschieden zurückweisen. Wir sönnen daher auch nur der Organisation der Verfassung und der öffentlichen Stellung der Kirchen und der Glaubensgemein­schaften Raum zur Besprechung geben, Dogmenstreit, Religionshader, confessionellen Zwist, werden und müssen strenge ausgeschlossen bleiben. So viel zur vorläufigen Ver­ständigung und Firirung unserer Stellung, welche wir für die allein dem öffentlichen Wohl entsprechende erachten. Nur unter diesen Gesetzen kann die zu eröffnende Discussion eine heilsame Wendung nnd ein ersprießliches Resultat finden. Sapienti sat!

Wiesbaden den 22. März..

Die Redacttion.

è Preußens Volk und seine 2. Erhebung für

Deutschlands Freiheit und Einheit.

Wiesbaden, 23. März.

In unserer 1. Nummer vom 13. März sagten wir in unserm Artikel:Was wird Preußen thun?" das voraus, was nun dort bereits geschehen ist, was in allen Städten des großen Preußenlandes unausbleiblich geschieht. Zu lange verschloß der König, befangen in der metternichschen fluchwürdigen Politik, sein Ohr den drängenden Volkswün­schen. Jene Männer, welche seine nächsten Rathgeber wa­ren, auf deren Haupt alle Verantwortung fallen muß, selbst auch die Nächsten am Throne, sie sind es, welche eine Schei­dewand bildeten zwischen dem wohl edeln Herzen des Kö­nigs und dem seines treuen Volkes!

Man glaubte in Berlin durch Bajonette und Kanonen noch antworten zu können, um endlich das Volk mit halben Concessionen zufrieden zu stellen. Da treten die großen Er­eignisse in Wien ein; ein vom ganzen großen Vaterland seit 30 Jahren verfluchtes System ist gestürzt, und Oesterreich wird frei von einem unsäglichen Druck. Preußens König gibt nach, Alles scheint sich friedlich gestalten zu wollen, und nochmals muß der böse Dämon die Ursache werden, daß der Sieg der Freiheit erst erkauft werden könnte mit Herzblut von tausend Opfern des treuen Volkes. Sie sind gefallen als Märtyrer der Freiheit, die heldenmüthigen Berliner! Ihr ruhmvoller Tod brachte der ächten deutschen Bürger- freiheit endlich den vollen Sieg. Das ganze System ist auf immer gestürzt, und der Wahlspruch von 1813,mit Gott für König und Vaterland" heißt jetzt fürder:Alles durchs Volk und Alles für das Volk" im großen einigen Deutsch­land.

Preußens Erhebung hat begonnen, nunmehr gilt sie der Freiheit des deutschen Volkes, des deutschen Bürgerthums. Was wir am 17. März geschrieben:Berlin gibt jetzt den Impuls zur Preußischen Bewegung in Preußen zum Anschluß an das große Vaterland," es ist bereits Wahrheit geworden. Seit so schreckliche Thäten aus Berlin kund geworden, seit die schwarz-roth-goldne Fahne auf 1000 Barrikaden in Ber­lin flattert, zieht der nationale Zug durch die Preußischen Lande: Volksbewaffnung und Entfernung des Militairs!

Aller Orten, in Cöln, Aachen, Düsseldorf, Elberfeld, Magdeburg rc. beginnt nunmehr die Volksbewaffnung, wir hoffen, daß nirgends noch in Preußen das Militair eine so traurige Rolle spielen wird und kann, wie in Berlin. Die Landwehr ist einberufen, die Söhne des Volkes. Das Patent vom 18. März hat nicht befriedigt; die Rheinprovinz, Cöln an der Spitze, stellt dem König frei und entschieden die Bedingung des constitutionellen Staats und die Verantwortlichkeit der Minister. Noch bevor der auf den 2. April einberufene allgemeine Landtag zu­sammentritt, wird der König Alles genehmigen, und Preußen jetzt seine Mission gerne erfüllen, u>elche ihm das Schicksal bestimmte in Deutschlands großer Sache!

Die Berliner Bevölkerung hat aber in der großen Nacht vom 18. zum 19. cs bewiesen, daß sie an Tapferkeit, Edelmut!) und Ehrenhaftigkeit hinter keiner Stadt der Welt zurücksteht. In Berlin wurde für Deutschlands Freiheit, hoffen wir es, die letzte große Schlacht geschlagen. Für unsere Leser theilen wir einen zusammenhängenden Bericht der Ereignisse vom 16. bis 19. mit.

Wir haben der tumultuarischen Scenen der vergangenen Woche bis zum 16. d. Nachmittags gedacht. Die damals ausgesprochenen Hoffnungen auf Erhaltung der Ruhe bestä­tigten sich nicht: das. Militair zeigte sich wieder auf verschie­denen Punkten, und obgleich bereits eine in aller Eile orga- nisirte Schutz-Commission zur friedlichen Beschwichtigung zu wirken versuchte, so wurde sie von der ohnehin aufgeregten Masse nur wenig beachtet, weil ihre Autorität, als noch nicht gesetzlich feststehend, dem Publikum unbekannt war. Plötzlich fielen in der Gegend der neuen Wache, zwischen dem Zeug­hause und der Universität, mehrere Schüsse, drei oder vier Einwohner blieben auf dem Platze; darauf diè alte Scene vom Einsprengen. 6er Reiterei Und Flucht dèr Massen; aber