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als der Ezar sich von seinem Sitze erhob und mit einem Winke der Hand Stille gebot.
„Bis jetzt" — sagte er lachend — „haben wir für das Wohl des Brautpaars noch nichts gethan, als daß wir auf dasselbe eine gute Anzahl Gläser geleert; nun aber ist es wohl an der Zeit, dem jungen Ehepaare zur ersten Einrichtung seiner HauSwirthschaft ein kleines Andenken zu überreichen. Ich, der Stifter dieser glücklichen Verbindung, halte mich verpflichtet, mit einem guten Beispiele voranzugehen, und somit" — hier wandte sich der Kaiser an den Fürsten Menschikow, indem er ihm ein auf dem Tisch stehendes silbernes Fruchtkörbchen überreichte — „nimm dieses Körbchen, Alexander, lege das bewußte Papier hinein und laß eö sodann die Runde machen."
Menschikow griff auf'ö eiligste nach dem Korbe, zog ein Papier — eö war eine Anweisung auf 8000 Rubel — aus dem Busen, legte diese in das Körbchen, schüttete den Inhalt seiner eigenen, mit Gold gefüllten Börse darüber und reichte daS Geräth seinem Nachbar, dem Bojaren. Dieser schien einen Augenblick nachzusinnen, doch bald darauf griff er in die Tasche seines Pelzes, brachte eine Hand voll Gold - und Silbermün- zen heraus und warf endlich mit verächtlicher Miene ein altes Rubelstück in den Korb, den er sogleich weiter reichte.
Da der Kaiser dem Bojaren TscherkaSki unmittelbar gegenüber saß, so konnte ihm der Vorgang nicht unbemerkt bleiben, seine Stirn runzelte sich merklich, doch bald schien er sich zu besinnen, und lächelnd wandte er sich an Menschikow:
„Sieh doch Alexander!" — rief er auö. — „Unser Tscher- kessenfürst, wie fein und vorsichtig er ist! Da legt er einen Rubel in den Mahlschatz der Braut! — Er will damit bezeichnen, daß er kein näheres Jut resse bei der Sache habe, und hofft damit der Eifersucht des Bräutigams zuvorzukommen; dennoch wette ich, daß er der jungen Frau morgen ein weit ansehnlicheres und besser mit seinem Range und Berhält- nissen stimmendes Brautgeschenk in'6 Hauö sendet."
„Da würde Ew. Majestät die Wette verlieren!" — antwortete TscherkaSki trocken. — „Ich habe nie an Narren, Zwergen und Gauklern viel Geschmack gefunden und diejenigen immer bedauert, die mit ihrer Zeit nichts Besseres anzufangen wußten, als sie mit solchen Kreaturen zu vergeuden; und somit war meine Gabe ganz den Verhältnissen angemessen, desgleichen auch meinem Range, da mir nicht zusteht, daS Amt eines Streaptschi, mit dem ich beehrt bin, zu überschätzen." —
Anfangs lächelte der Kaiser bei der Rede deö Bojaren, doch bald verfinsterte sich ft in Antlitz von Sekunde zu Sekunde und nahm endlich den Ausdruck entschiedenen Unmuths an.
„Unser Streaptschi" — sagte er nach einer Pause, in der
er sich sichtlich einige Gewalt, um sich zu mäßigen, anthat — „ist heute bei übler Laune. — Hoffentlich wird diese sich gelegt haben, wenn von einer Verbindung die Rede sein sollte, die ihn näher angeht als jene."
Allem Anscheine nach hatte der Bojar die letzten Worte des Monarchen überhört, oder doch nicht gefaßt, denn mit verächtlicher Miene blickte er dem Körbchen nach, das die Runde um die Tafel machte. Von allen Seiten flogen Goldmünzen, mitunter auch Ringe oder Armspangen hinein, doch war ganz sichtlich zu bemerken, daß diejenigen Hochzeitgäste, die in der Nähe des Kaisers saßen, sich durch größere Freigebigkeit auSzeichneten. DaS Gefäß war endlich, mit Gold und Kostbarkeiten bis zum Rande gefüllt, wieder beim Fürsten Menschikow angekommen, und dieser erhob sich, um es im Namen seines GebieterS dem Brautpaare zn überbringen. — (Forts, folgt.)
Zur Literatur und Censur.
Genesis der Juli-Revolution von Carovs.
(Fortsetzung.)
Wie aber mit der Napoleonischen Souverainität auch die Idee einer repräsentativen Staatsverfassung und einer rationellen Staatsgesetzgebung in Deutschland eingewaudert war, von wo ursprünglich die Sitte der Volksversammlungen nach Gallien gekommen, — so blieb auch jetzt der innere Freiheitökampf Frankreichs nicht ohne nachdrücklichen Einfluß auf die Entwicklung des politischen Lebens in Deutschland. Der Paroxismus des Franzosenhafles wich der sich aufdrängenden Einsicht, daß in Frankreich der Prinzipien und Interessen- kamps auch für Deutschland, ja für das ganze übrige Europa, gekämft wurde, und schon wenige Jahre nach den vielverheißenden, zum Kampf gegen Frankreich und zur Demüthigung desselben aufstachelnden Proklamationen meinte der Herausgeber deö Rheinischen Merkurs: „Paris sei nochmals auf dem Wege, die Hauptstadt der liberalen Welt zu sein." In der That hatte er nicht ganz Unrecht, wenn er in seiner herben Weise die uns demüthigende Bemerkung hinzufügte: „Frankreich pflegt die Freiheit die wir ihm gebracht; wir haben zum Lohne seine alte Dienstbarkeit mit nach Hause genommen." Aber er hatte doch nur theilweiS Recht; denn wir hatten Frankreich nicht die Freiheit, sondern nur die Emigrirten gebracht, welche durch ihre antiquirten Prätensionen wider Willen es zur energischen Selbstbefreiung reizen sollten; nach Hause brachten wir dagegen daS nicht mehr auszulöschende N ationalbewußsein, daS nicht mehr zu tilgende Bedürfniß der Theilnahme am Staatöleben, und die nicht mehr völlig zu unterdrücken-