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Zahl nach Distrikten vereinigt, um für die Aufrechthaltung der Ordnung Sorge zu tragen. In diesem Augenblicke (Don­nerstag 6 Uhr Abends) ziehen Abtheilungen von Bürgern mit farbigen Armbinden durch die Straßen, ebenso Husaren- Patrouillen; die Thore sind geschlossen, um das Zuströmen von Außen zu hindern. Die Straßen sind voll Menschen, die auf und abziehen; zahlreiche Verhaftungen von allerlei unheimlichem Gesindel, das bei dergleichen Gelegen­heiten auch am Tage sichtbar zu werden pflegt und einige Einbrüche versuchte, sind bereits durch die.übrigens unbe­waffneten Bürger vorgenommen.

Magdeburg, 16. März. Die Ruhe unserer Stadt ist seit gestern Abend wesentlich gestört. Einige Pöbelercesse veranlaßten (ohne Roth) das Einschreiten der bewaffneten Macht, die sich jedoch nicht begnügte, auf die Rädelsführer einzuhauen, sondern ohne Unterschied auf Bürger, Weiber und Kinder einhieb und Viele verwundete. Die Bürgerschaft ist dadurch auf's Höchste erbittert; ein großer Theil der Lä­den sind geschlossen, die Thore werden um 6 Uhr geschlossen und zahlreiche Patrouillen, mit scharfen Patronen versehen, durchziehen die Stadt, vom Pöbel wurden im Laufe des Tagel mehrere Excesse begnügen, namentlich die Conditoreien geplündert, und es fanden mehrere Verhaftungen statt. Es hat sich in der Eile eine Bürgergarde gebildet, der jedoch vom Commandanten die vollständige Armatur versagt ward, und die sich nun bemüht, ohne solche die Ruhe aufrecht zu erhalten. Soeben wird scharf geschossen.

Breslau, 14. März. Gestern fand in der großen Aula der Universität eine allgemeine Studenten-Versammlung statt, zu welcher der Rector, laut Anschlag am schwarzen Brett, die Erlaubniß ertheilt hatte.

Die wesentlichen Punkte, die in der Versammlung berathen und angenommen wurden, sind: die Abberufung der Negierungsbevollmächtigten, Wiederherstellung einer verant­wortlichen Vertretung der Studirenden beim Senat, das Recht freier Versammlung und Petition, unbedingte Hör- und Lehrfreiheit, und Aufhebung des Verbots gegen Verbin­dungen und Unterzeichnung der Reverse.

Posen, 10. März. Die neuesten Mittheilungen aus dem Königreich Polen bestätigen die früheren Nachrichten von einer außerordentlichen Anhäufung russischer Truppen daselbst, deren Zahl bereits auf 60 80,000 Mann geschätzt wird, welche aber noch täglich durch neu ausrückende russische Re­gimenter vermehrt werden. Alle eingebornen Mannschaften sind nach dem Innern Rußlands verlegt worden.

Königsberg, 12. März. Ein aus Rußland gestern hier eingetroffener Reisender hat erzählt, daß an unserer Grenze gelegenen Gegenden eine große Aufregung hervorge­rufen, indem das Gerücht verbreitet ist, daß diese russischen Truppen bestimmt seien, durch Preußen nach Deutsch­land zu ziehen. Sollte sich dieses Gerücht bestätigen, so würde sich die ganze Provinz wie Ein Mann erheben und beut Einmärsche der Russen den entschlossensten und entschie­densten Widerstand entgegenstellen. Wir glauben jedoch, daß die Russen unter den gegenwärtigen Zeitverhältniffen es nicht wagen werden, unsere Grenze zu überschreiten, indem dieses das Signal zu einem allgemeinen europäischen Kriege sein würde, denn die Franzosen würden dadurch gezwungen wer­den, den Rhein zu überschreiten.

Dresden, 17. März. Heute früh erschien folgende Ministerialbekanntmachung:An das sächsische Volk! Von Sr. Majestät dem König an die Spitze der Geschäfte berufen, haben sich Unterzeichnete über folgende Hauptgrund­sätze und Maßregeln vereinigt: Beeidigung des Militairs auf die Verfassung. Aufhebung der Censur für immer. Ein Preßgesetz ohne das System der Concessionen und Cautionen. Reform der Rechtspflege aus Grundlage der Mündlichkeit und Oeffentlichkeit; in Strafsachen Geschwornengericht. Re­form des Wahlgesetzes. Anerkennung des Vereinsrechts mit Repressivbestimmungen wegen Mißbrauchs. Gesetzliche Ord­nung der kirchlichen Verhältnisse im Geiste der Duldung und

Parität. Antrag auf Revision des Vereinszolltarifs. Kräf­tige Mitwirkung zu zeitgemäßer Gestaltung des Deutschen Bundes mit Vertretung des Volks bei demselben. Se. k. M. haben diesen Maßregeln und Grundsätzen Ihre Zustimmung zu ertheilen geruht. Gemäß ihnen wird das Erforderliche eingeleitet werden. Das sächsische Volk wird die hohe Be­deutung dieser königl. Entschließung würdigen und dies durch Erhaltung der Ruhe und Ordnung im Lande bethätigen. Dresden, den 16. März 1848. D i e S t a a ts m i n i st er. Dr. Bramn. Dr. von der Pfordten. Georgi.

Leipzig, 16. März. Aus den hiesigen Buchhandlungs­gehülfen hat sich am 13. März eine achte Reserve-Compagnie der Communalgarde gebildet.

In der gestern im Garten des Schützenhauses abge­haltenen Versammlung von hier anwesenden Preu­ßen, welche von mehr als 2500 Menschen besucht war, na­türlich auch Angehörigen befreundeter Länder, wurde zuerst mit einigen einleitenden Worten der Zweck der Versammlung erörtert, hierauf die Fassung einer Adresse an den König be­schlossen, in welcher außer den bekannten Forderungen noch viele andere Punkte feftgeftellt wurden.

Prag, 14. März. Hier hatte man nach den neuesten Nachrichten das Ständehaus mit Truppen umgeben und Ka­nonen aufgefahren, um von der Unterschreibung der dort ausgelegten Adresse an Se. Maj. den Kaiser abzuschrecken. Im Angesichte des Volks wurde geladen und Kanoniere standen mit brennenden Lunden bei den Stücken. Da zogen 800 Bürger, die adligen Ständcmitglieder an der Spitze, nach dem Ständehause, und man verzichtete darauf, 'GMalt- maßregeln gegen sie anzuwenden. Die Adresse ward unter­zeichnet.

Kassel, 16. März. In unserer Zeitung liest manFol- gendes:Die Leitung unserer öffentlichen Angelegenheiten ist den Händen von Männern anvertraut, deren Namen einen guten Klang im Lande haben. Von dem neu gebildeten Mi­nisterium erwarten wir mit aller Zuversicht die völlige und in Gemeinschaft mit den getreuen Landstäuden allmälig zu bewirkende Realisirung der Zusagen, die vom Thron herab auf die ausgesprochenen Wünsche erfolgt sind. Aber was wir glauben in aller Kürze erwarten zu dürfen, das ist ein Wort dieser berufenen Männer an das Volk, ein ernstes, offenes, beschwichtigendes Wort. Ein solches thut noth, um dem Eindringen oder Umsichgreifen anarchischer Gelüste und Zustände zu wehren und viele Gemüther aufzurichten."

Von der Hannov. Grenze, 16. März. So eben erfahren wir, daß morgen sämmtliche Studenten Göttingen verlassen und in ihre Heimath (nicht nach Hamburg) ziehen, auch die Professoren ihre Entlassung for­dern wollen. Inwiefern dieser Entschluß mit der heute er­schienenen Proklamation in Verbindung steht, davon ist noch nichts Näheres bekannt.

München, 11. März. Der russische Gesandte soll we­gen der, jede russische Allianz verschmähenden Studenten- Adresse eine Anfrage bei dem Ministerium gestellt und die natürliche Antwort erhalten haben: Deutsche Petitionen ent­halten die Wünsche der Petenten, ohne Rücksicht auf die An­sichten der Adressaten.

Stuttgart, 15. März. Dem Vernehmen nach wird in Folge eines von der hiesigen Regierung abgesendeten Cou­riers das bei Bregenz rc. stehende österr. Bundescorps die würtemb. Grenzen nicht überschreiten, son­dern sich nur zum V o r r ü ck e n bereit halten, wenn Bundeszwecke, durch die auswärtige politische Lage Deutsch­lands bedingt, dieß fordern sollten, was weitern Verhandlun­gen vorbehalten ist.

Bruchsal, 16. März. Heute ist aus großherzoglichcm Staats-Ministerium der Befehl an alle Zuchthäuser Badens ergangen, die politischen Verbrecher sogleich zu entlassen.

(Nebst Beilage.)

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. Verantwortlicher Redacteur : W. Friedrich.