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unsere volle Wirksamkeit für die hohen Zwecke der Volksbe­waffnung sichern.

Wir wollen den Beweis liefern, daß williges Zusammen­wirken, unter der Leitung selbstgewählter Anführer, mit Be­geisterung vereinbar ist, daß die Einsicht und der Wille freier Bürger 'sich selbst die Gesetze zu geben und zu halten weiß, welche die Bedingung des ehrenvollen Bestehens jeder be­waffneten Macht sind.

Dann wird uns die Zeit der Gefahr und des Handelns gerüstet und zu jeder Kraftentwickelung fähig finden. Wir werden den hohen Beruf: ein Muster der Waffentüchtigkeit für die Volkswehr des ganzen Landes zu sein, erfüllt haben.

Wehrmänner! Erhaltet mir Euer Vertrauen und zählet unter allen Umständen auf mich, wie ich auf Euch zähle.

Goedecke.

Die Vewegung in Preußen.

Berlin, 14. März. Nunmehr ist auch die Kriegsre- serve der Infanterie von der ganzen Armee einberufen, und auch die Landwehrleute haben Ordre bekommen, ihre Ver­hältnisse so zu ordnen, daß sie in 8 bis 14 Tagen bei den Fahnen sein können.

Berlin, 15. März. (Abends 10 Uhr.) Wie man ziemlich voraussehen konnte, hat die Schutzcommission Nichts ausrichten können. Das Volk riß den Bürgern die weiße Armbinde ab. Schon kurz nach 7 Uhr versuchte das Mili- tair den Schloßplatz zu räumen. Es dauerte nicht lange und das Militair machte von der Schußwache Gebrauch. Es geschah dies in mehreren Straßen. Einige wurden auf der Stelle getödtet und Viele verwundet. Daß dadurch die Erbitterung sich nicht gelegt hat, läßt sich leicht abnehmen. Das Volk hat sich nach den entfernteren Straßen zurückge­zogen. Die Art, wie das Militair vorgestern von seinen Waffen Gebrauch gemacht hat, hat allgemeinen Unwillen erregt.

Berlin, 15. März. Wie man sagt, haben die Mi­nister Thile, Savigny und Eichhorn dem Könige dringend gerathen, nichts nachzugeben, denn das Volk werde statt des Fingers die Hand nehmen; Graf Stollberg und Hr. v. Bo- delschwingh sollen für Concessionen gewesen sein. Die öffent­liche Meinung erblickt kein Heil, wenn nicht das ganze Mi­nisterium und mit ihm das bisherige System fällt. Man läßt eine neue Ministerliste umlaufen, auf welchen sich die Namen: Graf Alvensleben, Graf Schwerin, Herr v. Auers­wald, Herr Camphausen und Herr v. Vincke befinden.

Berlin, 16. März. Wir vernehmen, daß der von Oesterreich und Preußen ausgeschriebene Fürsten- und Mi nister-Co ngreß nicht, wie es früher bestimmt war, in Dresden, sondern in P o t s d a m abgehalten werden wird, wohin auch der Bundestag seinen Sitz proviso­risch zu verlegen eing c l ad en ist.

Berlin, 16. März. Nach dem zu urtheilen, was heute die Stadtverordneten-Versammlung berathen und be­schlossen haben soll, wiederum Bürger mit weißen Armbinden auf die Straßen zu schicken, kann man auf eine Beilegung der bitteren Conflicte zwischen Civil und Militair für heute kaum rechnen. Da gestern viel Blut geflossen ist, drei Todte werden auf Seiten des Bürgerstandes bestimmt ge­zählt so liegt darin fast ein unvermeidlicher, wenn auch unheilvoller Impuls der Rache. Für heute Nachmittag um 3 Uhr sind in den verschiedenen Bezirken der Stadt Bür­gerversammlungen angesetzt. Die Nachrichten über die Katastrophe in Wien, welche schon gestern hier verlautet waren, scheinen auf unsere Stadtbürger, deren Zahl bekanntlich etwas über 20,000 beträgt, einen sehr einschüch­ternden Eindruck hervorgebracht zu haben.

Die Einberufung des Vereinigten Landtages und die nun bestimmte Aussicht auf Umgestaltung des deutschen Bun­des haben die Gemüther der hiesigen Bürger beruhigt, indem man nun von der zuversichtlichen Hoffnung beseelt ist, daß sowohl die Interessen Preußens als die des gemeinsamen Vaterlandes kräftig werden gewahrt werden. Die Besorg­

nisse, daß Preußen in seinem Entwickelungsgänge hinter den süddeutschen Staaten zurückbleiben werde, sind geschwunden. Die kräftige Haltung des einberufenen Vereinigten Landtages wird die Zukunft, welche die Gemüther jetzt wieder hebt, vollkommen rechtfertigen.

Berlin, 17. März. Wir hoffen, daß die in diesen Tagen an mehreren Orten wiederholten Erfahrungen dahin wirken werden, endlich die Waffen des stehenden Hee­res ausschließlich gegen den äußeren Feind zu gebrauchen, die Ordnung im Innern aber lediglich mit bürgerlichen Schutz-Beamten" (Constablern) oder, im äußersten Falle, nachdem jene vergeblich sich angestrengt und ausgesetzt haben, mit der Nationalgarde zu vertheidigen! Gegen die Weigerung der Bürger, als Schutz-Beamte und Nationalgardisten ihre Pflicht zu thun, muß es, wie in Eng­land, ernste Strafmittel geben. Es ist kein Recht der Selbst-Regierung denkbar ohne die Selbst-Ver­theidigung freilich aber auch diese nicht ohne jene. Es ist am Ende mit dem Polizeistaate! Die Gedanken des Freiherrn von Stein und von Vincke (Vater) müssen ver­wirklicht werden, wenn wir nicht eine Beute der Fremden oder der aufgeregten einheimischen Massen werden sollen!

Saarbrücken, 13. März. Am 10. d. wurde in ei­ner außerordentlichen vereinigten Sitzung der Gemeinderäthe von St. Johann und Saarbrücken eine Adresse an Se. M. den König einstimmig angenommen, die in 24 Stunden mit nahe 800 Unterschriften bedeckt wâr^ und heute nach Ber­lin abging. In allen umliegenden Städten und selbst auf dem Lande werden ähnliche Petitionen vorbereitet. Die Be­wegung geht tief; möge man in Berlin die Zeit erkennen! Möge man vor Allem von dem Traume erwachen, daß mit Periodicitätsfragen und dergleichen zu helfen sei. Das Volk bekümmert sich darum nicht; es verlangt Rechte, reelle Rechte, keine Spielzeuge.

Solingen, 17. März. Gestern ist die Ruhe unserer Stadt durch Excesse gestört worden, die für die jetzigen Ver­hältnisse unserer Zeit sprechend sind. Es ist früher schon in öffentlichen Blättern mehrmals erörtert worden, wie nach­theilig die Gießereien, worin namentlich Scheeren, Messer und Gabeln gegossen wurden, auf den Kredit der hiesigen Fabrik und auf die Verminderung der Arbeit einwirkten. Vier solcher Gießereien nun sind heute von einer großen An­zahl Arbeiter gänzlich demolirt worden, ohne das die Polizei hindernd dagegen hätten einschreiten können. Die Zerstö- rungswuth auf diese Gießereien sollte gestern Abend noch im Burgthale, an der großartigen Anlage, worin bekanntlich die See Handlung betheiligt ist, ihren Schlußpunkt finden; und wohin sich die ganze Masse, als sie ihre Zerftörungs- werke hier vollendet hatte, singend bewegte, ohne jedoch son­stige Excesse zu begehen.

10 Uhr. Soeben höre ich, daß sich alles Volk wieder­auf den Weg nach der Burg begibt, um das ganze Ge­bäude, welches massiv und äußerst stark gebaut ist, der Erde gleich zu machen. Wie es gehen wird, wenn das Werk an der Burg vollendet ist und das Volk wieder auf Solingen zurückkommt, weiß Gott. Der im Burgthal angerichtete Schaden mag 100,000, der an den einzelnen Fabriken 40 bis 50,000 Thaler betragen.

Hagen, 17. März. Gestern ist unserem Landrathe, Hrn. v.' Vincke, durch den Minister v. Bodelschwingh die Einjudung zugegangen, sofort nach Berlin zu kommen, und heute ist derselbe bereits dahin abgereist:

In Magdeburg ist es am 15. März, obwohl sich schon am Morgen des Tages bürgerliche Schutzcommissionen gebildet hatten und das Militair zuri«kgehalten wurde, zu e r n st l i ch e n Unruhen gekommen. Die durch den Gene- ralmarsch unter die Waffen gerufene Garnison säuberte die noch immer mit tobenden Haufen angefüllten Straßen, so daß gegen 1 Uhr Nachts die Stadt wieder ruhig wurde. Heute aber zeigte sich schon im Laufe des Vormittags wie­der eine Aufregung, die zu den umfassendsten Vorsichts­maßregeln aufforderte. Die Bürger haben sich in großer