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r, Damen werfen weiße Kokarden, als Sinnbild der Einigkeit, herab und mit Blumen sind die blutigen Bajonnette geschmückt. , Da der Kaiser abwesend, so hat der Fürst Windisch-Grätz n dessen Stelle provisorisch übernommen! In der Stadt , wurde die Ligorianerkirche geplündert und sämmtliche Ordens- ' brüder sind entflohen. In den Vorstädten sieht es entsetzlich aus, Fünf- und Sechs-Haus steht in Flammen, und die t Kirche in Mariahilf soll gleichfalls geplündert sein. Das , ganze Volk daselbst ist entsetzlich erbittert, und es wird viel t Blut, kosten, dieses fürchterliche Element zu bändigen! Auf den Bastionen, sowie auf dem Glacis sind Kanonen aufge­pflanzt leider wurden solche ein paar Mal angewandt, da man fürchtete, die sogenannten Kappelbuben wollten die , Hofstallungen in Brand stecken. Man weiß nicht, was man e denken soll; wird es möglich sein, die Hunderttausende erbit- . terter Menschen in Zaum zu bringen. Genaue Berichte über - die Einzelheiten fehlen natürlich; doch so viel ist gewiß, die

1 Fesseln der Finsterniß sind gesprengt, Metternich ist

- unter einer Husarenbegleitung abgefahren,

i und wir haben Preßfreiheit und eine Nationalgarde! Wie i die Nacht ablaufen wird, wissen die Götter! Soeben kom-

$ men 200 Studenten von Grätz und 400 Studenten von ; Prag an. Gott gebe eine gleiche Lösung! Wahre Schil-

I . derungen wird man erst in acht Tagen machen können. Die Furcht und das Entsetzen über so Manches ist grenzenlos. An Geschäfte denkt natürlich Niemand und das Recht der Erhebung für Proteste wurde um acht Tage hinauögeschoben! Die Gaöröhren sind alle zerstört, auch, wie man sagt, sämmt­liche Barrieren, so daß man von einer Verzehrungssteuer nichts mehr weiß. Der Literat Hebbel ist gefal­len, der Volksdichter! Erzherzog Albrecht, der zuerst Feuer" commandirte, ist vom Pferde gerissen wor­den! Soeben trifft die Nachricht ein, daß auch viele Fabriken in Flammen stehen. Die Wiedener Brücke ist zerstört. Es sind Abgeordnete aller Provinzialstände, welche aus den Reihen der seither nicht vertretenen Staats­bürgerklassen ergänzt werden, nach Wien einberufen.

©ro^britannktt.

London, 10. März. DieTimes" hat einen Corre- spondenten nach Deutschland geschickt, um über den Fortgang der Bewegung zu berichten. Er zählt die Wünsche des Volkes auf, und fährt folgender Maßen fort: Für einen Engländer liegt nichts Unvernünftiges in allen diesen For­derungen; im Gegentheile, die Wünsche des Volkes, wie sie in den Petitionen der rheinischen Städte vorgetragen werden, sind alle auf die britische Constitution gegründet, und dort haben die Deutschen nach den Grundsätzen wahrer Freiheit gesucht. Es herrscht keine Sympathie für Communismus, und man kann davon keine Gefahr befürchten, denn Jeder hat ein Bischen, während Wenige reich sind. Die Aufregung ist rein politisch. Früher oder später können die Zugeständ­nisse nicht auöbleiben; denn das Volk ist völlig erwacht und fest entschlossen, weil es weiß, daß seine Forderungen auf Gerechtigkeit beruhen." Er beschreibt höchst ergötzlich, wie er von Aachen nach Cöln mit zwanzig Deutschen auf der Eisen­bahn gereist sei, die sich in der Begeisterung alle umarmt hätten, und wie er selbst sich dieser daheim nicht gebräuch­lichen Freundschaftsbezeugung nicht habe entziehen können.

Der Chronicle warnt die provisorische Regierung in Paris sehr ernstlich, nicht so verschwenderisch mit Gewährun­gen zu sein; die Regierung würde bald gelähmt werden, und ein Umschwung der Dinge noch vor der National-Ver- sammlung stattfinden.

London, 1L März. Der mexikanische Congreß zu Queretaro hat wirklich einen Friedensvorschlag dem Präsi­denten von Nordamerika eingesandt, und dieser hat ihn dem Senat übergeben. Nordamerika erhält die bekannten Grenzen, doch zahlt es für Untercalifornien 15 Mill. Doll., von denen 3 bei Auswechselung des Vertrages gezahlt werden. In 3 Monaten ziehen sich die Mexikaner aus Mexiko zurück; nach demNew-Jorker Herald" aber bleiben 12,000 Mann da­selbst bis zur Erfüllung gewisser Bedingungen. Die öffent­lichen Fonds stiegen auf diese Nachricht 3 bis 6 pCt.

Rußland.

St. Petersburg, 8. März. Gestern, am letzten Tage des Carneval, war Ball im Winterpalast, dem auch der Kaiser beiwohnte. Es wurde eben eine Masurka getanzt, als ein Adjutant dem Kaiser ein Papier überreichte. Es enthielt die Nachricht von der Pariser Revolution, die eben durch den Telegraphen angekommen war. Die Züge des Kaisers verändern sich, indem er liest; dann faßt er sich und tritt mitten unter die Tanzenden. Alles hält inne, die Musik verstummt, der Kaiser tritt vor:In Paris ist die Republik ausgerufen; viel Blut ist geflossen, Mutierten und Palais Royal verbrannt; der König und die königl. Familie sind auf der Flucht."Meine Herren," fügt der Kaiser hinzu, und wendet sich gegen die Offiziere,machen Sie sich fertig, auf's Pferd zu steigen"

Angarn.

Preßburg, 8. März. Die Aufregung ist noch im Stei­gen. Die übertriebendsten Gerüchte finden Glauben, sogar den Türken werden kriegerische Bewegungen beigemessen. Noch ist der Erzherzog Palatin von Wien nicht zurück. Man hat schon beantragt, daß die Magnaten ohne ihn den Präsidenten der Kammer berathen sollen.

Preßburg, 10. März. Gestern war wieder eine sehr stürmische Sitzung der Ständetafel über das Ausbleiben des Erzherzogs Palatin in Wien. Es wurden die strengsten Vor-' schläge gegen den obersten Landrichter und den Hofkammer­präsidenten gemacht, als welche gesetzlich berufen und ver­pflichtet sind, in Abwesenheit des Palatins die Magnaten­sitzungen abzuhalten. Doch behielt noch die Mäßigung das Uebergewicht, und es wurde nur eine Aufforderung an die genannten Würdenträger erlassen, unverweilt eine Magna­tensitzung abzuhalten, um die ständische Adresse an den König in Verhandlung zu nehmen.

Italien.

Mailand, 6. März. Eben komme ich von einer nach Varese gemachten Reise zurück. Die Gegend, die ich durch­flog, scheint ein weites Heerlager zu sein. Zeder, auch der kleinste Ort, ist mit Truppen besetzt; hier die flinken Gestal­ten der muntern Jäger mit den wallenden Federbüschen und hechtgrauen Röcken, dort die ernsten Gesichter der hochgewach­senen dunkelfarbigen Gränzer, hier wieder das weiße Linien- militair mit seiner taktischen Geübtheit, die sich eben so in dem Auftreten eines jeden Einzelnen, wie in großen Abthei­lungen kund gibt, dort die mit Sporen und gewichtigen Schwertern rasselnden Dragoner oder caracaolirende Husaren, die ihre ungarische Schimpfsuade niemals verläugnen. Ich glaubte mitten in Wallensteins Lager gerathen zu sein. Zn Mailand selbst geht es sehr kriegerisch zu. Truppen kommen und gehen, Musikbanden ziehen durch die Gassen an der Spitze einrückender Bataillone, das Castell wird verschanzt, an den Wällen der Stadt werden kleine Forts und Thürme gebaut, Batterien in langen Linien manövriren auf dein Waffenplatz, überall Soldaten, überall Waffenlärm.

Griechenland.

Athen, 27. Febr. Der Gesandte der Pforte, Mus- surus, hat in Athen seinen Einzug gehalten. Nach^ seiner Quarantaine am Sonntag, 20., gab er unter den Säulen des Tempels von Aegiua seinen Officieren ein Gastmahl, und wollte noch an demselben Tage nach Athen kommen. Die Regierung machte ihm bei der aufgereizten Stimmung des griechischen Volks gegen den türkischen Botschafter, Vorstel­lungen, nicht an diesem Tage seinen Einzug zu halten. Alles blieb fruchtlos, Mussurus beharrte darauf. Endlich gelang es der Gattin des Ministers des Innern durch einen ein­dringlichen Brief an Frau Mussurus, diesen zu bestimmen, im Laufe des Sonntags nicht nach Athen zu kommen. Mus­surus segelte Sonntags nach Aegina und Salamis ab und kam erst' Montag Morgens nach dem Piraeus und in aller