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dert. Noch ein anderer wichtiger Prozeß hat sich zugleich mit dieser Vindikation erhoben. Eine Durchsicht der Steuerregister hat herausgestellt, daß der Besitzer dieser Domaine vom Antritt seines Besitzes an vergessen hat, die landesüblichen Steuern dafür zu entrichten, welche sich nun bis auf 75000 Gulden gesteigert haben sollen. Die Stände haben auch diese Steuer eingefordert, und sollen gesonnen sein, Falls in vorgeschriebener Zeit nicht die genaue Zahlung erfolgt, die im Schloßkeller befindlichen edeln Weine zu versteigern, welche leicht die Rückftandssumme aufbringen dürften.
Vom Main, 19. März. Die deutschen Regierungen, welche gegenwärtig noch mit dem Fürsten von Thurn und Taris in Hinsicht der Postverhältnisse in Verbindung stehen, werden genöthigt sein, dem Wunsche des Volkes nachzugeben, zum Wohl des Staates die Post selbst zu übernehmen. Da ihr eigener Vortheil mit dem Vortheil der Völker Hand in Hand geht, so werden sie diese Bitte gewiß gern berücksichtigen, und so würde denn die Posteinheit, von der man noch vor Kurzem wie von einer Fabel sprach, sich leichter bezwecken lassen, als man glaubt.
Marburg, 16. März Professor S. Jordan ist von den Städten der Schwalm am 13. d. zum Landtagsdepu- tirten erwählt worden.
Mannheim, 11. März. Es verbreitet sich so eben die Nachricht, daß unsere gestern nach dem Odenwalde abmar- schirten Truppen bei Obrigheim am Neckar auf ernsten Widerstand gestoßen sind. Die Brücke daselbst soll von den Aufrührerischen abgeführt worden sein, und letztere haben, so heißt es, mit Schüssen vom jenseitigen Ufer den Angriff begonnen. Der die Truppen befehligende Stabsoffizier soll hiebei getödtet worden sein.
Stuttgart, 11. März. Gestern Abend sind hier angekommen der großh. hessische General Graf Ve^rbad; und der Herzog!, nassauische Geh. Legationsrath v. Gagern, zunächst von Karlsruhe kommend und, wie man vernimmt, in der Absicht, die Entschlüsse und Vorschläge unseres Königs über die wichtige Frage des deutschen Parlaments und der damit zusammenhängenden Maßregeln zu vernehmen, und weiter gemeinschaftlich mit einem großh. badischen und einem diesseitigen Bevollmächtigten sich nach München und unter Umständen an andere deutsche Höfe zu begeben. Mit Freude und mit Stolz können wir berichten, daß durch ein großmüthiges Entgegenkommen unseres Königs ein vollkommenes Einverständniß unter den bis jetzt vereinigten Höfen herbeigeführt ist. Baierns König, der bereits durch eine wahrhaft patriotische Proklamation seinem Volke die herrlichsten Freiheiten verkündet hat, scheint es in der gegenwärtigen Frage vorbehalten, durch freien großherzigen Entschluß die Rettung Deutschlands zu sichern.
Elberfeld, 16. März. Der Magistrat hat in Uebereinstimmung mit der Versammlung der Gemeinde-Verordneten die Errichtung eines Sicherheits-Vereins aus allen Comunal- Steuerpflichtigen (Bürgern) beschlossen. Der Verein besteht nach Sectionen der Stadt in 7 Abtheilungen, diese zerfallen in Compagnien von 120 Mann und diese in Züge von 40 Mann. Der Verein wählt seine Vorsteher, Hauptleute und Zugführer; die Offiziere wählen den Chef und diese den Stellvertreter; beide werden durch den Magistrat bestätigt. Die Glieder des Sicherheits-Vereins tragen eine weiße Arinbinde.
Posen, 10. März. Die neuesten Mittheilungen aus dem Königreich Polen bestätigen die früheren Nachrichten von einer außerordentlichen Anhäufung russischer Truppen daselbst, deren Zahl bereits auf 60—80,000 Mann geschätzt wird, welche aber noch täglich durch neu ausrückende russische Regimenter vermehrt werden. Alle eingebornen Mannschaften sind nach dem Innern Rußlands verlegt worden.
Leipzig, 14. März. Nach Entlassung des Ministeriums hat der König folgenden Männern. die Leitung der Staatsgeschäfte übertragen: Advocat Braun in Plauen, Präsident der 2. Kammer, zum Justiz-Minister, und Kauf
mann Georgi in Mylau, Associe von C. G. Brückner, zum Finanz-Minister ernannt.
Kiel, 12. März. Rußland hat an Dänemark die Forderung gestellt, ihm seine Flotte zur Disposition zu stellen und ihm dagegen seine Garantie für die Inkorporation und für den Fall eines allgemeinen Krieges Gebietsvergrößerung in Deutschland versprochen. Wahrscheinlich, daß die Februarrevolution dieses neue Attentat vereitelt. Jedenfalls aber muß Deutschland nach allen Seiten gerüstet sein! — Uebrigens wird Kopenhagen armirt und alle seefähigen Schiffe der Marine werden ausgerüstet! Das Jahr 1807 ist noch nicht vergessen.
Wien, 14. März. Ich schrieb gestern und weiß nicht, ob jener Brief abgegangen, nachdem gestern Nachmittags die Revolmion im vollen Zuge, alle Communication abgeschlossen. Es war ein schrecklicher Nachmittag! Es wurde das Mili- tairzcughaus gestürmt, und als die Pelotonfeuer ertönten auf das unbewaffnete, unschuldig mit in den Strudel gekommene Volk, — da war mein Herz förmlich dem Brechen nahe. Alle Leidenschaften wütheten. Ich schrieb gestern Nachmittag um 3 Uhr. — Die Studenten suchten sich des kaiserlichen Zeughauses zu bemächtigen, was natürlich, ganz von Waffen entblößt, nicht gelang; hier wurde systematisch eingehauen und es blieben 5 bis 6 Todte liegen! Mit Entsetzen stürmte nun alles Volk gegen das ehemalige Kriminalgebäude und suchte die Gefängnisse zu öffnen, das Militair im Rücken. Der obere Theil des Gebäudes wurde so ziemlich, wie es die kurze Zeit zuließ, demolirt, und Einer, auf dem Balkon stehend und sich den Flintenläufen preisge'bend, zerbrach unter stürmischen Vivats die Embleme der Gerechtigkeit! Inzwischen ritt ein Student auf dem erbeuteten Pferde eines Ofsiciers durch alle Straßen der Stadt, begleitet von Tausenden von Menschen, und predigte, trotzdem daß er eine Kopfwunde erhalten. Nachdem Erzherzog Albrecht „Feuer!" hatte commandiren lassen und man nun die drohende Gefahr für ein weiteres Blutbad sah, ermannten sich die Bürger und ließen Generalmarsch schlagen. Die ersten Bürger Wiens drängten sich nun durch die Militairreihen der Hofburg, stürmten zum Kaiser, brachen die Thüren ein, da man ihnen den Eintritt in's Cabinett des Kaisers verweigerte, und schilderten die entsetzliche Gefahr, die allen Menschen drohe, wenn man nicht die Bürger handeln lasse und nicht die Linie unverzüglich zurückziehe. Der brave Erzherzog Johann sagte zu den Hereinstürmenden: „Sagt dem Kaiser, wie es zugeht, und Das, was Ihr verlangt!" Die Bürger schrieen: „Der Staatskanzler Fürst Metternich muß ab treten, wir, Millionen, verlangen es!" Metternich im schwarzen Frack, an der rechten Seite des Kaisers stehend, entgegnete: „Ich trete nicht ab! Ich leite seit 50 Jahren das Wohl des Kaiserhauses!" Der Erzherzog Johann und die Bürger schrieen ihm dagegen: „Blut ist geflossen! Sie müssen unverzüglich abtreten, treten Sie ab!" Metternich erwiederte: „Muß ich wirklich abtreten, so sei es!" und entfernte sich. Die Generäle, die in den Vorzimmern waren, fielen diesen wackeren Bürgern um den Hals. Unverzüglich wurde die Linie ab- g rufen und die Studenten, denen die Bürger ihr Zeughaus öffneten, marschirten nun durch die S.adt. Die Bürger kamen von der Burg zurück und proclamirten, was sie mit dem Kaiser gesprochen, daß alle Concessionen erfüllt werden sollen und daß Metternich gestürzt sei! Tausende von Vivats stiegen gen Himmel; Alles schrie nach Illumination und in einem Nu waren alle und jede Häuser mit Lichtern garnirt! Die Thore der Stadt waren geschlossen; Volk, von dem Pelotonfeuer erschreckt, stürzte wüthend gegen dieselben los und bald war das Schottenthor gesprengt! — Abends halb 8 Uhr erschien eine Proclamation, worin der Kaiser Alles und Jedes verspricht! — Verwundete können circa hundert Personen und getödtet ungefähr vierzig sein.
Um 12 Uhr.) Das Volk ist im Besitze aller Rechte. — Nationalgarde, Preßfreiheit! Die Erzherzoge Johann, Albrecht sind abgereist und der Kaiser nach Larenburg! Von der Freude kann ich Ihnen keine Schilderung geben; die