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Zur Literatur und Censur.

Gtnesis der Juli-Revolution von Carovö.

(Fortsetzung.)

Indessen wurde Frankreich, in Folge der Centralisirung der Staatsgewalt, allmälig zum bloßen Werkzeug der Welt- eroberungS - Pläne seines SouverainS, während in Deutsch­land, in Folge seiner Zerspaltung, bald auch die nicht abge­fallenen Fürsten sich in ihrer Existenz bedroht fanden. Wie nun dort die misbrauchte Nation sich nach innerer politischer Freiheit zn sehnen anfing, erwachte im deutschen Volke der Schmerz über den Verlust seiner Einheit und Selbstständigkeit, und während Napoleon fremde KriegSschaaren seinem Heere einverleibte, erkannten deutsche Fürsten, daß ihre wahrhafte Macht in der Wehrhaftigkeit und Vaterlandsliebe des Volkes beruhe. Zum erstenmale wieder hörte daö deutsche Volk sich bei seinem Namen nennen, und seine politische Wiedergeburt zur Nation begann (wie zwei Dezennien früher die des fran­zösischen Volkes durch Organisirung der Nationalgarde) durch Errichtung der Landwehr, welche bald zur Nationalbe- waffnnng erwuchs, als die deutschen Fürsten sich sämmtlich überzeugt hatten, daß weder die Theilnahme am Rheinbund, noch die Jsolirung gegen denselben, daß weder die alte, bloâ historische Landeshoheit, noch die gewaltsam erworbene neue Souverainität ihre Throne gegen den französischen Welteroberer zu schützen vermöge. Den Aufforderungen zum Kampfe gegen die fremde Gewaltherrschaft waren aber auch Verheißungen der Wiederherstellung der deutschen Freiheit und Verfas­sung in zeitgemäßer Gestaltung,welche möglichst aus dem ureignen Geiste deö deutschen Volkes hervorgehen sollte /' gesellt, über deren Bedeutung damals unter den wahrhaften und wehrhaften Patrioten keinerlei Zweif l obwaltete. Selbst die deutschen Fürsten schienen damals durchgängig zur Einsicht gelangt zu sein, daß die Freiheit Deutschlands, als eines na­tionalen Ganzen, bedingt sei durch die Constituirung der staats­bürgerlichen Freiheit in dessen einzelnen Staaten, wie umgekehrt die Sicherstellung der letzteren durch Constituirung des deutschen Bundes.

Für diese Zwecke, sür Befreiung der Fürsten und deö Vaterlandes vom fremden Joch, aber auch für die zeitge­mäße Herstellung der uralten innern Freiheit, griff das deut­sche Volk zu den Waffen, und erfocht sich im freien, gemein­samen Kampfe gegen den äußern Feind die Nationalität, welche das französische Volk durch innere Kämpfe erworben hatte.

Frankreich aber, weil es den andern Völkern Gewalt angethan hatte, mußte nun auch von diesen Gewalt erleiden, und sich eine Dynastie wieder aufnöthigen lassen, welche selbst durch die ungeheuersten Erlebnisse nicht zum rechten Verständ­niß deö französischen StaatSlebenS gelangt war. Zwar mußte sie, vom provisorisch-regierenden Erhaltungssenat gedrängt, sich herbeilaffen, Frankreich eine Repräsentativverfassung zu er­theilen; die Folge zeigte jedoch, daß die alte Dynastie und ihr Anhang von ihren veralteten Prätensionen nichts vergessen, jedenfalls von den wesentlichsten Forderungen des ueuen Gei­stes nichts, oder doch zu wenig erkannt hatten. So begann denn sofort nach der zweimaligen gewaltsamen Restauration des alten Herrscherhauses jener merkwürdige Kamps zwischen den beiden Prinzipien des StaatSlebens, deren Gegensatz bereits eine so gewaltige Krise hervorgerufen hatte. Eben durch diese waren indeß alle Verhältnisse so von Grund aus verändert worden, daß sich immer offenbarer die Unmöglichkeit einer dau­ernden Vereinbarung beider Partheien hcrauöstellte. Die Un­vermeidlichkeit einer nochmaligen Krise beim Beharren der Dy­nastie auf der Durchführung ihres Prinzips wurde zuletzt so offen und klar ausgesprochen, daß, als diese sich zuletzt zu einem verzweifelten Gewaltstreich verwog, durch gewaltsame Abwehr desselben ihr nur ihr Recht geschah, da eS an Warnungen und an Hinweisungen auf daö Recht der Nothwehr nicht gefehlt hatte.

Während auf diese Weise in dem centralisirten Frankreich die durch ein deutsch-englisch - russisches Heer zweimal wieder eingesetzte Dynastie mit ihrem altkirchlichen und altadâgen An­hang den Partheikampf entzündet und die Vertreter der StaatS- idee und des Nationalgeistes zur gewaltsamen Selbstbe- freiung genöthigt, mußte auch Deutschland es büßen, daß es seine nationale Freiheit nur mit Hülfe fremder Mächte wie­der errungen hatte. Die Waffenmacht behauptete bei seiner Re- constitution vorherrschenden Einfluß, und statt der verheißenen Wiederherstellung deutscher Freiheit und Verfassung" kam nur jener deutsche Bund zu Stande, welcher demnächst auf offi­zielle Weise nicht ganz unrichtig definirt wurde alsein v ö lker- rechtlicher Verein der deutschen souverainen Fürsten und freien Städte. Zugleich begannen von oben herab die man­nigfachsten Nestaurationöversuche, und wie in Frank­reich eine legitimistisch- jesuitische Parthei der konstitutionellen Partei der Aufklärung, so trat in Deutschland eine sogenannte historische Schule der philosophischen, eine der Souverai­nität und Orthodoxie huldigende Partei der liberalen und rationalen gegenüber. (Forts, folgt.)

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichöplatz. Verantwortlicher Redacteur: W. Friedrich.