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rückte nämlich mit einem zahlreichen Heere, an welches sich die Grafen von Cleve und Berg und der Erzbischof von Mainz angeschlossen hatten, vor Kölns Mauern; eine Stunde war abgesprochen, in welcher seine Anhänger drinNèn dè» Thurmmarkt in Brand stecken sollten und während alles dahin strömte, sollte ihm und seinen Schaaren daS Thor geöffnet werden. Dieser Plan scheiterte jedoch, weil daS Signal, welches Engelbert erwartete, nicht gegeben wurde, und himmlische Bun- deSgenoffen waren sichtbar für Köln. In einer Nacht nämlich gewahrte, wie eü heißt, der Graf von Cleve eine hohe königliche Jungfrau mit der Krone auf dem Haupt, und eine Kerze in der Hand; ein mildes Leuchten floß um sie; eilftausend herrliche Jungfrauen folgten ihr, im langsamen Zuge schritt sie mit ihnen um die Mauern und segnete die Zinnen und Thore. Und wie die heilige Schaar an das Weyerthor kam- that sich dieß auf und Sankta Ursula mit ihren Gefährtinnen schritt durch dasselbe in die Stadt, die sie beschützte. Der fromme Graf erzählte sein Gesicht, daS auch eiN anderer Ritter geschaut hatte, und war davon so tief bewegt, daß er eS für eine Sünde hielt, wider Köln zu streiten, daö solche Bundesgenossen habe. „Diese Stadt ist gar wohl behütet, sprach er, und wir können keine Ehre an ihr gewinnen!" So zog er denn ab und der Erzbischof von Mainz that ein Gleiches. Da mußte auch Engelbert die Belagerung aufheben. Er begab sich nach Bonn; aber seinen Vorsatz ließ er noch keineswegs fahren. Und Bruder Wolfrat, der ihm so eifrig diente, war gar bald wieder mit einem neue» Anschlag bereit.
„Seht," sprach er zu Engelbert, „seht wie sich die beiden mächtigen Geschlechter hassen, die Overstolzen und die Weisen! Die Overstolze» brachen einst den Weisen ihre Häuser; diè Weisen haben dieses nicht vergessen und warten schon längst auf den Tag der Rache. Da rèift unsere Saat. Werden die Weisen unser und unterstützen wir sie zum Sturz der Overstolzen, dann ist alle Kraft des Widerstandes dahin; denn nur, weil sie einig waren wider uns, waren sie stark." Engelbert horchte gern auf diesen Rath; durch Schmeicheleien und Versprechungen ließen sich die Weisen bethören, seine Parthie zu ergreifen, und da einer von diesem Geschlecht, Namenö Ludwig, gerade Bürgermeister war und das Stadtsiegel in Händen hatte, so schien auch hierin eine Bürgschaft für das Gelingen der Anschläge gegeben zu sein. Auf Engelberts Ansinnen ließen sich die Weisen plötzlich in Scharlachkleidern mit grünen Unterschnitten sehen, — eine Tracht, die nnr den Vornehmsten gebührte. Die Overstolzen stellen sie ruhig darüber zur Rede. „Waö wollt ihr?" ist die trotzige Antwort, „diese Gewänder verlieh uns Engelbert." Auf den Vorschlag eines redlichen Vermittlers sollte der Graf von Jülich als Schieds- mann entscheiden und sein Spruch lautete dahin, daß die
Weisen eine gewisse Summe als Entschädigung für ihre von den Overstolzen gebrochenen Häuser erhalten sollten.
Die Overstolzen erkannten — ungeachtet dieser scheinbaren Schlichtung —• die Fortdauer der Gefahr und beschlossen, alles dran zu wenden, um dem Bürgermeister Ludwig von den Weisen das Stadtsiegel abzunehmen; da er, ein stolzer und standhafter Mann, die Auslieferung desselben verweigerte, so ließ ihn der Rath gefangen Nehmen, und die Weisen flüchteten, weil sie sich nicht mehr sicher glaubten, in die Klöster und sonstigen Freistätten. Aber sie brüteten Rache. Forts, f.
Die Verbannten.
' Novelle von C. v. Wachsmath.
(Fortsetzung.)
Fürst Menschikow betrachtete indeß den Alten mit finsterm Blicke. Die Erinnerung an den Pastetenbäcker schien ihn mächtig ^ergriffen zu haben, und er nur mit Mühe seine Empfindungen im Zaume halten zn könne». Bald faßte er sich jedoch, und mit großer Ruhe hob er nach kurzem Schweigen zu sprechen an:
„Ich hatte," — sprach er mit freundlicher Würde — „wie ich Dir schon gesagt, den Gedanke», den Czar zu bitten, mir die in Rede stehenden Güter zu überlassen, und eö ist mir jetzt doppelt lieb, daß ich eS nicht gethan; einmal darum, weil ich mir eine abschlägige Antwort geholt haben würde, nachdem der Herr dem verdientesten seiner alten Freunde eine solche gegeben, und dann, weil ich, wenn auch unwissend, Direinen LieblingSplan, den, Deiner lieblichen Marie ein Besitzthum zu gründe», durchkreuzt hätte. Niemals könnte ich eS mir verzeihen, wäre eS auch nUr des herrlichen Kindes wegen, welches bald zu einer eben so herrlichen Jungfrau heranreifen, Dir dann in Deinen alten Tagen hinreichenden Ersatz für manche verfehlte Hoffnung geben und das wirre Getreide des Hofes vergessen lassen wird."
„Fühlst Du das, Alexander Michailowitfch?" — rief der Bojar nach einer Pause, in der er den Fürsten mißtrauisch angeblickt, denselben dann plötzlich am Arme fassend. — „Doch ja, Du bist ein Russe! Du gehörst nicht zu der Masse hergelaufener Fremden, die der Hunger schaarenweife hieher getrieben, um sich vom Marke unseres Vaterlandes zu mästen. Siehe, Alexander Michailowitfch! ich habe Dich eben nicht geliebt, und Alexei Nikolajewitsch Tscherkaski ist nicht der Mann, der seine Gesinnung vor irgend Jemand zu verhehlen brauchte — ich gestehe offen, daß ich Dich auch heute nicht liebe; aber ich verwechsle Dich nicht mit jenen niederträchtigen Günstlingen. — Du bist der Erste gewesen, der eü ehrlich dem alten