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Vertretung; 2) Entfernung des russischen Einflusses von der Entwickelung der Verfassungsverhältnisse; 3) Verhinderung des Durchmarsches einer russischen Armee durch die Provinz; 4) Entscheidende Stimme der vereinigten Stände des preuß. Staates bei der Gesetzgebung; 5) Sofortige Be­freiung der Presse von allen Fesseln der Censur; 6) Ge­schwornengerichte in allen Provinzen. Diese Adresse an den König wurde am 11. März in außerordentlicher Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten mit 12 gegen 1, und resp. 43 gegen 10 Stimmen angenommen. Alle Zuhörer- Räume waren um so überfüllter, weil man vernommen, daß ein Ritter des eisernen Kreuzes sich der russischen Allianz annehmen würde. Man hörte mit dem tiefsten Unwillen aus dem Munde dieses Mannes, daß er mit allen Punkten der Adresse einverstanden sei, nur mit denen nicht, die auf die Russen sich bezögen, denen wir die Siege bei Dennewitz und Leipzig zu verdanken. Unglaublich! In gleich erfreulicher Weise rührt sich, trotz aller Hemmun­gen der bureaukratischen Behörden, in Schlesien das Volk, nicht minder auch in allen größeren Städten der Provinz Sachsen. In Breslau hatte der Magistrat unter dem Ein­flüsse des Oberpräsidenten und der Polizei eine energische Adresse der Bürgerschaft zu vereiteln gesucht, um eine ganz farblose Seitens der städtischen Behörden durchzusetzen; allein die Gesinnungstüchtigkeit der Bürgerschaft, unter dem Einfluß von Volksmännern, wie Simon, trat in einer andern Adresse auf, welche am 12. mit 4000 Unterschriften an den König abgegangen ist. Sie lautet:

Majestät! Staatsbürger hatten friedliche Vereinbarung und Berathung unter Genossen beschlossen. Die Berechtigung hierzu nahmen dieselben aus der Vergangenheit und Gegen­wart. Die Aufforderung empfingen dieselben in dem vom Bundestage dem deutschen Volke öffentlich ausgestellten Zeug­nisse der Reife. Eine öffentliche Abmahnung und militärische Maßregeln haben diese friedliche Berathung verhindert. Wir wurden aufgefordert, die Erwägung der nothwendigen Maß­regeln der Staatsbehörde anheim zu geben. Wir gehorchten dieser Mahnung zur Vermeidung jedes möglichen Vorwurfes. Wir waren Zeugen der in der öffentlichen Stadtverypdneten- Versammlung gepflogenen Berathung und Beschlußfassung. Wir vernahmen, daß dieselbe in der falschen Voraussetzung wurzelte, die Berufung des Vereinigten Landtags sei Volks­wunsch. Wir verwahren uns hiergegen und erklären dieselbe für einen Irrthum. Die Gliederung des Vereinigten Land­tages genügt dem Volke nicht. DaS Volk fordert: 1) Volks­vertretung durch das Volk. 2) Unbedingte Preßfreiheit.

3) Geschwornengerichte. 4) Recht ungehinderter Versamm­lung der Staatsbürger. 6) Einsetzung eines deutschen Parla­ments. 7) Gleichberechtigung Aller im Staate."

Unter den Unterschriften finden sich auch die Namen von Regierungs-, Justiz-, Subaltern- und städtischen Beamten in Menge, doch meistens Bürger. In Westphalen beginnt es in vielen Orten nun aua) zu tagen. In der Metropole, Münster, bleibt es, wie es immer war, noch dunkel, was seinen Grund darin hat, daß aller Orten gleiche Berech­tigung der religiösen Konfessionen verlangt wird, und solches erregt dem Münsterlande ein Grausen. Dagegen treten die kleineren Städte zuerst auf, und der kleine Ort Herfordt steht im Vordergründe. Aber in Westphalen, und nament­lich i II Bielefeldschen, Lippeschen, Herfordt, treten die com- munistischen Ideen hervor, die, im Volke stark verbreitet, schon traurige Früchte tragen. Das Proletariat, der 4. Stand, ist bereits in bedrohlicher Aufregung; es fallen gräu­liche Erzesse vor.

Diese und ähnliche gefürchtete Auftritte machen in den Rheinprovinzen und der Prov. Sachsen die Errichtung von Bürgergarden nothwendig, welche bereits, obgleich die Behörden solches bisher verhinderten oder gar verboten, an vielen Orten ins Leben getreten find. Die nöthige Armatur erfolgt jetzt aus den königl. Zeughäusern bereitwillig, j'a selbst in den Festungsplätzen, wie Mageburg, wird die Bür­gerschaft bewaffnet. In Preußen ist jeder Staatsbürger Sol­dat gewesen, und tritt aus der Linie alsdann bis zum 40. Jahr in die Landwehr i. Aufgebotes; vom 40. Jahre in

das 2. Aufgebot. Wir werden also bald den ganzen tüch­tigen Kern der Bürgerschaft des preuß. Staats in Waffen sehen, die Söhne in den Reihen der mobil gemachten Landwehr, die Väter zum Schutze dcr Heimath und des Her­des. Die gebieterische Zeit drängt den König zur schleu­nigsten Einberufung des Vereinigten Landtags, und die Männer des preußischen Volkes werden alsbald in Berlin tagen. Ihre Forderungen, welche nur dieselben sind und sein können mit den übrigen deutschen Stämmen, erhal­ten einen Nachdruck dadurch, daß in den preußischen Landen vielleicht 1 Million Bürger alsbald unter den Waffen stehen, und setzt keine Worte vom König verlangen, sondern Thaten ; keine halben Maßregeln, sondern ganze', und unverkürzt und ganz die Bürgschaften des constitutonel- len Staats.

Wiesbaden, 18. März. In Nr. 8 des Volksfreun­des vom heutigen Tage wird unter der Überschrift: Das Nassauische Schlesien, eine Bittschrift der Orte Reiffenberg, Schmitten, Arnoldshain, Seelenberg und Dorfweil an das herzogliche Staatsministerium erwähnt, worin die Petenten nicht um Unterstützung durch Sammlung, sondern nur um Arbeit bitten. Ob eine solche Bittschrift bei dem Staatsministerium eingegangen sei, wissen wir nicht, wohl aber können wir ver­sichern, daß die im Amt Ufingen nach den diesjährigen Etats zur Ausführung kommenden Chaussee- und Vicinalwegarbei­ten im Betrag von circa 40,000 fl. von der Herz. Landes­regierung bereits angewiesen sind, so daß mithin für die be­drängte Bevölkerung jener Ortschaften ein nachhaltiger Ar­beitsverdienst ermöglicht ist. Wenn nun auch die Bewoh­ner jener Ortschaften, die seither von Nagel- und Draht­geschäften sich ernährten, außer Stande, mit einer Fabrikation jener Produkte durch Maschinen zu concuriren, sich in einer sehr traurigen Lage befinden, so rechtfertigt diese Verdienst- lofigkeit, unsrer Ansicht nach, doch noch lange den Vergleich mit Oberschlesien nicht, wo Hunger und Pest wüthen und das arme Volk zu Hunderten und Tausenden hinwürgen. Jede Uebertreibung schadet auch der gerechtesten Sache. Danken wir dem Himmel, daß Nassau noch Hülfsmittel ge­nug hat, den Bedrängnissen der Bevölkerung feuer beklagens- werthen Ortschaften so abzuhelfen, daß ein Zustand, wie in Oberschlesien, dort nie zur Entwickelung gelangen dürste.

Altona, 14. März. Die Dänen wollen sich durchaus zu Grunde richten; nun, dagegen können wir nichts weiter thun, als auf unsere Rettung denken. Es steht das Aeu- ßerste bevor, und es fehlt nur noch in der Zeitbewegung, daß der Krieg in der Integrität des deutschen Bundes­gebietes nicht von Westen, sondern von Norden her unter- nouunen werde. Nehmen Sie, was ich Ihnen schreibe, buch­stäblich. Der Bruch der Herzogtümer mit Däne­mark ist unvermeidlich, und ehe ein Jahr vergeht, möchten sie dänisch oder deutsch sein. In Kopenhagen' hat eine imposante Volks-Versammlung Statt gefunden und in drohender Sprache verlangt, daß der König unverzüglich die Einverleibung Schleswigs bis zur Eider ausspreche. Mit Ausnahme des Grafen Moltke sind sämmtliche Minister Lem Verlangen der Propaganda beigetreten. Hr. Moltke kann sich nicht halten, der König muß nachgeben, und die Kriegs­erklärung erfolgt. Unterwirft sich Schleswig nicht gut­willig, so muß es mit Gewalt unterworfen werden. Man spricht in Kopenhagen bereits von Ausrüstung einiger Fre­gatten, welche in Kiel einlaufen sollen, und von der Errich­tung dänischer Freischaaren, welche, im Falle der König zögern sollte, auf eigene Faust den Feldzug beginnen wollen. Das Ganze klingt wie ein Mährchen, aber es ist eine Thatsache, welche wahrscheinlich mein nächster Brief durch Mittheilung des königlichen Gewaltspruches bestätigen wird. In dem Augenblicke also, wo sich Deutschland so wunderbar zusammenrafft und in einer Woche sich inniger verbunden hat, als in den vergangenen 33 Jahren, will Dänemark, ein Land von kaum einer Million Seelen, der deutschen Nation zwei Stammländer mit Gewalt entreißen! Wâr' es nicht so verzweifelt dumm, man wär' versuchtes renfirsch klug zu nennen. (Köln. Ztg.)