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heit genießen, als die höchsten Güter erachten, Sicherheit der Person und des Eigenthums r daö wird bei uns von Freiheitstrunkenen in frevlem Uebermuthe mit Füßen getretèn, so dass- auch unser Sicherheits - Comite sich schon mehrmals veranlaßt sah, durch Proclamationen und selbst Abordnungen solchen die Freiheit und^en nassauischen Namen schändenden Handlungen entgegenzutreten.
Es ist hohe Zeit, von dem fteigegebenen Wort dadurch den würdigsten Gebrauch zu machen, daß wir Alles aufbieten, solche irregeleitete Brüder aufzuklären.
Ein höchst tadelnswerther Gebrauch der freien Presse erscheint es dagegen, wenn dieselbe, wie wir hiefür in unserem Vaterlande leider auch schon Beispiele haben, dazu verwendet wird, in jeder Weise die Leidenschaften anzuregen und zu entfesseln. Es ist gewiß, daß ohne geistige Erregtheit es niemals gelingen wird, Großes zu erreichen, zu vollführen; allein nicht Alle besitzen neben der Erregung auch jenen Grad von Selbstbeherrschung und Mäßigung, welcher die Schranke des Gesetzes jederzeit heilighalten läßt, jenen Grad von Bildung, welcher vor unrichtigen Schlußfolgerungen aus Preßerzeugniffen der oben angedeuteten Art, vor dem Entstehen grober Irrthümer sicher stellt. Wir müssen daher aufs Tiefste beklagen, daß in der Journalistik diese große Gewalt des Wortes so vielfältig ganz und gar übersehen und, ohne Nachdenken über die möglichen Folgen, Tag für Tag Artikel in unser Vaterland geschleudert werden, worin jede Art gesetzlicher Autorität auf alle Weise heruntergewürdigt und untergraben, ja zu diesem Zwecke — zur Schmach unserer Presse sei cs gesagt — auch die gröbsten Lügen nicht gescheut werden. Die unvermeidlichen Folgen solcher Handlungsweise sind jene Irrthümer, von welchen wir dermalen so viele unserer Landleute befangen sehen, und die daraus mit Nothwendigkeit hervorgehenden Eingriffe in die Sicherheit der Person und des Eigenthums, sowie Unbotmäßigkeiten und Gewaltthaten aller Art gegen die gesetzlichen Behörden des Staats u. s. f.
Man würde uns sehr Unrecht thun, wenn man uns die Absicht unterlegte, als Lobredner des gefallenen politischen Systems auftreten zu wollen. Wir haben im Gegentheil von jeher zu den besonderen Widersachern der Metternich'schen Völkerbevormundungs- und Bedrückungs - Politik gehört, welche in selbftgegebener Machtvollkommenheit sich von der Erfüllung ertheilter Versprechungen entbinden zu können glaubt, welche Bitten und Wünschen der Völker die Ohren so lange verschließt, bis sie dieselben ungestümen Forderungen zu öffnen gezwungen wird. Wir haben längst vorausgesagt, daß dieses unselige System, zu dessen Anwendung sich leider sämmtliche deutsche Kabinette mehr oder weniger Hinreißen ließen und so zu einem fast durch kein Mittel zu bewältigendes Mißtrauen der Völker den Grund legten, gerade das Gegentheil von dem hervorbringen werde, was dessen Schöpfer erwarteten. Zn seiner vollen Trostlosigkeit und Kläglichkeit stellt sich Dasselbe jetzt in der Lombardei dar, wo es mit eisernem Starrsinn und einem Geldaufwand, der Oesterreich an den Rand des Bankerottes bringt, bis auf die äußerste Spitze getrieben, selbst des allergeringsten günstigen Erfolges ganz und gar entbehrt. Es kann daher wohl Niemand mit wärmerer Begeisterung und Liebe die große Errungenschaft des 4. März, die Zugeständnisse des hochherzigen Fürsten umfassen, dessen jederzeit unzweifelhafte Vaterlandsliebe sich tn den letzten Tagen neuerdings glänzend bewährt hat. Allein wir können nicht bergen, daß neben dem Enthusiasmus für das Vaterland auch Besorgnisse um dasselbe in unsrer Brust Platz finden, und daß auch andere denkende und patriotisch gesinnte Männer diese letztere theilen.
Aus vollem Drange eines für das Vaterland in Liebe warmen Herzens richten wir daher an das nassauische Volk den Zuruf, es möge durch die That sich der ihm gewordenen unschätzbaren politischen Güter würdig erweisen, es möge durch die That zur Wahrheit werden lassen jene erhebenden Aussprüche, dergleichen uns in den jüngsten Tagen so oft in den Reden feuriger Volksmänner, so wie in begeisterten Zoarnalartikeln begegnen, als: „In den Zeiten der Gefahr bildet das Volk allein die Stütze der Ordnung und Sicher
heit des Staates." „Alle Einzelinteressen müssen zu einer einigen deutschen Volkssache verschmolzen werden." „Die deutsche Nation ist zu edel, zu brav; sie wird die gewonnene Freiheit nicht benutzen,, sich zu rächend \ A
Glückliches Vaterland, wenn unser Wunsch in Erfüllung geht! Wie wenig stimmen aber zu diesen Aussprüchen die Nachrichten über die da und dort verübten Gräuelthaten gegen Gutsherrn, Forstbeamte, Ortsvorsteher, Juden u. s. f., desgleichen die Schmähungen und Verdächtigungen der Männer des in diesen Tagen zu Grabe gegangenen Systems, die einer längst vergangenen Bildungsepoche angehörend, in deren leitenden Ideen aufgewachsen und ergraut, wenn auch von Irrthum befangen, doch vielleicht redlich waren! Gegen das Princip und dessen schädliche Folgen kämpft der Mann von Gesinnung; dagegen der Person gilt seine Fehde niemals.
Nassauer! Seit lange blickte man auch bei uns mit Mißtrauen nach oben: in den wenigen denkwürdigen Tagen, in welchen so Vieles ganz und gar umgestaltet wurde, hat sich auch dieses geändert, indem gar Manches, was früher nach oben unbekannt war, aufgeklärt wurde; wir haben daher jetzt auf dem Throne das Vorbild für deutsche Gesinnung, Wort und That zu suchen. Wer könnte noch an der Gesinnung unsers Herzogs zweifeln, seit er das schwarz-roth- goldne Banner des einigen Deutschlands zu dem seinigen erkor, seit er sich mit ritterlichem Sinn an die Spitze der Bewegung gestellt hat, welche Erstarkung der Einigkeit anstrebt, seit so manche in den letzten Tagen gemachte Aeußerungen desselben bekannt geworden sind*). Er hat Worte des unbeschränkten Vertrauens an sein Volk gesprochen, in welchem leider noch viel Mißtrauen, die traurige Frucht des besiegten Systems, herrscht; er hat bewilligt, was dasselbe begehrt, er hat noch mehr gegeben, mit voller Aufrichtigkeit gegeben.
Mit gerechtem Stolze können wir daher auf unsere Errungenschaft blicken; der Ausdruck desselben kann aber nur darin bestehen, uns durch Gesinnung, Wort und That vor der' Welt desselben würdig zu zeigen, auf daß Ordnung und Gesetzlichkeit in unserm schönen Vaterlande erhalten bleiben und nicht Willkür und Anarchie und in ihrem Gefolge Unglück und Elend aller Art an deren Stelle treten. Dazu gebe der Himmel seinen Segen!
A Preußens politische Bewegung.
Wiesbaden, 18. März.
Die rheinischen großen Städte wiederholen in energischer Weise ihre Adressen (Petitionen wollen wir sie nicht mehr nennen) an den König. Die Worte und Versprechungen, — die Vertröstungen genügen nicht mehr, man steigert mehr und mehr die Forderungen. Der Erlaß des Königs vom 8. d. M. über die Presse hat eine Mißstimmung, — nein, eine Erbitterung hervorgerufen, namentlich-in den Rheinlanden , woher zu uns zuerst die Stimmen aus der Tages- presse, obgleich noch gebunden durch die Censur, herüberdringen. — In der PromüJDPreußen treten ebenso die Forderungen entschieden auf, was die Adressen von Königsberg, Danzig, Elbing bekunden. Die Stadt Elbing verlangt: 1) Aufnahme der Provinz in den deutschen Bund, mit Betheiligung an der bei dem Bunde einzuführenden Volks-
*) Obwohl wir wissen, daß es eigentlich gegen die Grundsätze der Publicistik anstößt, Privatäußerungen regierender Fürsten mitzutheilen, so glauben wir doch in diesem Falle eine Ausnahme begehen zn dürfen, da es Aeußerungen betrifft, welche von sehr hoher Bedeutung sind und auch bereits vielfältig im Publikum umlaufen. Unter Anderem soll der Herzog nämlich geäußert haben: „ES würde mir leid thun, wenn von anderen Fürsten reactionäre Maßregeln gegen die jetzige Volksbewegung ergriffen würden; gegen solche müßte ich in Kampf treten, denn ich halte fest an meinem Fürstenwort." Desgleichen: ,-Jch bin nicht gewohnt, nach den Grundsätzen, wie ich sie jetzt angenommen, zu regieren, allein nun ich sie einmal als die meinigen erklärt, werde ich mit aller Aufrichtigkeit und Treue daran halten, und sollte mich dies meine Krone kosten." Zu Besorgnissen dieser Art liegt aber für einen Fürsten, der durch solche Aeußerungen, so wie die öffentlichen Ansprachen an sein Volk die angestammte Anhänglichkeit und Treue desselben in solchem Maße gesteigert hat, wie dies bei uns in den letzten Tagen geschehen, gewiß kein Grund vor.