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Nr. S.

Vürgerblatt für Unterhaltung im» Literatur.

Wiesbaden, 18. März 18Ä8.

4> Das freie Nassau.

Siehst du dort die blauen Nebelstreifen?

Nassau's freie Berge sind es, die Kühn empor bis zu den Wolken schweifen, Keines Menschen Kräfte hindern sie.

Sichst du jenen Fluß dort Wellen schlagen, (Deutschlands freier Strom wird er genannt,)

Dessen Wasser deutsche Schiffe tragen?

Er begrenzet Nassau's freies Land.

Siehst du dort das Volk in großen Massen,

Arm und Reich ohn' Unterschied vereint?

Wie sie jubelnd ziehen durch die Gassen?

Das sind Nassau's freie Bürger, Freund!

Siehst du jenen Mann, der stolzen Blickes

Schaut den Segen seiner Arbeit an?

Ihn trifft nicht die Hand des Mißgeschickes, Er ist Nassau's freier Unterthan.

Siehst du, wie man hier die Lasten schiebet,

Und ein neues thät'ges Leben blüht?

Dort, wie Jeder seinen Fürsten liebet, Ihn zu ehren, achten sich bemüht?

Wie die Kraft in jedem Busen lodert,

Eine Saat, die für die Zukunft reift;

Wie ein Jeder, wenn die Noth es fodert, Muthig für sein Recht nach Waffen greift!

Ja, du fragst, woher dies neue Leben, Das im Kleinsten sich zu äußern sucht?

Sieh'! die Freiheit hat die Kraft gegeben;

Das ist Nassau's Freiheit gold'ne Frucht!

Siehst du endlich Jenen im Gewände

Eines Bürgers, wie er freundlich grüßt?

Er ist Vater diesem freien Lande?

Freien Nassau's vielgeliebter Fürst.

Geh' jetzt hin zu deinem Fürst und trage

Kunde ihm, was du bei uns gesehn.

Gehe hin zu deinem Volk und sage:

Ich sah Nassau's Freiheit neu erstehn.

Gehe hin und sage deinen Landen,

Was die Brust des Nassauers durchglüht:

Nassau's Freiheit ist zuerst erstanden;

Nassau's Freiheit ist zuerst erblüht.

Wiesbaden, im März 1848. Fran; Hartmann.

* Kölner Geschichten.

Von E. Duller.

(Fortsetzung.)

11. Der Kölnischen Ritter Errettung und Heimkehr.

Auf seiner Burg zur Aar, wo die acht kölnischen Ritter gefangen lagen, saß Engelbert von Falkenberg, KonradS von Hochstaden Neffe und Nachfolger in der Würde. Da traten vor ihn drei Männer von den Geschlechtern, der tapfere Daniel Jude, Costin von Aducht und Rutger Ovenstolz und sprachen:Wir sind von Köln gekommen um unserer lieben Freunde und Vettern willen, die ihr hier gefangen haltet. Und wir bitten Euch, Herr, seid Eures gegebenen Wortes ein­gedenk und gebt sie frei!" Diese Bitte und Mahnung brachte jedoch eine ganz andere Wirkung hervor als die erwartete; sie beleidigte Engelbert so empfindlich, daß er die drei Fürsprecher gleichfalls festnehmen und zu den übrigen Gefangenen bringen ließ. Da lagen nun die elf kölnischen Ritter in Bande» wie die schlimmsten Verbrecher; aber Gerhard Overstolz richtete sie mit trostreichen Worten auf und sprach:Verzaget nicht, Freunde und Vettern! noch lebt der allmächtige Gott, und ein Tag wird kommen, an dem er uns aus diesem Kerker erlöset!"

Einer von den Gefangenen, Gottschalk Overstolz , hatte sich eine MauS gezähmt, und sie gewöhnt, auf sein Rufen herbei­zukommen. Nun begab eS sich eines Tages, daß dies Thier vor ihm flüchtete und in ein Loch schlüpfte; vergeblich lockte er eS, und end endlich grub er ihm nach. Da fand er in dem Schlupfwinkel Feilen, welche wahrscheinlich schon frü­her einem Gefangenen als Werkzeug gedient hatten. Gottschalk Overstolz erkannte in der seltsamen Weise, wie er die Eisen gefunden, einen Fingerzeig der Vorsehung und forderte nun seine Gefährten auf, die Werkzeuge zur Befreiung ungesäumt zu benützen. Mehrere stimmten ihm bei, Andere schwankten,