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voch jetzt giebt, wie früher, Göttingen wieder den Im­puls, und, wie es a. a. O. der Fall ist, muß die Polizei und Gensd'armerie hier auch der Grund des Anfangs zur hannöverschen Bewegung sein. Am 11. Abends hiel­ten in Göttingen die dortigen Studenten-Verbindungen einen Commers in einem Gasthause vor dem Thore. In langem Zuge und sich in jugendlicher Fröhlichkeit ergehend, zogen sie spät am Abend in die Stadt zurück. Da tritt die Polizei auf, dem friedlichen Zuge wird geboten, auseinander zu ge- ben. Die Polizei ist, wie bekannt, in Deutschland überall, wo sie noch die Macht hat (bei uns ist dies nunmehr (?) doch anders geworden), barsch und grob. Die Stu­denten glaubten, der barschen Aufforderung des Polizei-Di­rectors Heinzen nicht folgen zu müssen, und da ließ hört! der Polizei - Director die 24 Mann der ihn theils zu Pferde, theils zu Fuße begleitenden Gensd'armen die Un­bewaffneten angreifen. Man hieb wie in Berlin scharf ein; viele wurden verwundet, und ein Student lebens­gefährlich. Was diesen Abend weiter und in der Nacht er­folgte, kann man sich denken.Burschen heraus!" Noch in der Nacht fuhren die beliebten Professoren Fuchs, Brieg- leb, Ritter und Zachariä nach Hannover, um für die Universität Genugthuung und Bestrafung des Polizei-Di­rectors zu fordern. Am Montag Morgen versammelten sich vor dem Universitätsgebäude alle Studenten, um zu bera­then, was zur Genugthuung für die erlittene Gewalt zu thun sei, und sich mit dem Senat der Universität zu diesem Zwecke in Verbindung zu setzen. Die Bürgerschaft versammelte sich, ihre Vorsteher an der Spitze, auf dem Markte. Der Poli­zei-Director hatte eigenmächtig, ohne Kenntniß der städtischen Behörde, aus Nordheim eine Schwadron Kürassiere regui- rirt; auf Begehren der Bürger zogen diese wieder ruhig ab. Polizei-Director Heinzen mußte sofort seine Stelle nieder- le g e n, die er seit Jahren gegen Professoren, Studenten und Bürger auf das gehässigste mißbraucht hat. Professoren und Studenten sind fest entschlossen, die Universität zu verlas­sen, wenn ihnen nicht die vollste Genugthuung wird, welche sie in der bloßen Entfernung Heinzens noch nicht erhalten zu haben glauben. In Hannover erhielten die 4 Göttinger Professoren beim Könige noch kein Gehör. Eine Deputation der Göttinger Bürgerschaft ist gleichfalls angekommen, sie will neben den Forderungen der Genugthuung für die Universität auch nunmehr die Forderungen, welche die des ganzen deutschen Volkes sind, an den König stellen. Jetzt, sind wir überzeugt, werden die Hannoveraner wach und durch­dringen, und die seiner Zeit so entschiedenen Osnabrücker, mit ihrem tüchtigen Bürgermeister Stüver, der, wenn der Kö­nig auch jetzt kein deutsch verstehen sollte, wie er einst be­merkte, auch englisch zu ihm reden kann, werden nicht säumen, ihren Petitionen Nachdruck zu geben. Auch dort, wie überall, können und werden Tausende aus allen hannö­verschen Landen vor dem Schlosse in Hannover versam­melt, die Petitionen der städtischen Behörden am besten un­terstützen, und der hartnäckige Ernst August muß jetzt seines Volkes Wünsche erfüllen. Wir können bei dieser Veranlassung nur auch die Ueberzeugung aussprechen, daß in ganz Deutschland das bisherige Institut der Polizei fallen muß. Man höre die Stimmen aus ganz Deutschland! Schon der Name und der Zuschnitt dieses Instituts erinnert uns an die Zeit der Schmach Deutschlands unter dem fran­zösischen Dictator. Zur Zeit des Friedens bestand ihr größ­ter Ruhm darin, den friedlichen Bürger zu stören, zu chica« niren und zu denunciren da, wo ein politisches Wort in 'er öffentlichen Meinung sich äußert. In den Tagen, wo Deutschlands Volk erstand, waren sie meistens die äußere l.rsache, daß es losbrach, und als alle tüchtigen Bürger die Waffen in die Hand nahmen, da mußten sie sich vomSchau- vlatze zurückziehen, und waren gegen des Volkes Rache nur licher hinter dem Schutze der Bajonette der Nationalgarde!

Wiesbaden, 17. März. Es wird uns so eben aus einer sicheren Quelle die Nachricht, der König von Preußen habe die allgemeine Ständeversammlung einberufen. Zugleich aber auch kommen uns im Augenblicke, wo wir zur Presse gehen, Nachrichten zu, welche, wenn sie begründet, Unge­

heures im Gefolge haben werden: das Volk soll in Berlin das königliche Schloß erstürmt und in Brand gesteckt haben, der König sei nach Magdeburg entflohen.

Heidelberg, 14. März. Der heutige leitende Artikel derDeutschen Zeitung" warnt Deutschland vor der Republik!

Die Lehre in Paris war gleichwohl sprechend genug. Ihre Benutzung bei uns war stark, durchgreifend, aber in Schranken und Maaß. Wir würden zu hoffen wagen, daß wir Mannes genug in Deutschland geworden wären, jedes Titelchen der errungenen Rechte und Zusagen zu behaupten. Aber nur für den Fall würden wir das hoffen, daß wir uns fest und unverrückt auf jeder geraden Linie der konstitutio­nellen Reform halten, die wir eingeschlagen haben, immer das Ziel der Nationalvertretung im Auge, die der Schluß­stein des Ganzen ist. Es wird also gut fein, diese Richt­schnur im Handeln inne zu halten. Nichts zu thun, was uns bei einer unverhofften, rückfälligen Krise in Frankreich gethan zu haben reuen könnte.

*Aus Preußen, 15. März. Am 15. d. M. wollten sich in Königsberg Männer aus allen Theilen der Provinz Preußen versammeln, um eine gemeinschaftliche Adresse an den König zu berathen. EinRuf aus Ostpreußen" drückt mit treffenden Worten die Meinung der Provinz in Betreff eines etwaigen Krieges aus:Für die Schicksale der Völker gibt es Wendepunkte, in denen auf dem Entschlusse des Augenblicks die Verantwortlichkeit für Jahrhunderte lastet. Ein solcher Tag der Entscheidung ist für Preußen herange­kommen. Nicht unser Glück unser Dasein steht auf dem Spiele: unser Dasein als Volk, als Preußen, als Deutsche. Als vor einem halben Jahrhundert die Revolution zum ersten Male den Westen durchzuckte, da traten die Herrscher des Nordens den empörten Elementen entgegen, und von den Ardennen bis an den Niemen erzählen zahllose Schlachtfelder die Schmach des deutschen Namens. Ein Spott der Völker vernahmen wir zu Tilsit unser Schick­sal aus dem Munde des Siegers, während Der mit un­serm Verbündeten die Beute theilte. Unsere Siege haben die Schmach unserer Waffen gewendet. Aber noch drückt die Schuld jener Zeit unsern Grundbesitz, unser Ge­werbe ; noch haftet ungesühnt am deutschen Namen die Schande des ungerechten, gezwungenen Kampfes wider die Freiheit. Kann und darf sich dieses Elend erneuern? Wir hoffen und Millionen mit uns auf die Weis­heit unseres Monarchen. (?) Die Gefahren der Lage, die Be­dürfnisse seines Volkes er kann, er wird sie erkennen.(?) Aber andere Stimmen, als unsere, werden zu ihm sprechen! Wir kennen sie, jene Macht, die so gern hineintritt zwischen Deutschlands Fürsten und Völker, vor deren eisigem Hauche das Leben erstarrt, deren Freundschaft Schwereres bringt, als selbst der Krieg. Schon tragen Deutsche von der Düna bis zur Newa ihr Joch; unsere Flüsse entströmen ihrem Gebiete. Rußland hat nicht ver­gessen, daß seine Adler einst auf Königsbergs Thürmen sich niedergelassen. Rußlands Freundschaft hat unsern Wohlstand ruinirt, hat uns vor dreißig Jahren um den Lohn unserer Siege gebracht. Soll sie damit enden, unser kaum erblühen­des Volksleben zu zertreten, Deutschlands Freiheitsstreben auf's Neue zum Spott zu machen, uns auf immer zu strei­chen aus dem Rathe der gesitteten, der menschlich edlen Na­tionen? Das sind keine Träume, keine Gespenster. Alles das wird schreckliche Wahrheit in dem Augenblicke, wo der Rath des nordischen Herrschers in den Ohren unseres Kö­nigs die Stimme seines Volkes übertönt. So erheben wir sie denn laut, diese Stimme, so lange es Zeit, ehe die Flut der Ereignisse hereinbricht! Sprechen wir es aus mit männlichem Muthe, daß wir Krieg gegen Ehre, Interesse und Freiheit nicht wollen, daß wir unsere Feinde kennen, daß sie nicht ungerüstet uns treffen werden! Für König und Vaterland sind wir die Alten. Aber wir werden als Männer streiten.

Berlin, 12. März. Die Aufregunng fängt nach und nach an, auch hier mehr Boden zu gewinnen. Außer den von allen Seiten täglich eintreffenden Berichten aus andern