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Nr. 4.

Nürgerblatt

'für

Unterhaltung w» Literatur.

Wiesbaden, 17. März 1848.

Mainzer Aschermittwoch am 8. März 1848.

Zu Mainz am Aschermittwoch, da ging es herrlich her!

Wir hatten schier vergessen, daß es ein Bußtag wär'; Ein Bußtag war's für Viele, die ich nicht nennen mag, Doch jedem guten Christen ein hehrer Feiertag.

Vorüber war die Fastnacht, wo man's noch gern gesehn,

Wenn in der Narrenjacke die Freiheit durfte gehn;

Doch heut' im Ehrenkleide ging sie durch's ganze Land, Die schwarzrothgoldne Fahne in ihrer rechten Hand.

Rings um die deutsche Fahne der Stammesfahnen Wald!

Und die noch nicht gekommen, die kommen wahrlich bald.

Vom lieben Lande Hessen der weiß und rothe Glanz, Von Baden, Bayern, Nassau: ein frommer Brüderkranz.

Und jauchzt ihr, weil im Lande ein neuer Fürst regiert?"

Za! weil die neue Fürstin uns wird hereingeführt;

Die heil'ge Fürstin Freiheit, sie zieht in unsre Stadt, Wo längst sie in den Herzen Altar und Wohnung hat.

Die von Paris gekommen mit blutgetränktem Saum, Trat in die deutschen Hütten gleich einem Morgentraum.

Die um sie werben wollten mit Art und Mordgewehr, Gehn nun mit Friedensjubel im Siegeszug einher.

Am frühen Morgen fließet der Glockentöne Strom;

Am hellen Morgen grüßet Gesang vom Mainzer Dom.

Habt ihr's gehört, ihr Wogen im tiefen Bett des Rheins? Diefeste Burg" erklinget vom alten Dom zu Mainz.

Heut' wallen Arm in Arme, die jüngst der Groll getrennt:

In allen Kirchen lobt man der Freiheit Regiment!

Heut' wogt es durch die Gassen: der Fackelzug beginnt, Der freie Vater hebet empor sein freies Kind!

Heut' ist nicht Eine Hütte, sie steckt ihr Lichtlein aus;

In Flammensprache redet so manches wack're Haus;

Auch die Kasernen schimmern: der fremden Krieger Mund Schwört mit geschlossner Lippe dem neuen deutschen Bund!

Nun freue dich, du Alter! Nun, Gutenberg, Glück auf!

Du bist von Erz gewesen, nun wachst du lebend auf!

Denkst du, wie sie vor Zähren dir die Censur verbrannt?

Nun hat das Narrenfestspiel zum Ernste sich gewandt.

Gut Heil, gut Heil! ihr Turner! Schwingt eure Fackeln roth, Stellt eure Feuerspritzen! Es thut uns Beides Noth! Gegrüßt, gegrüßt, Theater im lichten Flammenkranz! Du bist Tribüne worden am Tag des Vaterlands.

Horcht, Bürger! senkt die Fahnen! der die Tribün' erstieg, Er kündet eurer Freiheit gesetzlich reinen Sieg. Schaut auf! ein Altar Gottes erglüht der graue Dom, Und alles Volkes Seele strömt in der Hymne Strom!

Hoch, Freiheit! Schwingt die Flammen und schwört dem Vaterland l Dann werft sie allzusammen in Einen hellen Brand! So sollen, wie die Fackeln in Einem Brande sprüh'n, Die deutschen Herzen alle für Eine Sache glüh'n!

Das war ein Aschermittwoch! Bon dem soll unser Rhein Den wackern Preußen drunten ein guter Bote sein. Dann gebe Gott vom Himmel, der Deutschland nicht verläßt, Nach solchem Aschermittwoch ein rechtes Osterfest!

A. E.

(Mainzer Unterhaltungsblatt.)

* Kölner Geschichten.

Von E. Duller.

(Fortsetzung.)

I. Conrad von Hochfladen wider Köln.

Er saß eben im Saal zu Gericht, da sahen mehrere köl­nische Ritter, wie ein anderer Ritter, ein Vetter deS Erzbi­schofs, aus dem Saale flüchtete, und alsobald entbrannte der