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Theil armen Bewohnern geruht. Man hat die Bauern seit Jahren spstematisch bis auf das innerste Mark ausgesaugt, diese Abgaben und Lasten der gehässigsten Art, die der reinen Leibeigenschaft entnommen sind, deren Erhebung von den Rentämtern mit äußerster Schärfe verfolgt wurde, dazu noch das hohnvolle aristokratische übermüthige Benehmen einzelner Rentbeamten gegen die Pflichtigen; diese Forderungen und Erpressungen aller Art unter dem Namen von Rechten, die größtentheils auf gar keinen rechilichen Grundlagen, vielleicht nur auf Gutheißen alt adeliger Zopfherren beruhen, wo oft keine einzige Urkunde vorhanden ist, das Hilfloslassen von Seite der Regierung, welche diese Erpreffungs- und Aus­saugemaschine ruhig gewähren ließ; alle diese Uebel riefen in Baden in der fetzigen aufgeregten Zeit einen Aufstand der Bauern hervor, welcher Schreckensscenen in seinem Ge­folge bringen mußte.

Die blinde Wuth gegen die Grund- und Standesherren kennt keine Grenzen mehr. Viele Orte rotten sich in Massen von 500 bis 600 Mann zusammen mit dem Zwecke, alles Standesherrliche zu zertrümmern. Die Haufen schwellen an, ziehen von Ort zu Ort, wo grund­herrliche Rentämter u. s. w. sind, und arge Excesse, De- molirung der Gebäude, Verbrennung aller auf Feudallasten bezüglicher Papiere, Fort­schleppung erhobener Gült - und Zehntfrüchte fallen vor, dabei gibt sich an den meisten Orten auch eine barbarische Wuth gegen die Juden zu erkennen, die Mißhan- delteir stehen bann aber in Nah und Fern im Gerüche des gemeinsten Schachers. Unbescholtene Israeliten abre werden von diesem Volksgericht nicht getroffen.

In diesen großen Tagen ist in Baden die Ordnung aus den Fugen gerissen, das Recht und das Gesetz liegen un­mächtig darnieder, und unter ben großartigen Ereignissen und dein nachdrucksvollen und kräftigen Ringen nach gesetz­licher Freiheit, einigen sich auch wilde, rohe Kräfte zum Sturm, um Lasten abzuschütteln, um heillose Rache zu üben an der Vergangenheit.

Es bewährt sich aber in Baden fetzt deutlich, daß gerade in den Orten, wo bei Ur- und Deputirtenwahlen der jesuitische Geist der Pfaffen und Beamten einwirkte, fetzt die größten Unordnungen, ohne das Recht zu erkennen, bestehen und daß das Volk im blinden Wahne des Absolutismus gehalten, fetzt in einer schrecke«« - und schaudererregenden Explosion hervor­brach und für die Freunde der gesetzlichen Ordnung nur zum Abscheu werden muß. Bei den Deputirtenwahlen hat man früher die Liberalen angefeindet, als Revolutionäre be­zeichnet; fetzt beweist es sich überall deutlich: wer im Geiste des Lichts oder der Finsterniß handelt. Bürger- Vereine haben sich schon an vielen Orten gebildet, denen die ganze Bürgerschaft beitritt, um wohl gerüstet und in der Achtung vor den Gesetze«« die gestöhrte Ordnung wieder her­zustellen. Den gefährdeten Stand der Beaintei« den der Judenschaft haben diese Bürger-Vereine unter ihren und der ganzen Bürgerschaft Schutz gestellt.

Wiesbaden, 15. März. Dem Frankf. Journal wird, wie es behauptet, aus zuverlässiger Quelle berichtet, daß die Berathungen der Bundesversammlung, in welcher Weise eine Nationalvertretung am Bundestage eingerichtet werden könne, bereits am 8. Abends unter dein Vorsitze des Preuß. Bun- destagögesandten begonnen hätten. Dein muß aber nicht so sein. Wir kennen die zuverlässigen Quellen des Fr. Journ. nicht, dagegen haben wir aus einer andern wohl zuverlässi­geren Quelle Folgendes erfahren: Die noch in Frankfurt bestehende Bundesversammlung hat eine Commission zur Bun­des-Revision niedergesetzt. In dieser Commission trat der Ge­sandte ? (wohl eines süddeutschen Staats) in sehr energischer Weise auf über das, was der deutsche Bund ist, was er sein sollte und sein könnte, nur nicht ist. Die Worte lau­ten ungefähr:Seit 30 Jahren hat der deutsche Bund nichts gethan, was zum Heile der deutschen Völker geführt hat, sondern grade das Gegentheil; er hat das Vertrauen des deutschen Volks verloren, oder vielmehr es nie besessen. Ist es irgend möglich, so muß der Bund mit einem neuen Geist,

in der der Nation würdigen Weise fetzt entschiede«« handeln, um der deutschen Völker Vertrauen zu verdienen; das Institut der Bundesbehörde sei morsch und schon so gut, wie zusammengestürzt, die große Zeit erfordere gebieterisch, auf einem neuen soliden Fundament einen neuen Bund mit Ver­tretung der deutschen Völker zu gründen."

Die geheimen Bundesprotocolle werde«« dein deutsche«« Volke wahrscheinlich den Beweiß geben können, daß noch lange nicht der Bund daran verzweifelt, mit halben Maß­regeln in die alten Zustände wieder allmälig einlenken zu können. Die täglichen Sitzungei« der Bundestagsgesandten beweisen es, wie viel Arbeit endlich der Bund erhalten hat. Es eristirt eine alte berühmte Ledertasche in der Bun- des-Canzlei, worin man die Protocolle der hohen Versamm- lung und deren Correcturen an die Bundes-Druckerei beför­dert. Vor 25 Jahren hat Referent selbst diese Mappe, da­mals mit einem schloß, gesehen. Ihr Inhalt war ge­wichtig, denn in den damaligen geh. Protocollen wurde über die Volksmänner als Demagogen Gericht gehalten und ein Arndt verlor seine Freiheit! Jetzt hat diese Mappe mehrere (man sagt 3) Schlösser. Ob wohl die fetzigen geheimen Protocolle des Bundes Deutschlands Freiheit oder? gelten werde«« ?

Wiesbaden, 15. März. In diesem Augenblicke beschäf­tigt man sich vielfach mit dein Eigenthumsrechte des schönen bekannten Schlosses Johannisberg. Das Schloß ist zwar im Besitze des Fürsten Metternich, wie man aber behaupten will, hat es nicht rechtlicher Weise dem Lande entfremdet werden können, muß also wieder zurückgezogen werden. Durch die Zurückziehung der kurhessischen Domainen, welche die Billigung des Fürsten Staatskanzlers hatte, gewinnen die nassauischen Stände wichtige Präzedentien.

Karls ruhe, 10 März. Die Regierung hat heute der zweite«« Ständekammer einen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach alle noch bestehende«« Feudalrechte gegei« billige Entschä­digung der Berechtigten aufgehoben werden.

Kalsruhe, 13. März. Wir sind in den Stand gesetzt, nach zuverlässige«« Nachrichten versichern zu können, daß der Großh. Badische Minister des Äeußern bereits unt. 7. d. M. dein Bundestagsgesandten die Weisung zugehen ließ, einen Antrag der bad. Regierung wegen 'stäud. Vertretung der deutsche«« Länder bei der Bundesversammlung dieser letzter«« z«« übergeben und auf schleunige Berathung dieser National­frage zu dringen. (Deutsche Ztg.)

Karls ruhe, 14. März. Unser W elcker ist zum ba­dischen Gesandte«« bei'm deutsche«« Bunde ernannt worden.

Detmold, 6. März. Eine von 800 Bürgern unter­zeichnete Bittschrift wird heute noch dem Fürsten übergeben werden. Sie fordert Preßfreiheit, deutsches Parlainent, Volksbewaffnung, Aufhebung der Adelsvorrechte, Lossagung voin Zollverein, keine Ausländer mehr im Ministerium, un­verzügliche Einberufung der Stände.

Detmold, 9. März. Auch der Fürst von Lippe hat die verlangten Reformen in ihrem ganzen Umfange gewährt.

Nürnberg, 10. März. Heute Vormittag mürbe das Linienmilitär auf die Verfassung beeidigt, l 2 Kanonenschüsse von der alten Kaiserburg herab bezeichneten ben feierlichen Akt.

Berlin, 10. März. Die Sendung des Hru. v. Rado- witz nach Wien soll nichts geringeres bezwecken, als eine Verhandlung mit bem Wiener Cabinet über eine Vertretung der deutsche«« Nation beim Bunde. Außerdem hat fedoch Hr. v. Radowitz zu gleicher Zeit die bündigste«« Zusicherungen mitgenommen, daß Preußen die Grnndlagen der Wiener Verträge aufrecht erhalten wolle.

' In Moabit und vor dem neuen Thor haben gestern und vorgestern Arbeiterversammlungen stattgefunden, in denen es noch keineswegs zu Exzessen kam, die sich aber auf eine fedeufalls beunruhigende und drohende Weise über die gegenwärtige Lage ihres Standes ausließen. Ihre Be­schwerden betrafen besonders die reichen Fabrikherren, welche die materiellen Kräfte des Volkes ausbeuteten und dadurch