Nr. 3.
Würgerblatt für Unterhaltung und Literatur.
Wiesbaden, IS März 1848.
O Kölner Geschichten.
Von E. Duller.
L Conrad von Hochstaden wider Köln.
Auf dem Stuhl des Erzstifts Eölu saß seit dem Jahre 1237 Konrad von Hochstadeu, ein Mann von gewaltiger Willenskraft, voll kühner Entwürfe, unbeugsam in Ausführung seiner Beschlüsse. Ihn hob und hielt daS Bewußtsein seiner Stellung und seiner Macht in einer Zeit, da die furchtbarsten Stürme über Deutschland und Italien hinbrauöten, die Grundfesten des stolzen KaiserthumS erschütterten und die Bande der bisherigen Ordnung im Reiche lösten. Konrad von Hochstaden, der mit derselben Hand, die am Maria-Himmelfahrtstag 1248 den Grundstein zum Kölner Dom legte, dem Grafen Wilhelm von Holland am Allerheiligentag zu Aachen die deutsche Königskrone aufsetzte, dieser mächtige Kirchenfürst fühlte seine Bedeutnng alS weltlicher Fürst zu lebhaft, als daß er daS Trachten so vieler anderer Territprialherren in Deutschland getheilt hätte, welches auf Unterwerfung und Einverleibung der reichen und blühenden freien Städte hinzielte. Und welchen Rang nahm Köln in der Reihe derselben ein! Wie eö stolz war auf den Beinamen: „heilige Stadt," dieß Köln, mit den Reliquien der heiligen drei Könige, der heiligen Ursula und ihrer Gefährtinen, und so vieler anderer Blutzeugen, wie eö in dieser religiösen Bedeutung das Ziel zahlloser Pilger, das „deutsche Rom" war, (auch die Blüte der Kunst rechtfertigte diese Vergleichung) — so konnte es als Mittelpunkt des Handels zwischen Griechenland, Ungarn, dem östlichen Deutschland, den Niederlanden, England, Dänemark und dem Norden Frankreichs, so konnte es mit seinem Münzfuß, nach welchem sich selbst Venedig richtete, mit seinem ungeheuren Gewerbfleiß, mit seinem Reichthum, gar wohl (um den alten Spruch anzuführen) sich rühmen:
„Coellen die Kroin
Boven allen Reden schoin."
Wohl mochte es für den Erzbischof ein verlockender Anblick sein, wenn er von einer seiner festen Burgen am Rhein, im Gefolge seiner stattlichen Ritter herbeireitend, oder von einem der achtzehn Thürme seines Schlosses zu Deutz aus, am Halbmond des Rheins die zahlreichen Zinnen, Giebel und Thürme Kölns gewahrte; wohl mochte ihm da der Wunsch, dieß kostbare Juwel dem Erzstift einzuverleiben, ,die kühne Brust höher pochen machen. Und, wenn ihm diese stolzen Bürger begegneten, die an jedem fürstlichen Hoflager mit dem Willkomm- ruf: „die Herren von Köln in Ehren!" begrüßt wurden, wenn er sah, wie sie seine geistliche Würde in aller Frömmigkeit verehrten, ihm aber mannhaft Trotz boten, sobald er nach irgend einer Freiheit, nach irgend einem Privilegium der Stadt die Hand ausstreckte, mußte ihm dann nicht dieser Wunsch immer heißer werden, so daß er alles dran setzte, um ihn zu erreichen? Die geschmeidigen Höflinge, die thatlustigen Ritter um ihn her, — weit entfernt, dem Gebieter zu widersprechen, spornten viel eher dieß kühne Verlangen.
Einen Blick nun in daS Innere Köln'S zu jener Zeit! Da stehen an der Spitze der Bürgerschaft die uralten edlen „Geschlechter," als daS herrschende stolze Haupt des Gemeinwesens, prangend im vollen Glanze glorreicher Ueberlieferung, welche sogar 15 solche Patrizierfamilien noch aus der Römerzeit stammen ließ, so z. B. die Overstolzen, die von der Aducht, die vom Gryne, die Hardefuyst u. s. w.; diese ursprüngliche Zahl habe sich (hieß es) in der Folge verdreifacht. Zwischen manchen dieser Geschlechter herrscht oft Eifersucht und Zwiespalt, doch in den Tagen gemeinsamer Gefahr ist die Eintracht wieder da. Wie die Gelchlechter stets mit Gut und Blut ritterlich für's Gemeinwesen einstehen, so besetzen sie wohlerworben nach uralter Verfassung, die höchsten Aemter der Stadt. Aus ihrer Mitte wählen sie selbst Bürgermeister und