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wäre, bei allen diplomatischen Verhandlungen in Europa das rein deutscherem ent ohne Zu Mischung gehörig zu vertreten.

Wiesbaden, 44. Marz. Die höchsten Orts verwil- ligte Amnestie für Feld-, Forst- und Jagd-Polizeivergehen wird sicherem Vernehmen nach eine angemessene Ausdehnung auch auf die übrigen Forst-, Feld- und Jagd-Frevel finden.

Wiesbaden, 45. März. Mündlichen Nachrichten zu­folge soll heute erst in Frankfurt auf dem Bundespallast auf dergroßen Eschenheimergasse die schwarz-ro th-g old ne Fahne aufgezogen werden. (Das Frankfurter Journal ver­kündigte, daß dies bereits am 42. geschehen sei, was aber nicht der Fall ist).

Hanau, 42. März. So eben (3 Uhr Nachmittags) kommt die an den Kurfürsten mit dem Ultimatum nach Cassel gesendete Deputation der hiesigtn Bürgerschaft zurück und wird den schon seit heute früh 40 Uhr auf dem Marktplatze versammelten bewaffneten Männern von dem Balkon des Rathhauses verkündet, daß K. k. Hoheit der Kurfürst alle Wünsche des Volkes genehmigt hat. Während dieser Feierlichkeit wurde zugleich unserem allverehrten Herrn Oberbürgermeister Eberhard auf dem Balkon das Rescript als Minister des Innern überreicht. Keine Worte ver­mögen den Jubel zu beschreiben, der sich bei der Zurückkunft unserer Deputation verbreitete. Tausend und tausend Freuden­schüsse schallten wieder, beglückwünschend nahten sich Begeg­nende und die bewaffneten, begeisterten Schaaren zogen jubelnd durch die Stadt, die nun ein Bild der Freude bot, während noch kurz vorher schweigender, geschäftiger Ernst auf ihren Bewohnern lastete, Der Entschluß zum Aeußersten war in allen Herzen festgewurzelt, und Jedermann auf alle Fälle gefaßt. Erhebend war das Zuströmen der bewaffneten Schaa­ren der Umgegend, die freudigen Muths Gut und Blut für dieVorkämpfer der kurhessischen Reform", wie sie die Be­wohner unserer Stadt nannten, zu wagen bereit waren. Wir zählten gewiß an 4000 Bewaffnete in unsern Mauern und Tausende hatten noch ihre Mitwirkung zugesagt bei beginnen­der That. Dem sonst Verzagtesten war der Muth gewachsen beim Anblick so vieler kräftiger Gestalten, denen die Begei­sterung einer heiligen Sache aus den Augen leuchtete.

. Stuttgart, 42. März. War schon die Ernennung eines, aus Volksmännern bestehenden Ministeriums Jubel zu erregen und Beruhigung in die Gemüther zu bringen geeig­net, so ist es das eben erschienene Manifest des neuen Mini­steriums noch weit mehr. Die Freude wird aller Orten groß seyn. Die hiesige Bürgerschaft wird morgen dem König eine große Huldigung darbringen. Uebrigens hat das neue Ministerium gleich bei seinem Antritt einen Akt der Betrübniß zu vollziehen gehabt: eine Warnung, an die in Empörung gegen die Standes- und Grundberren begriffenen hohenlohe'schen Bezirke erlassen und zur Wiederherstellung der durch arge Erzesse gestörten Ruhe und Ordnung Militär dorthin zu schicken.

Berlin, 8. März. Bei der Verabschiedung des Aus­schusses nach der königl. Tasel haben einige preußische De- putirte Sr. Maj. Erklärungen gemacht, daß jetzt der Zeit­punkt gekommen sei, wo Preußen an die Spitze Deutschlands treten müsse, indem es die gerechten Ansprüche der Nation erfülle. Der König erwiederte, er begreife seine Ausgabe und hoffe sie auszuführen. Man erzählt, daß einer der Ab­geordneten dem König ein düsteres Bild der Zukunft anfge- rollt habe, das Se. Maj. nicht ohne Bewegung schildern hörte. Die innere Auflösung des deutschen Bundes, die Stiftung eines Sonderbundes durch die süddeutschen Staaten, die Jsolirung Preußens, das in Deutschland die Stellung einer Vorhut Rußlands einnehmen werde, und die Folgen dieser Stellung wurden mit lebendigen Farben aus­gemalt. Man läugnete, daß es dahin kommen könne; aber nun erfolgte eine zweite Schilderung im Fall eines Krieges mit Frankreich, die noch düsterer aiisfiel und nicht widerlegt werden konnte. (Brem. Z.)

In Posen wird die 40. Division auf den Kriegs­fuß gesetzt.

Berlin, 10. März. Die königl. Kabln etsordre in Betreff der Presse lautet:Nachdem die deutsche Bun­desversammlung unter dem 3. d. M. folgenden Beschluß ge­faßt hat: 4) jedem deutschen Bundesstaate wird frelgestellt, die Censur aufzuheben und die Preßfreiheit einzuführen; 2) dies darf jedoch nur unter Garantien geschehen, welche die anderen deutschen Bundesstaaten und den ganzen Bund gegen den Mißbrauch der Preßfreiheit möglichst sicher stellen, und dadurch die Grundlagen gegeben sind, auf welchen eine neue Bundesgesetzgebung zu bauen Ich seit geraumer Zeit beantragt habe, so würde Meinerseits nunmehr kein Hinderniß mehr obwalten, die Censurfreiheit unter den nö­thigen Garantiern in Meinen Staaten einzuführen, wenn Mich nicht der dringende Wunsch davon zurückhielte, in dieser, wie in vielen anderen wichtigen Angelegenheiten ein gemein­sames deutsches Bundesrecht zu erstreben. Demgemäß beauf­trage Ich das Staatsministerium unverzüglich, solche Ein­leitungen zu treffen, daß Meine dahin gerichteten Anträge bei der Bundesversammlung schleunigst zur Entscheidung ge­fördert werden. Sollte dies unerwartet auf Hindernisse oder Verzögerungen stoßen, so würde Ich dann mit einer auf Ceusurfreiheit begründeten, durchgreifenden Reform der Preß­gesetzgebung, vorbehaltlich des späteren ständischen Bekraths, interimistisch vorgehen, weshalb auch dieserhalb die Vorbe­reitungen so zu treffen sind, daß eintretendenfalls sofort ein Meinen Absichten entsprechendes Gesetz erlassen werden könne. Berlin, den 8. März 1848. Friedrich Wilhelm. An das Staats-Ministerium."

Es circuliren heute mehrere Gerüchte, welche Verände­rungen betreffen, die in einigen Ministerien, besonders in Cultusministerien vor sich gehen sollen. Bestimmte Nach­richten darüber sind uns bis jetzt nicht zugegangen.

* Frankfurt, 44. März. Die Männer des deutschen Volkes werden am 30. d. M. hier zusammentreten, um über Deutschlands Heil und Wohl ihre Berathungen zu beginnen und das Fundament zu legen zu einem deutschen Parlament. Dem Vernehmen nach werden in der Paulskirche diese hochwichtigen Berathungen stattfinden.

Heidelberg, 42. März. (DeutscheZ.) Wir erfah­ren soeben, daß in Folge der Mission des Herrn v. Gagern die Verhandlungen über die Bundesreform bei den süddeut­schen Regierungen ihren raschen Fortgang nehmen. Man war in Darmstadt und Karlsruhe darüber einig, daß man ein möglichst gemeinsames Wirken der deutschen Staaten ver­anlassen müsse; in Württemberg, Bayern, Sachsen und Preu­ßen soll durch Bevollmächtigte in diesem Sinne gehandelt werden. Als leitende Gedanken tauchten bis jetzt auf: Ver­tretung der Fürsten und Völker (nach der Seelenzahl, etwa 4 zu 100,000) in einem deutschen Parlament; die Compe- tenz desselben würde betreffen: Gemeinschaftlichkeit der Gesetz­gebung und des Gerichtsverfahrens, Heerwesen und Volks­bewaffnung, Handel, Münze, Maß rc., Vertretung Deutsch­lands gegenüber dem Ausland.

Belgien.

Hier angekommene Briefe aus Belgien melden, daß bereits 400,000 Mann in Belgien gerüstet dastehen. Muth und Vertrauen herrsche allenthalben im Lande. Parteien gebe es keine mehr in Belgien, da vaterländische Begeiste­rung alle Belgier als Brüder vereinige. Alle seien von dem festesten Entschluß beseelt, die Unabhängigkeit Belgiens bis aufs Aeußerste zu vertheidigen. Niemand dürfe an öffent­lichen Orten es wagen, sich gegen das constitutionelle König- chum zu äußern. Der König reite unter dem Jubel des Volkes durch die Straßen Brüssels, und die jungen Prinzen lustwandelten unter der Menge. Wie überzeugt die provi­sorische Regierung davon war, daß sich Belgien auch als Republik erklären würde, geht daraus hervor, daß, wie man aus Brüssel hierher meldet, in den ersten Tagen nach den Ereignissen bereits eine Depesche der provisorischen Regie­rung in Brüssel anlangte, welche die Aufschrift führte: An die provisorische Regierung der Republik Belgien.