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fang an einen mehr oder weniger gewaltsamen Charakter. Die empörendste Sittenverderbniß des Hofes, die widrigste Tyrannei der Staatskirche, maßlose Willkür, Verschwendung und Habsucht der Regierung, die absurden Prätensionen eines höfischen Adels riefen Haß gegen das Bestehende und sar­kastischen Spott über alles Traditionelle hervor. Dem egoistischen Absolutismus der Gewalthaber trat polarisch die Forderung unbeschränkter 'Volks­herrschaft gegenüber, und gegen die Ueberwucht des blos Positiven und Conventionellen stützte man sich auf mehr oder minder abstrakte Gesetze und Heischungen der Natur. Die geistlichen und weltlichen Herrscher hatten selbst die Bedingungen einer friedlichen Vermittlung der Gegensätze vernichtet. Die machttrunkenen Könige hatten seit 1614 keine Ständevcrsammlung mehr berufen; der hohe Klerus hatte den Widerruf des Edikts von Nantes erzielt und dem starren und intoleranten Katholizismus die Alleinherrschaft erworben. Als daher jene geistige Umkehr sich, aller geistlichen und weltlichen Censuren ungeachtet, ausbreitete, mußte zuletzt das entseelte Staats- und Kirchengebäude zusammenstürzen, weil es die lebendige Gemeinschaft mit dem fortstrebenden Geiste abgebrochen hatte.

Anders war es in Deutschland. Hier hatte bereits eine kirchliche Revolution durch den westphälischen Frieden ihr Bürgerrecht bleibend erworben, und die reichsgesetzlich gewordene Toleranz und die theilweise Säkularisation geist­licher Besitzthümer dem römischen Katholizismus selbst un­heilbare Wunden geschlagen. Deutschland war zwar seit der Reformation kein römisches Reich mehr, sondern ein Bun­desstaat, eine Conförderation unter einem, dem Namen nach kaiserlichen, in der That nur noch mit gewissen Vorrechten begabten, präsi dir enden Oberhaupt. Aber gerade in Folge dieser auch politischen Deformation erschien der Kai­ser nun vorzugsweise als Beschützer und Handhaber des Rechtes, als höchster Gewährsmann der herkömmlichen Freiheiten der verschiedenen Stände. Mochten dann auch einzelne Fürsten dem Absolutismus zustreben, so erhielten sich doch in den meisten Ländern theilweis noch althergebrachte Bürgschaften der ursprünglichen volksthümlichcn Autonomie. Gesichert endlich war die geistige Entwicklung und, Kraft derselben, unmittelbar auch die Fortbildung des religiösen und politischen Lebens, durch das Aufblühen des ächt ger­manischen Institutes der Universitäten. Während in Frankreich die Intelligenz entweder dem Hof und der Staats­kirche diente, oder gegen beide conspirirtc und kämpfte, konnte sie in Deutschland sich vorherrschend dem Dienste der Wis­

senschaft als solcher widmen. Die Zersplitterung des Reiches in so viele Herrschgebiete und die durchgängige Vermischung der verschiedenen Confessionen steigerten das Interesse an dem rein geistigen Leben in dem Maaße, als die politischen und kirchlichen Verhältnisse an Bedeutung verloren hatten. Ueberdieß war die katholische Kirche in Deutschland durch die Reformation zu theilweiser Selbstreformation genöthigt, und Fürsten und Adel nur ausnahmsweise von jener Sit­tenverderbniß angefteckt worden, welche am französischen Hofe und durch ihn in der gesammten französischen Aristokratie sich eingenistet hatte.

So konnte der deutsche Geist den Id een-Umschwung, der in Frankreich durch ein tiefes Nationalleiden hervorge­rufen wurde, sich aneignen, ohne dem Pathos zu verfallen der die Franzosen zu den Extremen hinriß. Während daher diese zu immer heftigerer Erbitterung gereizt wurden, bahn­ten in Deutschland die weltumgestalteten Ideen sich den Weg selbst bis zu den Gipselpunken der Gesellschaft. In Frank­reich hatte die Fürstensouverainität sich bis zu jenem Abso­lutismus gesteigert, welcher sich die Willkührherrschaft nicht v nur im Weltlichen, selbst über die Gerichte, sondern auch im Gebiete der Religion angemaßt, und des ungeheu­ren Ausspruchs sich verwogen:létat, cest moi. Wäh­rend nun dort sich jene furchtbare Reaktion vorbereitete, welche, im Namen der Nation, der allgemeinen Menschen­rechte und des Gesetzes, das Königthum und die Staatskirche in Staub trat, bestiegen in Deutschland Fürsten den Thron, welche die von Frankreich an die Tagesordnung gerufene Souveränität gebrauchten, um die dort in Opposition gegen dieselbe reifenden Ideen bereits in das Leben einzuführen.

(Forts, folgt.)

Wiesbaden, 15. März 1848. In vor. Mitternacht läuteten die Sturmglocken Feuerögefahr. Es brannte im Nerothal in der Tuchfabrik der Fabrikanten Löwenherz. Unser Herzog war einer der ersten auf dem Platze, und wahrlich, wie immer, kein müßiger Zuschauer, indem er selbst am Bache stehend mit rüstigem Arm die Feuerspritzen füllen half. Das Feuer verzehrte zuerst den Dachstuhl und war gegen 3 Uhr gelöscht. Gegen 5 Uhr brach es von Neuem im zweiten Stocke aus, man wurde aber bald seiner Meister. Dao Fabrikgebäude liegt außerhalb der Stadt isolirt, weitere Gefahr war also nicht vorhanden; allein der Schaden soll nicht unbedeutend sein, und da ein Stillstand der Fabrik ein- treten wird, in welcher viele Arbeiter beschäftigt werden, so hat dieser Brand einen doppelten Nachtheil.

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich. Verantwortlicher Redacteur : W. Friedrich.