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daß von bcn hl-erber gebrachten Waisen heute bereits zwei dem Hungertode erlegen sind, da die ihnen gereichten Lebensmittel ihren Berdauungskräften nicht mehr angemessen waren und alle Bemühungen, den Ernährungsproceß wieder in Gang zu bringen, zu spät kamen. Es ist gar nicht zu verkennen, daß cs uns noch an Aerzten fehlt, und will ich Allen, die mir es widerlegen sollten, dieses Bedürfniß speciell nachweisen. Darum Hülfe! Hülfe!! von nah und fern an Aerzten und Krankenpflegern. Das ist das erste Erforderniß, ohne dessen Befriedigung selbst die gesendeten Nahrungsmittel wenig nutzen werden. Von den hierher geschickten barmherzigen Brüdern sind bereits eilf der Krankheit erlegen. Man kann nur sagen, daß nicht Hungersnoth und Krankheit, sondern Pest und Verzweiflung in Oberschlesien wüthet. (Schles. Z.)
Wien. Es gehen in München aus Wien ziemlich bestimmte Gerüchte um, daß dort bedeutende Unruhen ausgebrochen sind. Metternich soll sich von der Leitung des österreichischen Staats zurückgezogen haben. — Gut wäre es, wenn dies sogleich geschähe, da es — leider schon zu spät ist.
— Briefe aus Wien, welche in Leipzig angekommen, bringen die Nachricht ebenfalls, daß Metternich abgedankt habe. Wien befinde sich im Freudentaumel.
(Die verblendete Wiener Staatsweisheit und Oesterreich's Geschick.) (Nach der Deutschen Ztg.) Die franz. Revolution ist nach dem Ausspruch der Wiener Staatweis- beit eine Mine, die glücklicher Weise! früher aufgeflogen ist, als es in der Berechnung der Brandstifter liegen mochte. Sie beruhigen sich mit der Hoffnung, daß der Monarch Oesterreich's „stark in der Hoffnung auf die Vorsehung, stark im Vertrauen zu seinen Völkern und eingedenk dessen, daß dieses Reich schon schwerere Stürme überstanden, getrost den kommenden Zeiten entgegengehen könne." — Man scheint in Wien auch keine Ahnung davon zu haben, daß jene „Mine" sehr zur rechten Zeit aufflog; daß die ganze deutsche Nation, außer den guten Wienern, in einer großartigen Reform ihre vor 33 Jahren verbürgten Rechte sich in friedlicher Weise nunmehr erobert. -- Die Wiener Blätter versuchen es, mit den alten Drohworten des Com- munismus; man denkt damit die Besitzenden und Aengstlichen einzuschüchtern, man ficht gegen Windmühlen und verschließt gegen den wahren Feind furchtsam und unwissend die Augen.
— Oesterreich, über dessen Zukunft die officielle Presse (eines Hurter und Zarke) sich so beruhigt ausspricht, wird uns Verlegenheiten der schlimmsten Art bereiten. Nicht einmal in den alten deutschen Erblandcu ist jener Glaube an die Ewigkeit der österreichischen Monarchie noch vorhanden, auf welche die officielle Presse so gewaltig pocht. Daß in den übrigen Theilen des Reichs eher alles Andere chäüg ist, als jene loyale Hingebung an Dynastie und Regierung, darüber können sich denn doch selbst die nicht täuschen, deren ganze Staatsweisheit eine lange und gefährliche Täuschung war. Die Lombardei, Ungarn, Böhmen und Galizien! — alle in voller Gährung — und das Alles im Angesichte einer europäischen Umwälzung, der dieser morsche Bau nicht mehr widerstehen kann — das sind die Ergebnisse einer Politik, die sich für die „erhaltende" und vorzugsweise „monarchische" ausgab. Ein Krieg mit Frankreich durch die Lombardei, eine slavische Bewegung bis in die Mitte von Deutschland, russischer Einfluß in Galizien, Ungarn und der Donau — das ist die Mitgift, womit die Metternich'sche Politik in dieser Krisis uns zu Hülfe kommt!
Republik Frankreich.
Am 3. März hat der Viceadmiral Baudin den Oberbefehl über das Mittelmeergeschwader übernommen und auf dem Dreidecker Friedland seine Fahne aufgepflanzt. Er hat an die Schiffsmannschaft eine Proklamation erlassen: Frankreich hat sich republikanisch gemacht, ich diene ihm mit euch, die Republik soll Frankreich Ordnung und Gerechtigkeit im Innern und mit dieser Kraft nach Außen sichern. Vereinigen wir unsere Anstrengungen für einen gemeinschaftlichen
Zweck: die Freiheit und Größe unseres Landes; indem wir der Republik eine mächtige Marine geben, entsprechen wir einem ihrer gebieterischen Bedürfnisse.
Paris, den 6. März. Die Zahlungseinstellung der Casse Gouin hat heute eine ungemeine Bestürzung erregt, das Haus scheint unrettbar verloren. Geschäfte vor der noch immer geschlossenen Börse wurden heute gar nicht gemacht. Der Finanzminister Goudchau hat seine Entlassung gegeben, weil sein Bankierhaus gleichfalls schwankt. Garnier Pages ist sein provisorischer Nachfolger.
Paris, 7. März. Zn Paris werden die Nachrichten von den constitutionellen Bewegungen in Deutschland, wie man sich leicht denken kann, mit großem Beifall ausgenommen. Die Haltung der Blätter ist im Allgemeinen streb? fertig; in einem Artikel des Courier Franhâis kommt aber heute der einfältige Gedanke wieder zum Vorschein, daß den Landen des linken Rheinufers die Wahl zwischen Frankreich und Deutschland, bei Strafe des sofortigen Einschreitens der Franzosen völlig freigelassen werden müsse. — Diese Frechheit des Courier Frankens, den wir indessen nicht mit Frankreich verwechseln wollen, bei einem ganzen Landes- theile Deutschlands verächtliche Gesinnungen vorauszusetzen, weisen wir mit Verachtung zurück. Unsere Landsleute des linken Rheinufers werden wir nicht durch den Verdacht beleidigen, als könnten sie auf den unglücklichen Einfall gerathen, ihr Heil irgend anderswo zu suchen, als in dem gemeinschaftlichen Heil der deutschen Nation.
Strasburg, den 6. März. Trifft Deutschland keine außerordentlichen militairischen Vorkehrungen an der Gränze, so wird auch bei uns der Activstand des Heeres normal bleiben. Man will nichts von einem propragandischen Wesen wissen und in gutem Einvernehmen mit den Nachbarländern bleiben. Alles bemüht sich den ordnungsmäßigen Gang der Regierung kräftigst zu unterstützen. Zn beiden Gränzdepartements befinden sich in diesem Augenblick kaum 15000 Mann Militär.
Niederlande.
Amsterdam, 6. März. Zwischen der holländischen und belgischen Regierung ist ein Defensiv- und Offensivvertrag abgeschlossen worden. Die Truppen werden Unberufen.
Großbritannien.
London, 8. März. In Irland wie in England beginnen die Einwirkungen der französischen Revolution sich zu zeigen. Das südliche Irland namentlich schwärmt für dr neue Ordnung der Dinge in Frankreich, und die katholischen Priester schüren das Feuer. — Das Freemans Zournal beginnt einen Artikel mit den Worten: „Das Geburtsland der Franzosen ist ein freies Land; das Geburtsland der Zren ist ein Sklavenhaus und ein Fußschemel dcr Unterdrücker; über Frankreich weht das Banner der Freiheit, über Irland die schwarze Flagge des Todes. — Zrländer, was fehlt Euch? Zhr seid nicht einig. Haltet zusammen wie die Franzosen, und dieselben Freiheiten und Rechte müssen Euch zu- fallen." — Zn England rührt sich der Geist der Arbeiter, selbst in der Hauptstadt, und hier namentlich in Marylebonc; cs werden Meetings von Arbeitern veranstaltet, die bis 12000 Köpfe stark waren.
Jialieu.
Directe Briefe aus Mailand vom 4. und 7. März bestätigen es, daß daselbst die Ruhe nicht gestört worden ist. Graf Spaur sollte schon am 6. Mailand verlassen. Der Courier aus Wien mit den neuen Ernennungen war angekommen.
Rußland.
Aus Breslau schreibt die schlesische Zeitung vom 8. März: Mit dem heutigen von Myslowitz kommenden Zuge wurde zum Anschluß an die Nordbahn ein Courier aus Petersburg nach Wien befördert, welcher, wie uns von glaubwürdigen Personen versichert wird, das Gerücht vom Ableben des Kaisers Nicolaus bestätigt haben soll.
Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich. — Verantwortlicher Redacteur : W. Friedrich.