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Frankfurt, 11. März. Aus guter Quelle berichtigt Frankfurter Journal von heute, daß die Bundesversammlung den alten Deutschen Reichsadler und die Far­ben des ehemaligen Deutchen Reichspaniers schwarz, roth, gold zu Wappen und Farben des Deut­schen Bundes erklärt hat."

In Kur Hessen hat nach der Kaffelschen Zeitung der Staatsrath Scheffer das Ministerium des Innern nicder- gelegt und ist abgereist. Zum Oberbürgermeister der Resi­denz ist Hartwig ernannt. Der Regierungsrath Lotz zu Marburg ist zum Vorstand des Ministeriums des Innern, v. Baumbach zu Rinteln zum Iustizminister ernannt. Die Ständeversammlung wird sofort einberufen, um das Gesetz über Preßfreiheit zu berathen. Den Deutschkatholiken ist freie Religionsübung gestattet worden.

Kassel, 6. März. Die Familie des Kurfürsten hat Kassel verlassen. Tausende versammeln sich auf dem Friedrichs­platz. Der Kurfürst veranlaßte die Bürgergarde, vor seinem Pallast ein Bataillon aufzustellen. Die Censur in den inneren Landesangelegenheiten ist freigegeben. Doch Alles dies, sowie die neuen Minister-Ernennungen, kann das Volk der Hessen noch nicht befriedigen.

Hanau, 9. März. Ueber die Lage der Dinge in Hanau lassen die neuesten Berichte das Aeußerste befürchten, wenn nicht von Kassel die volle Gewährung der Volkswünsche zu­gesichert wird. Bewaffnet ist Alles, vom zwölfjährigen Kna­ben an. Das Militär hält sich ruhig, die Offiziere srater- nifiren mit den Bürgern.

Karl 6 ruhe, 9. März. Baden, welches in Deutsch­land den ersten Impuls gegeben hat zu der so großartig voranschreitenden politischen Bewegung, thut auch den ersten Fortschritt auf religiösem Gebiet. Die Deutsche Zeitung theilt uns die wichtige Nachricht mit, daß am 7. an dem erz­bischöflichen Ordinariate in Freiburg der Antrag auf Ab­haltung einer Diöcesansynode nach lebhaftem Kampfe durch- gegangen ist. Die Staatöregierung wird der Verwirklichung dieses Beschlusses gewiß kein Hinderniß in den Weg legen.

Stuttgart, 8. März. Der König hat sich entschlossen, ein Ministerium aus den Reihen der konstitutionellen Oppo­sition zu wählen. Ein Ministerium Paul Pfizer, Duvernoy, Römer, Goppelt (aus Heilbronn), Graf Degenfeld und Ban­gold soll gebildet sein.

München. Am 6. hat sich der König nach Nymphen­burg begeben. Abends war die Stadt, auch das Palais Mar und die der Gesandten erleuchtet. Nur das Palais Leuchtenberg und das des russischen Gesandten blieben dunkel. Das bloße Gerücht einer russisch-preußischen Allianz hat eine gewaltige Mißstimmung hervorgerufen. (Die Augs­burger Allg. Ztg. wird aus sicherster Quelle benachrichtigt, daß diese Vermuthung jedes Grundes entbehre; Preußen wird nach dem bestimmt ausgesprochenen Willen des Königs gegen die Republik Frankreich nur die rein respectative Stel­lung beobachten und keine andere Allianz suchen, als die eines einigen, friedlichen, aber gegen jeden Angriff von Außen gerüsteten Deutschlands. Anmerk. d. Red. d. Nass. Z.)

München, 9. März. An den königl. bayer. Bundes­tagsgesandten v. Gasser ist heute eine motivirte Instruction bezüglich der Bundesrevision und deutschen Na­tiv n a l v e r t r e t u n g am Bundestag mit der Weisung ergangen, dieselbe der königlichen Proclamation vom 6. d. M. entsprechend ungesäumt zur Proposition zu erheben. (A. A. Z.)

Hannover, 3. März. In der heutigen Sitzung der Bürgervorsteher, die bekanntlich den Stadtverordneten der preußischen Städte entsprechen, wurde beschlossen, den Ma­gistrat um eine gemeinschaftliche, demnächst anzuordnende Sitzung zu bitten. Diesem allgemeinen Anträge fügte der Bürgervorsteher Meters folgende Vorschläge hinzu: 1) um sofortige Aufhebung der Censur, da mit der Auf­hebung der Censur von Seiten Badens kein in der Bundes- Gesetzgebung liegender Grund zur Aufrechterhaltung dieser

Einrichtung mehr vorhanden sei; 2) baldthunlichste Ein - berufung der hohen Ständeversammlung; 3) Einberufung der durch eine Verordnung von 1831 or- gani sirten Bürgergarde. Diese Anträge wurden von den Bürgervorstehern einstimmig angenommen.

Braunschweig, 7. März. Dem Rufe nach Volks­bewaffnung hat die Regierung durch 480 abgenutzte Flinten entsprochen; von Concessionen anderer Art ist überall noch nicht die Rede. Wegen Berufung der Stände hat ein Minister geantwortet: im Laufe des Jahres kämen sie sicher noch zusammen! Die Braunschweiger, die früher ihren Herzog fortjagten, scheinen sehr zahm geworden zu sein; warum handeln sie jetzt nicht entschieden?

Weimar, 5. März. Der Stadtratb hat beim Groß- Herzog auf Preßfreiheit, allgemeine Volksbewaffnung und Schwurgerichte angetragen. Die Ständeversammlung bat einstimmig auf Repräsentativ-Verfassung, auf die Aufhebung der Karlsbader Conferenzbeschlüffe, auf Nationalvertretung beim Bunde, Verminderung der stehenden Heere, und endlich darauf angetragen, daß zur Abwendung der augenblicklichen Gefahr die geeigneten provisorischen Maßregeln in ächt na­tionalem Sinne getroffen werden.

Dresden, 6. März. Die Bewegung in Leipzig hallt auch in der Residenz nach. Der Minister Falkenstein, aus Leipzigs Augusttagen verhaßt, ist entlassen. Dies ist aber den Sachsen noch nicht genug, die hocharistokratischen Minister Könncritz und Zeschau müssen ebenfalls noch weichen, und man bereitet allenthalben in Sachsen größere Bürgervcr- sammlungen vor, auch ein Manifest an die Sachsen, was die Einlassung des ganzen Ministeriums fordern soll. Als Candidaten für ein Ministerium werden der liberale v. Watz­dorf und die ehemaligen Kammerpräsidenten Reiche, Eichen­stuck und Braun genannt.

Dresden, 9. März. Sämmtliche Minister sind ent­lassen. Ein außerordentlicher Landtag ist für den 20. März einberufen.

-h Aus Preußen, 10. März. Es greift die Petitions­bewegung schon in mehreren Provinzen um sich. Nach dem Vorgänge von Aachen und Köln haben jetzt auch Elberfeld, Düsseldorf, Crefeld, Coblenz und andere Städte der Rhein­provinz Adressen an den König gesandt. Aus Westphalen hört man noch Nichts. Aus Sachsen ist eine Petition von Magdeburg abgegangen; von Naumburg, Halle, Merse­burg, Calve, Burg, Nordhausen, Neuhaldensleben rc. werden ähnliche Petitionen an den König gelangen. Mehr oder min­der verlangt man in allen diesen Adressen: ein freisinniges Wahlgesetz, wahrhafte Volksrepräsentation, unbedingte Preß­freiheit, Geschwornengerichte, Gleichstellung aller Religions­gesellschaften in Bezug auf bürgerliche Rechte, Sicherung der persönlichen Freiheit, ein das Vermögen progressiv belastendes System, Fürsorge für die arbeitenden Klaffen, freies Affocia- tionsrecht, deutsches Parlament, Vorlage des Strafgesetz- entwurfs an die Volksvertreter. Sicherem Vernehmen nach hat der König bereits die unbedingte Preßfreiheit seinem Volke bewilligt.

Berlin, 10. März. Der König von Hannover hat dem Vernehmen nach in der jüngsten Zeit beim Bundestage aufs neue protestirt gegen jede Verschmelzung der deut­schen Herzogthümer Schleswig und Holstein mit Dänemark, und soll sich der bestimmtesten Unterstützung Seitens des Preußischen Cabinets erfreuen. Der König von Preußen hat die Preßfreiheit in seinen Staa­ten bewilligt. Der vereinigte Landtag soll in Kurzem ein- berufen werden. Die verurtheilten Polen sollen begnadigt werden.

Los lau, März. (Die andauernde schlesische Noth.) Die mehr und mehr um sich greifende Krankheit und die tägliche Zunahme der Todesfälle hat den Jammer und das Elend unserer Stadt bis zur Verzweiflung getrieben. So eben gehe ich über unsern beiläufig gesagt schlecht ge pflasterten Marktplatz, als mir die Kunde entglgcnkommt,