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derjenigen Angelegenheiten, welche bisher blos particular waren, an sich ziehen und auf diese Weise die Bedeutung der einzelnen ständischen Versammlungen vermindern werde, so daß also eine kleine aber intelligente Anzahl von Vertre­tern hinreiche; eine kleinere Zahl sei aber dermalen um so wünschenswerther, damit eine raschere und entschiedenere Ver­handlung erzielt werde. Man einigte sich also auf Vierzig. Wir möchten aber fragen, ob nicht eine ungrade Zahl zweck­mäßiger wäre. Hierdurch würde leichter eine absolute Ma­jorität erzielt und das entscheidende Votum des Präsidenten (das sehr mißlich werden kann) umgangen werden. (F. f.)

Wiesbaden, den 13. März. Der Herzog, der in sei­nen gegebenen Zusagen auch für die sofortige Einberufung eines deutschen Parlaments zu wirken versprach, hat in dieser großen vaterländischen Angelegenheit die Initiative ergriffen. Am 7. d. M. ist der Freiherr v. Gagern in außerordentlicher Mission an die Höfe von Darmstadt, Baden, Württemberg und Bayern abgesandt worden, um womöglich zunächst an diesen Orten, wo die deutsche Bewegung einen gleichmäßigen Charakter und die gleiche Richtung inne hält, eine Verein­barung zu übereinstimmenden Handeln in dieser großen An- gclegenyeit zu Stande zu bringen. Sicherem Vernehmen nach gehen die Vorschläge Nassaus vorerst dahin, einen Ort der Verhandlung festjufegen, Einer der genannten fünf Re­gierungen die Leitung der Verhandlung in die Hände zu geben und dann mit der in der Heidelberger Versammlung ernannten Commission in Beziehung zu treten, um sie zu vermögen, auch ihrer Seits die Angelegenheit in die Hände jener Regierung zu geben, um alsdann den Versuch zu ma­chen, wie die erzielte Nationalvertremng mit der bestehenden oder mit der zweckmäßig in ein Oberhaus verwandelten Bundesverfassung in Verbindung zu bringen sei, d. h. die Basis einer Bundesverfassung zu finden. Herr v. Gagern ist von Darmstadt am 8. in seiner großen Mission bereits nach Karlsruhe abgegangen, und wie wir hören, ist Darm­städtischer Seits ihm der Graf v. Lehrbach auf dem Fuße gefolgt, wonach nicht zu zweifeln ist, daß Darmstadt, wie sich schon aus der Erklärung des Erbgroßherzogs-Mitregenten erwarten ließ, auf Nassaus Vorschläge unbedingt einge­gangen ist. Wir sind hoch erfreut, den Herzog diesen Weg betreten, diesen energischen Impuls zuerst geben zu sehen. Wir dürfen nicht vergessen, welche Grundsätze den kraftvollen Charakter seines Vaters bestimmten, in welchen Principien alle unsere Fürsten und Er wohl auch erzogen ist, wir müs­sen uns des unzweifelhaft begründeten Gerüchtes erinnern, daß der junge Fürst noch eben in Berlin in diesen Principien mit Ermahnungen und Versprechungen neu befestigt worden war, um zu überschlagen, wie ihm der plötzliche Wechsel der Dinge zu Hause nahe treten, und welche Kämpfe ihn der Bruch mit seiner Vergangenheit und der traditionellen Poli­tik aller deutschen Höfe persönlich gekostet haben muß. Diese Schritte zeigen aber, daß er in treuem Entschlusse jenen Nachdruck auf die Worte legte: Er werde halten, was Er verspreche. Es wird nicht an den Einflüsterungen fehlen, die ihn diese Zusage und diese Schritte werden be­reuen machen wollen; wir hoffen aber und sind dessen ge­wiß, sein jetziger Entschluß ist für immer gefaßt. Mit welch' anderem Bewußtsein wird sich der Herzog einst, nach der Befestigung der neuen Ordnung der Dinge in Deutsch­land, in der Mitte und im Frieden mit einem auflebenden, einem dankbaren Volke fühlen, im Einklang, und getragen von den Bedürfnissen und Strebungen einer großen und ver­sprechenden Zeit, als wenn sein Leben nur der engherzigen Bewahrung eines eigensüchtigen Familienprincips gewidmet gewesen wäre.

Wiesbaden, den 13. März 1848. Die durch das gestrige Verordnungsblatt bekannt gewordenen Verände­rungen bei den Präsidien der Landes-Regierung und der Rechnungskammer werden in ganzem Lande Sensation erregen. Daß der Regierungspräsident Möller, ein Mann von mehr als 70 Jahren, der eine lange Reihe von Jahren mit außerordentlicher Thatkraft für unser Herzogtum gewirkt

hat, in den Ruhestand versetzt worden ist, sollte eigentlich nicht auffallen, allein in der gegenwärtigen Zeit fällt Alles auf und es ist auch nicht zu leugnen, daß Möller mit dem unhaltbar gewordenen System abtreten mußte. Das­selbe darf man von den beiden jungen Regierungsdirectoren Faber und von Wintzingeroda annehmen, die als Di­rectoren an die Rechnungskammer versetzt sind. Wenn wir auch zugeben, daß hierdurch der öffentlichen Meinung eini­germaßen Rechnung getragen werden soll, so erkennen wir auf der andern Seite darin eine weise Fürsorge für die Interessen des Landes, indem eins der wichtigsten Organe, die oberste Controlbehörde, gehoben wird. Gibt es einen Damm gegen Willkür in der Verwaltung, die schon oft da gewesen ist, und auch künftig sich noch zeigen wird, so bildet solchen die Rechnungskammer. Man suche also derselben ein neues und kräftiges Leben zu geben, wie es jetzt die höchste Absicht zu sein scheint und die gute Wirkung auf den Gang der Staatsmaschine wird nicht ausbleiben. Wir beabsichtigen in einem zweiten Artikel unsere Ansichten wei­ter und ausführlicher mitzutheilen, bemerke» aber hier noch, daß alle persönlichen Beziehungen uns gänzlich fremd sind, und es nur die gute Sache ist, für welche wir die Feder ergreifen.

Herr von Wintzingeroda hat, wie wir so eben erfahren, die Versetzung an die Nechnunqskammer abgelehnt und statt dessen die Bcamtenstklle in Idstein angenommen, obgleich mit diesem Tausch ein Minus in der Besoldung von 1000 fl. eintritt. Er glaubt als Beamter mehr wirken zu können und wird als solcher (wenigstens ist dies unsere Ueberzeugung) beweisen, daß die öffentliche Meinung, wel­cher er zum Opfer fiel, im Irrthum war. Die Redaction.

Wiesbaden, 14. März. Die dankbaren Gesinnungen des nassauischen Volkes gegen seinen Herzog bekunden sich überall, auch in äußeren Manifestationen. Gestern Abend bewegte sich in Wiesbaden ein großartiger Fackelzug dem Schlosse zu. Die ganze Bürgerschaft hatte sich zu Tausenden auf dem Friedrichsplatz versammelt. Wohl 2000 Fackelträger, die Militärmusik an der Spitze, zogen in doppelten Reihen zum Marktplatz, zum herzoglichen Palais. Tausend Flammen umleuchteten in Tageshelle das Schloß. Zu einer Serenade erschallte das Lied:

Heil Dir im Bürgerkranz, Vater des Vaterlands, Heil, Herzog, Dir!

aus der treuen Brust der Nassauer. Der edle Fürst dankte vom Balcon des Schlosses in bewegten und kräftigen Worten seinen treuen Nassauern für ihre Anerkennung und Liebe mit einem Hoch auf sein Volk. Ein donnerndes dreimaliges Hoch für seinen Herzog war des Volkes Antwort. Einer in das Schloß beschiedenen Deputation dankte der Fürst in herzlicher Weise. Den Schluß der Feier machte das Lied: Nun danket Alle Gott. Der unabsehbare Zug bewegte sich darauf durch die Burgstraße, dem Kursaal entlang zum Pa­lais Ihrer königl. Hoheit der Herzogin Pauline, um auch dieser erhabenen Fürstin, welche in den großen Tagen des Landes sich in großherzigen Gesinnungen bewährte, den Dank des Volkes zu' bezeugen. Das Volk vergaß in dieser äußern Kundgebung seiner Gefühle aber auch nicht seinen treuen Führer und Leiter, den Präsidenten der zweiten Ständekammer, Procurator Hergenhahn, zu dessen Villa der Fackelzug weiter zog, und darauf hin zur Villa von Naffau's Minister, des Freih. v. Dungern, der in den ernsten Tagen sich als der redlichste Diener des Fürsten und als ein Freund des nassauischen Volkes gezeigt hat. Beide Männer sprachen in würdigen Worten an die Versammelten mit einem Hoch für Naffau's edlen biedern Herzog, und beiden erschallte als Antwort ein tausendstimmiges Hoch.

* Weilburg, 8. März. Das von hiesiger Bürgerver­sammlung erwählte Comite hat unterm heutigen einen Nach­trag zu der Petition an die Landstände vom 6. März, welche aus 31 Anträgen bestand, eingegeben. Dieser Nachtrag ent­hält in Betreff der ersten Positiondie Wahl der neuen Landtags-Deputirten betreffend," erläuternde weitere 9 Anträge.