Nr. 1.
Würgerblatt
für
Unterhaltung »«d Literatur.
Wiesbaden, 13. März 1848.
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Die Linde zu Dillenburg.
Seiner Hoheit dem Herzog von Nassau.
Von Z. E. Araun.*)
Seht Ihr den Lindenbaum, den alten?
Ein Wächter scheint er vor dem Schloß; — Viel' stattliche Gesellen halten Um ihn herum, ein bunter Troß.
Die Federn weh'n im Kuß des Windes, Am Schwerte liegt die kecke Hand, Das Auge flammt, — die Geusen sind es, Vertrieben aus dem Vaterland.
Wie eine heiße Zornesflamme Das Wort von bärt'gen Lippen weht Zu einem Mann, der an dem Stamme In stillem, ernstem Sinnen steht: „O eile Dich! erhör' das Mahnen Des armen Volk's, das uns gesandt, Ergreif das Schwert, entroll' die Fahnen! Du kennst des Kampfes Unterpfand!
*) Wahrlich — eine Prophetenstimme — aus den „Festgedichten aus Nassau." 1844. Der geniale und gestnnungstüchtige Dichter fiel — ein trauriges Opfer eines Wahns — im vorigen Jahre im Duell in Freiburg in Breiögau. — Sein Herz schlug warm — es glühte für die Freiheit, und seine tüchtige Feder lieferte dem „Deutschen Bürgerblatt" im Jahre 1844 treffliche Artikel auch über Nassau. Diese Zeitschrift erfreute fich unter der Aegide eines deutschen Mannes, des alten Vincke, damals der liberalsten Censur, wie man in Deutschland noch schwer seufzte unter ihrem Drucke. Mit Vincke's Tode verblutete sich das Blatt unter dem Arnim'schen Ministerium, nachdem ihm sein trefflicher Censor, der Superintendent Bender in Siegen, genommen worden war.
„Schon öffnen sich deö Kerkers Pforten Für Horn und Egmont, doch zum Tod; Was wir gehöhnt, sind wir geworden, Wir fühlen jetzt der Bettler Noth.
Die Freiheit ruht in Bann und Ketten, Das Recht liegt auf dem Blutgericht; Verlaß Dein Schloß! Wer soll uns rette«, Hörst Du das Hülferufen nicht?
„O höre uns!" — Er hat's gehöret, Das Wort, von zorn'gem Schmerz entfacht; — Da bleibt kein Unrecht ungestöret, Wo Wilhelm von Oranien wacht.
Ernst blickt er nach dem hohen Schlosse, Wo seiner Kindheit Wiege stand, Dann reicht er in dem wilden Trosse Den kecken Mahnern seine Hand.
„„Ich steh' bei Euch! Ich will erlösen, So viel mein Arm mit Gott vermag!"" „Hoch, Nassau, hoch!" Den wilden Geusen Ruft es der Berge Echo nach. — Und höher klangen noch die Töne, Als erst das ganze Niederland , Gleichwie ein Thal in Frühlingsschöne, Im ersten Schmuck der Freiheit stand.
Noch steht der Baum, wo dies geschehen, Zu Dillenburg auf Bergeshaupt, Von jedem neuen Frühlingswehen, Aufs Neu' gewecket und umlaubt. Wo ist des Schlosses alter Schimmer? Wo seiner Zinnen Herrlichkeit?
Und nur die Linde grünt noch immer, Sie ist geweihet und gefei't.