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rechte Mannhaftigkeit beweist. Von diesem Gedanken sei Jeder, der eS mit dem Vatcrlande wohl will, durchdrungen; jeder selbstsüchtige Gedanke, jede ehrgeizige Absicht trete zurück! Dann werden die Nassauer im Stande sein, auf dem Fundamente, welches das Wort unseres Für­sten gegründet, einen Bau aufzuführcn, in welchem, geleitet von den höchsten Principien der Menschheit, von Recht und Siitlichkcit, alle Classen der Bevölkerung eine wohnliche Stätte finden. Meine Herren, wir wollen zur Tagesordnung übergehen und zwar zunächst zur Be­rathung der Adresse. Die Commission, welche gestern hierzu ernannt worden ist, hat solche entworfen. Ich erlaube mir, sie Ihnen vorzu­tragen:Durchlauchtigster Herzog! Die hochherzigen Worte, die Eure Hoheit vor den versammelten Tausenden an einem ewig denkwürdigen Tage gesprochen haben, sind mit unauslöschlicher Schrift in die Herzen des Volles geschrieben. Wem ein deutsches Herz im Busen schlägt, der muß es empfingen und darf keinen Zweifel darüber hegen, daß sie offen und treu erfüllt werden müssen. Wir, die gegenwärtigen Depu- tirten des Landes, schließen uns dieser allgemeinen Empfindung freudig an. Wir werden uns deshalb gleichfalls streng an die Bestimmungen halten, welche Eurer Hoheit Proclamation dem Lande verkündet hat und uns nur mit dem neuen Wahlgesetze beschäftigen. Die Oeffent- lichkeit unserer Verhandlungen eine neue thatsächliche Erfüllung des Wortes Eurer Hoheit wird dazu beitragen, unserem ernsten Streben Glauben zu verschaffen, daß wir das neue Wahlgesetz dem gewaltigen Umschwung der Zeit gemäß, aber mit all der ernsten besonnenen Er­wägung berathen werden, welche die Wichtigkeit des Gegenstandes erfordert. Für unsere Treue, Durchlauchtigster Herzog, stehen wir ein! Die großen Augenblicke, welche das Volk mit Eurer Hoheit durchlebt hat, find ein neues Band dieser Treue, das Band einer festen Vcr- in igung! Gottes starke Hand hat in diesen letzten Tagen sichtbar über unserem Lande gewaltet; er wird uns die Einsicht und Kraft ge­währen, die Grundlagen zu einer wahren Repräsentation des Volkes zu legen und dadurch die Institutionen immer fester zu gründen, welche über Nassau und das ganze deutsche Vaterland reichen Segen aus- gießen werden. In tiefster Ehrerbietung beharren wir, Euer Hoheit treu unterthänigste Deputirtenversammlung." Dies ist die Adresse, die wir der Versammlung vorschlagen wollten. Wenn Sie damit ein­verstanden find, so werde ich die Herren Commissarien bitten, uns die Stunde zu bestimmen, an welcher wir die Adresse Sr. Hoheit dem Herzog überreiche» können.

Sämmtliche Mitglieder erklärten fich mit dem Adreßentwurf ein­verstanden. Es wurde nunmehr, nach erfolgter Ernennung des Präsi­denten, zur Wahl der Secretäre geschritten. Als solche wurden durch schriftliche Abstimmung gewählt die Deputirten Bertram mit 13 und - Siebert mit 10 Stimmen.

Deputirter Siebert: Ich danke Ihnen, meine Herren, für das Vertrauen, welches >vie in mich gesetzt haben. Uebrigens bin ich von einer solchen Heiserkeit befallen, daß ich kaum ein Wort sprechen, viel weniger unsere Protocollc »erlesen kann. Ich bitte daher, mich von der Annahme der Stelle eines Secretärs zu entbinden und einen an­dern Herrn an meine Stelle zu wählen.

Präsident Hergenhabn: Die Verhinderung kann doch nur eine augenblickliche sein. Ich bitte daher die beiden Herren, sich der ihnen übertragenen Function zu unterziehen.

Deputirter Siebert: Wenn es nicht anders ist, so bitte ich nm gütige Nachsicht.

Die beiden neu gewählten Secretäre nahmen hierauf die für sie bestimmten Sitze ein.

Präsident Hergenhahn: Wir gelangen nun zur Wahl eines Ausschusses zum Entwurf eines neuen Wahlgesetzes. Ich bitte, hierzu die Namen von 7 Mitgliedern aufzuschreiben.

Das Resultat der Wahl ergab für Präsid. Hergenhahn 21, für die Deputirten Bertram 17, Cratz 15, Siebert 15, Zais 11, Dresel 10, C. Müller 7, Heß 7 Stimmen.

Präsident Hergenhahn: Zwischen den beiden Mitgliedern, welche 7 Stimmen erhalten haben, muß das Loos entscheiden.

Dasselbe entschied für den Deputirten Heß.

Präsident Hergenhahn: Die Commission für Bearbeitung des Wahlgesetzes wird also so zusammengesetzt sein: Hergenhahn, Bertram, Cray, Siebert, Zais, Dresel und Heß. Wir haben nunmehr nach § 14 der Geschäftsordnung vier Dcputirte durch das Loos zu wählen, welche in Gemeinschaft mit dem Präsidenten und den beiden Secretäre» die Adresse Seiner Hoheit dem Herzog überreichen.

Das Loos fiel auf die Deputirten Dresel, Heeser, Haas und Höchst.

Präsident Hergenhahn: Die Herren Commissarien werden die Güte haben, uns die Stunde, an welcher die Uebcrrcichung stattfinden soll, zu bestimmen. Außerdem habe ich der Versammlung mitzutheilen, daß viele Einwo-Hner der Städte Dillenburg, Herdorn und Haiger eine Denkschrift bei der Versammlung eingereicht haben. Da wir indessen nur berufen sind, ein neues Wahlgesetz zu berathen, so können wir uns mit Petitionen, welche andere Gegenstände betreffen, nicht befassen. Um jedoch der Versammlung von dem Inhalte der Eingabe Kenntniß zu geben, erlaube ich mir dieselbe vorzulesen:An die hohe Nassauische Ständeversammlung. Im Hinblick auf die jetzigen bewegten Zeilen und ausgefordert selbst durch die Proklamation des hohen Bundestages vom 1. dieses Monats halten wir es für geboten, die nachstehenden dringenden Wünsche, im Interesse der Ordnung und zur Beruhigung der Bolksstimmung, hoher Nassauischen Stänrevcrsammlung zur Be­rathung und Beschiußnahme vorzulegen. Wir reihen an die von den jetzt berufenen Ständeversammlungen der deutschen Nation: 1) um allgemeine Volksbewaffnung, 2} um Einführung eines allgemeinen

Civil- und Strafgesetzbuchs, sowie einer Strafproceßordnung, 3) um Vertretung der Nation durch ein volksthümliches Parlament, ausge­sprochenen Erwartungen die besonderen Wünsche der Nassauer außer dem allgemein gefühlten Bedürfniß einer anderen, dem Volkswohl und dem Volksrecht entsprechenden Gestaltung der Domäne zum Volke, noch das besondere Verlangen um sofortige a) Ausbildung unserer Verfassung: Normirung des Volks- und Militäreides auf die Verfassung, Ver­besserung des Wahlgesetzes, unbedingte Preßfreiheit, Associationsrecht; b) Reorganisation der Justiz, Unabhängigkeit des Richterstandes, Tren­nung der Justiz von der Verwaltung, Oeffentlichkeit und Mündlichkeit, Schwurgerichte, Verweisung der correctionellen Vergehungen an die Gerichte; c) selbstständigere Gemeindeverwaltung ; c!) Verbesserung des Steuersystems durch allgemeinere Vertheilung. Die Unterzeichneten bitten hohe Ständeversammlung, die mit unseren deutschen Brüdern beantragten Wünsche in Verfassungsmäßiger Weise zur Vollziehung zu bringen, dagegen aber, was unsere inneren Mängel betrifft, dienliche Anträge auf sofortige Abhülfe zu stellen. Dillenburg und Herborn den 3. März 1848. Mit Ehrerbietung. (Es folgen nun die Unter­schriften)." Die Herren werden sehen, daß die meisten Wünsche, welche darin ausgesprochen werden, bereits die Anerkennung Seiner Hoheit des Herzogs erhalten haben. Der demnächst einzuberufenden Ständeversammlnng müssen wir es überlassen, diejenigen, welche noch weiter vorgebracht sind, in Erwägung zu ziehen und zur Erledigung zu bringen. Uebrigens dürfen wir uns freuen, daß die Wünsche, für deren Erfüllung in der letzten Zeit die hiesige Stadt thätig gewesen ist, am entferntesten Ende des Landes einen Widerhall gefunden haben. Ich ersuche die Herren Commissarien um ihre etwaigen weiteren Mit­theilungen.

Domänenpräsident Vollpracht: Der verehrlichen Versammlung habe ich die Mittheilung zu machen, daß zur Erfüllung der pos. 3 der gedruckten Proclamation enthaltenen Zusicherung Seine Hoheit der Herzog sich an die Spitze gestellt haben, um mit den übrigen deutschen Regierungen die möglichst baldige Errichtung eines deutschen Parla­ments herbeizuführen.

Präsident Hergcnhahn: Wir können diesen weiteren Schritt Seiner Hoheit zur Erfüllung seiner Zusicherungen nur mit tiefstem Danke anerkennen, »ein Name wird in der deutschen Geschichte glän­zen. Unser Herzog ist der erste deutsche Fürst, der den Weg betreten hat, auf welchem die deutsche Nation zu der Größe gelangen wird, zu welcher sie von Gott berufen ist. Die Commission für Bearbeitung des Wahlgesetzes ersuche ich, sobald wie möglich zusammen zu treten. Es ist von höchster Wichtigkeit, daß der Gegenstand soviel wie möglich beschleunigt wird. Sobald das Wahlgesetz zur Berathung femmen kann, werde ich der Versammlung Nachricht geben. Bis dahin werden wir zu einer Zusammenkunft keine Veranlassung haben. Ich schließe damit die heutige Sitzung.

^- Wiesbaden, 12. März. (Was wird Preuße» thun?) Vincke, der ächt deutsche Mann, der, mit seinem Freunde Stein v. Altenstein aus Nassau's edlen Geschlechtern, von Napoleon gefürchtet und geächtet wurde, starb für Deutsch­lands für Prenßen's politische Freiheit leider zu frühe. Preußen's König bedarf setzt mehr denn fe solcher Männer, um seinem für politische Freiheit reifen Volke alle Garanticen der constitutionellen Staasverfassung, ohne irgend einen Rück­halt, freiwillig zu geben. Werden solche nicht freiwillig gegeben den unter Preußen's König noch vereinigten ächt deutschen Stämmen der Rheinländer, Westphalen, Sachsen, Schlesier, Ostpreußen und Pommern, so werden sie vom Volke, was hinter seinen deutschen Bruderstämmen nicht Zurückbleiben kann, genommen. Doch hat uns Preußen's erstes Reichsparlament im vorigen Jahre gezeigt, was Deutsch­land von den Männern der unausbleiblich alsbald einzube-- rufenden Ständeversammlung in Preußen zu erwarten hat. Vincke (der würdige Sohn des Alten), Auerswald, Beckerath, Hansemann, Mevissen, von der Heydt, Camphausen, Schwe­rin, die Führer der Opposition des vorigen Reichstags, werden voranstehen. An den Ufern der Spree werden zu Friedrich Wilhelm IV. in männlicher deutscher Weise alsbald Worte gesprochen werden, wie sie Deutschlands Volksmänner würdig sind. Der Pakt des Volkes mit seinem Fürsten ist bereits besiegelt in Baden, Nassau, Württemberg, Homburg, Hessen und Bayern, und der edle Hohenzollern auf Preußen's Thron wird nicht zögern, dem großen Vaterlande seine 15 Millio­nen, auf welche die westlichen Bruderstäinme mit Vertrauen blicken, zuzuführen. Die Freiheit liegt in der Wagschaale des mündigen deutschen Volkes sie wiegt schwer; die Schaale des Volkes sinkt, nnd wer könnte es glauben, daß noch ein deutscher Fürst den Wahn festhalten wollte, er könne mit

(Siehe den Verfolg in der Beilage.)

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich. Verantwortlicher Redacteur : W. Friedrich.