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Nr. 1.

M g/saui sch e Zeitung.

/ Freiheit, Wahrheit und Recht!

L' ' Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

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Wiesbaden, LZ. März 1S18*

DieNassauische Zeitung" mit ihrem ®c(HatteDiirgerhiatt für Anterhaltung und Literatur" erscheint täglich. Der Preis eines Vierteljahres ist für Wiesbaden fl. 1. 45 kr. Die Monate Mär; bis Juni werden ebenfalls zu demselben Preis abgegeben. Man abonnirt in Wiesbaden in der Expedition am Friedriche platz. Für Auswärts nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhältnißmäßiger Preiserhöhung.

Vorwort.

Äre belebenden Strahlen der Sonne des 2. März, an welchem hehren Tage dem Nassauischen Stamme des deutschen Volkes die Presse frei gegeben wurde, durchglühten auch uns elektrisch, und wir würden mit diesem Tage unsere erste Nummer begonnen haben, wenn uns dieses vergönnt gewesen wäre. In den Tagen, wo die Pressen unseres Heimatlandes rüstig wirken konnten für das Volk, waren durch obschwebende Hindernisse die unsrigen zum Stillstand verdammt. Die Freiheit, welche am 4. März den Nassauern durch ihren hochherzigen, edlen Herzog verbürgt wurde durch Worte, welche in Aller Brust noch lange widerhallcn und nie vergessen werden, brach sich auch Bahn in allen Regionen des Staats und mit ihr erhielten auch wir die Freiheit, zu erstehen.

^ Was wMmSftt?,.. Auch uns liegt die Drage- von dem Ernst und de r £ebend igm' t unsc res Strebens ergriffen, auf der Zunge; wir wollen sie nicht unter­drücken, sondern beantworten. Was wir wollen, steht auf unserem Schilde, was wir können, dessen sind wir uns vollkommen bewußt. Ein freies deut­sches Bürgerblatt, welches nach unendlichen Käm­pfen im nachbarlichen Lande unter der Eensur verbluten mußte, ist zu Grabe getragen. Wir tragen seine alten Feldbinden an unserem neuen Panier, wir wollen mit neuen Waffen, mit neuer, festgeschlossener Rüstung seinen Zielen nachstreben voll alter Liebe und Hoffnungsfreudigkeit. Für den Namen, den es seit seinem Beginne rein, glänzend und bewußt in dem Herzen trug, dürfen wir nun, da uns vor Allem die glückliche Wendung der Dinge in Nassau Bahn gebrochen und wir zunächst deren Ziele zu verfolgen streben, offen einen anderen in unser Banner sticken: Nassauische Zeitung, und glau­ben mit diesen Worten Alles-gesagt zu haben, was wir für unsere innerste Bestimmung erkennen. Wie jenes es war, wollen auch wir ein Organ des Bürgerthums sein wir sagen mit Absicht nicht: des Bürgerstandes, weil der Stand an einen Kasten­unterschied erinnert, und unsere Auffassung des Bür- gerthums eine viel weitere ist, die keinen Stände- unterschied kennt, des gebildeten Kerns im Volke, der als seinen ersten Beruf sein Staatsbürgerthum,

sein Leben und Weben mit dem Staate ansieht. Mit diesem Bürgerthum wollen wir in die innigste Wech­selbeziehung treten, unsere Worte, Alles, wodurch wir über die gesammten Lebensäußerungen der großen Gegenwart auf den Gebieten der Politik, des indu­striellen, merkantilen, literarischen Fortschrittes berichten, sollen nur diesem Bürgerthum gelten, sie sollen die Vorkämpfer und Träger seiner Interessen, seiner nächsten, wie seiner heiligsten, sein. Der Standpunkt der Nassauischen Zeitung ist der nationale, nicht im Sinne einer Partei, eines Stammes, sondern in der schönsten umfassendsten Be­deutung dieses Wortes. Die Idee eines gemeinsamen, freien deutschen Vaterlandes, stark, mächtig und ab­geschlossen durch ein volksthümliches Parlament gegen Außen, glücklich und ohne trennende Schrän­ker» im Innern, ist es, welche als rothe, warme Lebensader in jede Aeußerung, in die Auffassung jeder einzelnen Erscheinung' strömt; sie ist zugleich das Ner­vengeflecht, welches seine Verzweigung und sein freies Geäder in den Naum eines jeden Aufsatzes erstreckt und ewig, wie die reizbaren Nerven des Menschen­leibes, zuckt und bebt vor Zorn oder vor Lust, vor schmerzlicher oder freudiger Erregung von Außen; und die freudige, stolze Hoffnung eines solchen Vater­landes endlich ist es, welche als Oriflamme dem Zug, den fortrückenden Reihen unserer Gedanken vorschwebt. Vor Allem aber werden wir den Vollzug und die Fortbildung der durch den erhabenen Willen unseres Herzogs für unser nächstes Vaterland Nassau be­schlossenen Reformen zu erstreben und zu fördern suchen.

Dies ist es, was wir wollen und was wir können. Kräftig, lebendig, offen, freimüthig, ohne Rücksichten und ohne einen Rückhalt, die Dinge bei dem Namen nennend, Nichts bemäntelnd und unsere Gesinnung nirgends verbergend, wird unser Blatt im Morgenröthe der Freiheit dem angebrochenen großen Tag für Deutschlands Einheit, einer neuen, großen Zeit zustreben. Wir sind überzeugt, daß das deutsche Volk, das deutsche Bürgerthum in seinem vollsten Sinne, und insbesondere die Bürger unseres deutschen Gaues, empfänglich für jedes ernste und bewußte Stre­ben, dieses Organ ihres öffentlichen Lebens, nicht ohne die thatsächlichste Theilnahme lassen werden.

Die Redaction.