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„âeiheit und Recht!"
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Wiesbaden Sonntag, 14. Dezember
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Schon ost, und namentlich wieder in der neuesten Zeit, haben wir die Erfahrung machen müssen, daß der ^Freien Zeitung" in auswärtigen deutschen Staaten der Zutritt sehr erschwert worden ist, einzig aus diesem Grunde, weil sie eben , Freie Zeitung" heißt. So theuer uns nun auch dieser Name und wiewol wir wissen, daß er vielen Freunden als ein Denkstein an eine hoffnungsreiche Vergangenheit werth ist, so glauben wir doch von denselben nicht mißgedentet zu werden, wenn wir, dem eisernen Drang dec Verhältnisse Raum gebend und bedeutsamer Gründe in Berücksichtigung ziehend, für unsere Zeitung den bisherigen Namen vom 15. d. M. an fallen lassen, und statt dessen dieselbe
„Mittelrheinifche Zeitung"
nennen. — Wir hoffen mit Zuversicht, alle Freunde der „Freien Zeitung" werden nach Möglichkeit die Mittelrheinifche Zeitung" unterstützen, wie wir ebenfalls alles aufbieten werden, uns der Freundschaft und Achtung, welche sie uns bisher erwiesen haben, auch ferner würdig zu zeigen. Verantwortlicher Verleger: C. Ritter*
NB. Diejenigen, welche noch im Laufe dieses Monats für'S nächste Quartal auf unsere Zeitung abonniren, erhalten diese vom Tage der Bestellung an gratis. Wir bitten die verehrlichen Postanstalten, dieses gefälligst zu berücksichtigen.
Die Feinde der Gesellschaft.
w Die französische Negierung beschönigt ihre Ge- walrstreiche und Ausnahmcmaßiegeln mit dem Grunde: es gelte „den Feinden der Gesellschaft!" Und die amtliche „Wiener Zeitung" vom 4. Dez. hat den Staatsstreich in die Solidarität der konservativen Interessen hlneiugezogen. Was die konservativen Interessen von der französischen Krisis zu erwarten haben, suchten wir in unserm Leitartikel: „Der glückliche Sieger und seine Lobredner" anzudeuten. Die neueste Berliner „Nat.- Ztg." bringt einen Artikel, der als Ergänzung zu unserer Entwicklung gelten kann; sie zeigt, daß die Feinde der Gesellschaft gerade diejenigen sind, die jetzt als Bundesgenossen den konservativen Regierungen zur Rettung der bürgerlichen Gesellschaft empfohlen werden.
,^Die amtliche „Wiener Zeitung", bemerkt die „Nat.- Ztg.", „muß.ganz vergessen haben, daß Louis Napoleon nach dem Cover, den die Kabinette der Großmächte als höchste Autorität ausstellen, nach den Verträgen von 1815, auf immer für einen Feind der europäischen Gesellschaft erklärt ist — ebenso wie im vorigen Jahrhundert die Jesuiten, die einzigen, die bis jetzt durch den Großsakristan Montalembert sich offen für seine Bundesgenossen erklärt haben, von einer ebenfalls diplomatisch anerkannten Autorität, von dem päpstlichen Stuhle, für die Feinde der Christenheit erklärt waren. Wenn die „Wiener Zeitung" es vergessen hat, so wollen wir sie daran erinnern. Es ist am 20. November 1815 zwischen Preußen, Oesterreich, Großbritannien und Rußla, b zu Paris ein Traktat geschlossen — er steht in der preußischen Gesetzsammlung von 1816 Seite 65 —, dessen zweiter Artikel so lautet: „Da die hohen kontrahirenden Mächte sich in den jetzt beendigten Krieg eingelassen haben, um die für die Sicherheit und die Woylfahrt von Europa zu Paris im vergangenen Jahre beschlossenen Anordnungen unverletzt zu eihalten, so haben Sie zweckdienlich erachtet durch die gegenwärtige Akte sowohl diese Anordnungen überhaupt ...... als ganz besonders , diejenigen Anordnungen zu erneuern und als wechselseitig ve:pflichtend zu bestätigen, durch welche Napoleon Bo. naparte und seine Familie in Folge des Vertrags vom 11. April 1814 von der höchsten Gewalt für immer ausgeschlossen sind; welche Ausschließung in voller Kraft und nöthigenfalls mit Anwendung Ihrer Macht aufrecht zu erhalten, die hohen Kontrahenten sich durch die gegenwärtige Akte nochmals ausdrücklich verpflichten." Auffallend bleibt es jedenfalls, daß ein Mitglied der Familie Bonaparte, welche von dem Rath der europäischen Amphiktionen als „ein der Ruhe der Staaten verderbliches, heimtückisches, von gewissenloser «Selbstsucht, von Rachsucht und Grausamkeit, von einem erblichen dämonische» bösen Geist besessenes Geschlecht," gleich den Borgias, den Stuarts u. a, 1815 öffentlich verfehmt wurde, 1851 der gejammten europäischen Oednungspartei als Rettuugsengel von einem amtlichen Blatt einer der Regierungen vorgestellt wird, die den Vertrag von 1815 abgeschlossen haben. Mit Erstaunen haben wir daher von der konservativen Seite des Staatsstreichs und von den Vortheilen, welche der gesummten europäischen OrbnungSpartei durch Loms Napoleon in Anssicht ständen, gehört.
„General Cavaignac versuchte, als die Abstimmung gegen, ihn ausgefallen war, keinen Staatsstieich; er fegte seine Gewalt am 20. Dezember 848 nieder. „Das Benehmen des ehrenwerthen General Cavaignac — sagt Louis Napoleon an demselben 20. Dezember, als er den Eid auf die Verfassung vor der Nationa- versammlung geleistet und aus Cavaignac ö Handen die Gewalt übernommen — „ist der Aufrichtigkeit seines Charakters und des Pflichtgefühls würdig gewesen, das die erste Eigenschaft des Oberhauptes eine». Staates ist." „Bürger-Repräsentanten" — begann
Louis Napoleon seine Rede — „die Stimmen der Nation und der Eid, den ich so eben geleistet, schreiben mir mein künftiges Benehmen vor. Meine Pflicht ist mir vorgezeichnet; ich werde sie als ein Mann von Ehre erfüllen. Ich werde Feinde des Vaterlandes in allen denen erblicken, welche versuchen möchten, auf ungesetzlichem Wege das zu ändern, was ganz Frankreich eingesetzt hat." Das Beispiel war gegeben — und das bleibt der Ruhm Cavaignac's — daß in Frankreich Jemand an die Spitze der Regierung stehen und zurücktreten konnte, wenn seine Zeit um war und daS Volk einen andern berief. Das war das eine; das zweite war, daß die Abstimmung Nach dem allgemeinen Stimmrecht dreimal in vollster Ruhe vor sich gegangen und ein anerkannt konservatives, nur zu konservatives Resultat gegeben hatte. Ohne Louis Napoleons verbrecherischen Ehrgeiz, ohne die maul- wurfsartige Unterwühlung der Verfassung durch die Anhänger der wegen Verfassungsbruchs gestürzten Dy- nastleen, ohne das Gesetz vom 31. Mai, wäre 1852 keine Katastrophe zu fürchten gewesen, hätte man nicht nach „Lösungen" zu suchen brauchen. Die Wahl eines neuen Präsidenten und einer neuen Versammlung nach dem allgemeinen Stimmt echt im Mai 1852 — das war die einfache, legale und loyale, ruhige und friedliche, Frankreich und ganz Europa vor Erschütterungen sicher stellende Lösung; das war die, wie, denken wir, Angesichts der Greuelscenen, welche das usurpatorische Attentat des entsetzten Präsidenten Her- vorgerufen hat, nun Jedermann wird einräumen müssen, einzige konservative Lösung. Jever, der dazu gethan hat, diese koniervative Lösung zu hindern, ist mitschuldig an dem Blute, das in Frankreich fließt, mitschuldig, eine neue verpängnißvolle Erschütterung yervorgerufen zu haben. Durch die Gesetze vom 22. Januar 1815 und 10. April 1832 waren alle Napoleoniven aus Frankreich verbannt; das Gesetz der Juliregierung schloß alle Glieder des älteren Zweiges der Bourbonen vom französischen Boden aus; am 17. Mai 1848 dekretirte die Nationalversammlung: „Das Gebiet Frankreichs und seiner Kolonien bleibt den Bourbonen alter und neuer Linie, insbesondere dem Erkönig Louis Philipp und seiner Familie auf iminer verboten." Die Verbannung der Napoleoniven aus Frankreich ist in der Republik, die unmittelbar nach der Februarrevolution die Todesstrafe abschaffte, die vertrauend und versöhnend auftrat, aufgehoben. Ohne die Eifersüchteleien der Legitimisten und Orleamsten gegen einander, ohne den Einfluß der Bonapartisten, wäre auch die Verbannung der Bourbonen beider Linien aufgehoben worden. Frankreich ist niemals so wenig erclusiv gewesen, als nach der Februarrevolution; es wollte nirgends Feinde haben; eö glaubte, ein auf das allgemeine Stimmrecht basirter Grundvertrag mache Ausnahmemaßregeln entbehrlich. Auch die Jesuiten fanden Zulassung und mehr Freiheit als sie je gehabt hatten! Auch die Jesuiten waren schon einmal von einer offiziellen Autorität für die wahren Feinde der Gesellschaft erklärt. Die Bulle Clemens XIV. vom 21. Juni 1773, Dominus ac Redemptor noster nach den Ansangswor- ten genannt, bemerkte, wie die Fürsten eingesehe», daß kein Mittel dauerhaft und zur Beruhigung der ganzen christlichen Welt hinreichend fä, wenn nicht die Gesellschaft der Jesuiten gänzlich unterdrückt und aufgehoben würde, und sprach, um die Ruhe und den Frieden der Christenheit zu erhalten., die Aufhebung der Gesellschaft aus. Rußland war es, das sich zuerst der Jesuiten annahm; auf Kaiser Paul's Wunsch stellte Papst Pius VII. durch eine Bulle vom 7. März 1801 die Jesuiten für Rußland wieder her, und ein paar Jahre darauf erbat sich der König von Neapel für seine Staaten dieselbe Gunst, „da es in den unglücklichen Zeiten für vorzüglich rathsam erachtet worden, sich der Gesellschaft Jesu zu bedienen, nm die Jugend in der Frömmigkeit und Fmcht Gottes zu unterweisen."
Durch die Bulle vom 7. August 1814 erfolgte die Wiederherstellung der Je>uite» allgemein. Gleichsam um an dem eben gestürzten Napoleon, der auch den Papst sich unterworfen, Rache zu nehmen, war es die erste Sorge Pius VII., der Gesellschaft, die so eben eines Feindes erledigt worden, einen andern wieder zu erwecken. Pius VII. stellte die Jesuiten her, als erwarte er von ihnen die Rettung der Gesellschaft; nannte sie „ein heilsames Hülfsmittel", das Gott der Herr darreiche inmitten so dringender Bedürfnisse, unter denen die öffentliche Sache leidet; er nannte sie „die erfahrenen und muthvollen Arbeiter", die sich dirböten, „um die Wogen des Meeres zu brechen, die jeden Augenblick Sch ffbruch und Verderben drohen." Schon 1820 mußte in russischer Ukas „die erfahrenen und muth- vollen Arbeiter" für ewige Zeiten aus Rußland vertreiben und ihnen sagen: „Alle Bestrebungen der Jesuiten haben nur ihren eigenen Vortheil und die Verbreitung ihrer Macht zum Ziele und ihr Gewissen findet bei jeder ungesetzlichen Handlung eine bequeme Rechtfertigung in ihren Statuten." Seit 1848 sind in Europa neue Erfahrungen mit den alten Feinden der Gesellschaft, den Jesuiten gemacht; weil die Freiheit wurde ausgeschlossen, und die Jesuiten blieben und erhielten immer mehr Raum für ihre Wühlerei. LouiS Napoleon, der Repräsentant der 1815 von den Großmächten alS Feind der Gesellschaft verfehmten Familie; verbündete sich mit der von 1773 bis 1814 als Feinde der Christenheit verfehmt gewesenen Gesellschaft. Montalembert, unter der Juliregierung ein liberalisirenver Oppositionspair, war fein Rathgeber vor dem 2. De^. und steht ihm auch nach dem 2. Dezember zur Seite. Haben nicht die Dominus ac Redemptor noster und der Vertrag vom 20. Nvvbr. 1815 beide darin Recht gehabt, daß die Napoleoniven und Jesmleu für Feinde der Gesellschaft erklärten? Haben nicht beide letzteren alles gethan, um den Beweis zu liefern, daß in Bezug auf sie jene beiden Autoritäten auf dem richtigen Wege gewesen? > Paßt nicht, was der russische Czar 1820 den Einen nachfagte, auch auf den Andern? Haben nicht alle ihre Bestrebungen nur „ihre eigenen Vortheile uno die Verbreitung ihrer Macht" zum Ziele; findet nicht ihr „Gewissen bei jeder ungesetzlichen Handlung eine bequeme Rechtfertigung" in ihren Familien» travitionen?
„Man sucht die Feinde der Gesellschaft. Die gr wissen! oje Selbstsucht, die felbstj üchtig»-' Gewissenlosigkeit — daS sind die Feinde derGe* seUschaft."
Die französische Krisis und daS Ausland.
*△* Bom Rhein, 19. Dec Der jüngste französische Staatsstreich ist in unseren Augen ein Ereigniß, nicht daß uns derselbe unerwartet betroffen, sondern weil die Motive desselben paralell mit den Begebenheiten deS ersten Korsenhelden von fast gleicher Bedeutung sind. Wie der Gewaltstreich des ersten Usurpators jeder gesetzlichen Grundlage entbehrte und mit dein Umsturz aller bestehenden Rechte und mit der gänzlichen Unterwerfung aller vorhandenen Einzelstaaten und Einzelstäinme endete, um so seine eigene angemaßte souveräne Obermacht zur Geltung zu bringen; so wußte der jetzige Neffe schon frühe die Hauptbedingungen des Gelingens aller seiner Gewaltpläne und Gewattstreiche in der Geschicklichkeit und Behutsamkeit zu suchen, mit der es galt, sein eigenes Interesse zu sichern. Wie damals die Kabinette von dein ersten Gewalthaber sich täuschen ließen, wie damals Deutschland ohne Reichseinheit sich zum Schemel des Westens nieoerlegte, so wird auch heute wieder im Großen und Wesentlichen dasselbe geichehca, wenn der gegenwärtig ausgeführte Gewaltstreich nicht auf unüberwindliche Hindernisse, nicht auf eine übermächtige Gegenkraft stößt. Wie sich damals die alte