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âeihett und iUt%Üu

e^ 2NÄ Wiesbaden Samstag, 13. Dezember 1851.

Schon ost, und namentlich wieder in der neuesten Zeit, Haden wir die Erfahrung machen müssen, daß derFreien Zeitung" in aus­wärtigen deutschen Staaten der Zutritt sehr erschwert worden ist, einzig aus diesem Grunde, weil sie eben »Freie Zeitung" heißt. So theuer uns nun auch dieser Name und wiewol wir wissen, daß er vielen Freundeq als ein Denkstein an eine hoffnungsreiche Vergangenheit werth ist, so glauben wir doch von denselben nicht mißgedeutet zu werden, wenn wir, dem eisernen Drang der Verhältnisse Raum gebend und bedeutsamer Gründe in Berücksichtigung ziehend, für unsere Zeitung den bisherigen Namen vom 15. d. M. an fallen lassen, und statt dessen dieselbe

Mittelrheinifche Zeitung"

nennen. Wir hoffen mit Zuversicht, alle Freunde derFreien Zeitung" werden nach Möglichkeit dieMittelrheinifche Zeitung" unterstützen, wie wir ebenfalls alles aufbieten werden, uns der Freundschaft und Achtung, welche sie uns bisher erwiesen haben, auch ferner würdig zu zeigen. Verantwortlicher Verleger: C*. Hitler*

WB. Diejenigen, welche noch im Laufe dieses Monats für's nächste Quartal auf unsere Zeitung abonniren, erhalten dieselbe vom Tage der Bestellung an gratis. Wir bitten die verehrlichen Postanstalten, dieses gefälligst zu berücksichtigen.

Die Krisis in Frankreich.

* Wiesbaden, 12. Dez. Das erste der drakonischen Dekrete, durch welches die Gesellschaftgerettet" werden soll, ist erschienen. Es lautet:

Französische Republik. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!

Im Namen des französischen Volkes.

Der Präsident der Republik auf den Vorschlag des Ministers deS Innern : In Anbetracht, daß Frank­reich der Ordnung, der Arbeit und der Sicherheit be? darf; daß seit einer pi großen Zahl von Jahren die Gesellschaft beunruhigt und tief erschüttert ist durch die Machinationen der Anarchie, so wie durch die aufrüh- rischen Versuche der Mitglieder der geheimen Gesell­schaften und die entlassenen Sträflinge, welche stets be­reit sind, Werkzeuge der Unordnung zu werden; in Anbetracht, daß durch ihre beständigen Gewohnheiten der Widersetzlichkeit gegen die Gesetze diese Klasse Men­schen nicht nur die Ruhe, die Arbeit und die öffent­liche Ordnung gefährdet, sondern auch zu ungerechten Angriffen und bedauernSwerthen Verleumdungen gegen die gesunde Arbeiter-Bevölkerung von Paris und Lyon ermächtigt; in Anbetracht, daß die gegenwärtige Gesetzgebung unzureichend und daß es nöthig ist, Aen­derungen darin aiizubriiigeii, indem man die Pflichten der Menschlichkeit mit den Interessen der allgemeinen Sicherheit vereinigt, dekretirt:

Art. 1. Jedes unter die Ober-Aufsicht der hohen Polizei gestellte Individuum, das des Vergehens des Bannbruches schuldig erkannt wird, kann künftighin aus Rücksicht der allgemeinen Sicherheit in eine Straf- Kolonie Cayenne'S oder Algeriens transportirt werden. Die Dauer der Transportation wird mindestens 5 und höchstens 10 Jahre sein.

Art. 2. Dieselbe Maßregel ist anwendbar auf In­dividuen, die der Theilnahme an einer geheimen Ge­sellschaft schuldig erkannt sind.

Art. 3. Die Stellung unter die Aufsicht der hohen Polizei wird in Zukunft die Wirkung haben, daß sie der Regierung das Recht gibt, zu bestimmen, wo der Verurtyeilte nach erstandener Strafzeit wohnen muß.

Art. 4. Der Aufenthalt in Paris und dessen Weich­

bild ist allen unter die Aufsicht der hohen Polizei ge­stellten Individuen untersagt.

Art. 5. Die durch vorstehenden Artikel bezeichneten Individuen sind gehalten, Paris und das Weichbild binnen 10 Tagen nach Veröffentlichung deS gegenwär­tigen Dekrets zu verlassen, wenn sie nicht einen Auf­enthalts - Schein von der Verwaltung erhalten haben; denen, welche einen Schein zur Reise und Unterstützung verlangen, wird Beides verabreicht, und ihre Reise- Route bis zu ihrem Geburtsorte oder dem Orte, den sie bezeichnen, festgesetzt werden.

Art. 6. Im Falle der Uebertretung der in den Art. 4 und 5 des gegenwärtigen Dekrets enthaltenen Bestimmungen können die Zuwiderhandelnden, als all­gemeine Sicherheits-Maßregel, in eine Straf-Kolonie nach Cayenne oder Algerien gebracht werden.

Art. 7. Die kraft des gegenwärtigen Dekrets trans« portirten Individuen werden in der Strafanstalt zur Arbeit angehalten werden; sie werden ihrer bürger­lichen und politischen Rechte beraubt sein und der mi­litärischen Gerichtsbarkeit unterworfen werden; die mi­litärischen Gesetze finden auf sie Anwendung. Im Falle einer Entweichung aus der Strafanstalt werden die Transportirten zu einer Gefängnißstrafe uerui theilt, welche die Zeit ihrer Transportation nicht übersteigen kann. Sie werden der militärischen Mannszncht und Subordination gegen ihre militärischen oder Civilchrfs und Ausfeher während der Dauer der Gefangenschaft unterworfen.

Art. 8. Die Exekutivgewalt wird die Organisa­tion dieser Strafkolonien näher bestimmen.

Art. 9. Die Minister des Innern und deS Krie- ges sind mit der Ausführung des gegenwärtigen Dekrets beauftragt.

Gegeben zu Paris im Elysee-National, nach An­hörung des Ministerialrathes, am 8. Dezember 1851.

Ludwig Napoleon Bonaparte.

Der Minister des Innern: de Morny."

Sehr charakteristisch für die Sachlage ist es, daß dasUnivers" in einem von L. Leuillot unterzeichneten solchen Artikel zu Sch eckensmaßregeln drängt. Seuillot, derselbe Mann , welcher bedauerte, daß Luther nicht gleich Hnß verbrannt worden und daß sich kein Fürst gefunden, der gottechürchlig genug sei, einen neuen Kreuzzug gegen die Ketzer anzufangen, glaubt jetzt sei­

nen Mann gefunden zu haben. Daher ist er der Ansicht, daß die Besiegung des Socialismus jetzt voll­bracht fei und die Unzufriedenheit der übrigen Parteien nicht lange dauern werde,da alle socialen Interessen in Gefahr seien." Der Socialisinus besiegt und doch alle socialen Interessen in Gefahr? Unter social ist hier klerikal zu verstehen! Der Schluß dieses Auf­rufes an die Freunde und Genossen desU nvers" lautet: Wir begreifen in diesen Zeiten weder den Stolz, noch die Klugheit, welche warten, um eine Partei zu ergrei­fen, um einen Heirn zu grüßen. Jetzt, wo die Sache entichieden ist und Frankreich das Geschehene annimmt, übernehmen wir wieder die Rolle, die unS die Lage auferlegt. Wir sind weit davon entfernt, die Regie­rung wegen des von ihr verlangten Stillschweigens ju tadeln. In diesem Augenblicke würde sie keineswegs durch die Polemik der Journale aufgeklärt werden: daS, was sie zu wissen nöthig hat, wird sie viel besser er­fahren durch die Männer, die sie in ihren Rath be­rufen, ^und worin w t r mit dem größten Vergnügen den außerordentlichen Vertheidiger der katholischen Sache und einige unserer anderen Freunde sehen. Wir, wir haben eine ganz besondere Mission! Wir sind weder Sieger, noch Besiegte, noch Unzufriedene. Wir haben nichts zu sagen, wenn nichts von dem, was wir über Alles lieben, angegriffen oder bedroht ist. Wir sehen die Ereignisse vorübergehen. Niemals werden sie der christlichen Einsicht größere und tröst­lichere Lehren darbieten."

Unter der Mitwirkung desaußerodentlichen Verthei­digers der katholischen Sache", (Montalembert) ent­wickelt sich ein System, das nur zu sehr an die Zu­stände in Spanien unter dem siebenten Ferdinand und dem jetzigen König von Neapel erinnert. Louis Bo­naparte scheint nur mit Widerstrebe« auf dieses System einzugehtn; indeß scheint die Furcht vor denWüthen- den" (furieux) bei ihm mehr und mehr Nachgiebigkeit gegen dietröstlichen Lepren" der Terroristen zu bewirken.

DieKöln. Ztg." meldet, daß der preußische und der rwssche Gesandte dem Präsidenten zu seinem heroischen Entschlusse" Glück gewünscht haben; Pal­merston dagegen solle ein Schreiben im entgegengesetz­ten Sinne an den Präsidenten gerichtet haben. Der Empfang im Elysee am Abend des 8. Dec. war sehr glänzend: das ganze diplomatische Korps, über 100 ehemalige Repräsentanten und über 100 Generäle und

Die Epidemie des KlavierfpielS.

H. Hierüber hier Einiges von Damenhand, daS, wenn auch schon vor mehren Jahren geschrieben, doch noch zeitgemäß ist:

Stellen wir uns unter Tonkunst einen schönen Baum vor. Wenn die Wurzeln die Kirchen-, der Stamm die Opern- und die Zweige mit Laubwerk die Kammermusik bedeuten, so wären die Raupen, die alle Blüthen zernagen, wohl mit dem Heere der Pianisten und Klavier Componisten zu vergleichen. ^Daö Klavier- spielen ist die Krankheit der Musik, an der sie nun beinahe ein viertel Jahrhundert leidet. Die Regierungen soll­ten unberufene Klavierspieler mit Steuern belasten. Diese trugen der Krone mehr ein, als Weg- und und Waarenzölle insgesammt, und zugleich träte die Polizei als Mäcenin der Kunst und als Beschützerin der leidenden Menschheit auf, denn wer litte jetzt nicht unter dem Drucke der despotischen zehn Finger? Wer zuerst gesagt hat, Musik sei ein Bildungsmittel für die Jugend, hat nicht daran gedacht, wie sehr dar­auf losge,ündigt würde; denn sich darauf stützend, un­terliegen Tausende der ^gröbsten Selbsttäuschung. ES geht mit diesem Bildungsmittel, wie mit den Eisen­bahnen: ein Jever macht sich weiß, seine persönliche Gegenwart sei da und dort unumgänglich nothwendig, während-das Amüsement doch häufig die geheime Trieb­

feder bleibt. Jetzt aber ist Musik und Klavierspiel, Musiker und Pianist völlig synonym geworden, und daS sogenannte Bildungsmittel besteht lediglich nur in der Profanirung des Klavierspiels, das in den letzte» 25 Jahren ganz von seiner edeln Bedeutung Herabgekom« men ist. Ich rede hier nicht von den Koryphäen, Ma­tadoren, Hohenpriestern, Phänomenen und OrdenS- männern des Pianospiels, welche uns mit ihren Wun­dern in die Segenzeit der mythischen Tonkünstler ver­setzen; sie mögen es einst vor dem Throne der ewigen Wahrheit verantworten, was sie aus der Kunst und gewissermaßen aus unserer Zeit gemacht haben. Je­denfalls paßt der Name Pianist nicht mehr für sie; fix sollen Fortisten heißen. Ich rede hier von einer gänz­lich irre geleiteten Jugend, welche ihre Zeit besser be­nutzen könnte, als par ordre du Mufti täglich so viele Stunden lang ihre Finger in Zwangsjacken zu stecken und sie nützlicheren Geschäften zu entziehen. Es wäre etwas Anderes, wenn diese Jugend durch ein soliveS Studium der musikalischen Claisiker und ihrer Geschichte zu einem guten Geschmacke, zu einem richtigen Urtheile und zu einer schönen Begeisterung geleitet würde dann Hut ab, so tief es geht, denn dann wäre daS Bil- dungsmittel freilich gegeben; aber was geschieht? Die Jugend verschwendet ihre kostbarste Zeit an den seich­testen Gelegenheitsfabrikaten, die nicht einmal Originale sind, und für unsere deutschen Söhne und Töchter hin. ter dem Rhein oder den Alpen ausgesucht werden müssen,

wenn sie die talentarmen Raubthiere, von denen sich jede Musikhandlung eines oder mehrere hält, anziehen sollen. Rossini und Bellini sind bereits ansgebeutet worden, dafür erscheinen jetzt der phönirreiche Ander, der unvermeidliche Donizetti auf dem Kampfplatze in tausendfältig gestirnten Kaleivoskopbildern. Wo ist eine Melodie, die nicht, ein Paar dutzendmal umschrieben, Ohr oder Füße reizend, auS allen Stockwerken heraus« klimperte? wo irgend ein hervorstechender Gedanke, welcher nicht gleich direkt nach der Geburt aufgefangen in Quadrillen und Polka's aufgelöst wird ? Ich möchte wohl wissen, wie viel Hunderte von Bastarden die Regimentstochter allein mit diesen räuberischen Flibu- striern gezeugt hat, denen man zur Schmach deutscher Tonkunst das Bürgerrecht an den Hals wirft. Es fehlt nur noch, daß man Chorale von Luther oder Melo­dien aus Messen zu Parademärschen arrangirt, oder nach Requiscat-Galopaden Variationen schmiedet. Wenn z. B. bei einem Festzuge zur Jubelfeier der protestan­tischen Kirche der Choral:Eine feste Burg ist unser Gott!" auf diese Weise verwendet würde, so wäre dies am Ende nicht so ganz unverantwortlich. Schlimmer istS, Yintendrum versichert zu werden, es sei bei der Gelegenheit ein schöner Marsch aus den Hugenot­ten gespielt worden. Ich spreche von Thatsachen. Schulen und Methoden, auf lascive Opernweisen basirt, eristiren bereits zur Genüge. Kurz, die heilige Musik gleicht jetzt einem einzigen Universal-Tanz, nud daS