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J^. 29^5 Wiesbaden Donnerstag, II Dezember 1S51*

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Schon oft, und namentlich wieder in der neuesten Zeit, haben wir die Erfahrung machen müssen, daß dec freien Zeitung* in aus- wârtigen deutschen Staaten der Zutritt sehr erschwert worden ist, einzig aus diesem Grunde, weil sie eben »Freie Zeitung* heißt. So theuer uns nun auch dieser Name und wiewot wir wissen, daß er vielen Freunden als ein Denkstein an eine hoffnungsreiche Vergangenheit werth ist, so glauben wir doch von denselben nicht mißgedeutet zu werden, wenn wir, dem eisernen Drang der Verhältnisse Raum gebend und bedeutsamer Grüude in Berücksichtigung ziehend, für unsere Zeitung den bisherigen Namen vom 15. d. M. an fallen lassen, und statt dessen Dieselbe

Mittelrheinische Zeitung"

nennen.- Wir hoffen mit Zuversicht, alle Freunde der »Freien Zeitung* werden nach Möglichkeit die »Mittelrheinische Zeitung* unterstützen, wie wir ebenfalls alles aufbieten werden, uns der Freundschaft und Achtung, welche sie uns bisher erwiesen haben, auch ferner würdig zu zeigen. Verantwortlicher Verleger: C'. Mitter.

WB. Diejenigen, welche noch im Laufe dieses Monats für's nächste Quartal auf unsere Zeitung abonniren, erhalten dieselbe vom Tage der Bestellung an gratis. Wir bitten die verehrlichen Postanstalten, dieses gefälligst zu berücksichtigen.

Die Krists in Frankreich.

K Wiesbaden, 10 Dez. Morgens. Der Kampf mit den Waffen ist in Frankreich als beendigt zu be­trachten, nämlich für den Augenblick, obgleich vieMon« tagsdepeschen melden, daß neuerdings wieder mehre Departements in Belagerungszu­stand erklärt wurden. In die gefährlichsten De­partements ist Carlier geeilt, ein Beweis, daß die Männer derOrdnung um jeden Preis" entschlossen sind, mit dem glücklichen Sieger zu gehen. I». dem Berichte, worin der Kriegsminister dem Präfekten die Dekrete gegen die Departements desAllier" und der Saone und Loire" zuschicke, heißt es über den dorti­gen Stand der Dinge:

Es sind auf verschiedenen Punkten der Departements Allier und Saone-et-Loire Unruhen ausgebrochen. Auf- rührische Banden haben mehrere Cantone des Allier durchzogen und die Stadt La Palisse mit Gewalt ein­genommen. Bewaffnete Angriffe sind gegen die Gens- d'armerie gerichtet worden und mehrere Gensd'armen sind in der Erfüllung ihrer Pflicht gefallen. Zu Tournus haben die Aufständischen trotz des Widerstan­des der Gensv'armerie und der Ortsbehö-den sich des Nathhauses bemeistert; ziemlich ernste Ruhestörungen haben auf anderen Punkten des Saone-et-Loire-Depar» tements Statt gefunden, insbesondere im Arrondissement Chalons-sur-Saone. Es ist dringend nöthig, schnelle und kräftige Maßregeln zu ergreifen, um diese Keime des Aufstandes zu vernichten. Zu diesem Zwecke habe ich die Ehre, Ihnen zwei Dccrete zur Versetzung der Departement Allier und Saone-ct-Loire in Belageruugs- Zustand vorzulegen. (Das erstere war bereits durch den Präfecten in Belagerungs-Zustand erklärt worden)."

Aber welche Maßregeln ergreift man, um die Erneute in den Ideen zu besiegen und die allge­meine Abstimmung zu Gunsten des Diktators zu sichern? Wendet man versöhnende Mittel an? Zeigt man den Willen, die Freiheit des Votums zu schützen? Achtet man die öffentliche Meinung? Die Thatsachen, die uns heute vorliegen, geben die beste Antwort. Der Minister des Innern schrib am 5. Dezember, Abends 10 Uhr, dem Polizeipräfekten von Paris:Der Auf­stand ist vernichtet. Die Demagogen sind in völliger

Zerrüttung; diejenigen, welche der gerechten Entrüstung unserer Soldaten entkommen sind, suchen ihr Heil in der Flucht. Die Hingebung und Begeisterung der Armee war bewundernswerth; Dank ihrem Muthe ist Paris von den Barbaren befreit und Frankreich ist gerettet." Ist Vas eine kluge und versöhnliche Sprache? Alle amtlichen Berichte stelle» als unzwei­felhaft heraus, daß die Arbeiterbevölkerung sich nicht am Kampfe betheiligt hat, wer sind denn also die Barbaren"?

Die Gassendemagogie hat allerdings bei den Barrikaden eine Rolle gespielt, von legitimistischer Seite soll aller­dings Geld zum Barrikadenkämpfe unter den Aiiskehricht der Bevölkerung vertheiltworden sein, doch die Demokra­ten und Sozialisten, welche etwas von Politik verstehen, haben mit Ausnahme einiger Hitzköpfe nicht im Feuer gestanden. Zeigt man diesen jetzt, wir wollen nicht sagen Vertrauen, sondern nur die gewöhnlichste Gerech­tigkeit und Billigkeit? In den Arbeitervierteln begeg­net man, wie derKöln. Ztg." geschrieben wird, noch immer ganzen Zügen von Verhafteten und noch immer halten die Stadtsergeanten jeden ihnen verdächtig er­scheinenden VorübergehenLkn an, um ihm die Taschen zu visitiren. Ist das Hug bei dem reizbaren Charakter der Franzosen? Man hat die Mehrzahl der gefangen genommenen Repräsentanten freigelaffnr; doch werden diese sich so leicht versöhnen lassen? Unter den Ar­beiter», die sich nicht beteiligten, macht man Razzias ; die Legitimisten, durch deren Agenten Gesindel zum Kampfe geworben wurde, läßt man frei! Fürchtet man sie oder glaubt man sie versöhnen zu können? Beides ist kein gutes Zeichen. Die Demissionen der in die Konsultativkommissio» Ernannten sind großen- theils zurückgenommen; Montalemberts Ueberredung und die Drohungen des Terrorismus haben dies Re­sultat erzeugt: aber ist eine erzwungene Kommission etwas werth? . Der Präsident hat zwei Dekrete erlas­sen, wovon das erste den Truppen jeden Dienst, wenn sie mit Waffengewalt auf irgend einem Punkte des französischen Gebietzur Wiederherstellung der Ord­nung" beitragen, als Feldzugsdienst anrechnet, während das zweite der katholischen Geistlichkeit gilt, indem das Pantheon als Kirche Ste. Genevieve dem Kultus zu­rückgegeben und die Ordonnanz vom 26. Aug. 1830 aufgehoben wird.

Hat die Regierung den Willen, die öffentliche Mei­nung zu hören? Die Franzosen haben der Preßfrei­heit wegen die Jiilirevolution gemacht; doch was ge­schieht jetzt ? Daß die Oppositionsblätter in den Tagen des Barrikadenkampfes suspendirt wurden, kann nie­mand auffallen, obwohl eine starke Regierung, welche aufrichtig das allgemeine Stimmrecht zu wollen erklärt, sofort nach diesem Momente der öffentlichen Meinung wieder die möglichste Freiheit gestatten mußte. Doch es ist eine Thatsache, daß die Abklatsche al­ler erscheinenden Blätter vor dem Drucke ins Ministerium des Innern geschickt wer­den müssen und es wird was wir zur Ehre dieses Blattes jedoch noch blos als Gerücht mittheile» wollen von konservativer Seite sogar gemel­det, daß Herr CuchevÄ-Clavigny vomConstitution- nel" den Censor macht!

Zu diesem Systeme paßt auch, daß die Korre­spondenten desMorning-Chronicle" und des Globe" wegen dergehässigsten und absurdesten Ber- läumdungen" Befehl erhalten haben, Frankreich z« verlassen und daß die genannten beide« englischen Blätter in Frankreich verboten sind! Noch mehr: ein Korrespondent derIndepen- dance" meldet, daß es im Werke sei, eine Scbei n- oppositionspreffe zu organisiern ; man wolle unterdrückte Oppositionsblätter, wieSiecle" undOrvre", genau im alten Format erscheine» lassen, worin Vonapar­tistische Schriftsteller eine unschädliche Diskussion er­öffneten , um die Pariser durch Scheingefechte zu unterhalten.Nicht durch solche kleine Manöver", setzt sehr wahr der Pariser Cor. hinzu,wird Louis Napoleon sich Vergeben und Vergessen sehr 6 geschickten und muthigen, doch alle Volksfreiheiten gefährdenden Staatsstreichs erwerben; nur dadurch, daß er Frankreich diese mit so vielem Blute und so langen Schicksalsfäl­len erkauften ersten Menschenrechte zurückgiebt, kann er unsern Sitten und Gewohnheiten seine Verwaltung akklimatisiren." Der Präsident, erkennt dieser Bericht­erstatter an, doch nur er allein, hat kaltes Blut behal­ten , doch im Elysee geht der Siegesjndel bis zum Rausche, wo nicht zum Wahnsinn (jusqaä Ieniv- rement sinon au vertige) Dies ist a 'er schwer­lich der Weg, derFrank- èichS Freiheit und Wohl­stand und Europa's Ruh." sichert, wie io manche

Ueberstchtliche Zusammenstellung der Re­sultate der diesjährigen Kunstausstellung in Wiesbaden.

Die am 15. Juli d. J. eröffnete größere Kunst­ausstellung hatte sich, mancher ungünstigen Einwirkun­gen ungeachtet, während ihrer sechswochentUchen Dauer, im Ganzen genommen eines ziemlich lebhaften Besu- chrs zu erfreuen. Denn die zahlreichen Besuche der Vereins-Mitglieder, welche freien Eintritt genossen, ab­gerechnet, wurde die Ausstellung von 1526 Personen besucht, was einen täglichen Eintritt von durchschnitt­lich nahe an 40 Personen bekundet, ein Erfolg, der selbst bedeutenderen Unternehmungen größerer Orte nicht nachstehen dürfte.

An Kunstgegenständen waren tm Ganzen 237 Nnm- inern zur Ausstellung eingeliefert worden, darunter 9 plastische Arbeiten, 1 Bleistift-Zeichnung, 3 Guache-, 6 Pastell- 2 Porzellan- und 12 Aquarell-Gemälde; Alles übrige waren Oelgemälde. Hierzu hatten 117 Künstler be, gesteuert, zum Theil ans weiterer Ferne, von Bremen, Berlin, Schwerin, Mailand, Chur; doch lie­ferten die beiden Brennpunkte der deutsche» Malere,, München und Düsseldorf, die an,ehnlichsten Bei­träge, jenes 34, diesks62Nummern; nächst diese» hatten Berlin und Kassel sich am stärksten beteiligt. ^on nassauischen Künstlern hatten 14 mit zusammen 4b

Bildern ihr Interesse an unserer Ausstellung kund ge­than, nämlich: Bildhauer Vogel in Wiesbaden 6 pla­stische Arbeiten, und die Maler: Herrmann in Dillen­burg 6 Gemälde, Schmitz in Biebrich 6, Jacobi in Wiesbaden 5, Diefenbach in Hadamar 4, Bau- mann in Rüdesheim 3, de Laspee in Wiesbaden 3, Voddiggel in Wiesbaden 3, Knaus, Portmann und Scheuer von Wiesbaden, jeder 2, Dovel in Weilbach 2, S i m ni l e r in Geisenheim I und v. Bracht in Wiesbaden 1.

Um einen Absatz der eingesandten Kunstwerke zu erleichtern, wurden folgende Wege eingeschlagen:

1) Der Nass. K u n st v e r e i n wählte daraus für seine am 26. Juli stattgehabte Jahresverloosung 8 Bilder, nämlich:

1) Das Schlößchen Ort, von Kalkreuth;

2) Holländische Lustpartie, von Schmitz;

3) Abend am Viei walkst. See, von Schmitz;

4) Hessemnädchen am Brunnen, von Pilliet;

5) Landschaft mit Thurm, von de Laspee;

6) Moorgegend, von Speugel;

7) Italienerin mit dem Kinde, von Hindelang;

8) Ein Koiack, von Monte», zusammen für 350 Gulden.

2) Für die Jahresverloosung von 1852 kaufte der K unstverein zum Voraus 4 Bll der, nämlich:

1) Erwartung, von Pläschke;

2) Seesturm, von Hünten;

3) Die Mühle, von Dallwig;

4) Bl an ken b. Fischer, von Mevius,

im Gesammtwerth von 264 Gulden.

3) Zn der am 10. September d. J. abgehaltenen für die Ausstellung eigens eingerichteten allgemeinen Verloosung wurden ausgewählt 11 Gegenstände, nämlich:

1) Motiv aus d. RmneSonnenberg, von deLaspee;

2) Die kleinen Reiter, von Wieschebrink;

3) Isenburg an der Sayn, von Minjon;

4) Kerkerscene, von Diefenbach;

6) Ein Bierwirth, von Klima;

7) Landschaft, von Scheuer;

8) u. 9) Zwei Gypsstatuetten, von Knaur;

10) Viehstück, von Simmler;

11) Winterlandichaft, von Otto, zusammen für 700 Golden.

Endlich wurden 4) an Liebhaber während twAn­stellung verkauft 5 Bilder, nämlich:

1) Die Weinprobe, von Rüstige;

2) Winterlandichaft, von Jans;

3) Walbbach, von de Laspee;

4) Küste bei Norwegen, von Kasekitz;

5) Norwegische Landschaft, von Duutze, im Werthe von 1042 Gulden.

Fassen wir die einzelnen Posten mitsammen, so er­gibt sich ein Gestammt-Absatz von 28 der ein gelieferten Kunstgegenstände, d. h. von beinahe dem achten Theil von allen, ein Resultat, das gewiß ein sehr betriebt-