Einzelbild herunterladen
 

âerherc nnd ikc§f!G g*'"1'* i"W->Hnuj»aL.Jiij.u.ujj..- I! ....... ..... ' ----luiL'.'Mi.wjaMMijuMWw ...... ,« ^^m-r. ............ . . .....

JVi. 202 Wiesbaden. Mirtwoeü, IO. Dezember MSI.

Schon oft, und namentlich wieder in der neuesten Zeit, haben wir die Erfahrung machen müssen, daß derFreien Zeitung" in aus­wärtigen deutschen Staaten der Zutritt sehr erschwert worden ist, einzig aus diesem Grunde, weil sie -eben Freie Zeitung" heißt. So theuer uns nun auch dieser Name und wkrwol wir wissen, daß er vielen Freunden als ein Denkstein an eine hoffnungsreiche Vergaugeuheit werth ist, so glauben wir doch von denselben nicht mißgedentet zu werden, wenn wir, dem eisernen Drang der Verhältnisse Raum gebend und bedeutsamer Gründe in Berücksichtigung ziehend', für unsere Zeitung den bisherigen Namen vom 15. d. M. an fallen lassen, und statt dessen dieselbe

Mittelrheinifche Zeitung"

nennen. Wir hoffen mit Zuversicht, alle Freunde derFreien Zeitung" werden nach Möglichkeit dieMittelrheinische Zeitung" unterstell , wie wir ebenfalls alles aufbieten werden, uns der Freundschaft und Achtung, welche sie uns bisher erwiesen haben, auch ferner würdig zu zeigen. Verantwortlicher Verleger: Kitter.

Wit. Diejenigen, welche noch im Laufe dieses Monats für's nächste Quartal auf unsere Zeitung abouniren, erhalten dieselbe vom Tage der Bestellung an gratis. Wir bitten die verehelichen Postanstalten, dieses gefälligst zu berücksichtigen.

Die Krisis in Frankreich.

# Wiesbaden, 9. Dez. Morgens. In Paris herrschte bis Sonntag Abend 7 Uhr, bis wohin unsere letzten Nachrichten reichen, überall der Zustand , den man offiziellRuhe" nennt. Um diesen Zustand auch im Lande zu erhalten, war Herr D u p a l nach dem Nordwesten, Herr Carlier nach den Departements Allier, Cher und Nievre als außerordentlicher Regie- rungscommissär abgeschickt worden. Die Nachricht aus Nantes, daß sich der Generalrath des Depar­tements der unternLoire gegen denStaats- streich erklärt habe, wird jetzt offiziell bestätigt.

Daß das Elysee entschlossen ist, mit äußerster Strenge fortzufahren, erhellt aus folgenden zwei Pro­klamationen, von denen die des Kriegsministers am 4-, die des Ministers des Innern am 5. December erschien. Erstere lautet:

Soldaten! Ihr habt heute eine große Handlung eures militärischen Lebens vollbracht. Ihr habt daS Land vor Anarchie, vor Plünderung bewahrt, und die Republik gerettet. Ihr habt euch so gezeigt, wie ihr immer sein werdet: tapfer, ergeben und um-rmüdlich. ^si-anlreich bewundert und dankt euch. Der Präsident der Republik wird eure Ergebenheit nie vergessen. Der Sieg konnte nicht zweifelhaft sein. Das wahre Volk, die rechtlichen Leute, sind mit euch. In allen Garni­sonen von Frankreich sind eure Waffengefährten stolz auf euch und würden nöthtgenfalls eurem Beispiele folgen."

Die zweite lautet:Der Präsident der Republik und seine Regierung werden vor keiner Maßregel zu­rückschrecken, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und die Gesellschaft zu retten; aber sie werden stets auf die Stimme der öffentlichen Meinung und die Wünsche der rechtlichen Leute zu hören wissen. Sie haben uicht- ge­zögert, eine Abstimmungsweise zu ändern, welche sie geschichtlichen Vorgängen entlehnt hatten, welche jedoch in dem gegenwärtigen Zustande unserer Sitten. und Wahlgewohnheiten die Unabhängigkeit der Abstimmung lucht hinlänglich zu sichern schien. Der Präsident her Republik will, daß alle Wähler bei dem Ausdrücke ihres Volums vollkommen frei seien, mögen sie- ein öffciit- liches Amt bekleiden oder nicht, mögen sie den bürger­

Der 18 Brumaire.

* ES ist an der Zeit, auf die Schilderungen zweier französischer Geschichtschreiber zurückzuführen, um,jeden denkenden Leser in den Stand zu setzen, die Verglei- clmngspunkte zwischen dem Staatsstreiche des Onkels mit dem des Neffen zu ziehen.

Wir folgen zuerst M iguct tu semcr Geschichte der französischen Revolution: , ...

AIS Napoleon ,' vom ägyptischen Feldzug zuruck- kemmend, am 8. Oktober 1799 in Fi ejus landete, war Frankreich von äußern Feinden umringt, uw Innern mehr als je zerklüftet. Alle Parteien buhlten um seine

st denn als siegreicher General, als Friedens»»- terbändler, alS Schöpfer von RrPübliken hatte er bis­her alle Interessen mit Geschicklichkeit, alle Glaubens­meinungen mit Mäßigung behandelt Da er si.ne ehr­geizigen Entwürfe von We. vorbereitete, hatte er sich zum Man» keiner Partei Achacht und schont, um mit ihrer Zustimmung zu stehen. Jetzt aber verband er sich mit rein damalslüächtigen ^u'y,s, am o. Brumaire (5. Nov.) setzten sterbe ihren Ungnsssplan gegen die bestehende Verfassung fest; am 1 . humane (8. Nov) berief man den Rath der Alten, n^m ma te ihm in 6cn grellsten Farben die Gefahren des wieder auftauchenden IakobintSmus vor Augen, kurz, >« es Furcht, sei es Mitschuld an . der Verschwörung, der

lichen Ständen oder der Armee angehören. Gänz­liche Unabhängigkeit, völlige Freiheit der Abstim­mungen, dies ist es, was Louis Napoleon Bonaparte will." t!!)

Noch charakteristischer ist folgendes vieldeutige Schreiben des Präsidenten an den Kriegsminister:Mein lieber Ge­neral! Ich hatte die Abstimmnngsweise mit der Un­terzeichnung jedes Stimmenden angenommen, weil diese früher angewandte Weise mir die Aufrichtigkeit der Wahl besser zu sichern seinen; triftige» Einwürfen und gerechten Reklamationen jedoch nachgebend, habe ich, wie Sie wissen, ein Dekret erlassen, welches die Ab­stimmungsweise verändert. Die Stimmen 6er Armee sind beinahe vollständig abgegeben, und gern gebe ich mich dem Gedanken hin, daß sich darunter eine ziem- lich kleine Zahl gegen mich finden wird. Da indessen die Militärs, welche ein verneinendes Votum abgege­ben, befürchten könnten, daß dasselbe einen schäd­lichen Einfluß auf ihre Laufbahn ausübeu werde, so liegt unr daran, sie zu beruhigen Ma­chen Sie daher gefälligst unverzüglich der Armee kund, daß, wenn auch die Weise , wie sie abgestimmt hat, vm jener verschieden ist, nach welcher die übrigen Wähler stiinmen werden, dennoch deren Wirkung für sie dieselbe sein wird, d. h., daß ich Namen der­jenigen ignoriren will, welche gegen mich gestimmt haben. Ordnen Sie deßhalb, ich bitte Sie, die Verbrennung der Register an, sobald der Auszug aus denselben beendigt und gehörig be­glaubigt ist."

Der Polizei-Präfect hat am 5. Dezember folgendes Rundschreiben an die Polizei-Commiffäre gerichtet:Die Meuterei ist unterdrückt. Unsere Feinde sind fortan ohnmächtig, die Barricaken wieder aufzurichten. Nichts desto weniger bauert die Aufreizung zur Empörung fort. Eifrige Demagogen durcheilen die Gruppen, um dort Aufregung hervorznrufeu und falsche Nachrichten zu verbreiten. Die Er-Repräsentanten vom Berge be­nutzen die letzten Reste ihres alten Ansehens, um daS Volk an sich zu ziehen. Logishäuser, Kaffee's, ver­dächtige Häuser werden zum Aufnahmeort von Ver­schwörern und Insurgenten. Man verbirgt dort Waffen, Kriegsmunition, aufrührische Schriften. Alle diese Ursachen der Aufregung muß man dadurch

Rath der Alten bewilligte die Forderungen der Verschworenen, die Verpflanzung des gesetzgebenden Körpers nach St. Cloud und die Bekleidung Bona­partes mit dem Oberbefehl der bewaffneten Macht. Bonaparte empfing den Schwur der Treue seiner Sol­daten, ernannte Lefevre, den Chef der Garde des Di­rektoriums, zum zweiten Befehlshaber. DaS größte Stück Arbeit war noch zu thun, die vollziehende Ge­walt des Direktoriums und die gesetzgebende war noch zu brechen. Allein das Direktorium, das von seiner G walt Gebrauch machen wollte, als es, freilich etwas spät, die Verschwörung erfuhr, sah sich von seinen Truppen, denen man das Dekret des Raths der Alten bereits vorgelesen hatte, verlassen, und löste sich auf; ! Bonaparte'stand dem Rath der Fünfhundert jetzt allem * noch gegenüber. Das Dekret des Raths der Alten 'und die Proklamationen von Bonaparte wurden an die Mauern von Paris geheftet. Große Unruhe, Be­sorgniß unter den Republikanern war die Folge, sie sprachen von Casar und Cromwell, aber man antwor­tete ihnen sagt Mignet und es ähnelt dieß den 1 Betheurungen des heutigen Bonapartes wie ein Ei dem andern man antwortete ihncü mit folgenden Wor­ten des Generals:Schlechte Rolle», abgenützte Rollen, unwürdig eines ManneS von Verstand, wenn sie nicht schon des rechtlichen Mannes unwürdig wären. Es wäre ein ruchloser GedUicke, in dem Jahrhundert der Aufklärung und Freiheit etwas gegen die repräsentative

beseitigen, daß man ein System der H a u s- suchungen und Verhaftungen in großem Maßstabe ansführt. Dies ist das Mittel, der Stadt den Frieden und die Ruhe w eder zu gebe», welche eine Handvoll Aufrührer ihr zu entreißen trachteten. Sie haben alle unter meinen Augen mit so viel Hin­gebung und Muth Ihre Pfl'cht gethan, daß ich nicht zweifele, daß Sie zur Erfüllung dieser neuen und wich­tigen Aufgabe in sich die ganze Wachsamkeit und Energie finden werden, welche die Umstände erheischen."

DerMoniteur" gibt eine Liste der Generäle, Re­präsentanten, hohen Beamten und andern notabeln Personen, die am 4. Dez. im Elyseeihre Huldigun­gen dem Prinzen Louis Napoleon darkrachten"; aber diese Listen sind äußerst ärmlich. D e Rubrik:Ge­neräle bringt nur 49 Namen, karun er aber viele, die nicht Generäle sind, sondern alsOberst",Ka­pitän",Lieutenant" bezeitzuet werden; de Rubrik: Repräsentanten" bringt iw 57 Namen, die derhohen Beamten und Notabeln" 55 Namen, unter denen Herr Veron als Direkteur desConstitutionnel" und Herr Delam'rre als der derPatrie" figuriren. Indeß bald füllen sich vielleicht diese Listen, da am 5 eine Versammlung der Pyramideustraße gehalten wurde, in der -Montalembert Alles ansbot, um seine Kollegen zur Zustimmung zu dem Staatsstreiche zu bewegen. Diesem Frommen scheint der Art. 68 der Verfassung durchaus keine Gewiffensskrupeln zu machen; er geht darin stiit dem Weltkinde Girardin Hand in Hand. UnOmeines System ist es, wofür sie werben? Gra- nier de'Cassagnac spricht es imConstitutionnel" offen aus: ,^ouis Bonaparte.trägt in sich das Heil Frank­reichs, denn er vereinig^heide Machte, welche die Säulen jeder Gesellschaft sind, d as Votum und der Subct!"

Die bei Weitem größte Mehrzahl der konse rva ti- De-y Partei (natürlich mit Ausnahme der Bonapar­tisten, welche sich jetzt,die eigentlichen OrvnungS- mäuner nennen) soll entschlossen sein, sich der Abstim- bn0*8 zu enthalten, was Louis Bonaparte dann viel­leicht wieder, nhe bei.den Truppenabstim nungen , be- wegen wird, die Gegner als nicht vorhanden zu be­trachten , um sagen zn. können, er sei von der ganzen Nation gewählt. N'ach der Abstunmung sollen die noch in Haft befindlichen Abgeordnefen in F e heü ge­setzt werden, doch mit Ausnahme der 8 nach Hain

Verfassung zu unternehmen. Nür ein Narr konnte muthwiUigerweise die Wette der Republik gegen das Königthum verloren'gehen lassen,, pachdein er sie mit einigem Ruhm und einer Gefahr unterstiizu har." eo sprach damals der Onkel des heutigen Pranoenten und wie handelte er? Am 19. Brumaire begaben sich die Mitglieder der Räthe nach St. Cloud, der Rath der Alten tagte in der MarSgallerie, in der Orangerie die Fünfhundert. Eine große Waffenncacht mar ausgestellt, an ihrer Spitze Napol on; vor der Zeit seinem Cha­rakter sich überlassend, sprach er das nach», >ls geschicht­liche Wort aus:Ich will keine Fiktionen iiu-hr!" ein Wort, das sein Neffe bei seiner Wahl am 10. December nachgebetet hat, indem er sagte: .Frankreich hat mich erwählt, ty.il ich keiner Partei augepore", ein Wort, dessen Inhalt seine ganze Berufung ans Volk vom 2. December von Neuem athmet. Mit diesen Gesinnungen stand damals der Getreral den beiden Räthen in St. Cloub gegenüber; beide bewiesen sich- widerspenstig. Den Rath der Allen gelang es Napo­leon leicht, zu beschwichtigen, nicht so den der Kuif- Hundert. An der Spitze einiger Grenadiere begab er sich dorthin, ließ diese an der Thüre und trat mit ab« gezogenem Hut ein. Unter dem>rei:Er ist ausser kein Gesetz! Stieber mit dem Diktator! Zurück, Ber- wegeuer! Sie verletzen das Heiligthllin der G^netze!" empfangen, gieng er erblaßt zurück. An solche See» neu nicht gewöhnt. war er lebhaft erschüttert. Seine