Darmstadt, 5. Dezbr. In der zweiten Kammer wurde in derZ heutigen Sitzung durch 26 gegen 21 Stimmen die von dem Abgeordneten Eich vorgeschlagene motivirte Tagesordnung über den Antrag des Abgeordneten Reh, wegen der Grundrechte, verfügt. — Der Abg. Reh entwickelte, wie das „Fr. 3" bemerkt, „in äußerst gemäßigter Haltung" seinen Antrag, der darauf gerichtet war, „die Staatsregierung, in Anerkennung, daß der Bundesbeschluß vom 23. August die Selbstständigkeit des Großherzogthums bedroht und mit der Verfassung unvereiubarlich sei, zu ersuchen, die Verkündigung dieses Beschlusses zurückzunehmen." Er erläuterte zuerst seinen politischen Standpunkt, von welchem aus er den Gegenstand beurtheile. Dies sei der rein constitutionelle, den er stets eingenommen habe und einnehmen werde, in der Ueberzeugung, daß die constitutionelle Monarchie später siegen müsse, wenn Deutschland nicht in Polens Schicksal verfallen solle. Herr Reh schildert sodann den Parteistandpuukt vor 1848 und das Treiben des Bundestags. „Das Jahr 48," sagte er, „mußte kommen, Hervorgernfen haben es Diejenigen, welche den wahnsinnigen Muth hatten, jeder gerechten Forderung der Nation in den Weg zu treten. Wenn man behaupte, die Kammeroppositionen vor 1848 hätten den Sturm bewirkt, dann sei man nicht vernünftiger als Der, welcher behaupte, der Barometer mache das Wetter." Nachdem nun der Redner dieHalèung und Bestrebungen seiner Partei im Vorparlament, in der Nationalversammlung, in Erfurt u. s. w. auseinandergesetzt, und der Anfeindung durch die Demokratie erwähnt hatte, bemerkt er, „jene Partei habe nur die Schuld auf sich geladen, allzugroßes Vertrauen auf feierliche Verheißungen gesetzt zu haben. Dies sei freilich bitterlich getäuscht. In Kurhessen und Holstein sei das Unerhörte geschehen; dort weil ein Mann von einem Bruchtheil des ehemaligen Bundestags dazu autorisirt worden sei. Redner beduzirt nun, wie die Aufhebung des alten Bundestags auch die Aufhebung der Bundesverfassung zur Folge gehabt habe. Das Reichsgesetz vom 28. Juni 1848 sei eine vollendete Thatsache. Bedürfe es noch einer weiteren Autorität, so wären dies die Unionsverhguvlungen. Selbst die Olmützer Punktationen und die Dresdener Conferenzen sprächen gegen den Fortbestand der Bundesverfassung. Aber auch, wenn der Bundestag und die Bundesverfassung noch zu Recht beständen, so sei der Beschluß vom 23. August d. J. ein ungerechtfertiger Eingriff in die Selbständigkeit des Großherzogthums. Ein solcher Beschluß stimme nicht überein mit dem Begriff einer völkerrechtlichen Verbindung. Nie werde das Volk eine solche Machtvollkommenheit anerkennen und Pflicht aller Kammern sei es, „dagegen Verwahrung einzulegen. Am Schluffe sagt Redner: „Eine Zeit werde kommen, die sich zu dem Jahre 1848 verhalte, wie die Flamme zum Funken; die Pessimisten könnten sich freuen."
Karlsruhe, 6. Dezember. Die gestern ausgegebene Nummer des Regierungsblatts beruft die Kammern mit dem 12. d. M. zusammen. Die Neuwahlen sind durchgängig im entschieden conservativen Sinn ausgefallen. Zum Präsidenten der ersten Kammer ist von dem, Großherzog der Markgraf Wilhelm ernannt worden, zu Vicepräsidenten der Fürst von Fürstenberg und der Staatsrath Freiherr Rüot von Collenberg-Eberstadt. Außerdem hat der Großherzog ernannt zu Mitgliedern der ersten Kammer den Staatsrath Freiherrn Rüdt von Collenberg-Eberstadt, den Staatsrath v. Stenzel, den Hpfgerichtsp residenten Ob- kircher, den geistlichen Rath und Domcapitular Staudenmayer, den Kammerherrn Freiherr v. Gemmingen, den Oberstlieutenant Ludwig, die Fabrikbesitzer Friedr. Lauer in Mannheim und X. v. Hofer in Konstanz.
Kassel, 2. Dez. Der Professor Bayrhoffer von Marburg wird jetzt auch steckbrieflich verfolgt. Cs ist eine Untersuchung auf Hochverrath gegen denselben aufgenommen. So mehrt sich die Zahl der flüchtigen Kur- heffen mit jeder Woche.
Hannover, 4. Dez. (Z. f. D.) So weit man die Stimmung und Ansichten der Abgeordneten in Bezug auf die Haltung der Stände dem Ministerin gegenüber so wie auch die in den Parteiversammlungen derselben gefaßten Beschlüsse in Erfahrung gebracht hat, kann es nicht zweifelhaft sein, daß die Regierung auf dem von ihr eingeschlagenen Wege zur Einführung eines Theils der Organisationsgesetze in den Kammern so gut wie gar keine Unterstützung finden wird. In einer Versammlung der Mitglieder der Rechten, an welcher Stüve und Lehzen theilgenommen haben, ist, wie ich höre, beschlossen, auf dem ruhigen und besonnenen Wege zu beharren, mit Beiseitelassen aller zum sofortigen Bruche führenden Mißtrauensvoten u. s. w., dagegen sich in Bezug auf die Revisionsvorschläge bezüglich der Orga- nisationsgesetze rein negativ zu verhalten. Man will festhalten an dem bereits gesetzlich feststehenden Inhalte der Justizreformen und andererseits nicht durch Einwilligung in die dazu abermals vorgeschlagenen Aenderungen zur getrennten Einführung der Justizorganisationen die Hand bieten.
Berlin, 5. Dezember. Die „N. Preuß. Ztg." schreibt: „Von verschiedenen Seiten bestätigt sich die Nachricht, daß die Jntruguen und Machinationen gegen bin Zollverein für Südbeutschland in Stuttgart wesentlich gefördert und von dort weiter verbreitet werden."
Aehnlich klagt das „Cor. Bür." über Hannover: „So sehr wir bisher Grund hatten, an den ernsten
Willen für die Durchführung des preußisch-hannoverschen Vertrages auf jener Seite zu glauben, so müssen wir doch jetzt als auffallend hervorheben, daß der Redakteur der hannoverschen offiziellen Zeitung, Herr- Jürgens, die hannoverschen Kammern zur Verwerfung des Vertrages ermahnt."
Berlin, 5. Dezbr. Der „Lith. Corr." nach sind bereits die letzten Schritte wegen alsbaldiger Ausstellung des Bundeskorps bei Frankfurt a. M. geschehen, so daß nunmehr unverzüglich die militärische Dislocirung erfolgen kann.
Berlin, 6. Dez. Die offizielle „Lithogr. Corresp." bnngt folgende wichtige Mittheilung: „Die „Wiener Zeitung", welche eiuen für Ludwig Napoleon nicht ungünstigen Artikel bringt, entspricht darin wohl überhaupt den an den größern Häfen bes Continents vorherrschenden Ansichten, welche, wenn anders Ludwig Napoleon den Weg nicht verläßt, den er bisher in auswärtiger Politik inne gehalten hat, und wenn er fortfahren wird, nach Innen sich wesentlich als der Erhalter der sozialen Ordnung zu geriren, gern Straßburg und Boulogne vergessen werden. Mögen die Sympathien, erhabener Souveräne vielleicht auch auf anderer Seite als der bouapartistischen stehen, sie werden darum gewissen Verdiensten um Ruhe und Ord- dnug ihre Zustimmung nicht versagen. — Ehe man übrigens von einer Regierung, von einer begründeten Regierung wird sprechen können, wird Ludwig Napoleon zeigen müssen, daß er noch andere Stützen im Lande besitzt, als die in Paris versvminelten Generale und Truppen."
3 Leipzig, 5. Dezember. (Fr. I.) Gestern Abend brachten österreichische Jäger den in Hamburg festge- nommenen angeblichen Grafen Patacki, genannt Pie- ringer, an Armen und Beinen gefesselt, hierher. Der Gefangene wurde diese Nacht auf dem Stockhause gehalten; heute ging, die Fahrt mit dem Unglücklichen nach Oesterreich auf der Leipzig-Dresdener Eisenbahn weiter.
Dresden, 6. Dez., Mittags 1% Uhr. (Lpz. 3] So eben hat die Eröffnung des Landtags dnrch Se. Maj. den König im Sitzungssaale der zweiten Kammer stattgefunben. Die Thronrede spricht ihre Befriedigung über die finanziellen Verhältnisse des Landes, die einen namhaften Erlaß an öffentlichen Abgaben erlaubten, sowie über die Wiedervereinigung der Regierungen im Bunde aus, äußert sich beruhigend über die Erhaltung des Zollvereins und hoffnungsvoll über die Schritte der österreichischen Regierung hinsichtlich einer weiteren Zolleinigung.
Wien, 2. Dez. (A. Allg. Z.) Die Maßregeln gegen die Börse dauern fort, mehrere Bankiers sollen entschlossen sein, Wien zu verlassen, um für ihre Operationen einen günstigeren Böden aufzusuchen. — Man spricht davon, die Beamten sollest künftig wie die Militärs gehalten sein, fortwährend in Uniform zu erscheinen. Den Weltmännern unter ihnen ist dergleichen ein Gräuel.
Wien, 3. Dez. (N. Pr. Z.) Da man die materiellen Fragen hier mittelst des Bundestags zu erledigen wünscht, so ist der Gesandte in Frankfurt angewiesen, auch den neuen Zolltarif officiell zur Kenntniß der Bundes - Versammlung zu bringen.
Wien, 5. December. Den heutigen Morgenblättern entnehmen wie: In Betreff der, für österreichische nach den Bundesfestungen marschirende Truppen bestehenden Elappenftraßen in Baiern ist ein neues Uebereinkommen getroffen worden, durch welches Baiern zugesteht, daß die österreichischen Truppen nunmehr den durch die Eisenbahnen abgekürzten Weg durch das Königreich einschlagen dürfen; wonach der Marsch von bar böhmischen Grenze bis Würzburg in 4 Tagen zurückgelegt wird. Ein diessvlliges Uebereinkommen ist bezüglich der übrigen Etappenstraßen in Deutschland bevorstehend.
Kiel, 2. Dez. _ Die Ausweisung des Grafen v. Reventlou ist mehrfachen Mittheilungen zufolge unbegründet. Derselbe verläßt freiwillig das ^and.
Kiel. Ueber die Ermordung der Frau des Dr. Lamotte durch dänische Gensdarmen schreibt man der „Spen. Ztg.": „Da die Frau sich nicht zur Denunciantin gegen ihren Mann hergeben wollte, klemmte man sie zwischen eineThür, bis ihr d a s Rü ckgra t b rach, das B l ut aus dem Munde stürzte, und sie zu Boden fiel. Jetzt ist sie todt." — Die „Wsr.-Ztg." setzt hinzu: „Diesmal ist übrigens der Thäter zur Untersuchung gezogen. Es ist alles Mögliche!"
D ä n e m a r k.
Kopenhagen, 1. Dee. (Pr. Z.) In der heutigen Sitzung des Volksthings nahm Oila Lehmann seine beantargte Adresse zurück und begründete dies in einem längeren Vortrage. Darauf theilte der Präsident dem Thinge mit, daß Hall eine motivirte Tagesordnung eingereicht habe. Diese Tagesordnung ist gleichlautend mit der vom Landsthinge angenommen. Hall begründete in einer längeren Rede, warum er diese Tagesordnung der Adresse vorzöge. Der Minister des Auswärtigen referirt über das, was er im Landsthinge gesagt hatte, worauf Clausen sich wieder über die Verhältnisse und für die motivirte Tagesordnung aussprach. Die motivirte Tagesordnung wurde schließlich mit 87 gegen 2 Stimmen angenommen.
Großbritannien
London, 5. Dez. Die „Times" grollt heute wiederum in einem sehr düster gefärbten Artikel über den Pariser Staatsstreich und die durch denselben auf den Thron gehobene Säbelherrschaft, gesteht aber doch, daß sie kein anderes Auskunftsmittel Wille, um Frankreich aus den Verwicklungen seiner politischen Lage heranszuhelfen. — Der „Globe" bringt einen gewundenen Artikel, der weder verdammend , noch zustimmend ist. — Das „Chronicle" scheint den Staatsstreich Louis Napoleons eher zu bewundern, als zu verdammen, und macht sich namentlich über den in feine eigene Grube gefallenen Thiers lustig. „Es kann", sagt das „Chronicle", „keinen besseren Beweis dafür geben, wie geheim alle Vorbereitungen getroffen wurden, als daß sogar Herr Thiers keine Zeit hatte, davon zu laufen. So verschwiegen war Louis Napoleon, daß selbst die Minister nicht eher etwas von seinen Planen wußten, als bis Dieselben bereits ausgeführt waren und daß der „Con- stitutionnel", das Organ des Elysee, an demselben Morgen, nachdem die Decrete schon erlassen worden waren, mit einem Artikel erschien, welcher den Gedanken an einen Staatsstreich verspottete." Das genannte Blatt glaubt ferner, allen Grund zu der Annahme, daß der größere Theil der Pariser Bevölkerung dem Schritte des Präsidenten eher günstig, als feindselig sei. — Der „Heralv" spricht sich für Louis Napoleon aus und glaubt, daß sein Staatsstreich weder aus Lust zur Tyrannei, noch aus maßloßem Ehrgeiz hervorgegangen ist. Der Präsident sei eben nur dem natürlichen Triebe der Selbsterhaltung gefolgt, und es stehe zu hoffen, daß das Endergebniß, seines Verfahrens Frankreichs den einer gesunden Constitution eigenen inneren Frieden geben werde. — Die „Post" tritt fortwährend als entschiedene Vertheidigerin des Präsidenten auf. — Die hiesigen Blätter veröffentlichen ein vom 3. d. M. datirtes Manifest einer Anzahl französischer Flüchtlinge — darunter Louis Blaue —, in welchem das französtiche Volk zum Widerstände gegen den Staatsstreich aufgefordert wird. Dagegen wird dem „Constitutionnel" aus London geschrieben, „daß die dortigen französischen Demagogen eine Versammlung gehalten haben, um darüber zu berathen, was bezüglich der Pariser Ereignisse zu thun sei. Die Ansichten waren getheilt; Caussidière aber rieth von jedem Versuche ab, weil die Armee durchaus treu sei, und für einen Handstreich höchstens 4000 Mann verfügbar seien. Die übrigen trügen keine Lust, Barrikaden zu bauen; noch weniger aber würden sie dieselben gegen einen ernstlichen Angriff vertheidigen. Im Faubourg St. Antoine würden die Frauen ihre Männer, die vollauf zu arbeiten hätten, von jeder Bewegung abhalten. Caussioière drang trotz des Mißvergnügens Einzelner mit seiner Ansicht durch. Dieser Brief, meint der „Constitutionnel" , 'beweise zweierlei: die Unwahrheit der angeblichen Ankunft von einigen der londoner Flüchtlinge in Paris, und die bedeutende Verminderung des kämpfenden Contingents der Demagogie. Uebrigens seien seit drei Tagen Befehle und Agenten zur Werwaihung der aus dem Auslande Ankommenden nach allen Ausschiffungs-Häfen und Eingangs-Stationen der Eisenbahnen abgeschickt worden."
S pantert.
Madrid, 2 Dezbr. (Telegraphische Depesche des französischen Botschafters in Madrid an den Minister der auswärtigen Angelegenheiten und den Marineminister in ParisZ Sale (Hafen an der maracconischen Küstef hat sich geweigert, die von dem Admiral Du- bouroier verlangte Genugthuung zu bewahren; der Platz wurde. demzufolge am 26. Nov. 7% Stunden läng beschlossen. die Befestigungswerke wurden zerstört und die Stadt auf mehreren Punkten in Brand gesteckt; unser Verlust war unbedeutend; Herr Bourre begab sich sofort nach Tanger und der Admiral beorderte mehrere Schiffe nach Mogador.
VoLköwirthschaftlicher Theil.
(Vermuthliche Witterung des Dezember 1851.) Die Witterung des Dezembers wird im Allgemeinen nicht zu gelind und nicht anhaltend streng kalt, sondern kalt mit gelinden Perioden. Regen- und Schneetage überschreiten ihre gewöhnliche Zahl nicht, die Menge des Niederschlags bleibt geriiig also wird der eher trocken als naß gewesen sein. West- Süd-Wind werden nicht auffallend vorherrschen Barometer im Durchschnitt etwas höher, als gewöhnlich. — Jm Bkwndern : beginnt mit Schnee und Aufheiterung am 1. trüb, Schnee vom 2. bis 5 • einige Eistage mit Aufheiterung oder Nebeltrübung vom 6. bis 12.; trüb, gelinder, Nebel vom 12. vom 15.; ' Regen oder Schuee, gelind und stürmisch dis 17.; Schnee am 18., 19^; mäßig kalt mit Eis, je nachdem da und dort eine Schneedecke vorkommt, auch strenger kalt vom 20. bis 23.; gelind und stürmisch bis 17.; Schnee am 18. 19.; mäßig kalt mit Eis, je nachdem da und dort eine Schneedecke vorfommt, auch strenger kalt vom 20. bis 23.; gelind, trüb, Regen bis Schnee vom 23. bis 24.; auf Schnee einige Tage mit jiälte und Aufheiterung vom 25. bis 28.: trüb, Nebel, Schnee oder Regen bis 31. Stieffel, Professor.