Fme Ztilung.
„âeihert und Keeht!^
Wiesbaden. Dienstag, 9. Dezember
MSI.
Schon oft, und namentlich wieder in der neuesten Zeit, haben wir die Erfahrung machen müssen, daß der -Freien Zeitung" in aus* wärtigen deutfchen Staaten der Zutritt sehr erschwert worden ist, einzig aus diesem Grunde, weil sie eben -Freie Zeitung" heißt. So theuer uns nun auch dieser Name und wiewol wir wissen, daß er vielen Freunden als ein Denkstein an eine hoffnungsreiche Vergangenheit werth ist, so glaubet! wir doch von denselben nicht mißgedeutet zu werden, wenn wir, dem eisernen Drang der Verhältnisse Raum gebend und bedeutsamer Grüude in Berücksichtigung ziehend, für unsere Zeitung den bisherigen Namen vom 15. d. M- an fallen lassen, und statt dessen dieselbe
„Mittelrheinifche Zeitung"
nennen. — Wir hoffen mit Zuversicht, alle. Freunde der -Freien Zeitung" werden nach Möglichkeit die -Mittelrheinische Zeitung" unterstützen, wie wir ebenfalls alles aufbieten werden, uns der Freundschaft und Achtung, welche sie uns bisher erwiesen haben, auch ferner würdig zu zeigen. Verantwortlicher Verleger: C. Mitter,
WB. Diejenigen, welche noch im Laufe dieses Monats für's nächste Quartal ans unsere Zeitung abonniren, erhalten dieselbe vom Tage der Bestellung an gratis. Wir bitten die verehrlichen Poftanstalten, dieses gefälligst zu berücksichtigen.
Die Krists in Frankreich.
<* Wiesbaden, 8. Dezbr. Paris war bis 6. Dezember Abends 7 Uhr laut offiziellen Berichten ruhig. Den ganzen Tag über war die Ruhe nicht erheblich gestört worden. An der Samstagsbörse stie. gen die Course bedeutend: 3pCt. 69,50 (Hausse 2 FrS. 90 C.); 5 pCt. 96,60 (Hausse 3 Frs. 50 £)
Am 5. erließ der Justizminister folgende Bekannt» machung ;
„Justiz-Ministerium. Man verbreitet in Paris falsche Nachrichten über den Stand der Dinge in den Provinzen. Man wird falsche Nachrichten in der Provinz über Paris verbreiten. Die Emente ist in der Hauptstadt unterdrückt. Alle Nachrichten aus den Departements sind ausgezeichnet. Die Regierung ist sicher, die Ordnung auf allen Punkten Frankreichs aufrecht zu erhalte»." Ferner' erschien am 4. folgende Proklamation des Oberbefehlshabers der Nationalgarde, General Lawoestine: „Paris, 5. Dec. 1851. Nationalgarben des Seine- Departements! Soldaten der Nationalgarde! Ich habe Euch nicht berufen, um Antheil an dem Kampfe, der von den Urhebern der Anarchie gegen die Gesellschaft wieder unternommen worden ist, zu nehme»; ich weiß, daß, wenn Eure Hülfe ihr nöthig gewesen wäre, das Land und Euer General auf Euch zählen konnten; aber die Begeisterung Eures Patriotismus ist vor dem Gehorsam, den ich von Euch verlange, zurückgewichen; ich erwarte das immer von Euch und ich danke Euch " — Am 4. wurde nachstehende Verordnung des Kriegsministers veröffentlicht: „Jedes Individuum, welches auch seine Stellung sein mag, daS in einem Vereine oder in einer Verbindung angetrossen wird, die zum Zweck hat, irgend einen Widerstand gegen die Regierung zu organisiren oder ihr Handeln zu paralisiren, wird als Mitschuldiger der Insurrektion betrachtet. In Folge dessen wird es sofort verhaftet und den Kriegsgerichten übergeben, die in Permanenz erklärt sind."
Ueber die Ereignisse vom 4. erhalten wir folgende Ergänzungen aus bonapartistischen Blättern: „Der Barrikaden-Kampf hat bis gegen 11 Uhr Abends gedauert, um welche Zeit die letzte Barrikade von den Truppen genommen wurde. Von dem Boulevard du Gymnase an bis zum Boulevard du Temple in den Straßen St. Martin, St. Denis, Mandar, Rambu- teau, Transnonain und dem größten Theile der engen Straßen dieses Quartiers wurde gekämpft. Auf allen
Stimmen eines konservativen Geistlichen über innere Mission.
(Heilbronner Neckardampfschiff.)
Daß unsere württemb. Psarrgemeinderäthe vorzüglich auf Anregung ver Hauptlenker der pietistischen Partei unv der Agitatoren für die innere Mission, der leiblichen Schwester der Jesuitenmi'sioii, inS Leben gerufen worden sind, ist ebenso bekannt, als die Thatsache, daß derlei Institute nur dann lebenskräftig wirken' können, wenn sie wirklich aus einem Volksbedürfniffe hervor- gegangen sich von allen unreinen Elementen von Heuchelei/ Proselytenmacherri -c. frei erhalten. Ob dies bei der innern Mission und Deren Organen der Fall ist, darüber wollen wir das Urtheil eines bei allen gvommen unv Konservativen woplangksehenen Mannes hören. Es ist enthalten in der „Armennoth? von Jeremias Gotthelf, unv lautet wörtlich, wie folgt: „In der neuern Zeit hat man sich auch mehr und mehr der verwahrlosten Familien im Proletariat angenom- nien', geistlich und leiblich, hat dieses Werk „innere Miiflon" benamset, d. h. Sorge für die Heiden im Lanve. Je lebendiger man von dem Schaffen in die- sein Felde ergriffen wird, desto mehr muß gewarnt inerbeu vor unzeitigem Eifer, ungeschicktein Treiben. Man muß sich sehr wahren, daß, während man au«
diesen Punkten waren Barrikaden errichtet, die zum Theil mit großer Hartnäckigkeit vertheidigt wurden. Die verschiedenen Brigaden der Armee von Paris griffen die von den Insurgenten besetzte» Punkte zu gleicher Zeit an. Der Kampf an der Barrikade des Fatt- bonrg St. Denis war sehr heftig; es blieben 20 bis 30 Insurgenten anf dem Platze. Aus den Boulevards begann der Kampf um 2 Upr; auf den anderen Punkten , in den Straßen Beanboncq, Aumaire, Trans- non am schlug man sich schon Morgens 10 Uhr; der Kampf dauerte dort mit einigen Unterbrechungen M gegen 11 Uhr Abends. — Das Annicken eines Jnsnr- gentetthaufens auf die Polizei-Peäfe.tnr veranlaßte ein heftiges Gewehrfeuer, welches die gegenüberliegenden Hauser stark mitnahm; alle Fenster derselben wurden zerschmettert. Sofort wurden alle Brücken, die nach verCitä führen, auf welcher die Polizei-Präf kmr liegt, besetzt und während zwei Stunden Alles, was sich näherte, mit Flintenschüssen begrüßt. Abends um 9 Uhr wurde nicht mehr gefeuert; der Zugang zur Insel wurde aber nicht gestattet. Das fürchterliche Feuern auf den Boulevards Montmartre, Polssoniere (wo man mit Kanonen in die Häuser geschossen) niiD des Jta« lieus soll durch einige Flinteuschüsse hervorgerusen wo - deu sein, die man aus einem Hause ans ev> Schoen abgeschoffen hat. Das Feuern, das zwei Stunden gedauert, ist nicht ohne große Wirkung geblieben." — Der „Constitutionnel" theilt über obige militärischen Operationen „aus sicherer Quelle" Nachstehendes mit: „Da der Aufstand zwischen dem Stadthause, den Boulevards, der Pointe St. Eustache und den Boulevards concentrirt war, so machten die Generale Carrelet und Levasseur um 1 Uhr Mittags eine gleichzeitige Bewegung, um denselben zu unterdrücken. Levasseur marschirte mit der Brigade Hei killone nach der Pointe St. Eustache, wo General Dulac stand; Vie Brigade zog von der Bastille aus nach demselben Punkte. Inzwischen rückten zwei andere Brigaden, die auf den Boulevards an den Thoren St. Martin und St. Denis standen, durch die gleichnamigen Straßen und die Tempelstraße vor. Diese Bewegung mußte den Aufstand zermalmen. Sie wurve mit Entschlossenheit und Erfolg ausgeführt: die Barrikaden wurden überall kräftig angegriffen und genommen. Einige Aufstandsversuche an anderen Punkten wurden durch die unbeschäftigten Truppen rasch unterdrückt. DaS lateinische Viertel unv das Faubourg St. Marceau sind ruhig geblieben; die dort aufgestellte Division
I dere arznen (kuriren) will, man nicht selbst pestkrank wird, over wie Paulus sagt, daß man nicht selbst verwerflich wird, währenv man Andern predigt. Man sei ja sehr vorsichtig, daß man nicht Heuchelei fördere und Falschheit pflanze, und mit reichen Gaben beide lohne als wahrhaftige Früchte echter Buße und Bekehrung. ES treiben dieses schöne Werk eine Masse von Menschen und Damen mit einem Unverstand, vaß Einein die Haare zu Berge stehen. Sie mahnen viel an Vie ehemaligeil W.'ihnachls- oder Neujahrskinder, welche in den Hausern umgingen, sich von ven Kindern beschaue» und begrüßen ließen als wunverbare Wesen von Oben, und den gläubigen Kinder» Geschenke spendeten mit vollen Händen. Die jetzigen NenjahrkiNdlein tragen eine selbstgemachte Puppe in den Hausern herum, nennen sie CpristuS, lassen sie küssen und anbeten, und wer eS thut, Der kriegt allerlei als Lohn für seine Gläubigkeit. Es machen solche Leute zuweilen ein recht ullanstäuvigeö Auf>ehen mit ihrer Theilnahme unv Sorge für die Armen, stelle» ihre eigenen Persönchen in ven Vordergrund, wie keine Tänzerin es besser machen kann. Und hinter Vieser Zudränglichkeit oder Vordringlichkeit steckt oft keine Barmherzigkeit, sie schröpfen Andere, geben selbsten Nichts, ziepen beim Sammeln oder Vertheilen fremder Gaben Glacehandschuhe an, weiße wo möglich, legen dabei ihren Arm gern in den eines ritterlichen Jünglings, bekomm.'» nach vollbrachtem Werk Herz
brauchte nirgends einzuschreiten Die Dvii'nen Carrelet und Levasseur halten die aufständischen Stabttheile militärisch beiegt. Die Cava lerie hat am Kampfe keinen Theil genommen. Der Oberstlieutenant Loubean vom 72. Regiment ist getödtet uno der Oberst dieses Regimentes, so wie einige O'ssziere und mehrere Soldaten sind verwundet worden; im Ganzei haben jedoch die Truppen in den Statt gehab- en zahlreichen Gefechten wenig gelitten. Gestern Abnds khrte ein Theil derselben fc^on um 7 Uhr in sein- Qu irtiere zurück." Der „Constitutionnel" hebt hervor, daß die Methode beim Bau der Barrikaden überall die nämliche war, indem stets ein wohlgekleidetee Herr, ein Notizbuch in Ver Hand, Blou'cttMa inet anwaeo und die Arbeiten leitete; mehrere dieser Agenten seien verhaftet worden. Nirgendwo habe man einen Aebcuer oder Nitional- gardlsten bei den Barrikaden gesehen; die Truppen hätten blos die unter Banditen und Vagabunden re« krutirte Armee der plünderungssüchligen geheimen Gesellschaften (?) zu bekämpfen gehabt." — Die Gerüchte von Anfstänoen in Lyon, Amiens, so wie von E »pöruttg zweier Regimenter unter Neumayer und von einem Anklageakt, den brr hohe Gerichtshof erlassen habe, werde» vom „Constitutionnel" für durchaus unbe.qriin» dee erklär Er setzt hinzu: „Alle aus ven Departements ësftjHa^^^>^Tré-^^0 Maien auch B.»»Si- genvste. In den Fabrikstävten ist die Arbeit keinen Augenblick unterbrochen worden. Lyon, Rouen, Lille, Amiens rc. genießen fortwährend ver vollkommensten Ruhe. Die Bevölkerungen erkennen an, daß viè von der Regierung ergriffenen Maßregeln nothwendig waren; sie hegen die beste Hoffnung für tue Zukunft und jede Besorgniß ist verschwunden." Die Richtigkeit eines anderen Gerüchtes, wonach die Regierung 25 Millionen ans ver Bank genommen habe, wird vom „Constitutionnel" nicht bestritten, jevo 1) bemerkt, daß oie Regierung ihrem Vertrage mit ver Bank gemäß noch 25 Millionen gutgehabt unv ver Bankverwaltung schon vor längerer Zeit angezeigt habe, daß sie sich dieser Fonds bedienen wolle. — Nach dem „Moniteur" hat man am 4. zahlreiche Gefangene gemacht; es ist nach seiner Versicherung erwiesen, daß die Emeute von den Parteien bezahlt wurde. Demselben Blatte zufolge wird der Staatsschatz am 6. Dez. den Er-Repeäien- tanten ihren am 1. Dezei» der fällig gewesenen Gehalt auSzahlen. — Der Pyramivenverein hat mit Genehmigung der Regierung Sitzung gehalten. - Nach dem Wochenberichte der Bank hat ior Metallvorrath
klopfen, fallen Ohnmacht, wie man auf keinem Theater so schön es zu sehen kriegt, und das Alles um des Heilands und seiner Armen willen. Man hüte sich doch ja, Christus lächerlich zu machen, damit verdirbt man Alles. — Die innere Mission besaßt sich mit den untern Stänven, nimmt die untern Schichten des sogenannten Proletariats in Angriff, als ob nur da Heide» im Lande seien, als ob von da daö Uebèl gekommen, darum auch von vaher daS Heil komm n muffe. Das ist nun uicht so, sondern umiefe^t: daS Uebel, Abfall und Unglauben sinv von Oben gekommen ... Hier muß die Bekeprung beginnen, hier ist Der Hauptacker der innern M ssio» uno nicht das Proletariat. Das ist Nichts, einem armen M üinli die Holle heizen, over ihn einsalben mit Verheißungen von G iave und einer wöchentlichen Unterstützung, w n» er sie bekehre. Aber einem Regenten over Regentlei», eS fbmmt auf eins heraus, die Wahrheit sagen wie Nathan dem Daviv, und zwar ohne Hoffnung, eS werde in Die Zeitungen gethan , in Zeiten, wo solche Artikel weder Zweckessen, weoer Ehornbecher, noch derartige Demonstrationen einlragen, das ist ganz -vaS A ivereS. Aber wir haben große Ah»»ngeii, eS gebe anch^olche, welche ein stark Wort gegenüber Dem armen Mannn haben, ein ordentlich schweißtreibend Wort, unv die Hätteir wiederum einen sehr starken Scharwenzel gegenüber von Regenten und absonderlich von hohen Damen, welche gewöhnlich Theil gi» Regeren haben, wennauch