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Zweite Beilage zur Freien Zeitung.

JVo 20O* Wiesbaden, den 7. December 1831.

Die Krisis in Frankreich.

a Wiesbaden , 7. Dezember, Mittags. Die diesen Morgen eingetroffenen Frankfurter Blätter bringen nichts Neues von Belang, das Unsern Kesern nicht bereits gestern Abend und diesen Morgen mitgetheilt wäre. Auch die letz- ten Depeschen derKöln. Ztg." (zweite Ausgabe, Köln, 6. Dezember^gehen nur so weit, wie unsere gestrigen Mitthei- lungen aus Brüssel. DieKöln. Ztg." bemerkt, daß sie nur eine einzige Originalkorrespondenz vom 4. erhalten habe, worin die bemerkenswerthesten Stellen sind:Die gestrigen Scharmützel (vom 3. Dezember) dauerten bis heute Morgens um 2 Uhr, und wurden um 7 Uhr^ wieder ausgenommen in den Quartieren von St. Denis , St. Martin und Temple. Die Zahl der Verwundeten soll noch unbedeutend sein; man hat sie, wie man erzählt, in verdeckten Fouragewagen abge- führt, um sie dem Anblick des Publikums zu entziehen. Um 10 Uhr schien die Ruhe hergestellt, allein seit 11 Uhr wer­den wieder unzählige Barrikaden aufgebaut, ohne daß die bewaffnete Macht eingeschritten wäre. Es scheint, daß inan die Insurgenten in eine Falle locken wollte, um den Aufstand mit Einem Schlage zu bewältigen. Um 4 Uhr hat man die Barrikaden anzugreifen begonnen, und man kann sich nicht verhehlen, daß cer Armee der Sieg bleiben wird. ~ Der Plan der Insurgenten scheint zu sein, den Aufständ en die Länge zu ziehen, um die Truppen zuvörderst zu ermü­den und durch aufregende Zwischenfälle die Bourgoisie _ in den Kampf bereinzuziehen, worauf die Truppen hie und da abfal­len und der Revolution den Bieg verschaffen würden. Der Ea s- sationshof hat seinen Beschluß, welcher den Prä­sidenten in Anklagezustand versetzt, von den Huissiers einregistriren lassen; die Register wur­den jedoch von der öffentlichen Gewalt z e r r i i - sen. - Die im zehnten Bezirk verhafteten Volksvertre- ter sind heute ohne Bedingung entlassen worden."

Die telegraphischen Depeschen, welche dieKöln. Ztg. an der Spitze ihres Blattes bringt, enthalten manches offen- ,bar nur auf Gerüchten beruhende; sie lauten, Brüssel, 5. Dezember, Mittags. Aus Paris vernehmen wir, daß im .Elysee beschlossen ist, , den Volksdescpluß durch geheime Ab­stimmung feststellen zu lassen. Einem Gerüchte zufolge er­klär! sich Lyon gegen den Staatsstreich. (?) Das Telegra- vben-Bureau zu Paris verweigert die Annahme von De­peschen an Privatpersonen.(I) 8 Uhr Abends. Aus Paris Nnd keine Privat-, nicht einmal Börsen -Depeschen heute Abends hier eingetrvffen. Die an die Regierung gelangten Depeschen reichen bis heute (Freitag) Nachmittags 3 Uhr. Zufolge denselben ist der Aufstand zwar völlig unterdrückt, .jedoch werden noch fortwährend, wohl nur um die Truppen zu ermüden, neue Barrikaden aufgeführt, aber von den Auf­rührern schwach vertheidigt. Auch die weiteren Nachrchten aus den Departements lauten fortwährend günstig. (^Dage- .gen wird die geheime Abstimmung in Betreff des Volksbe- Muffes als ein offenbares Zurückgehen betrachtet. Viele

höhere Offiziere, Präfekten und Ober-Beamten reichen ihre Entlassung ein. Als Gerüchte waren in der französischen Hauptstadt verbreitet, der Präsident Louis Napoleon sei vor den hohen Gerichtshof vorgeladeu, so wie daß General Castellane in Lyon und General Neumayer in Nantes sich gegen den Präsidenten der Republik erklärt hätten." Der Polizei-Präfekt hat in Betreff der Zusammenrottung unterm 3. Dez. folgende Verordnung erlassen:1. Jede Zu- sammenrottung ist streng untersagt. Sie wird unverzüglich durch die Gewalt zerstreut werden. 2. Jedes aufrührerische Geschrei, jedes laute Lesen, jedes Anheften einer politischen Schrift, die nicht von einer regelmäßig konstituirten Behörde ausgeht, sind gleichfalls untersagt. 3. Die Agenten der öffentlichen Macht werden die Vollziehung dieser Verordnung überwachen." Der Kriegsminister hat folgenden Aufruf erlassen:Bewohner von Paris! Die Feinde der Ordnung und der Gesellschaft haben den Kampf begonnen. Nicht gegen die Negierung, nicht gegen den Erwählten der Nation kämpfen dieselben; aber sie (?) wollen Raub und Zerstörung. Mögen die guten Bürger sich vereinigen im Namen der Gesellschaft und der bedrohten Familien. Bleibet ruhig, Bewohner von Paris! Keine unnützen Neugierigen in den Straßen: sie hindern die Be­wegungen der tapfern Soldaten,_bie Euch mit ihren Bayo- netten schützen. Was mich betrifft, Ihr werdet mich stets unerschütterlich in dem Willen finden, Euch zu vertheidigen und sie Ordnung zu handhaben, DieserAufruf ist von folgendem bereits erwähnten Secret begleitet:Der Kriegs­minister verfügt in Betracht des Gesetzes über den Belage­rungs-Zustand : Jeder, der beim Ban ober der Vertheidi­gung einer Barrikade oder mit den Waffen in der Hand ergriffen wird, verfällt den strengsten Kri egsge setzen. Der Polizeipräfekt hat Morgens bte' nachstehende Proklama­tion in den Straßen anschlagen lassen:Einwohner von Pa­ris! Gleich uns wünscht ihr Ordnung und Frieden; gleich uns seid ihr ungeduldig, mit jener Handvoll Meuterer fertig zu werden, welche gestern die Fahne des Aufstandes erhoben haben. Ueberall hat unsere muthige und furchtlose Armee sie geworfen und besiegt. Das Volk ist gegen ihre Aufreizun­gen taub geblieben. Es gibt nothwendige, durch die öffent­liche Sicherheit gebotene Maßregeln. (?) Der Belagerungszu* stand ist dekretirt. Der Augenblick ist gekommen, die stren­gen Maßregeln desselben anzuwendrn. In Ausübung der uns ertheilten Vollmachten verfügen wir, der Polizeiprâsekt: Art. 1. Die Cirkulation ist allen öffentlichen und Privat- Fuhlwerken untersagt. Eine Ausnahme wird nur gestattet : werden zu Gunsten jener Fuhrwerke, welche zur Beschaffung von Lebensmitteln für Paris und zum Transport von Ma­terial dienen. Art. 2. Das Stehenbleiben von Leuten auf den Straßen und die Bildung von Gruppen sind unbedingt untersagt. Man wird letztere, ohne Aufforderung, durch die Waffen zeistreuen. Mögen die friedlichen Bürger zu Hause bleiben. Die Verletzung der angeordneten Maßregeln wirb mit ernster Gefahr verknüpft sein. Paris, 4. Dez. 1851- De Maupas." Nachmittags ward noch folgende Mit­theilung des Ministers des Innern in den Straßen ange- f