Kühnheit wurden die obersten Staatsämter bekanntlich in letzter Zeit von allen zweifelhaften Persönlichkeiten gereinigt 11111 durchaus ergebene Werkzeuge in der Polizei, den Präfekturen, der Armee und der Nationalgarde von Paris zu gewinnen. Die herausfordernden Artikel des „Constitutionnel" und die Drohreden des Präsidenten lieferten den Kommentar dazu. Die Ordnungspartei war entschlossen, sich nicht ohne Kampf den Kappzaum über den Kops werfen zu lassen und ihr Hauptorgan, die „Ordre" vom 1. Dez. kündigte eine große Debatte an, um das Land in Kenntniß zu setzen. Am Nachmittag des 1. Dez. bemerkte man, wie ein Korrespondent der „Köln. Ztg." schreibt, viel Gensdarmerie zu Pferde auf den Boulevards und konnte sich ihre bleibende Gegenwart daselbst nicht anders, als eben durch einen kleinen Anfang zu einem großen Staatsstreiche erklären, „da ein Aufstand der Rothen (!?) in Paris , welchen die Präfekten in den Provinzen im Auftrage der Negierung gefürch- t.t und ihre Besorgnisse auch mitgetheilt haben" nicht zu erwarten stand. Diese Erklärung machte man sich nicht nur auf den Boulevards, sondern selbst in der Kammer , und hier war man vielleicht über die Entwicklung dieser Reiterei ohne Zweck, wenigstens ohne bekannten Zweck, noch unruhiger, als auf den Boulevards, wo die Ünthätlgkklt der bewaffneten Macht zum Theil die Besorgnisse vorläufig" beschwichtigte. Um aller Ungewißheit ein Ende zu machen, beorderten die Quästoren einen Obersten dcs Postens in der Nakional- Versammlung, damit er die feindliche Macht auf den Boulevards recognoscire und, wo möglich, über denen Kriegsplan etwas Genaueres erfahre. Bald darauf kam der Oberst von seiner RecogupÄrrung zurück und überbrachte die beruhigende Nachricht, daß die ausgestellte Streitmacht an sich nicht beuniuhigend und ihr Zweck überdies ein sehr friedlicher sei. Es seien das nämlich lauter Estaffetten, welche dem Polizeipräfekten durch ihre große Anzahl einen Telegraphen ersetzen und schnell über das Ercigniß der Wahl (!) Auskunft geben sollten!? „Hr. Maupas", setzt der Korrespondent hinzu, „hat diesen Versuch wahrscheinlich nicht bloß für die gegenwärtige Wahl, sondern vorzugsweise im Hinblicke auf die Zukunft gemacht, um zu erfahren, in welcher Zeit man durch einen zuverlässigen Telegraphen auf der Präfektur die Ergebnisse in den einzelnen Sektionen konzentriren könne. Wie dem nun sein mag, jedenfalls hat man auf den Boulc- vardö und in der Kammer wieder einmal die Gefahr eines Staatsstreiches glücklich überstanden." -- So glaubte man am Montagnachmittage. Bemer- fenswerth ist noch, daß der Finanzministcr seit mehren Tagen mit der Bank wegen einer Anleihe von 25 Millionen verhandelte. Die Bank war zwar froh, ihre brach liegenden Kapitalien fruchtbar zu machen, nullst desto weniger hatte sie ernste Schwierigkeiten gegen den Antrag des Herrn v. Eafabianca erhoben. Sie verlangte besonders die Zusicherung, daß die Regierung keine Maßregeln beantrage oder unterstütze, welche die Staatseinkünfte schmälern könnten. Der Minister konnte der Bankdirektion diese Zusicherung nicht geben, ohne vorher mit dem Präsidenten der Republik darüber fonferirt zu haben, welcher Herrn V. Eafabianca ermächtigte, der Bank zu versichern, daß „in diesem Augenblicke" keine Maßregel der Art von der Regierung angeregt, noch unterstützt zu werden tm Plane sei. Die Bank hatte namentlich gegen die Aufhebung der Getränkesteuer, wie gegen die Aushebung ter Stadtzölle, bei welcher der Staatsschatz ebenfalls beteiligt ist, sich verwahrt.— Auch das Erscheinen einer sehr anprelsenden Biographie Joinvilles, das grade am Montag erfolgte, verdient in dem Bilde erwähnt zu werden, nicht minder das Erscheinen einer
mit fürchterlicher Gewalt auf das Boot losschoß, es zwischen seine ungeheuren Kinnbacken nahm und es in Stücke nicht größer als ein gewöhnlicher Stuhl zermalmte. Kapitän Dcblâ eilte sofort mit dem andern Boot herbei und es gelang ihm wider alles Verhoffen die gesammte Mannschaft — 9 Mann — die sich ins Wasser gestürzt hatte, zu retten. Es befanden sich nun I 18 Mann im Stenerbordboot. Von dem Schiffe aus war man Zeuge des Vorfalls gewesen und hatte ein ; Boot zu Hülfe geschickt. Die Entfernung vom Schiff betrug etwa 6 Miles. Sobald das Hülfsboot ange- I kommen war, verheile der Kapitän die Mannschaft in beide Boote und beschloß einen neuen Angriff auf den Wallfisch. Die beiden Boote trennten sich und fuh- 5 ren in einiger Entfernung, wie das üblich ist, dem Thiere nach. Das Hülfsboot von dem Steuermann geführt, ) war voran. Kaum hatte der Wallfisch aber gemerkt, daß » man ihn verfolge, als er sich abermals umwandte, mit ge- ' waltigen Sätzen heranstürmte, das Boot in seinen i Rachen packte und zu Atomen zermalmte. Die Mannschaft hatte kaum Zeit ins Wasser zu springen. Zum ] zweiten Male eilte Cap Deblois, trotz der Gefahr, ; das Schicksal seiner Gefährten theilen zu müssen, ihnen t* zu Hülfe und er hatte wieder diel Freude, Alle zu retten. Dann befahl er, rasch nach dem Sch!ff zurückzu- fahren. Das Boot war aber kaum gewendet, als man auch das Seeungeheuer mit weitgeöffnetein Rachen herankommen sah. Zum Glück schoß es in einiger Entfernung vorbei und das Boot erreichte unversehrt v das Schiff. Nachdem der Capitän die Ruder der zer« ä störten Boote zurückholen lassen, beschloß er, dem Wall- fisch mit dem Schiffe zu folgen. In kurzer Zeit hatte „ man ihn kingkholt und es ward ihm ein Speer in den
anonymen, doch Gramer de Cassagnac zugeschriebenen Flugschrift, worin dem Parlamente gradezu der Prozeß gemacht und die Revision der Verfassung als un» erläßlich hingestellt wird. An Perrots Stelle war General von Lawoestine zum Befehlshaber der Nationalgarde ernannt; Vciyraö Ernennung hatte unter den Offizieren der Nationalgarde großen Unwillen erregt, 17 Offiziere hatte» am Montag bereits ihre Demission gegeben.
In der französichen Nationalversammlung am 1 Dez. erhielt zuerst Leo de Laborde (von den jungen Rechten) das Wort, um sich über die Weigerung des Präsidenten Dupin, seinen Vorschlag zur Wiederherstellung der legitimen Monarchie nur anzunehmen , zu beschweren. Da die Revifionsfrage, meinte er, unter derselben nichtssagenden Formel wieder ausgetreten sei, wie bei den vorigen Debatten, so habe er sich veranlaßt gefunden, einen Vorschlag abzufassen, der deutlich aus- drücke, was sein Zweck sei. Denn Jeder müsse sagen, was er wolle, und er sei Einer von denen, welche die Ueberzeugung hegen: Wenn man die Republik verläßt, so ist cs die legitime Monarchie, wohin man zurückkehren muß! Aus diesem Grunde habe er einen Vorschlag eingereicht, den er für verfassungögemaß gehalten habe und worin er die Einberufung einer Constituiren- den in den vorgefchricbcnen Formen und Bedingungen beantrage, die sich darüber aussprechen solle, ob nicht zur traditionellen und erblichen Monarchie zurückznkch- ren sei. Der Redner läßt beiläufig einige beißende Worte gegen Dupin fallen, der sich vor 36 Jahren für einen Anbeter der Legitimität erklärt habe und durch die Annahme des Vorschlages doch unmöglich sei e Verantwortlichkeit mehr compromittirt haben würde, als durch sein Schweigen bei der Rede von Dijon, worauf Dupin entgegnete: „Ich bin nicht unter der Republik zum Präsidenten ernannt worden, um zur Rückkehr zur Monarchie die Hand zu bieten. Die Nichtachtung der bestehenden Gesetze führt direct zur Anarchie. Der Vorschlag ist ein radikaler Umsturz der in Kraft der Verfassung eristirenden Ordnung der Dinge. Wenn Sie Sich auf eine solche Verletzung der Gesetze einlasscn, so gehen Sie in der Anarchie unter." Die Versammlung gab der Ansicht ihres Präsidenten Recht, indem sie den Uebergang zur einfachen Tagesordnung votirte, wobei jedoch die Legitimisten sitzen blieben.
Mittags. Eine an ein Frankfurter Haus gelangte Depesche aus Paris, 2. Dez., Abends 8^ Uhr, bestätigt die Auflösung der National Versammlung am Jahrestage der Schlacht bei Austerlitz, den Belagerungszustand und meldet das Fallen der Rente um 2 Frs. Das Fallen der Kurse in Frankfurt war gestern viel bedeutender: Wiener Bankaktien, die am 2. Dez. 1125 standen, fielen am 3. auf 1100; 5pCt. Met. fielen von 71 % ans 68; Span. 3p Ct von 36 auf 32 — Die Berliner „Lith. Corr." bringt Folgendes: „1) LouiS Napoleon an der Spitze der Regierung; die Armee (nämlich in Paris!) für ihn; 2) die Nationalversammlung aufgelöst; 3) Changarnier verhaftet; 4) Paris in großer Gährnng. — Der Eindruck, den die Nachricht (in Berlin) macht, ist ein sehr bedeutender." — Nach andern Nachrichten war das Volk von Paris zu Comitien (Urversammlungen) zusammenberufen. Auch soll ein ganz neues Ministerium, noch viel bonapartistischer, als das seitherige, gebildet sein.
* Wiesbaden, 4. Dez. Das Wiener Kabinet war gut unterrichtet über Louis Bonapartes Pläne. Seit Wochen schon zogen laut der „Fr. Sachsen-Ztg." in aller Stille bedeutende Truppentransporte und Geschütze, jedoch um Aufsehn zu vermeiden, vereinzelt nach Süden, und schon am 29. Nov. wußte man in Wien, daß die Negierung ein Korps an der römischen Grenze,
Kopf geworfen. Das Schiff lief bei ihm vorüber, alsbald ward man aber gewahr, daß er auf das Schiff zuschwamm. Man lüvte auf und ließ den Walisisch passiren; dann setzte man ihm nach, um ihn von Neuem anzugreifen. Als man sich ihm bis auf etwa 50 Ru- then genähert hatte, fand man, daß er tief unters Wasser gegangen war und da cs inzwischen Abend geworden, gab man die Verfolgung auf. Capitän Deblois stand auf dem Backhord-Bug, die Waffe in der Hand und bereit, dem Ungeheuer den Todesstoß zu versetzen, wenn es wieder jum Vorschein kommen sollte. Das Schiff machte etwa fünf Knoten. Da bemerkte er, wie der Wallfisch mit der Geschwindigkeit von mindestens fünfzehn Knoten heranschoß! Einen Augenblick später, nnd es erfolgte^ ein Stoß von so fürchterlicher Gewalt, daß das Schiff vom Spiegel bis zum Vorsteven krachte, als wenn es auf einen Felsen gelaufen wäre. Capt. Deblois eilte in die Back und fand dort zu seinem Entsetzen, daß der Wallfitch das Schiff etwa 2 Fuß vom Kiel in der Gegend des Fockmasts getroffen und ein großes Loch ganz durch den Boden geschlagen hatte, durch welches das Wasser rauschend einströmte. Er sprang aufs Deck und befahl dem Steuermann, die Anker abzuschneiven und die Kabeltaue über Bord zu werfen um das Schiff, das eine bedeu- teude Quantität Roheisen geladen hatte, länger über Wasser zu halten; es gelang dies indeß nur mit einem Anker und Tau, da die übrigen um den Fockmast befestigt waren. Das Schiff sank mit reißender Schnelligkeit. In die Cajüte hinabsteigend fand der Capitän bereits drei Fuß Wasser, doch konnte er noch einen Chronometer, Sertanten und eine Seecharte Hinweg- nehmen. Wieder aufs Deck gelangt, befahl er, die
eins in Südtyrol und eins im Vorarlberg, nm es ge gen Frankreich vorzuschieben, sammele.
Deutschland.
0 AZiesbaden, 4. Dez. Heute stand Philipp Jakob Muth von Catzenellenbogen vor den Assist», des ausgezeichneten Diebstahls angeklagt. Dieser kaum 14 Jahre alte Knabe hat sich in diesem jungen Alter schon 2 solcher Vergehen schuldig gemacht, von denen er das erste zu Catzenelleubogen in dem Hause des Anton Weiß II. verübte. Während sich nämlich dieser und seine Frau aus dem Hause entfernt hatten, sodaß nur noch ihr 9jähiger Sohn darin zurückblieb, erbrach der Angeklagte darin ein Wandschränkchen, in welchem sich fünf 5-Guldcnscheine, etwas baares Geld und andere Gegenstände, wie Quittungen rc. befanden, und entwendete einen 5-Guldenschein, ein Pulverhorn, ein Pettschaft und einen Uhrschlüffel daraus. Der Sohn des Weiß meldete nun, nachdem Viuth sich entfernt hatte, seiner Mutter, welche auf dem Felde arbeitete, daß der Angeklagte, dem Niemand recht traute, allein in ihrem Hause gewesen sei. Auf deren Verlangen untersuchte auch sihr Mann bei seiner Rückkehr sein- Zimmer und fand, daß außer dem aus dem Wandschränkchen Entwendeten ihm auch noch ein silbernes Kettchen im Werthe von 2 fl., welches an einer Pfeife befestigt gewesen war, fehle.
Den 2. Diebstahl verübte Muth in Ebertshausen, wo er dem Knechte des daselbst wohnhaften Oekonomen Bauer II. eine Pistole, im Werthe von 1 fl. 12 kr., entwendete. Er hat in der Haft erst nach langen Umschweifen und Leugnen seine Schuld eingeständen, was er auch heute vor den Assisen wieder thut. Da der Angeschuldigte, wie schon gesagt, Alles einge- ftanden hat und also über den wirklichen Bestand seines Verbrechens kein Zweifel sein konnte, war nur zu entscheiden, ob er den gehörigen Bildungsgrad besaß, um hinlänglich geistig zurechnungsfähig zu sein. Diese Frage, welche sich auch schon sattsam aus den früheren und dem heutigen Verhöre ergibt, beantworten die Geschworenen mit Ja und sprechen damit ihr Schuldig, aus. Demgemäß wird Muth zu 2 Monaten Korrektionshaus verurtheilt.
Mit der heutigen Sitzung sind die Assisen des 4. Quartals des Jahres 1851 beendigt.
& Biebrich, 4. Dezbr. Bezüglich des in Ihrem Blatte unlängst gebrachten Referates eines dahier aus- gebrochenen Brandes diene als .Berichtigung, daß derselbe nicht im Gasthause zur Krone, sondern in einem anstoßenden Nachbargebäude des gedachten Gasthauses stattgefunden hat.
Frankfurt, 4. Dez. (Fr. I.) Sämmtliche Mannschaften (Infanterie nnd Cavallerie) der unsere Garnison bildenden Bundestruppen erhielten gestern Abentz. per Mann 40 scharfe Patronen; auch die Artillerie wurde mit gehöriger Munition versehen.
Gotha, 1. Decbr. (O.P.AZ.) Dec Landtag ist heute wieder eröffnet worden, und zwar mit der Vorlage des neuen Staatsgrundgesetzes. Das begleitende Decret erklärt, daß die Landesregierung es verziehe, nur im Wege der Vereinbarung mit der Landesvertre- tung die neue Verfassung ins Leben zu rufen; jedoch auch besonders nach der in Koburg bereits erfolgten Enblocimhme auf schnelle Erledigung hoffe. Man beschloß die gesammte Vorlage einem Ausschüsse zu übergeben. Als nach diesem Beschlusse ein Mitglied beantragte, daß die Staatsregieruiig um Mitheilung der zwischen ihr und der Bundesversammlung ergangenen Acten bezüglich der Aufhebung der Grundrechte und der anzubahnendcn Uebereinstimmung der Landesver-
Boote Hinabzulaffen und Wasser und Lebensmittel ein« zunehmen, da das «Schiff schon zu kentern begann. Zum zweiten Mal begab er sich in die Cajüte, das Wasser war aber so hoch gestiegen, daß er nichts mehr mitnehmen konnte. Inzwischen hatte sich die ganze Mannschaft in die Boote begeben; der Capitän blieb bis zuletzt auf dem Schiff, sprang dann ins Wasser und schwamm zu dem nächsten Boot. Das Schiff hatte sich nun ganz auf die Seite gelegt; die Bramsegel- raen tauchten ins Wasser. Die Boote entfernten sich rasch von ihm, da man erwartete, daß es in kurzer Zeit Unterstufen würde. Leider hatte man nur zwölf Quart Wasser und nicht einen Bissen Lebensmittel geborgen. Die Boote enthielten jedes eilf Mann; sie waren leck und mußten die ganze Nacht ausgeschöpft werden. Am nächsten Morgen fuhr man zu dem Schiff zurück, das noch nicht untergesunken war. Der Capitän, der sich allein hinaufwagte, kappte die Masten; das Schiff richtete sich wieder auf und die übrige Mannschaft kam auch herbei und suchte durch Einschlagen des Decks zu den Lebensmitteln zu gelangen; doch kounte man sich nur einige Gallons Weinessiig und 20 Pfund feuchtes Brod verschaffen. Länger in der Nähe zu verweilen war nicht ratsam, da das Schiff jeden Augenblick unterzugehen drohte.
Am 22. August halte man die unaussprechliche Freude, ein Schiff wahrzunehmen. Man machte Nothsignale, die von dem Schiff — es war die „Nantucket" aus Nantucket (Mass.), Capt Gibbs — beantwortet wurden. In kurzer Zeit kam es heran und nahm die gesammte Mannschaft bei beiden Boote an Bord, die
I es dann am 15. September glücklich in Paita gelandet hat.